Kronen/Brücken


Mit digitaler Abformung als Team noch effektiver

02.06.2010


Indizes: Digitale Abformung, CEREC Connect, Modellherstellung,

Stereolithographie (SLA)

Von der digitalen Abformung profitieren nicht nur Zahnärzte und Patienten, sondern auch Zahntechniker – besonders im täglichen Arbeitsablauf im Dentallabor und in der Kommunikation mit der Praxis. Anhand exakter Abformdaten, die online an das Labor übermittelt werden, können auf Grundlage virtueller Modelle präzise Restaurationen mithilfe moderner Verfahren aus der Industrie gefertigt werden.

Zahnarzt und Zahntechniker arbeiten Hand in Hand. Sie sind darauf angewiesen, dass ihnen der Partner professionell zuarbeitet. Nur durch die aufeinander abgestimmten CAD/CAM-Komponenten und gute Teamarbeit wird ein perfektes Ergebnis erzielt. Neben der Präparation ist immer noch der Abdruck die Arbeitsgrundlage der zahntechnischen Arbeit, mit einem Unterschied: Der Zahnarzt liefert an Stelle des konventionellen Abdrucks die digitale Abformung, sowie den elektronischen Auftrag via Internetportal. So werden alt bekannte Fehlerquellen ausgeschaltet, die sich – für den Zahntechniker oft kaum erkennbar – bei herkömmlichen Verfahren einschleichen und die Qualität gefährden konnten, etwa Dimensionsverzüge, Elastomerschrumpfung, Lager- und Transportschäden. Das ist für alle Seiten von Vorteil und der Patient profitiert zusätzlich davon, dass für ihn der unangenehme Abdruck entfällt.

Klassische Arbeitsteilung bei besserer Kommunikation

Um diese Fehlerquellen auszuschließen und das Zusammenspiel zwischen Praxis und Dentallabor zu harmonisieren, entschlossen wir uns für den Einsatz von CEREC Connect (Sirona, Bensheim). Die Internetplattform ermöglicht es, Datensätze von digitalen Abformungen in Form virtueller 3D-Modelle von der Praxis ins Partnerlabor zu senden. Dadurch bleibt die klassische Arbeitsteilung erhalten: Der Zahnarzt konzentriert sich auf die Behandlung und überlässt dem Zahntechniker die Herstellung der Restauration. Vorteilhaft für die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, dass beide Partner über die gleiche Arbeitsgrundlage verfügen. Sie können sich bei Bedarf noch im Beisein des Patienten über Besonderheiten des Falls telefonisch austauschen und gegebenenfalls mit weiteren Aufnahmen für Klarheit sorgen. Da beide mit der gleichen CAD/CAM-Technologie und kompatiblen Komponenten arbeiten, wächst auch das gegenseitige Verständnis.

 

  • Abb. 1:Gleich beim Öffnen eines digitalen Auftrags aus dem CEREC Connect-Portal, hat das Labor den Überblick über den Auftragsstatus der Arbeit.
  • Abb. 2: Dieser Auftragszettel kann ausgedruckt werden. Er beinhaltet alle nötigen Informationen und begleitet so die Arbeit im Labor bis zum Versand.
  • Abb. 1:Gleich beim Öffnen eines digitalen Auftrags aus dem CEREC Connect-Portal, hat das Labor den Überblick über den Auftragsstatus der Arbeit.
  • Abb. 2: Dieser Auftragszettel kann ausgedruckt werden. Er beinhaltet alle nötigen Informationen und begleitet so die Arbeit im Labor bis zum Versand.

  • Abb. 3: Aus CEREC Connect kann der Zahntechniker bei Infini-Dent ein Stereolithografie-Modell bestellen.
  • Abb. 3: Aus CEREC Connect kann der Zahntechniker bei Infini-Dent ein Stereolithografie-Modell bestellen.

Fallbeschreibung

Wie das im Einzelnen funktioniert zeigt der Fall eines 42-jährigen Patienten, für den wir im Rahmen der Erprobung eine 5-gliedrige Brücke angefertigt haben. Wir erhielten wie üblich eine Information per Mail, als der Auftrag über CEREC Connect erteilt wurde. Nach dem Download der Daten, zu denen das virtuelle Modell sowie der digitale Auftragszettel mit Angaben zu Restauration, Zahnfarbe, Keramikwerkstoff, Anatomie und Funktion gehört, prüfte ich die Daten und nahm kurz Kontakt zum Zahnarzt auf, um den Auftrag zu bestätigen und Besonderheiten im Zusammenhang mit Wandstärken, Kauflächengestaltung, Kontaktpunkten und Individualisierung zu besprechen (Abb. 1 bis 3).

