Werkstoffe

Allgemeine Technik: Passung und QM

Teil 8 - Metallguss und Friktion

In den letzten drei Teilen dieses Werkstoffkunde-Lexikons ging es um die Passung der Sekundärkronen auf den Primärkronen und deren Haftmechanismus. Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit der Passung der Primärkronen auf dem Stumpf – was natürlich nicht nur für die Doppelkronentechnik gilt.

Was ist „Passung“?

Die Anforderungen an den Passungsbegriff sind gerade auf dem Gebiet der Doppelkrone noch wesentlich höher als zum Beispiel bei einer Einzelkrone in der geschlossenen Zahnreihe.

Durch den Wirkmechanismus bedingt, kommt es im Gegensatz zu anderen Restaurationen bei jeder Ausgliederung der doppelkronenverankerten Prothese zu einer Zugwirkung auf die Primärkronen. Dies ist in der Regel kein Problem, wenn sich die zu überwindenden Ausgliederungskräfte im maximalen Bereich von 10 N bewegen und die Präparation des Zahnes den klassischen Präparationsanforderungen genügt: Zum sicheren Halt bedarf es einer vertikalen Retentionsmanschette von 3 - 4 mm Höhe, die mit einem maximalen Konuswinkel von 2 - 3° präpariert worden ist. In diesem Bereich sollte dann auch möglichst wenig am Gipsstumpf ausgeblockt werden, um die bestmögliche Friktion auf dem Stumpf zu erreichen. Die anzustrebende Zementfuge sollte ideal 50 ?m betragen, darf aber in keinem Fall 120 ?m überschreiten.

Um dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen, bedarf es eines abgestimmten und immer wieder kontrollierten Prozesses bei der Sägemodellherstellung bezüglich Verfahren und Werkstoffe und dasselbe gilt natürlich auch für die Umsetzung in das Gussobjekt.

Je mehr die verschiedenen Parameter konstant gehalten werden können, – und das beginnt im Grunde schon bei der Qualität und Temperatur des Anmischwassers – umso gleichmäßiger sind die Ergebnisse.

Auch wenn sich das etwas verwegen anhören mag: Im Grunde sollten im Gipsraum auch genauso saubere Verhältnisse herrschen wie im Keramikverblendraum. Wenn die Arbeitsgrundlage „Modell“ nicht verlässlich und reproduzierbar stimmt, können die nachfolgenden Arbeitsschritte noch so gut sein – das Ergebnis ist es nicht.

Dies muss man sich immer wieder vor Augen führen. Auch im Gipslabor ist deshalb penibles Arbeiten vonnöten: Schon dem Lehrling ist ab dem ersten Arbeitstag klarzumachen, dass saubere Gipsbecher, gleichmäßig temperiertes und abgemessenes Anmischwasser, abgewogene Gips- oder Einbettmassemengen der Schlüssel zum Erfolg sind (Abb. 1 u. 2).

  • Abb.1: Starke Verkrustungen am Wasserhahn zeugen davon, dass der Gipsraum zum Stiefkind des Labors wurde.
  • Abb. 2: Alt – aber sauber und gepflegt: Der erste Blick des Autors beim Besuch eines Labors geht immer in den Gipsraum – dieser gehört auch zur Visitenkarte des Labors.
  • Abb.1: Starke Verkrustungen am Wasserhahn zeugen davon, dass der Gipsraum zum Stiefkind des Labors wurde.
  • Abb. 2: Alt – aber sauber und gepflegt: Der erste Blick des Autors beim Besuch eines Labors geht immer in den Gipsraum – dieser gehört auch zur Visitenkarte des Labors.

Die Gusstechnologie ist so ausgereift, dass bei einer qualitätskontrollierten Arbeitskette von der Abformung an reproduzierbare Passungen erreicht werden können. Und: Es ist einfacher, die Temperatur des Anmischwassers konstant zu halten als die Schichtstärke eines Stumpflackes.

Fortsetzung folgt

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Peter Pospiech