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Schnittstellenkongress vereint die „lehrreichen Sieben“

Der 7. Dental-Gipfel in Warnemünde

© für alle Bilder: Annett Kieschnick, Berlin
© für alle Bilder: Annett Kieschnick, Berlin

Vom 12. bis 14. Januar 2018 fand in Warnemünde der 7. Dental-Gipfel statt. Der Organisator Dental Balance (Potsdam) holte ein Team von Referenten auf die Bühne, das zahnmedizinische, zahntechnische und betriebswirtschaftliche Themen auf einen Nenner brachte. Unter dem Credo „Konzepte und Qualität“ vereinten sich sieben Fokusthemen zu den „lehrreichen Sieben“.

  • Helge Vollbrecht, Organisator des Dental-Gipfels. © Annett Kieschnick, Berlin

  • Helge Vollbrecht, Organisator des Dental-Gipfels. © Annett Kieschnick, Berlin
Das war ein kraftvoller Startschuss in das dentale Fortbildungsjahr 2018! Der 7. Dental-Gipfel gewährte einen Rundumblick auf die moderne Zahnmedizin. Kaum ein anderer Kongress vereint die Schnittstellen so wie der Dental-Gipfel. Zudem sind die ausgesprochene Familienfreundlichkeit und das tolle kollegiale Miteinander zu erwähnen. Mit mehr als 350 registrierten Teilnehmern verzeichnete der 7. Dental-Gipfel einen Rekord. Aus ganz Deutschland kamen Zahnärzte und Zahntechniker, um im maritimen Ambiente der Yachthafenresidenz „Hohe Düne“ den Austausch zu genießen. Helge Vollbrecht (Dental Balance) begrüßte mit den Worten: „Es freut uns, dass wir zusätzlich zu zahlreichen bekannten Gesichtern viele neue Teilnehmer willkommen heißen dürfen.“

Einblicke in die Vortragsinhalte

Protagonisten des Fachprogrammes waren sieben Hauptthemen: Implantologie, Implantatprothetik, Funktion, Zahntechnik, Zahnmedizin, Werkstoffkunde und Unternehmensführung. Als Moderatoren führten Prof. Klaus-Peter Lange (Berlin) und ZTM Carsten Müller (Leipzig) durch den Kongress. Am Vormittag gehörte den Referenten das Main-Podium. Am Nachmittag vertieften sie ihre Themen in intensiven Workshops.

Ganzheitliche Funktion

Das Kiefergelenk und der komplexe Zusammenhang mit dem Körper hatten eine hohe Gewichtung. Die Podo-Ätiologin Lydia Aich (Neuhaus) beschäftigte sich mit der Orthostatik und erläuterte das Parallelum zwischen Kiefer- und Hüftgelenk, „… hier erschließen sich reziproke Zusammenhänge“. Sie rät, bei der Anamnese immer nach orthopädischen Vorbehandlungen zu befragen. Auch wenn Zahnärzte im Mund arbeiten, müssen sie sich bewusst sein, dass nicht alle Probleme im Mund vom Mund her therapiert werden können.

Dies wurde vom Sportbiologien und Osteopathen Dr. Stephan Gutschow (Potsdam) unterstrichen. Zusammen mit dem Zahnarzt Dr. Matthias Müller (Eberswalde) ging er auf körperliche Beschwerden des Stütz- sowie Bewegungsapparates und zugehörige Okklusionsmuster ein. Anhand von Fallbespielen verdeutlichten sie, dass das Kiefergelenk einen großen Einfluss auf die Gelenk- und Muskelstrukturen hat.

  • ZTM-Chefredakteur Prof. Dr. Peter Pospiech. © Annett Kieschnick, Berlin

  • ZTM-Chefredakteur Prof. Dr. Peter Pospiech. © Annett Kieschnick, Berlin
Die Kieferorthopädin Dr. Dr. Alexandra Bodmann MSc (Schongau) untermauerte mit dem Bindestrich im Wort Kiefer-Orthopädie, dass die Körperhaltung eng verknüpft ist mit den Kiefergelenken. Sie stellte heraus, dass Spee- und Wilson-Kurven eine große Bedeutung im natürlichen Gebiss haben, allerdings in der Kieferorthopädie nicht ausreichend Beachtung fänden. Durch ein Abflachen der Spee-Kurve verkleinere sich das apikale Dreieck der Kraftübertragung, was Auswirkungen auf das Kiefergelenk hat. Prof. Dr. Peter Pospiech (Berlin) ging auf das Einstellen der Lage des Unterkiefers zum Oberkiefer ein. Bei der vertikalen bzw. horizontalen Kieferrelationsbestimmung favorisiert er das Stützstiftregistrat. Durch das „Dreibein“ aus Kondylen und Stützstift komme es zu einer Selbstzentrierung der Gelenke. Grundsätzlich sei das Registrieren Aufgabe des Zahnarztes, ebenso wie das Montieren des Unterkiefermodells in den Artikulator. Die zahntechnischen Aspekte bei der Funktionsdiagnostik arbeitete ZTM Volker Hamm (Meschede) heraus. Er erläuterte das elektronische Stützstiftsystem IPR (Dental Balance) und die Praktikabilität dieser Vermessungsmethode.

