Totalprothetik

Eine zeitintensive, aber lohnenswerte Möglichkeit

Erfahrungsbericht zum Gysi-Wettbewerb

25.04.2018

Modellguss
Modellguss

Im folgenden Beitrag beschreibt Richard Macke die Herstellung seines für den Gysi-Preis eingereichten Zahnersatzes im dritten Lehrjahr. Damit wird die in Ausgabe 1/2018 begonnene Serie fortgesetzt, in der Siegerarbeiten und der Weg dorthin von den Auszubildenden selbst vorgestellt werden.

Im Rahmen des Gysi-Wettbewerbs erhält man nur einen Arbeitsauftrag und muss sich von dort ausgehend an alles selbst herantasten. Für die Lösung der Aufgabe stehen drei Monate zur Verfügung – was keinesfalls üppig bemessen ist, da die Erstellung neben dem normalen Arbeitsalltag erfolgt. Der Auftrag für das dritte Lehrjahr bestand darin, erstens im Oberkiefer auf den Zähnen 16 und 26 Vollgusskronen zu fertigen sowie zweitens eine Modellgussprothese herzustellen, die in Region 14 und 23 Halt bekommen sollte. Dabei waren die dortigen Stümpfe mit Kronen einschließlich vestibulärer Kompositverblendungen zu versorgen. Die Zähne 15, 24 und 25 sollten als fehlend angenommen und durch Kunststoffzähne ersetzt werden. Drittens war für den Unterkiefer eine vestibulär mit Komposit zu verblendende Brücke von Zahn 32 bis 34 mit Zwischenglied an 33 vorgesehen.

Schritt 1: Modellherstellung

Die Modellherstellung war für mich einer der wichtigsten und zeitintensivsten Arbeitsschritte und wird daher hier im Text etwas ausgiebiger ausfallen. Zunächst habe ich unser Lager durchforstet, bis ich ein Modellpaar fand, welches meiner Vorstellung entsprach und weder Füllungen noch andere Makel aufwies. Diese Modelle dublierte ich und goss sie anschließend jeweils dreimal mit Superhartgips aus: einmal für das Situationsmodell, dann zum Heraussägen der zu versorgenden Zähne („OK/UK 2“) und ein letztes Mal zum Radieren der Zähne („OK/UK 3“).

Aus OK/UK 2 sägte ich also die Gipszähne 14, 16, 23, 26, 32 und 35 aus und steckte diese zurück in die Dublierformen (Abb. 1). Für eine möglichst gleiche Ausrichtung fixierte ich die einzelnen Segmente mit Modellierkunststoff an einer Trennscheibe und setzte sie mit dem Parallelometer in ein Fräsmodell aus Artikulationsgips um. In diesem fräste ich die „Wurzeln“ mit einem 2°-Fräser um, damit sie später leichtgängig aus dem Modell herausgenommen werden konnten. Nebenbei radierte ich bei den Modellen OK/UK 3 die Zähne 15, 24, 25 und 33 und nahm das Zahnfleisch etwas zurück, in etwa wie bei einer verheilten Extraktionswunde (Abb. 2). Anschließend wurden beide Modelle dubliert. Die Stumpfrohlinge wurden daraufhin in die Dublierformen gesetzt und diese ausgegossen. Zuvor musste ich aber dafür sorgen, dass ich die Stümpfe später wieder dem Modell entnehmen konnte. Dazu wurde mir geraten, diese mit Vaseline einzupinseln. Ich bin allerdings kein Fan davon, da die Vaseline eine zu dicke Schicht benötigt, um die reine Isolierfunktion zu erfüllen und sich deshalb formverändernd auf den Stumpfkanal auswirkt. Also habe ich mir etwas anderes überlegt und die Stümpfe in Gips-gegen-Gips-Isolierung eingelegt und anschließend noch hauchdünn mit sehr weichem Wachs eingerieben. Zu meiner Freude ließen sich die Stümpfe bereits mit leichtem Wackeln aus dem Modell entnehmen.

