Kronen/Brücken

Indizes: Überpressen, press&stain, press&veneer, Funktion, Wirtschaftlichkeit

Pressen oder schichten? Die richtige Kombination für ein individuelles Angebot

07.10.2009


Viele Patienten möchten sich ohne Wenn und Aber für hochwertigen Zahnersatz aus Zirkonoxid entscheiden. Oft spielt am Ende aber doch die Kostenfrage eine wesentliche Rolle. Eine gute Antwort des zahntechnischen Labors kann ein preislich und ästhetisch abgestuftes Angebot für die keramische Verblendung sein. Wie es den Patienten davon überzeugt, bei seiner ursprünglichen Werkstoffwahl zu bleiben, zeigt das folgende Beispiel.

Die Verblendung von Zirkonoxidrestaurationen kann in der klassischen Schichttechnik erfolgen oder in der Überpresstechnik. Auch umfangreiche Sanierungen wurden bereits unter Einsatz der zweiten Alternative durchgeführt. Als Vorteil stellt sich dabei die Modellation der Verblendung in Wachs dar: Ein Material, das jeder Zahntechniker kennt, das nicht schrumpft, nicht austrocknet und daher eine sichere Aufteilung der Räume und eine gute Kontrolle bei der Beurteilung von Zahnform und -stellung ermöglicht. Darüber hinaus kann einem zunächst zögerlichen Patienten unter Einbeziehung der Überpresstechnik ein preislich flexibles Angebot gemacht werden. Im folgenden Fall wird dargelegt, wie man umfangreiche zahntechnische Restaurationen ästhetisch sowie funktionell hochwertig und dennoch kostengünstig herstellen kann.

Die Falldarstellung

Unser Patient wies durch kariöse Defekte und insuffizente Kronen einen für ihn unbefriedigenden Zustand im gesamten Oberkiefer und im Seitenzahnbereich des Unterkiefers auf (Abb. 1). Die parodontale Gesundheit konnte jedoch als einwandfrei bezeichnet werden. Extraktionswürdige Zähne waren nicht vorhanden. Der Patient erklärte uns, dass er zwar an einer hochwertigen Restauration interessiert sei, diese jedoch in einem bestimmten Kostenrahmen liegen müsse.

Das behandelnde Team schlug daraufhin eine vollkeramische Versorgung mit Gerüsten aus Zirkonoxid vor. Grundsätzlich sollte die Verblendung in der Überpresstechnik erfolgen, wobei dort, wo es ästhetisch darauf ankam (Frontzahnkronen im Oberkiefer), eine Individualisierung in der Schichttechnik erfolgen sollte. Damit war der Patient einverstanden. Im Oberkiefer wurden die Zähne 14 bis 26 mit Einzelkronen und die Schaltlücke regio 16 durch eine Brücke von 15 auf 17 versorgt (Abb. 2). Im Unterkiefer erhielten die Zähne 45 bis 47 Einzelkronen, die Zähne 34, 44 Teilkronen, und die Schaltlücke im Bereich 35, 36 wurde durch zwei Implantate geschlossen (Abb. 3). Der Aufbau bestand aus zwei verblockten Zirkondioxidkronen (Abb. 4).

  • Abb. 1: Die klinische Ausgangssituation.
  • Abb. 2: Die Ausgangssituation im oBerkifer auf dem Sägemodell: Zähne 14 bis 26 sollen überkront, von 15 auf 17 eine Brücke gestaltet werden.
  • Abb. 1: Die klinische Ausgangssituation.
  • Abb. 2: Die Ausgangssituation im oBerkifer auf dem Sägemodell: Zähne 14 bis 26 sollen überkront, von 15 auf 17 eine Brücke gestaltet werden.

  • Abb. 3: Die Ausgangssituation im Unterkiefer nach Implantation auf dem Sägemodell: Die Zähne 45 bis 47 sollen überkront werden.
  • Abb. 4: Die benachbarten Implantate regio 35, 36 sollen mit verblockten Kronen versehen werden.
  • Abb. 3: Die Ausgangssituation im Unterkiefer nach Implantation auf dem Sägemodell: Die Zähne 45 bis 47 sollen überkront werden.
  • Abb. 4: Die benachbarten Implantate regio 35, 36 sollen mit verblockten Kronen versehen werden.

