Kronen/Brücken

Metallkeramik, Gerüstherstellung, Verblendkeramik

Willkommen in der Welt der Legierungen Optimale Gerüst- und Kronengestaltung als Basis für erfolgreiche Restaurationen

18.05.2011


Die Herstellung einer ästhetischen Restauration ist ein besonderes Kunsthandwerk. Die Wahl des richtigen Materials für die jeweilige Indikation ist die erste schwierige Aufgabe. Die Kombination von Materialien und deren Kompatibilität ist die zweite Herausforderung. Selbst wenn heutzutage festsitzende metallfreie Restaurationen immer häufiger hergestellt werden, machen Metallkeramikversorgungen immer noch den grössten Anteil aus. Insbesondere in den distalen Bereichen, wo die Restaurationen und Brücken hohen Druck-, Biege-, Scher- und Zugbelastungen ausgesetzt sind, haben sich Metallkeramik-Restaurationen bewährt.

Ich arbeite bereits seit vielen Jahren mit Dentallegierungen und habe fortwährend immer wieder neue Metalle sowie innovative Wax-up- und Anstiftmethoden ausprobiert, um die perfekte Vorgehensweise zu finden. In jüngster Zeit habe ich drei Dentallegierungen von Ivoclar Vivadent ausprobiert, die in der Anwendung überzeugen. Colado CC ist eine Aufbrennkeramik-Legierung mit Kobalt- Chrom. Callisto CP+ ist eine palladiumhaltige Legierung auf Kobalt Basis, während 4all eine Nickel- Chrom Aufbrenn-Legierung ist. Diese positiven Legierungserfahrungen möchte ich mit Ihnen teilen.

Herstellung einer Verblendkeramikbrücke und einer Vollgusskrone

Vorbereitung: Der Erfolg von metallkeramischen Versorgungen beginnt bereits mit dem Gipsmodell. Nach der Reduktion des Gingivabereiches, die ich üblicherweise unter dem Mikroskop vornehme, wird ein anatomisches Wax-Up auf einem Sägeschnittmodell durchgeführt (Abb. 1). Da die abnehmbaren Modellstümpfe noch immer minimale Bewegungen zulassen, wird die letzte Adaption des Zervikalbereiches auf einem nicht-segmentierten Gipsmodell vorgenommen. Nur mit dieser Methode kann eine genaue Randadaption auch nach dem Giessen erreicht werden.

Gerüstherstellung in Wachs: Für die Herstellung eines stabilen Gerüstes sollte die passende Gerüstgestaltung in Wachs durchgeführt werden. Was ist nun aber die passende Gestaltung? Der Versuch, diese Frage zu beantworten, könnte ein ganzes Buch füllen. Auf einen einfachen Nenner gebracht, ist eine gute Gerüstgestaltung eine im Verhältnis reduzierte Nachbildung der Form und der Konturen des Zahnes. Ein Metallgerüst sollte eine solche Form haben, dass die darüberliegende Keramikschicht eine gleichmässige Dicke von 1 bis 1,5 mm aufweist. Wenn wir ein solches Verhältnis zwischen Gerüst und Keramik erzielen können, ergeben sich daraus drei wesentliche Vorteile: Stabilität der Restauration, gleichmässige Farbe der gesamten Restauration (da die Farbe von der Schichtdicke abhängt) und kontrollierte Schrumpfung – je dünner die Keramikschicht, desto geringer die Schrumpfung.

  • Abb. 1: Sägeschnittmodell.
  • Abb. 2: Wachsgerüst von labial.
  • Abb. 1: Sägeschnittmodell.
  • Abb. 2: Wachsgerüst von labial.

  • Abb. 3: Wachsgerüst von palatinal (Modell ohne Sägeschnitte).
  • Abb. 3: Wachsgerüst von palatinal (Modell ohne Sägeschnitte).

Im Detail heisst das: Der Zervikalbereich wird präzise nachgebildet. Es ist äusserst wichtig, im Schulterbereich genügend Platz für die Keramikschicht zu schaffen. Wenn die Keramikschicht im Schulterbereich zu dünn ausfällt, scheint der Opaker durch die Keramik und der gesamte Zervikalbereich erscheint opak und zu hell in der Farbe. Um ein Verziehen des Wachses durch Hitzespannung zu vermeiden, sollte das Wachsmesser die richtige Temperatur aufweisen (Abb. 2 und 3).

