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Nachbericht zum Straumann Forum in Wolfsburg

Das Behandlungsziel als Kriterium für Workflow und Werkstoffwahl

Die interdisziplinäre Abstimmung von patientenindividuellen Therapiekonzepten ist das dentale Thema der Zeit, wenn es um besonders hochwertige zahnprothetische Rehabilitationen geht. Dieses gemeinsame zahnmedizinische und zahntechnische Miteinander lässt das prothetisch optimal Machbare aus den Patientenwünschen entstehen – und Behandlungs- sowie Fertigungsschritte ökonomisch werden. Aktuelles zu dieser Thematik ließ sich in zwei Foren einer Straumann-Veranstaltung am 23. und 24. September in Wolfsburg erfahren.

Wie der digitale dentale Workflow zur Fertigung prothetischer Restaurationen interdisziplinär in Praxis und Labor aussehen kann, konnten die etwa 200 Forumsteilnehmer aus Zahntechnik und Zahnmedizin am 23. und 24. September bereits beim Betreten des VW-Werksgeländes erleben. Ihr Weg zu den Vorträgen führte sie direkt auf einen Truck zu, mit dem Straumann im Oktober seine „Digital Performance Tour 2016/2017“ startete (mehr Infos hier). Anlässlich des „Forum Zahntechnik“ präsentierten die speziellen digitalen Fachberater erstmals in diesem beeindruckend großen Gefährt die Straumann-Produktpalette für den digitalen Inhouse- und/oder Outhouse-Workflow.

Und auch Achim Benda (Leiter digitale Lösungen, Straumann) ging in der Begrüßung der Teilnehmer auf dieses einander ergänzende (digitale) Produktangebot des Unternehmens ein. Indirekt zeigte er damit die Richtung der Vorträge an, in denen neben fachspezifischen Arbeitsschritten auch die zunehmende interdisziplinäre Verknüpfung des Workflows von Patientenbehandlung und Prothetikfertigung thematisiert wurden. Diese Vorträge zu moderieren, war dann Aufgabe von ZTM Thomas Lassen (Starnberg) – ihm kamen durch die Vorträge verbindende Worte und seine Nachfragen auch eine Art Lotsenfunktion durch diesen Veranstaltungstag zu.

Vielfalt strukturiert nutzen

Der erste Referent des Tages war Zahnarzt Dr. Kay Vietor (Langen). Sein Vortrag war mit der leicht provokanten Frage „Implantatprothetik: Was darf‘s denn heute sein“ überschrieben. Vietor ging damit auf die Vielfalt der Möglichkeiten ein, die sowohl die Diagnostik und Planung, die Implantate selbst, wie aber auch die Restaurationen und deren Werkstoffe umfassen. In einer sehr übersichtlichen Gliederung zeigte der Referent, wie strukturiert er bei der Umsetzung von Standard- oder individuellen Konzepten vorgeht.

  • Die Vormittagsreferenten (v. l.) Florian König, ZTM Bernd Goller, ZA Dr. Kay Vietor, Prof. Dr.-Ing. Martin Rosentritt wurden vom Moderator ZTM Thomas Lassen ebenso befragt, wie ...

  • Die Vormittagsreferenten (v. l.) Florian König, ZTM Bernd Goller, ZA Dr. Kay Vietor, Prof. Dr.-Ing. Martin Rosentritt wurden vom Moderator ZTM Thomas Lassen ebenso befragt, wie ...
Hierzu navigierte er das Auditorium durch seine Kriterien, wie Abutmentform (Standard, anatomisch, individuell oder Klebebasis), Abutmentmaterial (Titan oder Zirkoniumdioxid), Zahnersatzmaterial (Edelmetall- oder Nichtedelmetall- Dentallegierungen, Zirkoniumdioxid, andere Gerüstkeramiken oder Polymere), Verblendung (Schichtkeramik, Vollkeramik, Presskeramik, Cut-back, Charakterisierung, Finalisierung) sowie Befestigungsart (verklebt/ zementiert oder verschraubt). Durch diese systematische Vorarbeit findet Vietor zwangsläufig seine Ideallinie für die Patientenberatung und Behandlungsplanung sowie Restaurationsfertigung – so der Eindruck des Autors dieses Berichtes. Diese Vorgehensweise könnte auch Guide-line für seine Kollegen sowie Zahntechniker sein.