  • Abb. 5: Ober- und Unterkieferansicht...
  • Abb. 6: ...auf dem Modell zu Beginn.
  • Abb. 5: Ober- und Unterkieferansicht...
  • Abb. 6: ...auf dem Modell zu Beginn.

  • Abb. 7: Die Zirkonoxidgerüste im Unterkiefer auf dem Modell.
  • Abb. 8: Die Zirkongerüste im Pberkiefer auf dem Modell.
  • Abb. 7: Die Zirkonoxidgerüste im Unterkiefer auf dem Modell.
  • Abb. 8: Die Zirkongerüste im Pberkiefer auf dem Modell.

  • Abb. 9: Die Bissregistrierung im Artikulator.
  • Abb. 10: Die Bissregistrierung im Artikulator.
  • Abb. 9: Die Bissregistrierung im Artikulator.
  • Abb. 10: Die Bissregistrierung im Artikulator.

  • Abb. 11: Die Gerüste im Frontzahnbereich.
  • Abb. 11: Die Gerüste im Frontzahnbereich.

Das Procedere

Die genaue Herstellung folgte dem generellen Vorgehen. Dabei wurden jeweils zunächst Gipsmodelle hergestellt und diese im Scanner Cercon eye digitalisiert (Abb. 5 und 6). Die Gerüstmodellation erfolgte am Bildschirm. Die so erhaltenen Datensätze dienten als Input für die Fräseinheit Cercon brain, die als Output um zirka 30 Prozent vergrößerte Zirkonoxidgerüste lieferte. Sie schrumpften beim anschließenden Sintern auf die gewünschten Dimensionen (Abb. 7 bis 9). Nach der erfolgreichen Gerüstanprobe, einer Bissregistrierung (Abb. 10 und 11) und der exakten Kontrolle des Wax-up (Frontzahnstellung, Zahnform usw.) wurden nun alle Kronengerüste mit S-U Ceramo Carving Wachs übermodelliert (Abb. 12 bis 16). Im Frontzahnbereich erfolgte der Aufbau einer halbanatomischen Zahnform zur späteren Vervollständigung mit Schichtkeramik. Anschließend wurden alle in Wachs modellierten Kronen unter Verwendung des Cercon PressMaster-Muffelsystems in Zirkonoxid eingebettet und nach dem Ausbrennvorgang mit Cergo press gepresst (Abb. 17 bis 20). Dabei kamen gemäß der Zahnfarbenbestimmung geeignete „A3-Keramikrohlinge“ zum Einsatz (Cercon ceram press R). Nach dem Aufpassen der Kronen (Abb. 21 und 22) erfolgte im Allgemeinen eine Charakterisierung mit Malfarben, die durch Malfixierbrände abgeschlossen wurde (Abb. 23, 24). Speziell bei den Oberkiefer-Frontzähnen, bei denen ja praktisch nur ein Dentinkern modelliert worden war, wurde die Form im inzisalen Drittel mit Schichtkeramik ergänzt und dabei ästhetisch individualisiert (Abb. 25).

  • Abb. 12: Das Wax-up zur Formgestaltung der zu über pressenden Verblendung von okklusal im Oberkiefer...
  • Abb. 13: ... und im Unterkiefer.
  • Abb. 12: Das Wax-up zur Formgestaltung der zu über pressenden Verblendung von okklusal im Oberkiefer...
  • Abb. 13: ... und im Unterkiefer.

  • Abb. 14: Das Wax-up zur Formgestaltung der zu über pressenden Verblendung …
  • Abb. 15: ... von lateral/vestibulär...
  • Abb. 14: Das Wax-up zur Formgestaltung der zu über pressenden Verblendung …
  • Abb. 15: ... von lateral/vestibulär...

  • Abb. 16: ... und von frontal.
  • Abb. 17: Die Gerüste mit angestifteten Wachs-Übermodellationen.
  • Abb. 16: ... und von frontal.
  • Abb. 17: Die Gerüste mit angestifteten Wachs-Übermodellationen.

  • Abb. 18: Bereit für den Pressvorgang
  • Abb. 19: Die mit Verblendkeramik (Cercon ceram press) übergepressten Zirkonoxidgerüste …
  • Abb. 18: Bereit für den Pressvorgang
  • Abb. 19: Die mit Verblendkeramik (Cercon ceram press) übergepressten Zirkonoxidgerüste …

  • Abb. 20: ... nach dem Ausbetten und Reinigen.
  • Abb. 21: Die aufgepassten Restaurationen links im Oberkiefer-Seitenzahnbereich nach dem Aufpassen auf dem Modell.
  • Abb. 20: ... nach dem Ausbetten und Reinigen.
  • Abb. 21: Die aufgepassten Restaurationen links im Oberkiefer-Seitenzahnbereich nach dem Aufpassen auf dem Modell.