Implantologie und Implantatprothetik

Protagonisten auf dem Dental-Gipfel waren auch die Implantologie und Implantatprothetik. Dr. Babak Saidi (Neuss) erörterte den Hintergrund einer Therapie mit autologen Wachstumsfaktoren (PRGF). Die Technik basiert auf der Gewinnung eines Proteinpräparats aus Eigenblut und der Aktivierung autologer Thrombozyten. Das Gewebe werde stimuliert und die Regeneration beschleunigt.

Thematisch fast nahtlos schloss sich der Vortrag von Dr. Peter Randelzhofer (München) an, der sich dem Thema „Nachhaltigkeit“ in der Implantologie widmete. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, dass Periimplantitis-Prävention bei der Planung beginne und sich mit wohlüberlegten chirurgischen und prothetischen Techniken sowie einer professionellen Nachbetreuung fortsetzt. Er schilderte eine Methode (PerioSafe), mit der „hidden infections“ zeitig diagnostiziert werden kann. Die frühe Signalwirkung des aktiven Enzyms Matrix-Metalloproteinase-8 (aMMP-8) lässt Probleme erkennen, bevor sichtbare Schäden auftreten.

  • Drs. Johan Feith. © Annett Kieschnick, Berlin

  • Drs. Johan Feith. © Annett Kieschnick, Berlin
Drs. Johan Feith (Wolfratshausen) stellte das Vollkeramikimplantat ZV3 dar, das sich seit 2004 in Anwendung befindet. Die raue Oberfläche (Verfahrenspatent) resultiere in einer hohen Rautiefe als Basis für die schnelle und sichere Osseointegration. Auf Schraubverbindungen wird verzichtet, sodass es keine potenzielle Gefahr für das Eindringen von Bakterien gibt. Der Implantataufbau besteht aus einem Spezial-Glasfaser-Stift und wird im Implantat verklebt.

Ein keramisches Implantat wurde auch von Dr. Josef Vizkelety (Schweiz) präsentiert. Besonderheit ist u. a. das Abutmentmaterial – das Hochleistungspolymer PEKK. Größter Vorteil gegenüber PEEK: Eine höhere Kriechfestigkeit und Formtreue unter Lasteinleitung. Eine zahntechnische Betrachtung aus der Implantologie erhielt das Auditorium von ZTM Sebastian Schuldes MSc (Eisenach), der den semi- und volldigitalen Workflow zur implantatgestützten Sofortversorgung darlegte. Klar illustriert wurde, dass ein enges Miteinander die Basis für komplexe Implantatversorgungen ist. Geplant werden die Implantate vom Implantologen in Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Zahntechniker in einer Software. Darauf basierend können Bohrschablone sowie provisorische Restauration gefertigt und intraoperativ der temporäre Zahnersatz eingesetzt werden. Hinsichtlich des Gerüstmaterials stellte er die Vorteile von PEEK mit seiner knochenähnlichen Elastizität dar.

Analoge und digitale Zahntechnik

Die Zahntechnik spielt seit jeher eine zentrale Rolle auf dem Dental-Gipfel. In diesem Jahr standen zwei junge Talente auf der Bühne. ZTM Christian Petri (Rumänien) präsentierte die Synergie zwischen analoger und digitaler Technik. Manuelle Zahntechnik bedeutet für ihn Kunsthandwerk und Einzigartigkeit. Die CAD/CAM-Technik sorgt für Präzision und Produktivität. Wohlüberlegt verknüpft er beides miteinander. Für ihn hat u. a. das Material DCM Hotbond (Dental Balance) die Grenzen des Machbaren verschoben. Mit dem Glaslot schafft er eine stoffschlüssige Einheit zwischen digital gefertigtem Zirkoniumdioxid-Gerüst und einem Glaskeramik-„ Mantel“.

Und noch ein Newcomer zeigte, auf welch hohem Niveau die Zahntechnik ist. ZTM Simon Schömer (Bayreuth) kombiniert digitale Technologien intelligent mit analoger Kompetenz. Es stellte das eLab-Protokoll vor, mit dem sich die subjektive Farbbestimmung zu einer objektiven Farbkommunikation wandle. Im Workshop zeigte er die Kunst des japanischen Zähneschnitzens. Hands-on erfuhren die Teilnehmer, wie effektiv Wahrnehmung, Formgefühl und Konzentrationsfähigkeit geschult werden.

