Werkstoffe


Die 10 Gebote der Gipsverarbeitung

Die Qualität des fertigen Gipsmodells hängt von der Qualität der Gipsverarbeitung ab.
Die Qualität des fertigen Gipsmodells hängt von der Qualität der Gipsverarbeitung ab.
Quelle: © Matze/fotolia.com

Ein Gipsmodell ist nur so gut, wie die Qualität der Gipsverarbeitung war. Diese zehn Gebote sollten über jedem Gipstisch hängen, um uns immer wieder daran zu erinnern.

1. Lagern

Lagere den Gips in geschlossenen Behältern und trockenen Räumen: Luftfeuchtigkeit 50 %, Temperatur: 23 °C. Zu hohe oder zu niedrige Temperaturen senken die Qualität. Zu feuchte Lagerung führt zu Abbindephänomenen beim Gips durch sein hygroskopisches Verhalten.

2. Sauberkeit

Alle Instrumente wie Gipsschaufel, Becher, Anmischstapel müssen sauber sein.

Jede Verunreinigung verschlechtert die Gipsqualität.

3. Wasserqualität

Das Wasser sollte eine Temperatur von 23 °C haben. Für diese Temperatur sind alle Gebrauchsanleitungen ausgelegt. Die reproduzierbarsten Ergebnisse werden mit destilliertem Wasser erlangt. Bei nicht zu hartem Wasser ist aber auch Leitungswasser möglich.

Das Wasser muss sauber sein.

4. Dosierung

Immer abwiegen und messen. Wassertemperatur 23 °C. Zu kaltes Wasser kann ein zu geringes Volumen haben, zu warmes Wasser führt ebenfalls zu Dosierungsfehlern.

Der Anmischbecher muss absolut sauber sein.

5. Sumpfen

Zügiges Einstreuen des Gipspulvers in das Wasser, sodass es nicht zu Lufteinschlüssen (sogenannten Knollen) kommen kann. Sumpfzeit: 30 Sekunden, dann den Gips langsam vermengen und kurz vormischen.

6. Korrektes Anrühren

Bei manuellem Anmischen: 30 Sekunden für Abform- und Artikulationsgipse, 60 Sekunden für Typ-3- und Typ-4-Gipse bei einer in der Gebrauchsanleitung angenommenen Umdrehungszahl von 2–3 Spatelbewegungen pro Sekunde. Bei Anmischen im Vakuummischgerät nach dem Anspateln 30 Sekunden mischen lassen.

Nachträgliches Beimengen von Gips oder Wasser verfälscht das Ergebnis signifikant.

7. Ausgießen

Von einem Ende beginnend langsam die Kauflächen füllen. Mit dem Rüttler arbeiten, um die Thixotropie des Gipsbreies auszunutzen.

Zügig arbeiten, da der Gips abbindet. Zu langes Verarbeiten kann die Keimbildung zerstören und zu Verschlechterungen der Gipsqualität führen.

8. Modellerstellung

Bis zum Beginn des Glanzverlustes sollte der Löffel auf dem Rücken, also Kauflächen nach unten, gelagert werden, um die bestmögliche Dichte und Härte der Kaufläche zu erhalten. Dann kann der Zahnkranz schon gesockelt werden. Lagerung bis zum Ende auf dem Rücken.

9. Modellbearbeitung

Nach ca. 45 Minuten bis einer Stunde kann die Abformung entfernt werden.

Sollte ein Zweitausguss beabsichtigt sein, wieder die Rückstellzeiten einhalten.

Das Modell kann nun weiter bearbeitet werden.

10. Trimmen

Möglichst zügig nach dem Abbinden trimmen und einartikulieren.

Jedes Austrocknen des Gipses und nachträgliche Wässerung führt zu unkontrollierten Expansionen.

Wenn möglich, Trockentrimmer verwenden.

Vor dem Ausbrühen Gips wässern, sodass das Wachs nicht in den Gips eindringen kann. 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Professor Dr. Peter Pospiech


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