  • Abb. 1: Eingesteckte Gipssegmente in den Dublierformen.
  • Abb. 2: Beschäftigung mit dem Zahnfleisch.
  • Abb. 1: Eingesteckte Gipssegmente in den Dublierformen.
  • Abb. 2: Beschäftigung mit dem Zahnfleisch.

Ein weiteres Fräsmodell half dabei, die Zahnkronen zu präparieren. Die fertigen Stümpfe dublierte ich nochmals und replizierte sie mit Modellkunststoff – was ein großer Vorteil war, da der Stumpf 32 sehr schmal und länglich geworden war.

Theoretisch hätte ich mich jetzt mit den Modellen zufriedengeben können, jedoch war für meinen Geschmack der elfenbeinfarbene Gips etwas zu alltäglich. Deshalb dublierte ich die Modelle ein letztes Mal und goss die Vorgängerformen mit grauem Gips aus. Die Zahnkränze fräste ich sorgfältig heraus, steckte sie zusammen mit den Kunststoffstümpfen in die neuen Formen und goss die Modelle aus, diesmal mit blauem Gips (Abb. 3). Zu meinem Bedauern bildete der blaue Gips beim Trocknen weiße Schlieren, was sich beim zweiten Versuch wiederholte. Das machte mein Traummodell nichtig und ich musste mich mit einem komplett grauen Meistermodell begnügen. Der Rest der Modellherstellung verlief dann wieder ohne große Auffälligkeiten: das Bohren der Löcher für Modellfüße und Magnet und deren Befestigung (Abb. 4), das Gießen der Gipssockelplatte mithilfe einer Dublierfolie und das Einartikulieren. Hiermit fand die Modellherstellung nun wirklich ihr Ende.

  • Abb. 3: Es wäre schön gewesen, die Gysi-Arbeit auf blauen Modellen abzugeben.
  • Abb. 4: Die Modellunterseite.
  • Abb. 3: Es wäre schön gewesen, die Gysi-Arbeit auf blauen Modellen abzugeben.
  • Abb. 4: Die Modellunterseite.

Schritt 2: Oberkieferkronen

Ich wendete mich zunächst den Vollgusskronen zu (regio 16, 26). Dabei orientierte ich mich so genau wie möglich an den Originalzähnen. Ein Knetsilikonvorwall half mir bei der Dimensionierung, damit ich nicht zu groß modellierte.

Die Verblendkronen für 14 und 23 modellierte ich zunächst vollanatomisch, schnitt im Cut-Back die vestibulären Flächen zurück und machte meine Stümpfe auf diese Weise verblendfähig.

  • Abb. 5: Die Umlauffräsung für den Modellguss.

  • Abb. 5: Die Umlauffräsung für den Modellguss.
    © Kiel & Otte GmbH
Nachdem alle vier Kronen so weit gediehen waren, um sie einbetten zu können, bemerkte ich beim Blick auf meinen Plan, dass die Kronen für meinen Modellguss noch eine Umlauffräsung (Abb. 5) benötigten. Das frustrierte mich etwas, da mir dadurch das Tuberculum Carabelli verloren ging und dies den Zahn in meinen Augen unvollständig machte. Aber das war mir immer noch lieber als linguale Klammern, da sich ein solcher Umlauf wenigstens gut in diese und die andere Krone einfügte. Das Fräsen mit dem Fräsgerät an der Wachskrone ging überraschend leicht von der Hand und so war die Umlauffräsung schnell gemacht.

Nun konnte ich die Kronen einbetten, gießen, aufpassen, einschleifen, ausarbeiten und grob vorpolieren. Beim Nachfräsen des Umlaufs schaffte ich es allerdings nicht, die Oberfläche komplett glatt und mackenfrei zu bekommen. Deswegen holte ich mir die feinste Gummierscheibe, die ich finden konnte, und optimierte mit größter Vorsicht die Oberfläche, um möglichst keine untersichgehenden Bereiche zu verursachen. So konnte ich nun alle Kronen auf Hochglanz polieren.