Fehlerfreies Verfahren aus der Industrie

Ganz ohne Modell kamen wir in dem vorliegenden Fall nicht aus. Der Zahntechniker benötigt für das Aufpassen der Restauration und die Überprüfung der Okklusion eine präzise Kopie des Patientengebisses. Das SLA-Modell wird auf der Datenbasis des virtuellen 3D-Modells hergestellt, das der Zahnarzt zuvor via CEREC Connect ans Labor übermittelt hat. Sind alle Daten einwandfrei, kann der Zahntechniker dieses 3D-Modell wiederum über CEREC Connect an das Fertigungszentrum von Sirona senden und das Modell aus speziellem Acrylatkunststoff bestellen. Dieser Kunststoff erfüllt alle Anforderungen an ein zahntechnisches Modell. So ist etwa die Farbgebung darauf abgestimmt, dass bei der Verblendung keine Lichteffekte erzeugt werden, die das Endergebnis optisch verfälschen. Außerdem besitzt das Acrylatmodell genügend Festigkeit, ist abdampfbar und nach Aushärtung formstabil. Bei CEREC Connect wird dieses Modell mittels Stereolithographieanlage (SLA) erstellt, einer dreidimensionalen Drucktechnik aus der Industrie, mit der Prototypen anhand von CAD-Daten gefertigt werden. Das Werkstück wird bei diesem technischen Prinzip durch frei im Raum materialisierende Rasterpunkte mithilfe eines UV-Lasers aufgebaut, der den lichtempfindlichen Acrylatkunststoff in dünnen Schichten aushärtet.

Der Vorgang läuft in einem Bad aus Basismonomeren des flüssigen Kunststoffes ab. Ist eine Schicht ausgehärtet, wird das Werkstück einige Mikrometer in die Flüssigkeit abgesenkt und auf die Ausgangsposition zurückgefahren, die um eine Schichtstärke unter der vorherigen Position liegt. Nach dem Aushärten wiederholt sich die Prozedur, sodass nach und nach ein Modell entsteht (Abb. 4 und 5).

Vom Auftragseingang bis zur Auslieferung des Modells an das Dentallabor vergehen zwischen 48 und 72 Stunden. Die SLA-Modelle entsprechen nach meiner Erfahrung exakt den übermittelten, virtuellen Abformungen (Abb. 6). Im Umkehrschluss bedeutet das: Das Modell ist so gut wie der Datensatz! Ein fehlerfreier Datensatz ist also der Schlüssel zum Erfolg. Abschließend kann der Zahntechniker die bereits fertig ausgeschliffene und gegebenenfalls gesinterte Restauration auf dem Modell aufpassen und fertig verblenden.

  • Abb. 4: Ein UV-Laser projiziert Schicht für Schicht die Modelldaten auf photopolymerisierenden Acrylatkunststoff.
  • Abb. 5: Der Kunststoff härtet bei der Laserbestrahlung aus und verschmilzt mit dem bereits aufgebauten Werkstück, bis das physische Modell fertig ist.
  • Abb. 4: Ein UV-Laser projiziert Schicht für Schicht die Modelldaten auf photopolymerisierenden Acrylatkunststoff.
  • Abb. 5: Der Kunststoff härtet bei der Laserbestrahlung aus und verschmilzt mit dem bereits aufgebauten Werkstück, bis das physische Modell fertig ist.

  • Abb. 6: Innerhalb von 3 Werktagen erhält der Zahntechniker das Ganzkiefermodell, fertig auf Lochplatten gepinnt.
  • Abb. 7: Bukkale Registrierung von virtuellem Modell (oben in gelb dargestellt) mit dem Antagonisten (braun).
  • Abb. 6: Innerhalb von 3 Werktagen erhält der Zahntechniker das Ganzkiefermodell, fertig auf Lochplatten gepinnt.
  • Abb. 7: Bukkale Registrierung von virtuellem Modell (oben in gelb dargestellt) mit dem Antagonisten (braun).

Restauration erfolgt inhouse

Zusammen mit dem virtuellen Modell erhält der Zahntechniker die Auftragsdaten: Angaben zur Restauration, Zahnfarbe, Keramikwerkstoff, Anatomie, Funktion und Antagonisten-Abformung. Bei Bedarf kann er mit dem Zahnarzt über Wandstärken, Kauflächengestaltung, Kontaktpunkte und die Individualisierung beraten, um gleich darauf mit den vorliegenden Daten das Gerüst zu konstruieren.

