Kronen/Brücken


Press-to-Technik: präzise, farbtreu und hochwertig


Indizes: CAD/CAM, Presskeramik, Press-to-Zirconia, Präzision,

Farbadaptation

Warum die Press-over-Technik keinesfalls als Billigvariante angeboten werden sollte, zeigt der Hamburger Zahntechnikermeister Marcel Unger am Beispiel zweier Molaren. In aufwändiger Technik, präzise hergestellt, integrieren sich die Kronen nach dem Einsetzen im Mund und adaptieren sich farblich an den Restzahnbestand.

Die 36-jährige Patientin war vor zirka 12 Jahren mit Goldinlays bestens versorgt worden. Vor acht Jahren musste Zahn 27 durch die Teilkrone hindurch wurzelbehandelt werden. Während der ersten Schwangerschaft vor sechs Jahren brach die bukkale Wand des Zahnes 27 ab. Sie konnte zwar provisorisch wieder hergestellt werden, aber eine Neuversorgung stand noch aus. In der zweiten Schwangerschaft vor drei Jahren tat sich ein tiefes Loch auf der Kaufläche zwischen Gold und Restzahnsubstanz auf. Dies musste auch provisorisch ersetzt werden. Nun steht die Neuversorgung der Zähne 26 und 27 an, denn die Karies war mittlerweile unter der provisorischen Füllung weiter gewandert und hatte den Zahn ausgehöhlt. Eine Wurzelbehandlung blieb ihr jedoch an diesem Zahn erspart.

Beratung und Vorarbeit

Da die Patientin selbst Zahntechnikern war und mit hochwertigen zahntechnischen Werkstoffen vertraut ist, fiel die Entscheidung zugunsten einer zahnfarbenen Lösung sehr schnell. Der Zahn 26 sollte mit einer Press-Teilkrone versorgt werden. Da auf 27 keine sichere adhäsive Verklebung garantiert werden konnte bot sich die neu im Sortiment ergänzende Press-to-Zirconia-Keramik von Heraeus Kulzer (Hanau) an, da diese konventionell zementiert werden kann. In der Zahnarztpraxis von Th. Lewandowski (Hamburg) wurden die alten Gold-Teilkronen entfernt und die Zahnstümpfe mit Aufbaufüllungen aufbereitet. Entsprechend der späteren Versorgung legte der Zahnarzt die Präparationsgrenzen neu fest. Dann erfolgte die Abdrucknahme. Für diese Präzisionsabformung war eine Individualisierung des Löffels unabdingbar (Abb. 1).

  • Abb. 1: Individualisierung des konfektionierten Löffels.
  • Abb. 2: Zahn 25, Farbe A2.
  • Abb. 1: Individualisierung des konfektionierten Löffels.
  • Abb. 2: Zahn 25, Farbe A2.

  • Abb. 3: Zahn 26 dunkler...
  • Abb. 4: ...in Richtung B3.
  • Abb. 3: Zahn 26 dunkler...
  • Abb. 4: ...in Richtung B3.

  • Abb. 5: Eingescannter Stumpf 27.
  • Abb. 6: Stumpf 27 in der virtuellen Modellsituation.
  • Abb. 5: Eingescannter Stumpf 27.
  • Abb. 6: Stumpf 27 in der virtuellen Modellsituation.

  • Abb. 7: Festlegen der Einschubrichtung.
  • Abb. 7: Festlegen der Einschubrichtung.

Vom Datensatz zur präzisen Kappe

Die Zahnfarbnahme erfolgte im Labor: Schneide A2 im Bereich 25 (Abb. 2); 26 ist am Körper dunkler (Abb. 3) und geht eher in Richtung B3 (Abb. 4). Die Modelle waren zu diesem Zeitpunkt bereits erstellt worden. Zahn 27 sollte eine Zirkoniumdioxid-Kappe erhalten, dazu wurde der Stumpf gescannt (Abb. 5) und in die virtuelle Modellsituation von OK und UK eingefügt (Abb. 6). Im Anschluss legten wir die Einschubrichtung und Präparationsgrenze fest (Abb. 7). Hinsichtlich des mesialen Kronenrandes entschieden wir uns für eine Keramikschulter, denn Zirkoniumdioxid würde zu opak erscheinen (Abb. 8). Mit den Press-over-Keramiken von Heraeus kann der Kronenrand sehr genau rekonstruiert werden. Die Abbildungen 9 bis 11 zeigen die fertig konstruierte Zirkoniumdioxid-Kappe auf dem Rechner. Nach Abschluss der Plausibilitätsprüfung (Abb.12) konnten die Daten an das Cara-Fräszentrum übermittelt werden (Abb.13). Nach Eingang der Zirkoniumdioxid-Kappe im Labor wurde die Passgenauigkeit geprüft. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie genau die Datensätze umgewandelt werden.

  • Abb. 8: Festlegen der Präparationsgrenze.
  • Abb. 9: Fertig konstruierte Zirkoniumdioxid-Kappe.
  • Abb. 8: Festlegen der Präparationsgrenze.
  • Abb. 9: Fertig konstruierte Zirkoniumdioxid-Kappe.

  • Abb. 10: Kappe in der virtuellen Modellsituation.
  • Abb. 11: 2D-Querschnitt, Käppchenstärke und Okklusionskontrolle.
  • Abb. 10: Kappe in der virtuellen Modellsituation.
  • Abb. 11: 2D-Querschnitt, Käppchenstärke und Okklusionskontrolle.

