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Es geht um eine gerechte Entlohnung für eine großartige Leistung

16.09.2023

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Knapp 2.000 Menschen waren am Freitag, den 08.09.2023 in Berlin vor dem Brandenburger Tor dem Aufruf des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. (vmf) gefolgt, um der Gesundheitspolitik die „Rote Karte“ zu zeigen. Es sei wichtig, dass die Betroffenen in den Dentallaboren sowie ambulanten Arzt- und Zahnarztpraxen, gemeinsam aufgetreten, um auf das Ausmaß der gesundheitspolitischen Fehlentscheidungen aufmerksam zu machen, so Hannelore König, vmf-Präsidentin.

Rednerinnen und Redner vom vmf, von Ärzte- und Zahnärzteverbänden, Kammern und weiteren Körperschaften, aber auch Politiker/-innen aus dem Gesundheitsausschuss sowie der bayerische Staatsminister für Gesundheit und Pflege, verwiesen auf die wichtige Bedeutung der Arbeit der Medizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten. Sie machten gleichzeitig, ebenso wie die Vertreter aus der Zahntechniker-Innung, auf die Schwierigkeiten und großen Unzulänglichkeiten aufmerksam, mit denen die Teams in den Arzt- und Zahnarztpraxen und den Dentallaboren konfrontiert sind. In den Reden wurde klar: Ohne wesentliche Änderungen in der Finanzierung des ambulanten Gesundheitswesens wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, die Aufgaben in der Patientenversorgung zu erfüllen.

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    © Tanja Marotzke i.A. vmf e.V.

Auf die Situation der Dentallabore machte Walter Winkler, Bevollmächtigter des Vorstandes des Verbandes Deutscher Zahntechnikerinnungen (VDZI), aufmerksam: „Die Gesundheitspolitik muss endlich verstehen, dass vernünftige angemessene Löhne für die Mitarbeiter nur dann bezahlt werden können, wenn auch die zahntechnischen Preise innerhalb des Regelsystems der GKV sich vernünftig entwickeln. Zahntechnische Preise sind in der Vergangenheit abgesenkt worden über Nacht, sie haben Preisstopps erlebt und seit vielen Jahren sind sie an die Obergrenze der Grundlohnsumme gedeckelt.

  • Walter Winkler.

  • Walter Winkler.
    © Tanja Marotzke i.A. vmf e.V.

Wir werden als Gesundheitsberuf, als personalintensive Dienstleiter in einen gnadenlosen Nachfolgerwettbewerb getrieben, durch kapitalintensive Industrie, die deutliche höhere und attraktivere Löhne bezahlen kann. Diese Konkurrenz kann nicht gewonnen werden ohne klare Entscheidung des Gesetzgebers, die Preise, Löhne, Honorare und Gehälter für Gesundheitsdienstleister zu sichern – egal auf welche Weise.“

  • Sandro Thiele.

  • Sandro Thiele.
    © Tanja Marotzke i.A. vmf e.V.
Aus eigener Erfahrung berichtete Sandro Thiele von der Zahntechniker-Innung Thüringen. Er hat vor 15 Jahren seinen Ausbildungsbetrieb übernommen, ihn zusammen mit seinen Mitarbeitern modernisiert, digitalisiert und zukünftige Zahntechniker ausgebildet. Doch nun hätten die massiv gestiegenen Kosten und die strikte Preisbindung dazu geführt, dass er seine Mitarbeiter nicht ausreichend honorieren könne.

„Ich erlebe die Abwanderung meiner Fachkräfte – nicht zum Mitbewerber – sondern in andere Branchen. Damit stehe ich immer wieder vor der eigenen Handlungsunfähigkeit.“ Jedes andere Handwerk habe in irgendeiner Form reagiert und Preisanpassungen vorgenommen, um zu bestehen. Aber Leistungen im Zahntechnikhandwerk würden nach einem Gesetz bezahlt, das 18 Jahre alt ist.

  • Carola Will.

  • Carola Will.
    © Tanja Marotzke i.A. vmf e.V.
Karola Will, Zahntechnikerin (ZT), vmf-Referatsleitung für Zahntechniker*innen verdeutlichte die Forderung des vmf nach einer Abkoppelung der Preise von der Grundlohnsummensteigerung. Hohe Material- und Energiekosten seien bei diesen Vorgaben genauso wenig berücksichtigt wie anzupassende Lohnkosten. „Wenn ich ein Labor in einer strukturschwachen Gegend betreibe, habe ich Kunden mit Patientinnen und Patienten, die einfach keine Zuzahlung zu höherwertigem Zahnersatz leisten können. Sollen diese Menschen nicht mehr mit Zahnersatz versorgt werden, weil es sich für die Labore wirtschaftlich nicht mehr rechnet?“

  • Hannelore König.

  • Hannelore König.
    © Tanja Marotzke i.A. vmf e.V.
„Die Dramatik ist hoch – es muss gehandelt werden für MFA, ZFA und für Zahntechnikerinnen und Zahntechniker“, fasste Hannelore König als Schlussrednerin zusammen. „Wir brauchen eine gesicherte Finanzierung der Leistungen in den Arzt- und Zahnarztpraxen, die in den Praxisteams tatsächlich erbracht werden.

Wir brauchen für das Zahntechnikerhandwerk eine Weiterentwicklung der Vergütung ohne strikte Bindung an die Grundlohnsumme. Sonst können keine wettbewerbsfähigen Gehälter bezahlt werden. Wir stehen deshalb hier gemeinsam.“ In ihrem Appell an die Regierung forderte sie, die Gegenfinanzierung von Tarifsteigerungen muss selbstverständlich sein. „Wir brauchen weniger Bürokratie und mehr Zeit für die Patientenversorgung. Wir brauchen Motivation statt Sanktionen. Wir brauchen ein Praxiszukunftsgesetz.

Ungerechtigkeiten in der Entlohnung im Gesundheitswesen zum Beispiel zu den Sozialversicherungsfachangestellten in Höhe von 30 Prozent müssen endlich aufgehoben werden. Mehr Netto vom Brutto wäre ein wichtiger erster Schritt.“ „Damit das ambulante Gesundheitswesen und die Zahntechnik endlich gestärkt wird, müssen wir gemeinsam als Bündnis mit unseren Aktionen weitermachen“, so König abschließend.

Den ausführlichen Bericht sowie Videomaterial zur Protestaktion finden Sie auf der Webseite des vmf

Bilder: © Tanja Marotzke i.A. des Verbandes medizinischer Fachberufe (vmf) e.V. 

Quelle:
Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. 


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