Schritt 3: Unterkieferbrücke

Die Vorgehensweise war dieselbe wie im Oberkiefer: vollanatomisch aufwachsen, zurückschneiden und mit einem Vorwall überprüfen, ob genügend Platz für eine Verblendung vorhanden ist. Vor dem Einbetten hatte ich die Unterseite des Brückengliedes noch einmal dünn mit Zervikalwachs verstärkt, damit später das Brückenglied auch im polierten Zustand flächig aufliegen würde.

Das Aufpassen der Brücke war leider alles andere als schnell erledigt, denn das verstärkte Zwischenglied sorgte dafür, dass die Brücke stark schaukelte. Für das Korrigieren waren eine Menge Geduld und Okklusalspray vonnöten, bis sie endlich richtig saß.

Schritt 4: Verblendungen

  • Abb. 6: Kunststoffverblendete Kronen unter den Klammern.

  • Abb. 6: Kunststoffverblendete Kronen unter den Klammern.
    © Kiel & Otte GmbH
Kompositverblendungen hatte ich zuvor nie hergestellt, daher konnte ich kaum erwarten, dass alles gleich auf Anhieb klappte. Zunächst habe ich mich an den beiden Einzelverblendungen (Abb. 6) im Oberkiefer versucht. An sich unterscheidet sich das Vorgehen vom Schichtauftrag mit Keramik kaum, wenn auch das Material nicht unterschiedlicher sein könnte.

Der Dentinkern war für mich kein Problem, aber bei der Schneide ließ ich mich von den Effektmassen hinreißen. Das führte dazu, dass ich zu viel Blau verwendete, wodurch die Zahnfarbe sehr stark von meinem Ziel abwich. Also schliff ich beide Verblendungen bis auf den Kern zurück und fertigte eine neue, simplere Schneide an, bei der sich die Effekte auf ein kaum merkbares Minimum beschränkten.

  • Abb. 7: Die verblendete Unterkieferbrücke mit leichter Charakterisierung.

  • Abb. 7: Die verblendete Unterkieferbrücke mit leichter Charakterisierung.
    © Kiel & Otte GmbH
Mit der neu gewonnenen Erfahrung im Rücken wollte ich im Unterkiefer jetzt ein paar Sachen in puncto Ästhetik einbauen (Abb. 7). Nachdem die standardmäßige Schichtung fertig und alles in Form geschliffen war, legte ich in den Schlifffacetten kleine Verfärbungen und am Vierer einen Kalkfleck ein. Mir schwebte auch noch ein Haarriss vor – leider habe ich ihn aber nicht fein genug hinbekommen, sodass ich ihn wieder weggeschliffen habe.

Schritt 5: Modellgussprothese

Der Modellguss ging ganz gut von der Hand, die Modellation mit Wachsteilen (Abb. 8) war zügig fertig. Nun hatte ich die Idee, das verloren gegangene Tuberculum Carabelli an die Umlaufarme (Abb. 9) anzumodellieren, was sich überraschend gut in die Krone einfügte.

  • Abb. 8: Die Modellguss-Modellation mit Klammern und Umläufen.
  • Abb. 9: Detail des Modellgusses mit modellierten Tubercula Carabelli an den Umläufen links und rechts.
  • Abb. 8: Die Modellguss-Modellation mit Klammern und Umläufen.
  • Abb. 9: Detail des Modellgusses mit modellierten Tubercula Carabelli an den Umläufen links und rechts.

Beim Aufpassen auf die Kronen stellten die Umläufe eine kleine Herausforderung dar. Anfangs saß alles etwas straffer als gewünscht. Ich wollte zudem beim Ausschleifen nicht riskieren, eine Lücke zwischen Krone und Umlauf zu verursachen. Im Anschluss musste ich nochmals gummieren – es waren Schrammen entstanden – und alles überpolieren.

