Kongresse

Nachbericht

3 Tage, 700 Teilnehmer und ein prall gefülltes Fortbildungsprogramm – das war die ADT 2016

Bereits zum zweiten Mal fand die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e. V. in der Nürtinger Stadthalle statt.
Bereits zum zweiten Mal fand die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e. V. in der Nürtinger Stadthalle statt.

Am 26. Mai 2016 war es wieder soweit: rund 700 Mitglieder und Interessierte trafen sich in Nürtingen zur dreitägigen 45. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e. V. (ADT). Unter den Schwerpunktthemen „Dentales Handwerk: Individualität, Kreativität, Präzision“ sowie „Digitaltechnologie auf Zähnen und Implantaten“ standen über 20 Vorträge, vier Live-Demos und Workshops, eine Industrieausstellung sowie erstmalig eine Podiumsdiskussion auf dem Programm.

SusIm Mittelpunkt der Tagung stand die Weiterentwicklung der computergestützten Verfahren. Dennoch betonten viele Referenten, dass neben CAD/CAM das manuelle Handwerk einen hohen und festen Stellenwert innehat und in vielen Bereichen auch (noch?) Vorteile aufweist. Sie zeigten auf, dass es sich lohne, neue digitale Technologien zu integrieren, ohne das bewährte Handwerk aufzugeben.

  • Rund 700 Teilnehmer waren nach gekommen, um sich über 20 Fachvorträge anzuhören, hier bei PD Jan-Frederik Güth zum Thema „Vom Scan zur Restauration – verlässlich und vorhersagbar?“.
  • Prof. Dr. Jürgen Setz eröffnete zum letzten Mal als Präsident der ADT die Jahrestagung.
  • Rund 700 Teilnehmer waren nach gekommen, um sich über 20 Fachvorträge anzuhören, hier bei PD Jan-Frederik Güth zum Thema „Vom Scan zur Restauration – verlässlich und vorhersagbar?“.
  • Prof. Dr. Jürgen Setz eröffnete zum letzten Mal als Präsident der ADT die Jahrestagung.

Auftakt mit Workshops

Bereits zum zweiten Mal am Standort Nürtingen, startete die Tagung traditionell am Donnerstagvormittag mit den Workshops. „Hands-on“ hieß es z. B. bei ZTM Hans-Jürgen Stecher (Wiedergeltingen). Er zeigte den Gesamtprozess von der digitalen intraoralen Abformung bis zur individuellen Einfärbung einer Lava Plus Restauration (3M ESPE, Seefeld) und gab den Teilnehmern die Möglichkeit, eine Lava Plus Krone selber einzufärben sowie das Scannen via 3M True Definition Scanner an einem Phantomkopf zu üben.

In einer Live-Demo von ZTM Horst-Dieter Kraus (Stuttgart) und Prof. Dr. Daniel Edelhoff (München) konnten die Teilnehmer direkt am Patienten die individuelle Aufstellung einer Totalprothese nach phonetischen und ästhetischen Gesichtspunkten erleben. Beide demonstrierten anschaulich, wie wichtig der direkte Kontakt zum Patienten und auch dessen Wünsche sowie Vorstellungen für ein gelungenes Ergebnis sind.  Ziel der Live-Demo war es aufzuzeigen, wie man innerhalb kurzer Zeit einen Patienten gesünder, jünger, dynamischer und damit glücklich machen kann – denn eine gelungene Prothetik gibt im Idealfall verloren geglaubte Lebensqualität zu fast 100 % zurück.

Dreitägiges Vortragsprogramm

Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Jürgen Setz und ZTM Wolfgang Weisser startete dann am Nachmittag das Vortragsprogramm mit dem ersten Referenten, Dr. Berthold Reusch (München). Unter dem Titel „Und plötzlich macht es KLICK! Das kreative Zusammenspiel von Handwerk und digitalen Prozessen“ demonstrierte er die Vorteile eines 3D-Gesichtsscansystems bei der Planung von Prothetik samt Funktionalität und Ästhetik eines Patienten vor Therapiebeginn. Dass Modellguss handgemacht definitiv noch aktuell ist, das zeigte im Anschluss ZT Klaus Dittmar (Uhingen) anhand einer Vielzahl von umgesetzten Arbeiten unterschiedlichster Indikationen aus seinem Laboralltag.

