Werkstoffe


Kunststoffe – Teil 6: Prothesenkunststoffe (3)

Heißpolymerisate haben sich über Jahrzehnte bewährt, sind aber im Verarbeitungsprozedere sehr zeitaufwendig und deshalb auch bei Unterfütterungen und Teilprothesenfertigstellungen nicht wirtschaftlich. Diese Indikationen sind die Domänen der Kaltpolymerisate.

Der Begriff des „Kaltpolymerisates“ rührt daher, dass zum Reaktionsstart der Polymerisationsreaktion im Gegensatz zu den Heißpolymerisaten keine Wärmezufuhr notwendig ist. Alternativ wird der Begriff „Autopolymerisat“ verwendet. Der Reaktionsstart erfolgt durch eine chemische Reaktion. Dazu wird ein Redoxsystem verwendet, in dem Radikale erzeugt werden, die den Polymerisationsprozess des Polymethylmethacrylates in Gang setzen. Dabei wird es dann auch heiß, denn hier handelt es sich ebenfalls um eine exotherme Reaktion.

Redoxsystem: Dibenzoylperoxid (DBPO) und N,N-Dimethyl-ptoluidin

Dieses System gehört zu den ersten Kunststoffen, die als Autopolymerisate entwickelt wurden, und ist auch heute noch erhältlich. Es sind robuste Systeme, die bei dünnen Schichten wie z. B. bei Unterfütterungen auch ohne spezielle Polymerisationsgeräte verarbeitet werden können.

  • Abb. 1: Prinzip der klassischen Autopolymerisate mit Amin-Peroxid-Systemen.

  • Abb. 1: Prinzip der klassischen Autopolymerisate mit Amin-Peroxid-Systemen.
    © Prof. Dr. Peter Pospiech
Das Initiatorsystem besteht aus einer aminhaltigen Komponente in der Flüssigkeit und dem DBPO im Pulver (Abb. 1). Kunststoffe – Teil 6: Prothesenkunststoffe (3) Die wesentlichen Vorteile dieser Autopolymerisate liegen in ihrer zeitsparenden, schnellen Verarbeitbarkeit. Durch die Möglichkeit der Anwendung ohne spezielle Polymerisationsgeräte sind diese Werkstoffe ideal bei der Anwendung in der „Notfall-Prothetik“. So kann auch der Zahnarzt im Notdienst (besonders an Feiertagen) ohne größeren Aufwand kleinere Reparaturen wie das Wiederbefestigen eines Zahnes oder eines kleineren Prothesensattels bzw. Sprünge in akzeptabler Qualität reparieren.

Die Verarbeitung in der Gießtechnik bringt allerdings den Nachteil mit sich, dass im Vergleich zu den Heißpolymerisaten der Monomeranteil erhöht ist und die Gefahr von Sensibilisierungen bei zu viel Restmonomer besteht. Deshalb sollte in jedem Fall auch die Aushärtung im warmen Wasserbad erfolgen, um ein Zuviel an Restmonomer zu vermeiden.

  • Abb. 2: Zusammenstellung der Vor- und Nachteile der Amin-Peroxid-Autopolymerisate.

  • Abb. 2: Zusammenstellung der Vor- und Nachteile der Amin-Peroxid-Autopolymerisate.
    © Prof. Dr. Peter Pospiech
Ein weiterer Nachteil der „zu fließfähigen“ Verarbeitung ist darin zu sehen, dass die Polymerisationsschrumpfung höher ausfällt, wobei dies bei Unterfütterungen, Bruch- und Sprungreparaturen und der Wiederbefestigung von Zähnen keine ausschlaggebende Rolle spielt (Abb. 2).  

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech



Was gibt es für wichtige und interessante Kongresse und Veranstaltungen im kommenden Jahr 2020? Werfen Sie einen Blick in unsere Übersicht!

Hier geht's zur Übersicht

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite