Kronen/Brücken

Teil 2: Erfahrungen von Pilotanwendern

Zur Sache: Zirkoniumdioxidverstärktes Lithiumsilikat

Bildnachweis: Olaf van Iperen, Wachtberg-Villip
Bildnachweis: Olaf van Iperen, Wachtberg-Villip

Kann ein zahntechnischer Werkstoff eine glaskeramische Ästhetik aufweisen und gleichzeitig hohe Festigkeitsreserven haben? Auf der Internationalen Dental-Schau (IDS) 2013 hatte Dentsply/DeguDent, Hanau, einen Werkstoff mit genau diesem Anspruch vorgestellt: zirkoniumdioxidverstärktes Lithiumsilikat (ZLS). Eine ganze Reihe von Zahntechnikern arbeitet bereits damit. Typische Erfahrungen werden im Folgenden zusammengefasst.

 

 

 

Als DeguDent, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung, Würzburg, und der Vita Zahnfabrik, Bad Säckingen, ZLS zur Marktreife entwickelt hatte, wunderten sich die Ingenieure selbst. Denn praktisch alle technischen Keramiken verlieren typischerweise zwischen dreißig und fünfzig Prozent ihrer anfänglichen Festigkeit durch Ermüdungsbelastungen. Bei dentaler Zirkoniumdioxidkeramik sind es gut dreißig Prozent, was aber wegen der enormen initialen Festigkeit für die Anwendung bei zahntechnischen Restaurationen ausreicht [1]. Eine Sonderstellung nimmt das neue zirkoniumdioxidverstärkte Lithiumsilikat ein. „Es gibt nach Ermüdungsbelastung keinen messbaren Unterschied zur initialen Materialbelastbarkeit!“ betont Dr. Udo Schusser, Leiter Forschung und Entwicklung bei DeguDent [1]. „Der Schlüssel zur Erklärung dieses positiven Materialverhaltens dürfte wieder in der Mikrostruktur liegen, in der Größe der Kristallite und im Glasphasenanteil. Wir sind in unserer aktuellen Forschungsarbeit dabei, die Gründe für die großen Festigkeitsreserven von ZLS genauer zu verstehen. Von bisherigen Keramiken ist ein solches Phänomen nicht bekannt.“

So bietet die neuartige Keramik in Form von Celtra, Dentsply/DeguDent, Hanau, im Endeffekt sogar zwei Optionen und kann damit den bewährten Werkstoff Glaskeramik ersetzen.

Von den Resultaten überzeugt

Pilotanwender ZTM Philipp von der Osten (Abb. 1 bis 3), Erlangen, gibt zu, dass er zunächst skeptisch war: „Ich hatte anfangs gewisse logische Bedenken. Das Geheimnis liegt aber einfach in der Mikrostruktur. Die ZLS-Kristallite sind nur 500 bis 700 Nanometer groß und damit vier- bis achtmal so klein wie diejenigen von Lithium-Disilikat. Schon ein Glasurbrand bringt ZLS auf 370 Megapascal. Ich kann aber im Labor auch auf jeglichen Brand verzichten, wenn ich die hohe Festigkeit gar nicht brauche, sondern zum Beispiel ein Inlay für einen Prämolaren fertigen möchte. Dann gewinne ich Tempo, denn das zirkoniumdioxidverstärkte Lithiumsilikat kann direkt nach dem Schleifprozess, ohne zusätzlichen Kristallisationsbrand, poliert und adhäsiv eingesetzt werden. Die Festigkeit von 210 Megapascal liegt fast zweimal so hoch wie bei konventioneller Glaskeramik.“

  • Abb. 1: Umfangreiche Seitenzahnversorgung mit zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat (ZLS): das CAD-Design mit stimmiger Okklusion. Bildnachweis: Philipp von der Osten, Erlangen
  • Abb. 2: Der Oberkiefer mit Celtra-Seitenzahnversorgung. Bildnachweis: Philipp von der Osten, Erlangen
  • Abb. 1: Umfangreiche Seitenzahnversorgung mit zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat (ZLS): das CAD-Design mit stimmiger Okklusion. Bildnachweis: Philipp von der Osten, Erlangen
  • Abb. 2: Der Oberkiefer mit Celtra-Seitenzahnversorgung. Bildnachweis: Philipp von der Osten, Erlangen

  • Abb. 3: Der Unterkiefer mit Celtra-Seitenzahnversorgung. Bildnachweis: Philipp von der Osten, Erlangen
  • Abb. 3: Der Unterkiefer mit Celtra-Seitenzahnversorgung. Bildnachweis: Philipp von der Osten, Erlangen

Ganz ähnlich ging es Diplom-Zahntechniker Olaf van Iperen (Abb. 4 und 5), Wachtberg-Villip, der Celtra Duo mit der Nassschleifmaschine inLab MC XL, Sirona, Bensheim, verarbeitet: „Ich will die Keramikingenieure in der Industrie bestimmt nicht unterschätzen. Aber wenn ein neuer Werkstoff die Festigkeitseigenschaften zweier so weit auseinander liegender Alternativ-Materialien wie konventionelle Glaskeramik und Lithium-Disilikat vereinen soll, erwartet man unwillkürlich zunächst: Dann muss es doch wohl an anderer Stelle einen Kompromiss geben … Das von uns verwendete ZLS steht jedoch in seinen physikalischen Parametern wie in den lichtoptischen Eigenschaften an der Spitze dessen, was die zahntechnische Werkstoffpalette zu bieten hat. Mit der neuen Mikrostruktur von Celtra ist hier wohl den Keramikingenieuren ein großer Wurf gelungen.“