  • Der „Modellguss-Papst“ ZT Klaus Dittmar aus Uhingen zeigte Arbeiten aus seinem Laboralltag.
  • ZTM Thomas Bartsch aus Eschweiler.
  • Der „Modellguss-Papst“ ZT Klaus Dittmar aus Uhingen zeigte Arbeiten aus seinem Laboralltag.
  • ZTM Thomas Bartsch aus Eschweiler.

  • ZTM Hans-Jürgen Lange (Darmstadt) präsentierte Lösungen von Standard-Fällen im digitalen Laboralltag.
  • ZTM Hans-Jürgen Lange (Darmstadt) präsentierte Lösungen von Standard-Fällen im digitalen Laboralltag.

Laut einer japanischen Studie, in der zahnmedizinisches und zahntechnisches Fachpersonal ausgewählt wurde, um die Zahnfarbe der gleichen Patienten zu bestimmen, stimmten in 86 % der Fälle die Ergebnisse nicht überein. Diese Zahlen nahm ZTM Michael Zangl (Cham) zum Anlass, in seinem Vortrag die Präzision und Verlässlichkeit der Farbbestimmung via Digitalkamera vorzustellen. Seine Take-home-message: „Die digitale Planung und Fotografie als Hilfsmittel sind sinnvoll, jedoch sollte man den Patienten dabei nie aus den Augen verlieren. Der Patient ist und bleibt ‚analog‘.“

Dr. med. Dr. med. dent. Stephan Weihe (Dortmund), ZTM Guido Gässler (Ulm) und Frank Hornung (Chemnitz) stellten den Freecorder®BlueFox (DDI-Group, Dortmund) vor. Der Freecorder®BlueFox ist ein opto-elektronisches strahlungsfreies Registrierverfahren via LED-Licht bzw. ein 4D-Videoaufzeichnungssystem mit drei hochauflösenden Kameras und macht die berührungslose digitale Aufzeichnung von Kieferbewegungen und -positionen möglich.

Neue und bestehende CAD/CAM-Werkstoffe unter den Stichworten Ästhetik, Transluzenz, Opazität, Biegefestigkeit sowie Chipping und Verarbeitungsmöglichkeiten diskutierten in ihren Vorträgen u. a. ZT Knut Miller (Schaanwald; „Super-hochtransluzentes Zirkonoxid – Ästhetik-Limits sind Geschichte“), Uwe Greitens (Bielefeld; „Das neue hochtransluzente und cubic zirconia 5Y-TZP im Vergleich zum 3Y TZP Zirkon“), ZTM Thomas Bartsch (Eschweiler; „Vollkeramik – einfach gedacht – einfach gemacht“) und ZT Josef Schweiger (München; „Innovative mehrschichtige Zirkonoxidrohlinge: Gradienten in der Transluzenz und Schlussfolgerungen für die klinische Anwendung“). Dr. Angelika Rzanny (Jena) stellte zudem eine werkstoffkundliche Analyse von PEEK in der zahnmedizinischen Anwendung vor.

  • ZTM Wolfgang Bollack (Gaiberg) schilderte in seinem Vortrag u. a. die Entwicklung der computergestützten 3D-Implantatplanung und Schablonentechnik.

  • ZTM Wolfgang Bollack (Gaiberg) schilderte in seinem Vortrag u. a. die Entwicklung der computergestützten 3D-Implantatplanung und Schablonentechnik.

Der Zahnarzt als Anwalt des Patienten

Als Festredner kam in diesem Jahr Prof. Dr. med. Giovanni Maio, M. A. phil. aus Freiburg. Prof. Maio ist Arzt, Philosoph und Lehrstuhlinhaber für Ethik und Geschichte der Medizin. In seinem Vortrag erläuterte er, „Warum die Zahnmedizin eine ärztliche Kunst ist“. Abgeleitet vom antiken Begriff „techne“, d. h. des sich Verstehen auf eine Sache, sieht er die ärztliche Kunst „als Fähigkeit, gut zu handeln“. Diese sei die Summe aus formalem Sach- und Technikwissen, der Einsicht in die konkrete (Patienten-) Situation, des eigenen Erfahrungsschatzes sowie eines guten Beurteilungsvermögens. Wichtig dabei sei, den Arzt nicht als Leistungserbringer zu sehen, sondern als Anwalt im Interesse des Patienten, zu dem eine Vertrauens- und nicht eine Vertragsbeziehung bestehe.  