Bearbeiten der Legierungen

Nach dem Giessen und langsamen Abkühlen wird das Metallobjekt ausgebettet. Dabei ist darauf zu achten, dass keine Einbettmaterialeinschlüsse vorhanden sind. Auf Grund der hohen Kaukräfte, die auf den ersten Molaren einwirken und der ungenügenden Platzverhältnisse muss hier auf eine Verblendung mit Metallkeramik verzichtet werden. Für die gesamte Metallkeramikverblendung ist ein Platzbedarf von mind. 1,1 mm notwendig. Dies ist hier nicht gegeben, deshalb entscheide ich mich für eine Vollgusskrone (Abb. 4). Das vollanatomische Wax-Up wird gemäss H. Thiel angestiftet und mit Kühlrippen versehen. Die Legierung weist nach dem Ausbetten keine Porositäten auf und zeigt eine glatte Oberfläche, eine helle Farbe und vollständige Detailtreue der anatomischen Form. Nach dem Ausbetten werden die Gerüste mit Hartmetallfräsen ausgearbeitet. Im nächsten Schritt wird die Oberfläche mit keramisch gebundenen Schleifinstrumenten bearbeitet. Das Bearbeiten der Metalloberfläche wird immer in eine Richtung ausgeführt, um Überlappungen und Löcher zu vermeiden. Es muss darauf geachtet werden, dass eine Minimalstärke von 0,3–0,5 mm beibehalten wird, damit sich das Gerüst nicht verzieht oder die Keramik sich auf Grund von Spannungen abhebt oder Sprünge entstehen. Das Gerüst wird im Anschluss sorgfältig mit Aluminiumoxid und unter Einhaltung des empfohlenen Drucks abgestrahlt. Je nach Legierungstyp fällt dieser unterschiedlich aus – dabei orientiere ich mich an den jeweiligen Angaben von Ivoclar Vivadent. Beim Abstrahlen wird die Düse des Strahlgerätes in einem flachen Winkel zur Objektoberfläche gehalten. Auf diese Weise werden keine Strahlgutpartikel in die Oberfläche infiltriert, was während des Keramikbrandes zu Blasenbildung führen könnte. Selbst wenn eine Oxidierung vom Legierungshersteller nicht vorgeschrieben wird, gehört dieser Schritt doch zu meinem Standardvorgehen vor dem ersten Opakerauftrag. Dies erlaubt mir eine visuelle Überprüfung im Hinblick auf eine mögliche Kontaminierung des Metalls. Die Abb. 5 a–c zeigt die für die Einprobe vorbereiten Metallgerüste nach genauer Anpassung auf dem Modell. Die Abb. 6 a–c zeigt die Gerüste nach der Oberflächenbearbeitung mit keramisch gebundenen Schleifinstrumenten. Es ist klar zu erkennen, dass ausschliesslich in eine Richtung geschliffen wurde, so dass keine Porositäten entstehen können. Die Abb. 7 a–c zeigt das Aussehen der Legierungen nach dem Sandstrahlen mit einer empfohlenen Korngrösse von 100 ?m.Das Abstrahlen ist ein wichtiger Schritt, mit dem die Legierung für die chemische und mechanische Retention vorbereitet wird. Die Abb. 8 a–c zeigt die Legierungen nach dem Oxidationsbrand. Jede Legierung hat ihre eigene Oxidfarbe, welche von der Zusammensetzung der Legierung abhängt. Nicht alle Legierungen müssen oxidiert werden, aber eine gleichmässige Oxidfarbe ist ein Garant dafür, dass keine Kontamination erfolgt ist. Die Molarenkrone ist nur ein Beispiel für das Verhalten der Legierung, da in klinischen Fällen die Molarenkrone oft den letzten Brückenpfeiler bildet, wenn nicht genügend Platz vorhanden ist oder der Patient unter Bruxismus leidet. In solchen Fällen sollte die Molarenkrone ohne Keramikverblendung fertig gestellt werden. Wenn die Krone nach der Hochglanzpolitur mit Metallschleifkörpern und Polierern in den Ofen kommt, bilden sich die Oxide an der Oberfläche (Abb. 9 a –c). Bei einer guten Legierung ist das Polieren nach dem Glanzbrand ganz einfach und nimmt nur ein paar wenige Minuten in Anspruch (Abb. 10 a–c).

  • Abb. 4: Vollgusskrone.
  • Abb. 5 a–c: Metallgerüste nach Passung auf dem Modell (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 4: Vollgusskrone.
  • Abb. 5 a–c: Metallgerüste nach Passung auf dem Modell (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).