Prothetische Vielfalt, genauer ausgedrückt: Komplexität, bildete auch der Inhalt des Vortrages von Prof. Dr. Martin Rosentritt (Regensburg) ab. Rosentritt ging darin auf die Fülle der Restaurationsmöglichkeiten, der Werkstoffe, der Design- und Fertigungswege sowie der Befestigungswerkstoffe unter dieser Prämisse ein: „Richtig befestigen – Wissenschaftliche Hintergründe als Erfolgsrezept“. Hierzu vermittelte er dem Auditorium anschaulich, in welcher Form „Substrat (Werkstoff), Bearbeitung, Reinigung, Konditionierung und Befestigungsmaterial“ die „richtige Befestigung“ beeinflussen können. Zu jedem Einzelnen dieser Punkte gab der Vortragende Hinweise, die in Summe für ein sicheres Ergebnis sorgen. Auch wenn die Befestigung am Ende der prothetischen Prozesskette steht: Für ihn gehören die Überlegungen hierzu an den Anfang – noch vor den Beginn der Präparation.

So zeigten Rosentritts Ausführungen, wie wichtig bereits in der Fallplanung auch dieser Behandlungsaspekt ist, denn gegebenenfalls muss hinsichtlich Präparation und/ oder Werkstoffwahl eine prothetische Rehabilitation anders ausgeführt werden als vorgesehen, damit sie ihre Aufgabe langfristig störungsfrei erfüllen kann. So sollen beispielsweise die klinischen Kronenlängen und die Präparationswinkel werkstoffgerecht gestaltet werden. Und: Die Korngrößen der jeweils präferierten Befestigungswerkstoffe müssen sich in der Spacer-Einstellung von Kronendesign und -fertigung wiederfinden, damit die Kronen- und Brückenrestaurationen nach der Insertion okklusal nicht zu hoch sind und zervikal einen zu großen Randspalt haben.

Digitale Komponenten sinnvoll kombinieren

ZTM Bernd Goller (Nürnberg) stellte dem Auditorium am Beispiel der Konfiguration eines Autos – man war schließlich bei VW – die Möglichkeiten vor, die sich mit dem Straumann Cares CAD/CAM-System bieten. Anders als bei einem Fahrzeug müssen sich Praxis und Labor hier jedoch nicht schon vor dem Kauf der Ausstattungskomponenten definitiv festlegen, sondern können ihre Anwendungsmöglichkeiten nach und nach erweitern. Die insbesondere von Zahntechnikern gewünschte Freiheit in der Verbindung von Komponenten stellt sich bei Straumann so dar: In der Outhouse-Fertigung kann das Straumann Scan- und Shape-Verfahren genutzt werden – ganz ohne Investition in Hard- und Software. Oder die Modelle werden 3Shape-gescannt, designt und zur zentralen Straumann-Fertigung nach Markkleeberg (bei Leipzig) gesandt. In der Inhouse-Fertigung werden Scanner und Designsoftware mit einem Straumann M-Series- Fräsgerät – aus der Firmenkooperation mit Amann-Girrbach – verbunden.

Goller stellte anhand von Patientenfällen die Anwendungsoptionen vor und ging dabei auch auf die Vielfalt der angebotenen Restaurationsformen (teil- und vollanatomische Kronen und Brücken, Werkstoffe (Keramiken, Kobalt-Chrom und Titan sowie Kunststoffe) sowie der Fertigung individueller Abutments ein.