Neu im Programm: Podiumsdiskussion zum Thema Nachwuchs

Premiere in der Geschichte der ADT feierte in diesem Jahr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Qualifizierter Nachwuchs mit beruflichen Erfolgschancen auch noch in 20 Jahren“ unter der Moderation von ZTM Wolfgang Weisser.

Welche Zukunft das Zahntechnikerhandwerk hat und wo die Probleme bei der Anwerbung des Nachwuchses liegen, das diskutierten – unter reger Beteiligung aus dem Auditorium – Prof. Dr. Karsten Kamm (praxisHochschule Köln), Steven Lange (B. Sc. Dentaltechnologe Bous), ZTM Jens Diedrich (Garbsen), ZTM Ingo Weber (Täferrot) und ZTM Johannes Sorg (Aalen).

  • Unter reger Beteiligung aus dem Publikum fand erstmalig eine Podiumsdiskussion statt.
  • Unter reger Beteiligung aus dem Publikum fand erstmalig eine Podiumsdiskussion statt.

Wahl des besten Vortrages 2016

Schließlich stand nach dem letzten Referenten am Samstag die Wahl des besten Vortrages auf dem Programm. Mit dem 1. Platz ausgezeichnet wurden ZTM Daniel Seebald und ZTM Jan Berger (beide Hanau) für ihren Vortrag „Zahntechnik heute und in Zukunft – mit Begeisterung ans Werk“. Platz 2 ging an Uwe Greitens (Vortragstitel siehe oben). Mit ihrem Vortrag „Ein Mensch und eine zentrische Kieferrelation?“ wurden Dr. Marco Tinius (Stollberg) und ZTM Christian Wagner (Chemnitz) auf Platz 3 gewählt. Unter allen Teilnehmern, die ihre Stimmkarte abgegeben hatten, wurden fünf I-Pods verlost.

Industrieausstellung und kollegialer Austausch

Ergänzt wurde die Tagung wie in den vergangenen Jahren von einer Industrieausstellung. Rund 45 Unternehmen informierten auf zwei Etagen über Neuheiten und das bestehende Produktportfolio. Außerdem war stets Zeit zum Networking und Austausch unter Kollegen: die Get-together-Party in der Industrieausstellung nach Ende der Vorträge am Donnerstagabend und die ADT-Party Freitagabend im „Schlachthof Bräu“ – in der Nähe der Kongresshalle – luden zu fachlichen Gesprächen zwischen Referenten, Teilnehmern und Vertretern der Industrie ein.

  • Impressionen aus der Industrieausstellung …
  • Die Tagungsteilnehmer konnten sich während der drei Tage …
  • Impressionen aus der Industrieausstellung …
  • Die Tagungsteilnehmer konnten sich während der drei Tage …

  • ... bei rund 45 ausstellenden Firmen …
  • ... über Neuheiten und das aktuelle Produktportfolio informieren.
  • ... bei rund 45 ausstellenden Firmen …
  • ... über Neuheiten und das aktuelle Produktportfolio informieren.

Vorstandswahlen

In diesem Jahr lief zudem die Amtsperiode des aktuellen Vorstandes der ADT e. V. aus. Prof. Dr. Jürgen Setz stellte sich nach neun Jahren als stellvertretender 1. Vorsitzender und sechs Jahren als 1. Vorsitzender nicht mehr zur Wahl. Die Mitgliederversammlung wählte Prof. Dr. Daniel Edelhoff zum neuen Präsidenten, stellvertretender Präsident ist nun PD Dr. Jan-Frederik Güth (München). ZTM Wolfgang Weisser (Essingen) wurde erneut als Vizepräsident bestätigt, ebenso ZTM Rainer Gläser (Freiburg) als stellvertretender Vizepräsident.

Ausblick 2017 und Call for Papers

Die 46. Auflage der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e. V. findet traditionell wieder am Fronleichnamswochenende vom 15. bis 17. Juni 2017 in der K3N-Stadthalle in Nürtingen statt. Im Fokus werden 3 Themen stehen, nämlich „3D-Druck und mehr“, „Herausnehmbarer Zahnersatz digital möglich?“ und „Erfolg durch Planung im Team“. Vortragsvorschläge zu diesen Schwerpunktthemen können bis zum 31. Oktober 2016 eingereicht werden. Mehr Informationen dazu und das Einreichungsformular finden Sie im Internet unter www.ag-dentale-technologie.de

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: M. A. Susanne Wolf

Bilder soweit nicht anders deklariert: M. A. Susanne Wolf