Werkstoffe

Werkstoffe hinterfragt und kritisch beleuchtet

PEEK als Basismaterial für festsitzenden und herausnehmbaren Zahnersatz

Polyetheretherketon (kurz: PEEK) ist ein thermoplastischer Kunststoff mit einer Schmelztemperatur von ca. 335 °C. Er wird seit einigen Jahren als Metallersatz sowohl in der Kronen- und Brückenprothetik als auch bei herausnehmbarem Zahnersatz als Prothesenbasismaterial diskutiert, da er aufgrund des Fehlens von Restmonomeren und seiner Korrosionsfreiheit als sehr bioverträglich angesehen wird. Gute Erfahrungen bestehen seit den 1980-er Jahren insbesondere in der Orthopädie und Sportmedizin.

Die Tabelle rechts (zum Vergrößern anklicken) zeigt, dass PEEK grundsätzlich nicht weit von den Daten des klassischen PMMA-Prothesenkunststoffes entfernt ist.

  • Die Daten von PEEK sind nicht weit von den Daten des klassischen PMMA-Prothesenkunststoffes entfernt.

  • Die Daten von PEEK sind nicht weit von den Daten des klassischen PMMA-Prothesenkunststoffes entfernt.

Auch wenn eine gewisse Indikation und Erfahrung in der allgemeinen Medizin besteht, so liegen doch völlig andere Rahmenbedingungen in der Mundhöhle vor: Im Gegensatz zur Zahnmedizin gibt es so z. B. keinerlei Temperaturschwankungen, die im Mund deutlich größer sind. In der Medizin werden standardisierte und unter optimalen Kautelen hergestellte Funktionsteile verwendet, während die Zahnmedizin mit individuellen Einzelanfertigungen arbeiten muss.

Derzeit gibt es bis auf Einzelkasuistiken keine kontrollierten, prospektiven klinischen Studien, die den grundsätzlichen Einsatz PEEK-basierter Teilprothesen rechtfertigen könnten. So gibt es keine Aussagen zur dauerhaften Steifigkeit und Verwindungsfreiheit unter klinischen Bedingungen.

Neben den mechanischen Eigenschaften besteht ein Verbundproblem mit anderen Werkstoffen: Die Verbindung mit Kompositen oder PMMA-Werkstoffen gelingt nur unter derzeit sehr aufwendigen Vorgehensweisen [1, 2].

Für die Nachbearbeitung und Politur sind spezielle Fräsen und Schleifkörper erforderlich, die eine geringe Wärmebelastung bewirken, da klassische Fräsen zu einem „Schmieren“ des Werkstoffes führen.

Auch die Farbe entspricht nicht dem, was man mittlerweile mit den Polymethacrylaten und Kompositen bzw. Hochleistungskeramiken erreichen kann.

Fazit

Eine allgemeine Anwendungsempfehlung kann derzeit nicht gegeben werden. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass eine Anwendung eher Studiencharakter hat und klinische Langzeiterfahrungen auch mit Reparaturen fehlen.

Prof. Dr. Peter Pospiech 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Peter Pospiech


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