  • ZTM Hans-Joachim Lotz ging auf die Farbkommunikation ein und stellte sein Vorgehen mit dem eLab-Protokoll vor. © Annett Kieschnick, Berlin

  • ZTM Hans-Joachim Lotz ging auf die Farbkommunikation ein und stellte sein Vorgehen mit dem eLab-Protokoll vor. © Annett Kieschnick, Berlin
Ein Dental-Gipfel ohne ZTM Hans-Joachim Lotz (Weikersheim) ist kaum vorstellbar; er gehört zu den Pionieren des Kongresses. Auch er hob die Wichtigkeit der fotografischen „Bestandsaufnahme“ für die Arbeit des Zahntechnikers hervor. Für die exakte Kommunikation der Zahnfarbe erachtet er das eLAB-Verfahren als derzeit einzig gangbaren Weg. Mit intraoralen Fotos wird die Zahnfarbe auf Basis physikalischer Werte bestimmt. Die reflektierende kreuzpolarisierte Fotografie mindert unerwünschte Spiegelungen. Feine Details dentaler Strukturen lassen sich so offenbaren. Eine objektive Analyse wird möglich. „Wir können die physikalische Größe ‚Farbe’ auf Promille genau messen.“ Ergebnis sei ein konkretes Rezept für die Herstellung der Restauration, deren Genauigkeit mittels digitaler Einprobe gemessen werden.

Den digitalen Technologien in der Prothetik widmeten sich Dr. Ramona Schweyen und PD Dr. Jeremias Hey (Halle). Sie stellten ihre Erfahrung mit dem Trios 3-Mundscanner vor, wobei sie betonten, dass sich die digitale Datenerfassung zunehmend etabliere.

Werkstoffkunde und Zahnmedizin

Das sensible Material „Zirkoniumdioxid“ wurde gleich von zwei Referenten diskutiert. Prof. Florian Beuer (Berlin) gab eine logische Einordnung verschiedener Keramiken sowie Zirkoniumdioxid-Materialien und beleuchtete Stärken sowie Schwächen. Bezüglich monolithischer Versorgungen stellte er ein polychromatisches Material (Katana ML) vor, welches in verschiedenen Transluzenzen erhältlich ist. Aufgrund des hohen ästhetischen Potenzials könne deutlich minimalinvasiver gearbeitet werden.

  • Prof. Dr. Florian Beuer. © Annett Kieschnick, Berlin
  • PD Dr. Bogna Stawarczyk widmete sich dem komplexen Thema „Zirkoniumdioxid“. © Annett Kieschnick, Berlin
  • Prof. Dr. Florian Beuer. © Annett Kieschnick, Berlin
  • PD Dr. Bogna Stawarczyk widmete sich dem komplexen Thema „Zirkoniumdioxid“. © Annett Kieschnick, Berlin

Anschließenden ging PD Dr. Bogna Stawarczyk (München) auf werkstoffkundliche Details ein. Chemisch kann Zirkoniumdioxid in unterschiedlichen Phasen vorliegen und damit die mechanischen Eigenschaften ändern. Mit unterschiedlichen Eigenschaften werden unterschiedliche Indikationen abgedeckt. Sie stellte vier Zirkoniumdioxid- Generationen für monolithische Restaurationen vor. Die Generationen differenzieren sich hauptsächlich durch den Anteil und Korngröße an Aluminiumoxid und Yttriumoxid. Das Zirkoniumdioxid der ersten Generation hat eine hohe Festigkeit und eine geringe Transluzenz. Durch das Reduzieren des Aluminiumoxidgehalts wird die molekulare Struktur modifiziert, was zu einer etwas höheren Transluzenz führt. Die dritte Generation enthält 5 mol- % Yttrium (5Y-TZP). Das Material ist kubisch/ tetragonal und resultiert in einer höheren Transluzenz. Die Biegefestigkeit ist mit ca. 500–600 MPa geringer. Seit Mitte 2017 gibt es die vierte Zirkoniumdioxid-Generation, welche hinsichtlich Transluzenz und Biegefestigkeit zwischen der zweiten und dritten Generation eingeordnet wird.

Unternehmensführung

Auch unternehmerische sowie angrenzende Themen wurden vermittelt. RA Dr. Ralf Großbölting (Berlin) referierte über Praxisabgabestrategien. Er stellte ein Stufenmodell vor, bei dem der jüngere Kollege als Nachfolger über einen längeren Zeitraum in die Praxis eingebunden werden kann. Heiko Schneider (Hoyerswerda) begeisterte mit einem Vortrag zur Veränderungsfreundlichkeit und zeitgemäßen Personalführung. Zum Nachdenken regte Koch und Küchenprofi Carsten Loll (Rostock) mit einem Vortrag über den bewussten Umgang mit Lebensmitteln an. Sein Workshop – Kochkurs in der Showküche des Hotels – war amüsant und zugleich sehr lehrreich.

Fazit

Die sieben Schwerpunktthemen und die ausgesprochene Familienfreundlichkeit machten den Dental-Gipfel zu einer gelungenen Schnittstellenveranstaltung. Wer an den Mythos des „verflixten siebten Jahrs“ glaubt, wurde eines Besseren belehrt. Der 7. Dental-Gipfel präsentierte sich als perfekt organisierter Kongress. Die besonnene Souveränität und die angenehme Gelassenheit der Veranstalter sorgten dafür, dass der Fokus auf den „lehrreichen Sieben“ und dem kollegialen Austausch lag. Bekanntlich kommt die Sieben nach der Sechs und vor allem vor der Acht – der nächste 8. Dental-Gipfel findet vom 11.– 13. Januar 2019 statt.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Annett Kieschnick

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Annett Kieschnick


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