  • Abb. 22: Die aufgepassten Restaurationen links im Unterkiefer-Seitenzahnbereich nach dem Aufpassen auf dem Modell.
  • Abb. 23: Die überpressten Gerüste im Oberkiefer, wobei im Schneidezahnbereich für die spätere Ergänzung mit Schichtkeramik halbanatomisch gearbeitet worden ist.
  • Abb. 22: Die aufgepassten Restaurationen links im Unterkiefer-Seitenzahnbereich nach dem Aufpassen auf dem Modell.
  • Abb. 23: Die überpressten Gerüste im Oberkiefer, wobei im Schneidezahnbereich für die spätere Ergänzung mit Schichtkeramik halbanatomisch gearbeitet worden ist.

  • Abb. 24: Die überpressten Gerüste im Unterkiefer. Deutlich sichtbar: Die beiden Teilkronen an den 4ern.
  • Abb. 25: Individualisieren mit Schichtkeramik (Cercon ceram Kiss) im zunächst mit Presskeramik halbanatomisch gestalteten Oberkiefer-Frontbereich.
  • Abb. 24: Die überpressten Gerüste im Unterkiefer. Deutlich sichtbar: Die beiden Teilkronen an den 4ern.
  • Abb. 25: Individualisieren mit Schichtkeramik (Cercon ceram Kiss) im zunächst mit Presskeramik halbanatomisch gestalteten Oberkiefer-Frontbereich.

Abschließend erhielten die Kronen durch einen Glasurbrand den gewünschten Glanz (Abb. 26 bis 32).

Die fertige Arbeit wurde mit dem dualhärtendem Zement Variolink II transpa eingesetzt (Abb. 33 bis 35).

Diskussion

Der Patient zeigte sich mit dem Ergebnis sowohl preislich wie ästhetisch zufrieden. Damit hat sich das kombinierte Angebot aus Press- und Schichttechnik als erfolgreich erwiesen. Bei der Anwendung der beschriebenen Überpresstechnik erarbeitet der Zahntechniker die Form mit einem wohlbekannten Material: Wachs. Dabei eignen sich grundsätzlich organische Wachse, da diese rückstandsfrei verbrennen. Die Umsetzung von Wachs in Keramik erfolgt schrumpfungsfrei. Der Techniker erhält folglich genau die Form, die er anfangs in Wachs festgelegt hat. Selbst die einzelnen Kontaktpunkte können über die Steuerung der Einbettmasse (hier: anaxvest pm) ohne spätere Nacharbeiten von vornherein sicher gestaltet werden. Es kommt kaum einmal zu Bisshebungen oder -absenkungen. Daher kann der Zahntechniker nach dem Aufpassen der Kronen und einer entsprechenden Oberflächenbearbeitung unmittelbar mit der Charakterisierung durch Malfarben fortfahren und erzielt am Ende durch Malfixier- und Glanzbrände ein ästhetisch ansprechendes Resultat. Im sichtbaren Bereich wird man in der Regel die Kombination mit der Schichttechnik bevorzugen („press&veneer“). Dabei besteht die Möglichkeit, die Reduzierung im inzisalen Drittel bereits bei der Modellation in Wachs vorzunehmen (wie hier beschrieben). Alternativ lässt sich die Keramik nach dem Pressen zurückschneiden. Das bietet den Vorteil, dass in diesem Stadium noch einmal neu abgewogen werden kann: „pressstain“ oder „pressveneer“. Die Variante „pressstain“ ist naturgemäß die kostengünstigere, während „press&veneer“ die anspruchsvollere Alternative darstellt. So lässt sich dem Patienten ein ästhetisch und preislich abgestuftes Angebot unterbreiten. Im Extremfalle kann sogar eine Brücke im Molaren- bzw. Prämolarenbereich lediglich bemalt und im sichtbaren Bereich unter Verwendung der Schichttechnik individualisiert werden. Zur Patientenbindung und aus ökonomischen Erwägungen ist es selbstverständlich wünschenswert, die Entscheidung für einen hochwertigen Werkstoff zu unterstützen. Sollte sie aus Kostengründen in der Schwebe liegen, schafft die Überpresstechnik die Grundlage für ein überzeugendes Angebot.