Für die aufzustellenden Zähne wollte ich keine Konfektionszähne benutzen und ich entschloss mich, eigene Kunststoffzähne herzustellen. Dafür fräste ich zunächst die entsprechenden Zähne aus einem der überschüssigen Modelle heraus und dublierte sie. Mit lichthärtendem Kunststoff beschichtete ich die Kauflächen und die Wandungen dünn und ließ alles aushärten; den Rest füllte ich mit zahnfarbenem Autopolymerisat auf.

Bedauerlicherweise entsprach das Ergebnis meinen Vorstellungen nicht, auch weitere Versuche brachten nicht das geforderte Ergebnis. Deshalb habe ich die jeweils besten Exemplare ausgewählt, die vestibulären Flächen wie bei einer Krone zurückgeschliffen und mit Kompositmasse verblendet: Das gab ihnen den gewünschten Charakter (Abb. 10).

  • Abb. 10: Verblendete Kunststoffzähne mit Charakter.
  • Abb. 11: Modellguss mit Silikonkonter im Split-Fixator zum Stabilisieren.
  • Abb. 10: Verblendete Kunststoffzähne mit Charakter.
  • Abb. 11: Modellguss mit Silikonkonter im Split-Fixator zum Stabilisieren.

Nun konnte ich die Kunststoffsättel anlaufen lassen. Um ein Anheben des Modellgusses zu verhindern, presste ich diesen mit einem Silikonkonter und mithilfe eines Split-Fixators ans Modell (Abb. 11). Nach dem Ausarbeiten der Sättel fräste ich auf der lingualen Seite der Sättel rosa Kunststoff weg und verblendete diesen Bereich ebenfalls, um eine ansprechendere Optik zu erreichen (vgl. Abb. 9).

Schritt 6: Finish

Zum Schluss wurden noch einmal alle Einzelteile auf Hochglanz gebracht und und kontrolliert, ob die Funktionalität noch immer gegeben war. Auch die Modelle wurden an den Außenseiten bestmöglich mit feinem Schleifpapier und Wasser geglättet. Und fertig war die Gysi-Arbeit. Fazit In meinen Augen soll der Gysi-Preis eine Herausforderung für Auszubildende mit Ehrgeiz sein, die über ihren vorgeschriebenen Rahmenplan hinaus mehr dazulernen wollen. Und es ist auch so, dass man noch viel Weiteres lernen kann: über den Variationsreichtum in der Zahntechnik, über den Umgang mit Rückschlägen, über die eigenen Schwächen und Stärken, aber auch über die Belastbarkeit.

Deswegen fand ich das gesetzte Ziel unseres Ausbilders ganz gut, dass nicht mittendrin aufgegeben wird, sondern die Arbeit auf jeden Fall fertiggestellt wird, egal ob pünktlich zum Abgabetermin oder danach.

Ich persönlich hatte viel Spaß bei diesem Projekt. Und auch wenn es „nur“ für den 3. Platz gereicht hat, hat es mich in meinem Können doch um einiges vorangebracht. Ich war aber auch froh darüber, dass zwei weitere Auszubildende mit teilgenommen hatten, dadurch war das Arbeiten in der Freizeit weit angenehmer.

Allerdings finde ich es schade, dass der Wettbewerb noch immer nicht so bekannt ist, wie er es verdient hätte. Mir scheint, dass ihn nur eine Minderheit der Auszubildenden kennt.

Hätte ich die Möglichkeit gehabt, hätte ich auch noch ein weiteres Mal daran teilgenommen. Aber das ist nur dem zweiten Lehrjahr vergönnt, weil der Gysi-Wettbewerb alle zwei Jahre veranstaltet wird. Die nächste Ausschreibungsphase fällt in diesen Sommer, das Zahntechnik Magazin wird berichten. Auch auf www.facebook.com/gysipreis ist dann mehr zu erfahren.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Richard Macke


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