  • Abb. 6 a–c: Nach der Oberflächenbearbeitung mit Schleifinstrumenten (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 7 a–c: Legierungen nach dem Sandstrahlen (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 6 a–c: Nach der Oberflächenbearbeitung mit Schleifinstrumenten (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 7 a–c: Legierungen nach dem Sandstrahlen (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).

  • Abb. 8 a–c: Legierungen nach dem Oxidbrand (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 9 a–c: Prüfung der Oxidfarbe (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 8 a–c: Legierungen nach dem Oxidbrand (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 9 a–c: Prüfung der Oxidfarbe (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).

  • Abb. 10 a–c: Hochglenzpolierte Vollgusskronen (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 10 a–c: Hochglenzpolierte Vollgusskronen (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).

Herstellung einer Frontzahnbrücke mit der Verblendkeramik IPS InLine

Das Abstrahlen, Reinigen und Oxidieren muss wiederholt werden, wenn die Oxidschicht nicht gleichmässig ist. Dies ist ein wesentlicher Schritt der sorgfältigen Oberflächenbehandlung und Basisarbeit. Während das Abstrahlen die mechanische Verbundfestigkeit durch Vergrösserung und Aufrauen der Oberfläche verbessert, ist das Oxidieren wichtig für den chemischen Verbund. Der erste Opakerbrand stellt die obigen Voraussetzungen für den Keramikverbund her. Aus diesem Grund sollte dieser Schritt mit besonderer Sorgfalt ausgeführt werden. Der Opaker wird mit dem Pinsel in einer dünnen Schicht aufgetragen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass alle Bereiche der aufgerauten Oberfläche mit dem verdünnten Opaker benetzt werden.

Die zweite Opakerschicht dient nur der Farbgebung und ist für den Verbund nicht mehr ausschlaggebend. Deshalb sollte die zweite Opakerschicht in einer dünnen, gleichmässigen Schicht aufgetragen werden, welche die graue Farbe der Metalllegierung vollständig abdeckt. Falls nach dem zweiten Brand die Legierung noch immer an einigen kleinen Stellen durchscheint, kann eine dritte Schicht aufgetragen werden. Sonst wird die endgültige Farbe der Restauration beeinflusst. Nach der optimalen Gerüstgestaltung und den Opakerbränden wird die Keramik wie üblich geschichtet und mit den natürlichen Charakteristiken der Nachbarzähne versehen. Da alle drei Legierungen mit der IPS InLine Keramik von Ivoclar Vivadent kompatibel sind, können wir die Vorteile der vielen Charakterisierungsmassen nutzen und naturgetreue Restaurationen herstellen. Diese Natürlichkeit ist bei der fertigen Oberkieferbrücke klar erkennbar (Abb. 12 a–c).

  • Abb. 11 a–b: Oberflächentextur der Frontzahnbrücke (a = palatinal, b = vestibulär).
  • Abb. 12a–c: Die fertigen Brücken (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).
  • Abb. 11 a–b: Oberflächentextur der Frontzahnbrücke (a = palatinal, b = vestibulär).
  • Abb. 12a–c: Die fertigen Brücken (a = Colado CC, b = Callisto CP+, c = 4all).

Neben natürlicher Farb- und Formgebung ist besonders die Imitation von Unregelmässigkeiten (Rotation, Abrasion) und Oberflächenstruktur für das natürliche Aussehen einer Restauration ausschlaggebend. Ich gebe zu, dass ein ästhetisches Aussehen der fertigen Restauration schlussendlich für die Zufriedenheit des Patienten ausschlaggebend ist. Wenn aber das Gerüst nicht korrekt gestaltet und die Legierung nicht richtig vergossen und ausgearbeitet wird, kann ein Langzeiterfolg der Restaurationen nicht garantiert werden. Insofern ist die richtige Gerüstgestaltung Basis für eine langfristig ästhetische Restauration.

 


VERWENDETE MATERIALIEN

Legierungen:
Colado CC, Ivoclar Vivadent AG (FL-Schaan)
Callisto CP+, Ivoclar Vivadent AG (FL-Schaan)
4all, Ivoclar Vivadent AG (FL-Schaan)


Verblendkeramik:
IPS InLine, Ivoclar Vivadent AG (FL-Schaan)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Robert Zubak

Bilder soweit nicht anders deklariert: Robert Zubak


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