  • Abb. 26: Die mit Malfarben charakterisierten Restaurationen links im Oberkiefer-Seitenzahnbereich nach dem Malfixierbrand und dem abschließenden Glanzbrand.
  • Abb. 27: Die mit Malfarben charakterisierten Restaurationen links im Unterkiefer-Seitenzahnbereich nach dem Malfixierbrand und dem abschließenden Glanzbrand.
  • Abb. 26: Die mit Malfarben charakterisierten Restaurationen links im Oberkiefer-Seitenzahnbereich nach dem Malfixierbrand und dem abschließenden Glanzbrand.
  • Abb. 27: Die mit Malfarben charakterisierten Restaurationen links im Unterkiefer-Seitenzahnbereich nach dem Malfixierbrand und dem abschließenden Glanzbrand.

  • Abb. 28: Die mit Schichtkeramik ergänzten und individualisierten Oberkiefer-Frontzähne nach dem abschließenden Glanzbrand.
  • Abb. 29: Das Endergebnis auf dem Modell von lateral.
  • Abb. 28: Die mit Schichtkeramik ergänzten und individualisierten Oberkiefer-Frontzähne nach dem abschließenden Glanzbrand.
  • Abb. 29: Das Endergebnis auf dem Modell von lateral.

  • Abb. 30: Die fertigen Restaurationen im Oberkiefer auf dem Modell von okklusal.
  • Abb. 31: Die fertigen Restaurationen im Unterkiefer auf dem Modell von okklusal.
  • Abb. 30: Die fertigen Restaurationen im Oberkiefer auf dem Modell von okklusal.
  • Abb. 31: Die fertigen Restaurationen im Unterkiefer auf dem Modell von okklusal.

  • Abb. 32: Die fertiggestelten Restaurationen auf einen Blick.
  • Abb. 33: Die Unterkiefer-Restaurationen in situ von okklusal.
  • Abb. 32: Die fertiggestelten Restaurationen auf einen Blick.
  • Abb. 33: Die Unterkiefer-Restaurationen in situ von okklusal.

  • Abb. 34: Die Oberkiefer-Restaurationen in situ von okklusal.
  • Abb. 35: Nahmaufnahme der Frontzahn-Restaurationen von vestibulär.
  • Abb. 34: Die Oberkiefer-Restaurationen in situ von okklusal.
  • Abb. 35: Nahmaufnahme der Frontzahn-Restaurationen von vestibulär.

Auch die Herstellung im Labor erfolgt besonders wirtschaftlich, weil man dank der 1:1-Umsetzung von Wachs in Keramik mit hoher Sicherheit exakt zur gewünschten Formgebung gelangt. Die funktionelle Gestaltung kann sogar noch rationeller erfolgen, wenn bei der Modellation Fertigkauflächen verwendet werden. Zudem ist beim hier verwendeten Presssystem eine Überpressung von bis zu zwanzig Teilen gleichzeitig möglich. So werden selbst bei umfangreichen Sanierungen alle Verblendungen in einem einzigen Vorgang übergepresst.

Schlussfolgerung

Die Zirkonoxid-Überpresstechnik hat sich als eine Alternative zur klassischen Schichttechnik mit eigenen Stärken erwiesen. In Wachs denken und formen und das Ergebnis in Keramik erhalten – das bedeutet für den Zahntechniker die Verbindung einer klassischen Arbeitsweise mit einem hochwertigen modernen Werkstoff. Für diesen kann sich der finanziell limitierte Patient jetzt noch leichter entscheiden, und auch dabei spielt die Zirkonoxid-Überpresstechnik ihre Vorteile aus. Durch Kombination von Überpressen plus Bemalen („press&stain“) mit der Alternative Überpressen plus Schichten („press&veneer“) erhält sich das Labor bei seinem Angebot eine hohe Flexibilität. So lassen sich die ästhetischen und preislichen Vorstellungen des Patienten punktgenau treffen.

Danksagung:Der Autor bedankt sich für die gute Zusammenarbeit bei dem Behandlungsteam um Dr. Bernhard Saneke, Dental plus Droege und Saneke GmbH, Wiesbaden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Nils Sachs

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Nils Sachs


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