Von anderen lernen

Mit Florian König (Moderator und Sportreporter bei RTL, Köln) ging anschließend ein Redner „an den Start“, der sich einem fachfremden Thema widmete: dem Hintergrund der Formel 1. Kaum begonnen zeigte dieser Vortrag bereits Analogien zum dentalen Alltag, wie „Drang nach Perfektion, früher einfach – heute komplex, Arbeit unter dem Brennglas (Team, Öffentlichkeit), technologische Entwicklung“. Und auch die Aussage von König „Das Team – Potenziale nutzen, Talente entwickeln, Durchlässigkeit erhalten“ ist durchaus geeignet, von der Formel 1 direkt in Praxis und Labor übertragen und dort gelebt zu werden. Darüber hinaus beschrieb der Referent eine immer wieder notwendige Eigenmotivation der Formel 1-Akteure – und diese ist auch Zahnärzten, dem Praxispersonal und Zahntechnikern nicht unbekannt. Von den von König hierzu vorgestellten Kriterien für „Erfolg finde ich in mir …“ sollen genannt werden: „Ich gebe immer 100 %, ich bin perfekt vorbereitet, ich kenne meine Stärken/Schwächen, ich lerne immer, ich umgebe mich mit den Besten, ich verliere das Ziel nicht aus den Augen, ich denke langfristig, ich kommuniziere“.

Gemeinsam zum Ziel

  • ... die Referenten der zweiten Veranstaltungshälfte: ZA Dr. Sascha Pieger, ZTM Thomas Meißner, ZA Dr. Dr. Rainer Fangmann, ZTM Fabian Zinser und ZTM Jochen Peters.

  • ... die Referenten der zweiten Veranstaltungshälfte: ZA Dr. Sascha Pieger, ZTM Thomas Meißner, ZA Dr. Dr. Rainer Fangmann, ZTM Fabian Zinser und ZTM Jochen Peters.
ZTM Fabian Zinser (Loxstedt) und Dr. Dr. Rainer Fangmann (Wilhelmshaven) zeigten in ihrem Vortrag „Patientenwunsch: feste Zähne“, was durch ein abgestimmtes Zusammenspiel von Zahntechniker und Zahnarzt entstehen kann. Schon zu Beginn des Vortrages stellte Fangmann heraus, dass aufgrund der Komplexität der Möglichkeiten nur durch Teamwork gute Ergebnisse zu erzielen sind und dass dazu auch eine gezielte Zusammenarbeit mit Partner notwendig sei. Wie diese zwischen Zinser und Fangmann aussieht, stellten sie anhand von Patientenfällen vor, die sie mit dem Straumann Pro Arch-Konzept gelöst haben.

Dabei gingen sie auf die gemeinsamen Vorbesprechungen zu den jeweiligen Fällen ein, auf deren Planung sowie die Behandlungs- und Fertigungsschritte – und dokumentierten dies mit Aufnahmen ebenso anspruchsvoller wie ansprechender Restaurationen. Sie sprachen dazu unter anderem über „bildgewaltige“ Kommunikation mit den Patienten, über die exakte Planung im Vorfeld der Arbeiten (immer mit Abutments), über Röntgen-Schablonen sowie Techniken und Methoden mit CoDiagnostikX (Dental Wings, Chemnitz) über Viewer. Des Weiteren über ästhetische Provisorien und deren Fertigung vor der Implantation (die dann in der Praxis angepasst werden), über verblockte Abformungen, um den spannungsfreien Sitz der Restaurationen zu erzielen – überprüft mittels Sheffield- Test (kein „Kippeln“ – kein Abziehen vom Abutment). Die Fertigung betreffend, stellte Zinser noch heraus, „wo der Sprung von analog zu digital Sinn macht.