  • Abb. 4: Detailansicht benachbarter Seitenzahnkronen aus zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat auf dem Modell. Bildnachweis: Olaf van Iperen, Wachtberg-Villip
  • Abb. 5: Werkstoffvergleich: gefräste Kronen aus zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat (links) und Lithium-Disilikat (beide ohne Glanz- beziehungsweise Kristallisationsbrand). Bildnachweis: Olaf van Iperen, Wachtberg-Villip
  • Abb. 4: Detailansicht benachbarter Seitenzahnkronen aus zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat auf dem Modell. Bildnachweis: Olaf van Iperen, Wachtberg-Villip
  • Abb. 5: Werkstoffvergleich: gefräste Kronen aus zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat (links) und Lithium-Disilikat (beide ohne Glanz- beziehungsweise Kristallisationsbrand). Bildnachweis: Olaf van Iperen, Wachtberg-Villip

  • Abb. 6 und 7: Vorteile auch für den Zahnarzt: Nach gegebenenfalls intraoralem Einschleifen ist aufgrund der neuartigen Mikrostruktur eine einfache und schnelle Politur möglich. Bildnachweis: DeguDent, Hanau
  • Abb. 6 und 7: Vorteile auch für den Zahnarzt: Nach gegebenenfalls intraoralem Einschleifen ist aufgrund der neuartigen Mikrostruktur eine einfache und schnelle Politur möglich. Bildnachweis: DeguDent, Hanau

Dies bestätigt ZTM Hans-Jürgen Joit, Düsseldorf, wobei er mit Celtra arbeitet und die entsprechenden Blöcke in der Nassschleifeinheit Brain MC XL, DeguDent-Direktvertrieb, Hanau, schleift. „Celtra ist grundsätzlich für alle festsitzenden Einzelzahnversorgungen geeignet“, konstatiert er. „Aufgrund der herausragenden lichtoptischen Eigenschaften lassen sich damit hervorragende Frontzahnrestaurationen herstellen, sowohl Kronen, als auch Veneers. Schwierig wird es bisher lediglich auf extrem verfärbten Stümpfen oder auf solchen mit Metallaufbauten. Für diese Indikation bietet sich Zirkoniumdioxid an. Im Seitenzahnbereich besticht das Material durch seine feine Struktur und die gute Polierbarkeit (Abb. 6 und 7). In einem Vortrag für meine Fortbildungen habe ich eine Videosequenz eingebaut, die mich selbst immer wieder beeindruckt: Da wird innerhalb kürzester Zeit eine homogene glänzende Oberfläche generiert.“

ZTM Ingo Perpeet, Heiligenhaus am Südrand des Ruhrgebiets, hat das zirkoniumdioxidverstärkte Lithiumsilikat Celtra in einer Pilot-Arbeit für die Anfertigung eines Veneer für Zahn 11 verwendet. Dabei musste aufgrund der gewünschten substanzschonenden Präparation ein Übergang von 1,2 Millimeter auf 0,4 Millimeter Schichtstärke optisch möglichst gut kaschiert werden. Noch dazu wies der Zahn eine distale Drehung auf, sodass der in einer geschlossenen Zahnreihe eintretende Chamäleon-Effekt aufgrund des distalen Lichteinfalls ausgeschaltet war.

„Ich war selbst überrascht, wie gut es funktioniert hat“, freut sich Ingo Perpeet. „Im Grunde hätte ich mich über eine Rückmeldung aus der Praxis mit der Bitte um Korrektur nicht gewundert. Immerhin war es eine echte Pilot-Arbeit. Aber als ich schließlich dort anrief, stellte sich heraus, dass Patient und Zahnarzt vollkommen zufrieden waren. Insbesondere war trotz der unterschiedlichen Schichtstärke innerhalb des Veneers und des Übergangs zur Zahnrestsubstanz keinerlei Abrisskante zu erkennen, und trotz der distalen Zahn-Drehung fügte sich das Veneer unauffällig in die Umgebung ein. In einem schwierigen Fall wie diesem ist das für mich schon ganz großes Kino.“

Fazit für das zahntechnische Labor

Damit sind inzwischen die wesentlichen Indikationen für ZLS von einer Reihe von Zahntechnikern erfolgreich realisiert worden. Sie haben gezeigt: CAD/CAM-gefertigte vollkeramische Restaurationen aus diesem Material können schnell hergestellt werden und weisen eine Top-Ästhetik auf. Dabei kann jeder selbst entscheiden, ob er die Restauration einfach nur poliert (zum Beispiel Inlay) oder ob er durch einen Glasurbrand die Festigkeit erhöht, um hochfeste Kronen herzustellen, und gegebenenfalls durch Malfarben (Celtra Universal Malfarben) eine zusätzliche Individualisierung schafft.

Das Potenzial des zirkoniumdioxidverstärkten Lithiumsilikats Celtra will Dentsply/DeguDent in Zukunft durch eine Press-Variante sowie Verblendkeramiken weiter erhöhen. Die heute verfügbaren Ausführungen von Celtra stellen jetzt schon eine ideale Ergänzung zu Zirkoniumdioxid für vollkeramische Therapie- und Werkstoffkonzepte eines Labors für Zahnarzt und Patient dar.

Dr. Christian Ehrensberger, Frankfurt am Main

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Christian Ehrensberger



Kostenlose Live Veranstaltung – D:EX Dental Experience by Pluradent
Unbenannt

Bei der kostenlosen D:EX Dental Experience von Pluradent am 24. April 2021 ab 10 Uhr werden Produktneuheiten und Impulsvorträge präsentiert. Vorgestellt werden aktuelle Entwicklungen in den Bereichen digitale Transformation, Praxismanagement und Hygiene.

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite