Werkstoffe


Im Fokus: Gips

Im vergangenen Teil dieses Werkstoffkunde-Lexikons (alle Teile siehe Link unten) wurde schon auf die Bedeutung der Modellherstellung und Gipsarbeiten hingewiesen. Gips wird auch weiterhin auf absehbare Zeit in der Zahntechnik eine Rolle spielen. So werden wir uns in den nächsten Folgen mit diesem Basiswerkstoff beschäftigen.

Was ist „Gips“?

  • Abb. 1: Die deutschen und englischen Begriffe von Gips und deren chemische Bezeichnung und Klassifizierung nach ISO 6873.

  • Abb. 1: Die deutschen und englischen Begriffe von Gips und deren chemische Bezeichnung und Klassifizierung nach ISO 6873.
Im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff „Gips“ für alle möglichen Spielarten und Ausprägungen verwendet. So wird der Gips im Steinbruch wie auch der Gips, den wir zur Verarbeitung geliefert bekommen, so bezeichnet. Die angloamerikanischen Definitionen sind da etwas präziser bzw. schon im alltäglichen Sprachgebrauch wird die Differenzierung deutlich (Abb. 1). Aus diesem Grund haben sich die englischen Begriffe in der dentalen Welt auch in der deutschen Sprache als Anglizismen etabliert oder man verwendet zur Differenzierung die Typenbezeichnungen, also z. B. Superhartgips Typ 4.

  • Abb. 2: Der Prozess der Hemihydratherstellung, also des Gipsbrennens, ist eine energieaufwendige, endotherme Reaktion.

  • Abb. 2: Der Prozess der Hemihydratherstellung, also des Gipsbrennens, ist eine energieaufwendige, endotherme Reaktion.
Gipsstein, wie er in der Natur vorkommt, ist rein chemisch gesehen ein Calciumsulfat-Dihydrat. Das, was in die Tüte kommt, ist ein um eineinhalb Wassermoleküle beraubter Gipsstein, ein sogenanntes Hemi- oder Halbhydrat. Die Abbildung 2 skizziert, dass durch hohe Energiezufuhr das gebundene Wasser ausgetrieben wird, was als endotherme Reaktion bezeichnet wird. Beim Anmischen mit Wasser findet diese Reaktion sozusagen rückwärts statt, die Reaktion ist exotherm, der Gips wird beim Abbindeprozess sehr heiß.

Die Hemihydratherstellung:

Durch bestimmte Brennprozesse entstehen dabei zwei große Gipsarten, die von der Chemie her gleich sind, die sich aber in der Form ihrer Kristalle unterscheiden:

Das sogenannte Alpha-Hemihydrat bekommt dabei durch einen aufwendigeren Brennprozess im Autoklav eine gleichmäßigere Form und charakterisiert die Hart- und Superhartgipse.

Die durch einen offenen Brennprozess gewonnenen Beta-Hemihydrate sind weicher und werden als Artikulations- und Abformgipse verwendet.

Fortsetzung folgt

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Peter Pospiech