  • Abb. 12: Die Plausibilitätsprüfung.
  • Abb. 13: Der Datensatz ist fertig zum Versenden an das Fräszentrum.
  • Abb. 12: Die Plausibilitätsprüfung.
  • Abb. 13: Der Datensatz ist fertig zum Versenden an das Fräszentrum.

  • Abb. 14: Der Liner-Auftrag.
  • Abb. 14: Der Liner-Auftrag.

  • Abb. 15: Die gebrannte Krone auf dem Modell.
  • Abb. 16: Die modellierten Kronen.
  • Abb. 15: Die gebrannte Krone auf dem Modell.
  • Abb. 16: Die modellierten Kronen.

  • Abb. 17: Überprüfung im Artikulator.
  • Abb. 18: Zentrische Kontakte im Artikulator.
  • Abb. 17: Überprüfung im Artikulator.
  • Abb. 18: Zentrische Kontakte im Artikulator.

  • Abb. 19: Die Modellation wird für die Einbettung vorbereitet.
  • Abb. 20: Das Pressergebnis nach dem Ausbetten.
  • Abb. 19: Die Modellation wird für die Einbettung vorbereitet.
  • Abb. 20: Das Pressergebnis nach dem Ausbetten.

  • Abb. 21: Glanzbrand der Teilkrone 26.
  • Abb. 22: Malfarbenbrand Press-to-Zirconia Krone 27.
  • Abb. 21: Glanzbrand der Teilkrone 26.
  • Abb. 22: Malfarbenbrand Press-to-Zirconia Krone 27.

Die anatomische Aufgabe

Vor dem Überpressen der Zirkoniumdioxid-Kappe muss ein Liner aufgetragen werden (Abb. 14). Auf das Adhäsiv konnte bei diesem Verfahren verzichtet werden. Nach dem Linerbrand wurde die Kappe auf das Arbeitsmodell reponiert (Abb. 15) und die anatomische Form der Zähne 26 und 27 modelliert (Abb. 16). Nachdem alle Bewegung im Artikulator überprüft worden waren (Abb. 17 und 18) konnte die Modellation für die Einbettung vorbereitet, angestiftet und eingebettet werden (Abb. 19). Die Teilkrone 26 wurde mit der Heraceram Presspellet PK TS 2 gepresst. Für 27 wählten wir das Presspellet Heraceram Zirconia PtZ B. Bereits nach der Ausbettung konnte man sehr gut die Schulter am Zahn 27 erkennen (Abb.20).

  • Abb. 23: Fertige Arbeit auf dem Modell.
  • Abb. 24: Fertige Arbeit im Artikulator.
  • Abb. 23: Fertige Arbeit auf dem Modell.
  • Abb. 24: Fertige Arbeit im Artikulator.

  • Abb. 25: Die Kronen im Durchlicht.
  • Abb. 25: Die Kronen im Durchlicht.

Das ästhetische Finish

Das Aufpassen der Kronen und Einschleifen der Kontaktpunkte erfolgte in gewohnter Weise. Zum Abschluss setzte der Malfarbenbrand noch charakteristische Akzente (Abb. 21). Um den Halsbereich der Zirkoniumdioxid-Krone farblich intensiver zu gestalten kamen die in diesem System erhältlichen Malfarben BS-B, für die Höckerspitzen EN-pearl und für die Höckerabhänge EN-Opal zum Einsatz (Abb.  22). Alternativ können auch die normalen HeraCeram Malfarben verwendet werden. Die Kronen waren nun zum Einsetzen bereit (Abb. 23 bis 28). Dank der akribischen Vorarbeit des behandelnden Zahnarztes Th. Lewandowski (Hamburg) steht dem Einsetzen nichts mehr im Wege. Sowohl der Zahnarzt als auch die Patientin waren von der Passgenauigkeit und der Farbadaptation der Kronen überzeugt. Sie verschwinden förmlich im Mund.

  • Abb. 26: Die Kronen im Auflicht.
  • Abb. 27: Zahn 26, Passgenauigkeit vor der Verklebung.
  • Abb. 26: Die Kronen im Auflicht.
  • Abb. 27: Zahn 26, Passgenauigkeit vor der Verklebung.

  • Abb. 28: Kronen in situ.
  • Abb. 28: Kronen in situ.

Fazit: alles nur nicht billig

Wir bieten die Press-over-Variante nicht als günstige Lösung an, denn der Zeitaufwand bleibt der gleiche wie bei einer konventionell hergestellten Zirkoniumdioxid-Krone. Der große Vorteil liegt für mich zum einen in der Gestaltung einer zirkulären Keramikschulter und zum anderen in der präzisen Übertragung der Okklusionsgestaltung (ABC-Kontakte) bei funktionsgestörten Patienten.


VERWENDETE MATERIALIEN

CAD/CAM-Fertigung:
cara, Heraeus Kulzer (Hanau)

Presskeramik:
HeraCeram Press, Heraeus Kulzer

Press-to-Zircon-Keramik:
HeraCeram Zirconia PtZ, Heraeus Kulzer

Gips:
Giroform Alpenrock,
Amann Girrbach (A-Koblach)

Wachs:
Thowax Modellierwachs,
Thowax Cervicalwachs, Yeti Dental (Engen)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Marcel Unger

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Marcel Unger


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