Werkstoffe

Werkstoffe hinterfragt und kritisch beleuchtet

Teil 3 - Metallguss und Friktion

06.09.2016
aktualisiert am: 14.09.2016

Heute stehen in unserem Werkstoffkunde-Lexikon Pfeilergeometrie und Oberfläche im Fokus der Betrachtungen.

Einflüsse auf die Friktion von Doppelkronen

Die Geometrie der Primärkrone spielt für das tribologische Verhalten von Außenteleskopen eine wichtige Rolle. Dabei ist klar, dass die Höhe der Kronen bzw. der funktionell wirkenden Parallelflächen auch bei Non-Friktion Führungs- und Kippmeiderfunktion haben. Um ein gleichmäßiges Gleitverhalten zu erreichen, sollte man deshalb bemüht sein, diese Flächen bei allen Pfeilern eines Kiefers einander anzugleichen. Auf die Gestaltung der parallel gefrästen Funktionsflächen ist deshalb größter Wert zu legen. Je ähnlicher sie einander in ihrer Gesamtoberfläche sind, umso „eleganter“ ist das Ein- und Ausgliedern einer Teleskopprothese.

Die Abbildungen 1 und 2 zeigen zwei Beispiele: Man sieht zum einen drei unterschiedliche Zähne (Abb. 1), die aber mit gleicher Höhe der Friktionsflächen versehen werden konnten. Abb. 2 zeigt, dass sich dies aufgrund der Zahnanatomie jedoch nicht immer bei allen Zähnen gleichmäßig realisieren lässt. Bei Frontzähnen stellt sich als kritischer Anteil immer die palatinale Fläche heraus. Unterhalb des Tuberkulums ist häufig nur eine geringe Retentionshöhe zu erzielen. Es muss dann immer versucht werden, die Retentionswirkung ggf. über den Approximalbereich auszugleichen, wobei ein Abkippen über eine Frontalachse beim Abbeißen damit nicht vermieden werden kann. Deshalb sollten immer mindestens 3 mm Höhe der palatinalen Fräsfläche angestrebt werden.

  • Abb. 1: Unterschiedliche Zähne, die Primärkronen konnten aber mit gleicher Höhe der Friktionsflächen gestaltet werden.
  • Abb. 2: Bei Frontzähnen gilt das besondere Augenmerk den palatinalen Flächen.
  • Abb. 1: Unterschiedliche Zähne, die Primärkronen konnten aber mit gleicher Höhe der Friktionsflächen gestaltet werden.
  • Abb. 2: Bei Frontzähnen gilt das besondere Augenmerk den palatinalen Flächen.

Im Mund ist alles rund. Kantige Übergänge an Primärkronen (Abb. 3) erschweren den Herstellungsprozess der Matrizen, denn sie lassen sich nicht gut auf der Innenseite darstellen: Beim Gießen wie auch beim galvanischen Abscheiden kommt es zum Abrunden von Innenkanten. Auch bei der Fräsung in CAD/CAM-Technologie lassen sich spitzwinklige Übergänge auf Kroneninnenseiten aufgrund der Fräserradiuskorrektur nicht perfekt reproduzieren. Ein leichtes Kantenbrechen wie erleichtert zudem das Handling für den Patienten beim Eingliedern der Prothesen.

  • Abb. 3: Kantige Übergänge an Primärkronen können auf den Innenseiten der Matrizen kaum nachvollzogen werden.
  • Abb. 4: Bei dieser Form der Patrizen lässt sich eine gute Innenpassung der Matrizen erzielen.
  • Abb. 3: Kantige Übergänge an Primärkronen können auf den Innenseiten der Matrizen kaum nachvollzogen werden.
  • Abb. 4: Bei dieser Form der Patrizen lässt sich eine gute Innenpassung der Matrizen erzielen.

Daneben zeigt sich auch die perfekte Oberflächengüte wie in Abb. 4 als wesentlich für die spätere Innenpassung der Sekundärteile. Ein abgestimmtes Fräser- und Politurset ergibt besonders bei den dann kratzfesten Innenkronen aus Zirkoniumdioxid ein hervorragendes und beständiges Oberflächenbild.

Fortsetzung Teil 4 siehe Link unten.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Peter Pospiech