Als Erweiterung dieses Vortrages konnte der Beitrag „Interdisziplinär, Digital, Erfolgreich“ von ZTM Thomas Meißner (Crimmitschau) und Dr. Sascha Pieger (Leipzig) wahrgenommen werden, indem sie auf das „Zusammenspiel von Intraoralscanner, digitaler Implantatplanung und CAD-Software“ eingingen. Anhand von zwei Patientenfällen stellten Meißner und Pieger ihr „synoptisches“ Behandlungskonzept – mit Vorbehandlung, Therapie, Nachsorge – vor und gaben einen Über- sowie Einblick in die verwendeten digitalen Techniken. Wie auch ihre Vorredner sehen sie die Planung als „Schlüssel zum Erfolg“. Und diese Planung sollte alles aus dem Zusammenspiel von chirurgisch tätigem und versorgendem Zahnarzt sowie Zahntechniker beinhalten. Hierzu stellten Meißner und Pieger die Vorteile heraus, die sich aus der Nutzung der digitalen dentalen Verfahren ergeben. Als „Eintrittspforte“ sieht Pieger dazu den Intraoralscanner (IOS) an. Die Kombination aller virtuellen Daten (IOS oder Laborscan, CT/DVT, Implantatplanung) fügen Meißner und Pieger zu Behandlungskonzepten zusammen, die ergebnisorientiert und schnell zum Ziel führen. Viele Detailinformation – die hier aus Platzgründen nicht wiedergegeben werden können – machten auch diesen Vortrag für die Alltagsarbeit des Auditoriums interessant.

Erfolg durch Wissen

  • Der Straumann Truck bietet auf seiner „Digital Performance Tour 2016/2017“ ausreichend Platz für die Präsentation der Straumann CAD/CAM-Komponenten, für Vorträge sowie den fachlichen Informationsaustausch.

  • Der Straumann Truck bietet auf seiner „Digital Performance Tour 2016/2017“ ausreichend Platz für die Präsentation der Straumann CAD/CAM-Komponenten, für Vorträge sowie den fachlichen Informationsaustausch.
Abgeschlossen wurde die Vortragsreihe von ZTM Jochen Peters (Kleinmeinsdorf) mit Informationen zur digitalen „Aufwachstechnik mit 3Shape“. Peters trug seine Ausführungen mit Verve vor und machte dadurch seine Mission überdeutlich: das Werben um die morphologisch richtige Gestaltung der Okklusalflächen von Kronen und Brücken – mit welchem analogen oder digitalen Werkzeug auch immer. Für ihn ist dieses Wissen die Basis erfolgreicher funktioneller prothetischer Restaurationen. Doch diese Kenntnisse führen nicht nur zu perfekten Restaurationen: Es kann auch Alleinstellungsmerkmal im zahntechnischen Wettbewerb um Kunden sein. Denn laut Peters vergeudet eine Zahnarztpraxis etwa 45 Minuten am Tag allein mit dem Einschleifen von Restaurationen. Schön also, wenn ein Labor damit werben kann, dass diese Zeit für seine Arbeiten zugunsten von Behandlungszeit entfällt. Allerdings gehöre dazu, dass sich „ein Zahnarzt mit seinem Labor zu dieser Thematik auseinandersetzt“, so Peters.

Mit der ausführlichen Beschreibung morphologischer Merkmale zeigte Peters das Zusammenspiel der Zahnbeziehungen und welche Wirkungen daraus resultieren. So beispielsweise die, dass bei Fehlbelastungen neben okklusalen Abrasionen beziehungsweise Versagen von Verblendungen auch parodontale Schäden entstehen. Peters arbeitet mit einer Videokamera mit 700-facher Vergrößerung. Damit erkennt er Situationen auf dem Modell viel besser und führt seine Modellationen auch viel exakter aus als unter einem Mikroskop. Darüber hinaus sieht er dieses technische Medium als optimalen Übergang vom analogen zum digitalen Arbeiten an. Wie das gehen kann, zeigte Peters zum Schluss seiner Ausführungen, indem er mit 3Shape virtuell eine Okklusalfläche modellierte.

Zum guten Schluss

Mit einer Führung durch die Autostadt endete das „Forum Zahntechnik“. Doch wer wollte, konnte sich noch weiter begeistern lassen: in „Straumann‘s phaenomenaler Nacht“, die in den zweiten Veranstaltungstag und damit zum Forum Innovationen überleitete. An diesem Tag fokussierte Straumann den medizinischen Teil der Implantologie.

Jürgen Pohling, Hamburg

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Jürgen Pohling

Bilder soweit nicht anders deklariert: Jürgen Pohling


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