Dazu wird der Patientenfall als Brücke angelegt und im ersten Konstruktionsschritt das spätere Material ausgewählt. Dadurch werden Mindestwand- und Verbinderstärken während der ganzen Bearbeitung in der Konstruktion automatisch angewendet. Es werden mit wenigen Mausklicks die Präparationslinien eingezeichnet. Aus den verschiedenen Zahndatenbänken wird nun ein zur Situation passender Musterzahn ausgewählt. Mit dieser Grundlage generiert die Software nun vollautomatisch den Erstvorschlag. Die bukkale Registrierung ist unser virtueller Artikulator, der die Relation von Präparationsmodell zu Gegenbiss sichert (Abb. 7).

Den vom System generierten Erstvorschlag kann man mit verschiedenen Tools noch virtuell nach eigenen Wünschen modellieren. Sind Form und Stellung fertig bearbeitet, wird im letzten Arbeitsschritt die vollanatomisch konstruierte Brücke um die gewünschte Verblendschichtstärke automatisch reduziert, da die Restauration individuell verblendet werden sollte.

Danach erfolgte der Ausschleifprozess in der Schleifeinheit inLab MC XL. Dazu verwendeten wir einen vorgesinterten yttrium-stabilisierten Zirkonoxid-Blank IPS e.max ZirCAD (Ivoclar Vivadent, Ellwangen). Anschließend wurde das Werkstück dichtgesintert und mit IPS e-max Ceram verblendet (Abb. 8 bis 10).

Ein SLA-Modell kann im weiteren Arbeitsprozess genauso behandelt und verwendet werden, wie ein gewohntes lägeschnittmodell. Es kann auch korrekt in einen volljustierbaren Artikulator übertragen werden. Mithilfe des Modells kann man das Gerüst kontrollieren und verblenden sowie Kauflächen, Kontaktpunkte zu Nachbarzähnen und Antagonisten justieren, Okklusion, Bisslage und Funktion einstellen und die Passung des Gerüsts prüfen.

  • Abb. 8: SLA-Modell ohne…
  • Abb. 9: …und mit Restauration.
  • Abb. 8: SLA-Modell ohne…
  • Abb. 9: …und mit Restauration.

  • Abb. 10: Perfekte Artikulation.
  • Abb. 10: Perfekte Artikulation.

Fazit

Nacharbeiten der klinischen Passung sind bei den CEREC Connect-Restaurationen, die wir bislang angefertigt haben, nie erforderlich gewesen. Brückenund Kronenkonstruktionen können aus voller Form reduziert werden und bieten so optimale Unterstützung für die Verblendkeramik. Mindestwandstärken werden nicht nur durch festgelegte Daten errechnet, sondern auch zu jeder Zeit der Konstruktion visualisiert. Die Modellierwerkzeuge sind dem Handling von Zahntechnikern nachempfunden. Aufgrund der digitalen Abformung sind die Arbeitsabläufe bei uns im Labor schlanker geworden. So verzichten wir etwa auf das Ausgießen der Abdrücke und Herstellen der Modelle, das Trimmen von Zahnkranz und Sockel, das Freilegen der Präparationsränder, das Separieren mit Sägeschnitten oder das Aufwachsen der Restauration. Wirtschaftliche Vorteile ergeben sich aus Kostenreduzierungen bei Material und Arbeitszeit. Die Arbeitsqualität ist sehr konstant, weil individuelle Abweichungen durch den Zahntechniker entfallen. Zudem kann man CEREC Connect auch als wichtiges Argument in der Kundenkommunikation verwenden, weil es verlässliche Ergebnisse in kurzer Zeit produziert.


VERWENDETE MATERIALIEN

Internetplattform:
CEREC Connect,
Sirona Dental Systems GmbH (Bensheim).
Schleifeinheit:
inLab MC XL,
Sirona Dental Systems GmbH (Bensheim)
Yttrium-stabilisierte Zirkonoxid-Blanks:
IPS e.max ZirCAD,
Ivoclar Vivadent GmbH (Ellwangen)
Verblendkeramik:
IPS e-max Ceram,
Ivoclar Vivadent GmbH (Ellwangen)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Sonja Ganz

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Sonja Ganz


Vom 30.11. bis  07. 12.2020 können Sie im Online-Shop von DENTAURUM Angebote entdecken und sparen. 

Profitieren Sie zusätzlich von 16% MwSt.! 

Hier geht's zum Shop

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite