Werkstoffe

Ästhetische Seitenzahn-Restauration mit IPS e.max Press

Nur Werkstoff oder mehr?


Indizes: Vollkeramik, Modellation, Pressen, Individualisieren, Equipment

Die Hersteller dentaler Werkstoffe bieten heute eine einzigartige Vielfalt und damit nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für eine fallspezifische und individuelle Technik. Eine Möglichkeit, die der Natur sehr nahe kommt, ist die Vollkeramik. Mit ihr lassen sich heute ästhetisch hervorragende Restaurationen anfertigen. Der Beitrag von ZTM Horst Polleter beschreibt Step-by-Step das Vorgehen und die Herstellung einer Seitenzahnrestauration mit IPS e.max Press.

Oft wird behauptet der Dentalmarkt sei schnelllebig, aber trifft das auf alle Gebiete zu? Als beispielsweise Ivoclar Vivadent 1989 das IPS Empress entwickelt und auf den Markt gebracht hatte, konnte niemand ahnen, dass diese Glaskeramik aus Siliziumoxid, Aluminiumoxid und Kaliumoxid mit Leuzit als Kristallbildner im Laufe der folgenden Jahre von zahlreichen Unternehmen kopiert werden würde. Zweifellos wurde dadurch diese Entwicklungsarbeit quasi der ´Urvater` der meisten dentalen Presskeramiken zur Herstellung von Kronen, Inlays und kleinen Brücken auf Glaskeramikbasis. Fast zwanzig Jahre sind seither vergangen und noch immer wird IPS Empress erfolgreich eingesetzt. Insofern kann man davon ausgehen, dass bei nachgewiesener Qualität der Dentalmarkt doch nicht so schnelllebig ist. Wenn ein bedeutender Hersteller neben einem erfolgreichen Presskeramik-System ein zweites System platziert, muss das Unternehmen darum schon sehr von der Leistungsfähigkeit des neuen Systems überzeugt sein. Aus diesem Grund machte die Markteinführung von IPS e.max Press besonders neugierig. Einerseits muss eine neue Presskeramik den Anforderungen moderner Zahntechnik entsprechen und Keramikrestaurationen wirklich wirtschaftlich herstellen lassen. Andererseits muss sie neben ihrer Effizienz auch Ästhetik und Sicherheit in sich vereinen. Gerade heute, wo Gesundheitsbewusstsein und gutes Aussehen nicht mehr zu trennen sind, wird uns immer bewusster, dass ein gepflegter Mund einfach dazu gehört und die Zahntechnik immer stärker gefordert wird, den hohen Ansprüchen der Patienten gerecht zu werden.

Werkstoffgerechte Vorbereitung

In unserem Patientenfall waren die Zähne 45, 46 und 47 mit Teilkronen und Inlays zu versorgen. Da der Patient auf einen ästhetischen Zahnersatz Wert legte, entschied sich der Behandler für Vollkeramik-Teilkronen aus der Lithium-Disilikat-Keramik IPS e.max Press. Mit einer Festigkeit von 400 MPa sind dies die Pressrohlinge mit der höchsten Festigkeit. Sie sind indiziert, wenn die Präparationsgrenze weniger als 0,5 Millimeter von Höckerspitzen entfernt verlaufen oder der Schmelz stark unterminiert ist und im Bereich der Höckerüberkappungen der Platzbedarf von mindestens 1,5 Millimeter berücksichtigt werden kann. Nötig sind zirkuläre Stufenpräparationen, deren Innenkanten im Winkel von 20 bis 30 Grad abgerundet sind. Die Breite der Stufe sollte zirka einen Millimeter betragen. Tipp: Eine materialgerechte Präparation und eine gekonnte Umsetzung durch einen perfekten Abdruck ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Gelingen vollkeramischer Arbeiten.

Vom Gipsstumpf zum Gerüst

Wie gewohnt wird als Arbeitsgrundlage ein Sägeschnittmodell hergestellt. Nach dem Erstellen der Modelle werden die gut sichtbaren Präparationsgrenzen dargestellt (Abb. 1). In einem weiteren Arbeitsschritt werden die Grenzen markiert. Ein Sealer-Auftrag härtet die Oberfläche und schützt den Gipsstumpf. Anschließend wird der Stumpf mit Distanzlack versiegelt, damit die Gerüste so passgenau gepresst werden, dass sie ohne großen Schleifaufwand ein gutes Ergebnis erzielen. Dabei wird der Distanzlack in zwei Schichten bis auf höchstens einen Millimeter an die Präparationsgrenze heran aufgetragen. Die Dicke sollte pro Schicht 9 bis 11 m betragen und auf die Einbettmassen-Expansion abgestimmt sein. Die Modellation erfolgt dann mit einem organischen Wachs, das in die Materialkette des Systems passt und rückstandsfrei verbrennt. Gepresste Restaurationen aus IPS e.max Press können wahlweise bemalt oder mit IPS e.max Ceram überschichtetwerden. In unseren Fall mittels Maltechnik wird die Modellation vollanatomisch und funktionell aufgewachst. Dabei ist unbedingt drauf zu achten, dass das Wachs nicht verschmutzt ist und die Mindeststärke eingehalten wird, damit die Objekte später einwandfrei ausfließen (Abb. 2). Besonders an Präparationsgrenzen muss exakt modelliert werden. Übermodellieren sollte man nicht, weil es zeitaufwendige und riskante Anpassungsarbeiten nach sich zieht. Kleiner Tipp: Beim abschließenden Brennen mit Malfarben und Glasurmasse vergrößert sich das Volumen der Restauration. Darum darf man beim Modellieren ruhig etwas außer Kontakt gehen.

  • Abb. 1: Nach dem Erstellen der Arbeitsmodelle, werden die gut sichtbaren Grenzen dargestellt.
  • Abb. 2: Beim Modellieren ist darauf zu achten, dass das Wachs nicht verschmutzt ist und die Mindeststärke eingehalten wird, damit die Objekte später einwandfrei ausfließen.
  • Abb. 1: Nach dem Erstellen der Arbeitsmodelle, werden die gut sichtbaren Grenzen dargestellt.
  • Abb. 2: Beim Modellieren ist darauf zu achten, dass das Wachs nicht verschmutzt ist und die Mindeststärke eingehalten wird, damit die Objekte später einwandfrei ausfließen.

  • Abb. 3: Angestiftet wird an der dicksten Stelle. Der Wachsdraht ist drei und maximal acht Millimeter lang und die Gesamtlänge beträgt höchstens 16 Millimeter.
  • Abb. 4: Als Pressrohling für die Maltechnik wurde in diesem Fall der IPS e.max Press HAT Rohling gewählt.
  • Abb. 3: Angestiftet wird an der dicksten Stelle. Der Wachsdraht ist drei und maximal acht Millimeter lang und die Gesamtlänge beträgt höchstens 16 Millimeter.
  • Abb. 4: Als Pressrohling für die Maltechnik wurde in diesem Fall der IPS e.max Press HAT Rohling gewählt.

Wie es beliebt - ­ konventionell oder schnell

Beim Aufstecken ist es ratsam, sich exakt an die Angaben des Herstellers zu halten. Andernfalls können die Abweichungen zu einem Misserfolg führen (Abb. 3). Wir stiften darum an der dicksten Stelle der Modellation mit einem zwischen drei und maximal acht Millimeter langen Wachsdraht rund und leicht auslaufend an, so dass die Gesamtlänge des Wachsdrahtes zusammen mit dem Pressobjekt höchstens 15 bis 16 Millimeter beträgt. Der Abstand zwischen den einzelnen Objekten beträgt mindestens drei Millimeter und zum Silikonring mindestens zehn Millimeter. Ob man die konventionelle oder die ´Speed`-Einbettmasse bevorzugt, hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab. Als Pressrohling für die Maltechnik verwendet man am besten einen IPS e.max Press Ingot HT (Abb. 4). Weder der Rohling noch der Alox-Kolben werden vorgewärmt. Kurz bevor die Muffel fertig aufgeheizt ist, wird der kalte IPS e.max Alox Kolben mit Separator benetzt und so ein Verkleben des Alox-Kolbens mit dem Pressrohling verhindert (Abb. 5). Dann wird der kalte Press-Rohling und die mit Pulver benetzte Seite des kalten IPS e.max Alox-Kolbens in die heiße Muffel geben und der Pressofen gestartet (Abb. 6).

Gerüste voller Glanz

Ist das Pressen beendet, sollte man die Muffel vor dem Ausbetten auf Handwärme abkühlen lassen. Risse, die während des Abkühlens um den Alox-Kolben entstanden sind, mögen am Anfang verunsichern, beeinflussen jedoch nicht das Pressergebnis. Die Muffel wird zunächst mit einer großen Trennscheibe separiert (Abb. 7) und anschließend an der Sollbruchstelle gebrochen (Abb. 8). Eventuell leistet hier ein Gipsmesser gute Dienste. Zum Abstrahlen verwendet man grundsätzlich nur Glanzstrahlperlen und strahlt grob bei 4 bar und fein bei 2 bar Druck ab. Schon unmittelbar nach dem Abstrahlen zeigt sich die sehr homogene Oberfläche der Pressobjekte. Aufgepasst wird dann in gewohnter und bewährter Art mit Okklu-Spray, um eventuell vorhandene Störstellen sichtbar zu machen. Aber Vorsicht: Gepresste IPS e.max Press Restauration sollten nur minimal bearbeitet werden. Für Glaskeramiken dürfen auch generell keine Hartmetallfräser verwendet werden! Die Presskanäle werden mit einer dünnen Diamantscheibe unter feuchter Kühlung abgetrennt. Approximal- oder Frühkontakte in der Okklusion werden am besten mit Keramikpolierern Nr. 9690 / 9691 von Komet-Brasseler gemäß der Schleifkörperempfehlung für Glaskeramik von Ivoclar Vivadent angeglichen. Je homogener die Oberfläche sich vor dem Glanzbrand zeigt, desto besser ist das Ergebnis. Nach dem Aufpassen präsentiert die Presskeramik dann ihre ganze Lichtdynamik. Ihre Opaleszenz und der Wechsel ihres Farbverhaltens bei Durchlicht ist an einem gepressten Versuchsträger sehr gut zu erkennen (Abb. 9 und Abb. 10). Daneben zeigt sich eine gute fluoreszierende Wirkung des Werkstoffs (Abb. 11 und Abb. 12).

  • Abb. 5: Vor dem Pressen, wird der Alox-Kolben in den IPS e.max Seperator getaucht. Er verhindert, dass Rohling und Kolben während des Pressvorgangs verkleben.
  • Abb. 6: Der Pressofen EP 600 von Ivoclar Vivadent lässt sich leicht bedienen und ablesen.
  • Abb. 5: Vor dem Pressen, wird der Alox-Kolben in den IPS e.max Seperator getaucht. Er verhindert, dass Rohling und Kolben während des Pressvorgangs verkleben.
  • Abb. 6: Der Pressofen EP 600 von Ivoclar Vivadent lässt sich leicht bedienen und ablesen.

  • Abb. 7: Die Muffel wird mit einer großen Trennscheibe separiert....
  • Abb. 8:... und an der Sollbruchstelle gebrochen.
  • Abb. 7: Die Muffel wird mit einer großen Trennscheibe separiert....
  • Abb. 8:... und an der Sollbruchstelle gebrochen.

Restaurationen mit Charakter

Für Charakterisierungen der Inlays verwenden wir Shades beziehungsweise Stains. Der Malbrand kann so oft wiederholt werden, bis sich der gewünschte Glanzgrad einstellt. Um zu einem guten Ergebnis zu gelangen, sollte man die Malfarbe immer nur dünn auftragen. Nach dem Beenden der Glasurbrände werden die Objekte noch mechanisch poliert. Sehr gut dafür eignen sich Filzräder und Diamantpasten. Ist die Restauration fertig gestellt, erfolgt die Kontrolle auf einem unbehandelten Modell (Abb. 13). Gegebenenfalls werden noch einmal die Kontaktpunkte korrigiert. So entstehen durch die natürliche Wirkung des Materials exzellente Restaurationen (Abb. 14). Zum Einsetzen werden die Zähne, auf die die kleinen Kunstwerke aufgesetzt werden sollen, mit einem Kofferdam vom restlichen Mundraum abgeteilt (Abb. 15). Er verhindert, dass eine Restauration verschluckt oder aspiriert wird.

  • Abb. 9: Die Presskeramik zeigt ihre ganze Lichtdynamik.
  • Abb. 10: Im Durchlicht ist die Opaleszenz bestens zu erkennen.
  • Abb. 9: Die Presskeramik zeigt ihre ganze Lichtdynamik.
  • Abb. 10: Im Durchlicht ist die Opaleszenz bestens zu erkennen.

  • Abb. 11: Fast schon Kunst ­ IPS e.max Press zeigt eine gut fluoreszierende Wirkung.
  • Abb. 12: Die natürliche Wirkung des Werkstoffs ist beeindruckend.
  • Abb. 11: Fast schon Kunst ­ IPS e.max Press zeigt eine gut fluoreszierende Wirkung.
  • Abb. 12: Die natürliche Wirkung des Werkstoffs ist beeindruckend.

Fazit

Neue Wege kann man nur gehen, wenn das Behandlungsteam in der Qualität und in der Ästhetik die gleichen Ziele verfolgt. Nur wenn Behandler und Zahntechniker von einer perfekte Präparation über die präzise Abdrucknahme bis zum abschließenden Finish beim Einsetzen im Team arbeiten, können ästhetische Restaurationen hergestellt werden, die auch den hohen Ansprüchen des Patienten genügen (Abb. 16). Die neue Presskeramik IPS e.max Press HT von Ivoclar Vivadent hat uns überzeugt. Das System beinhaltet alles was ein Keramiker benötigt, um effizient zu arbeiten. Damit ist man in der Lage, schnell und sicher ästhetische Keramikrestaurationen herzustellen, die sich unauffällig in das orale Umfeld eingliedern.

  • Abb. 13: Die Restauration wird mit Filzrädern und Diamantpasten poliert und auf einem unbehandelten Modell überprüft.
  • Abb. 14: Die natürliche Wirkung des Materials schafft kleine Kunstwerke.
  • Abb. 13: Die Restauration wird mit Filzrädern und Diamantpasten poliert und auf einem unbehandelten Modell überprüft.
  • Abb. 14: Die natürliche Wirkung des Materials schafft kleine Kunstwerke.

  • Abb. 15: Zum Einsetzen teilt ein Kofferdam die Zähne vom Mundraum.
  • Abb. 16: Eine perfekte Restauration, die sich unauffällig in das orale Umfeld einfügt.
  • Abb. 15: Zum Einsetzen teilt ein Kofferdam die Zähne vom Mundraum.
  • Abb. 16: Eine perfekte Restauration, die sich unauffällig in das orale Umfeld einfügt.


VERWENDETE MATERIALIEN

Presskeramik:
IPS e.max Press HT, Ivoclar Vivadent (Ellwangen)

Pressofen:
EP 600, Ivoclar Viviadent (Ellwangen)

Keramikpolierer:
Nr. 9690 / 9691, Gebr. Brasseler (Lemgo)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Horst Polleter - Dr. Gerhard Müller

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Horst Polleter , Dr. Gerhard Müller


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