Werkstoffe

Heute: Biotop Mundhöhle

Teil 4 - Metallguss und Friktion

06.10.2016
aktualisiert am: 10.11.2016

Zusammenstellung der Faktoren des Biotops Mundhöhle.
Zusammenstellung der Faktoren des Biotops Mundhöhle.

Teil 4 unseres Werkstoffkunde-Lexikons beschäftigt sich mit einem Faktor auf die Friktion, der oftmals nicht immer im Bewusstsein des Behandlerteams sowie des Patienten ist: die herrschenden Umweltbedingungen in der Mundhöhle.

Bei der Forderung nach Bioverträglichkeit von Dentalwerkstoffen denkt man zunächst an deren mögliche, schädigenden Einflüsse auf den menschlichen Körper und seine Organe. Im umgekehrten Sinn existieren aber auch destruierende Einwirkungen der Umweltbedingungen in der Mundhöhle auf die eingebrachten Materialien. Die Mundhöhle ist ein komplexes Biotop, weil in ihr – anders als in anderen Körperregionen – ständig wechselnde Bedingungen herrschen, da sie in gewisser Weise das Tor zur Außenwelt darstellt.

Die Abbildung verdeutlicht sehr schön, welchen chemischen und physikalischen Belastungen nicht nur die eigenen Zähne, sondern auch die Zahnersatzmaterialien ausgesetzt sind.

So ergeben sich durch die Nahrungsaufnahme Temperaturschwankungen von 0 bis 60 °C, was gut durch den Genuss von Eiscreme und Kaffee symbolisiert wird; da beides häufig auch gern miteinander konsumiert wird, erkennt man auch die durch die kurzzeitigen Temperaturintervalle erheblichen möglichen Wechselbelastungen.

Ständige schwankende und meist abfallende pH-Werte können direkt durch säurehaltige Nahrungsmittel wie Obst, Essig und Softdrinks erfolgen, aber auch indirekt durch den Einfluss der Mikroorganismen, die durch ihre Stoffwechselprodukte nicht nur Karies und Parodontalerkrankungen verursachen, sondern auch einen schädigenden, korrosionsfördernden Einfluss auf die Werkstoffe haben können.

Hinzu kommt die ubiquitäre Feuchtigkeit, die zwar auch auf der Zufuhr von Nahrung beruht aber primär durch den Speichel bedingt ist: Dieser ist ständig wechselnden Qualitäten unterworfen, da tageszeitliche Schwankungen, Medikamentenaufnahme, Nahrung und vieles mehr dessen Zusammensetzung beeinflussen und somit einen nahezu unkontrollierbaren und schwer einschätzbaren Effekt auf die Werkstoffe hat.

Schließlich sind die Belastungen durch die Kaumuskulatur zu erwähnen, da in der Summe Kaukräfte im Molarenbereich bis zu 1.000 N auftreten können.

Abrasion und Attrition können nicht nur auf den natürlichen Zähnen stattfinden, sondern natürlich auch auf den künstlichen Zahnersatzwerkstoffen.

Bei Doppelkronen können auch vermehrt vereinzelte Pressungen auftreten, die das Lösen der Doppelkronen deutlich erschweren.

Im Rahmen von Kombinationen aus metallischen Innenkronen und Galvanosekundärkronen konnten auch Kaltverschweißungen des Feingoldes mit den Primärkronen beobachtet werden.

Auch wenn diese skizzierten Bedingungen in der Mundhöhle kaum durch den Zahnarzt und den Techniker beeinflussbar sind, so müssen sie für jeden einzelnen Patienten erkannt und ggf. durch die Materialwahl oder die konstruktive Ausführung günstigere Voraussetzungen für den Erfolg einer Doppelkronenprothese geschaffen werden.

Fortsetzung Teil 5 siehe Link unten.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Peter Pospiech