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Hands-on-Fortbildungskurse der VITA Zahnfabrik

Totalprothetik total digital

Abb. 1: Die Kursreferenten Martina Rosenbusch (VITA, 1. von links), ZTM Dietmar Schaan (Amann Girrbach, 1. Reihe 2. von links) und Stanislav Keller (VITA, 1. von rechts) mit den Teilnehmern des Septemberkurses.
Abb. 1: Die Kursreferenten Martina Rosenbusch (VITA, 1. von links), ZTM Dietmar Schaan (Amann Girrbach, 1. Reihe 2. von links) und Stanislav Keller (VITA, 1. von rechts) mit den Teilnehmern des Septemberkurses.

Die Totalprothetik als „Stiefkind“ der Zahntechnik? Ihr Ruf: schwierig, zeitaufwendig und ökonomisch kaum attraktiv … Diese Zeiten sind jetzt wirklich vorbei! Denn auch beim Thema Totalprothesen hat die Digitalisierung bereits Einzug gehalten und macht ihre Herstellung auf volldigitalem Wege schneller, effizienter und finanziell attraktiver, gepaart mit einer hohen Passung, Biokompatibilität und einfacher Reproduzierbarkeit. Wie das funktioniert? Das zeigen zweitägige Step-by-step-Fortbildungskurse der VITA Zahnfabrik.

Diesen zugrunde liegt VITA VIONIC®, ein abgestimmtes Materialsystem des Bad Säckinger Unternehmens zur prozesssicheren CAD/CAM-Prothesenfertigung „per Knopfdruck“; seit 2017 in Verbindung mit dem Software-Modul „Ceramill D-Flow“ (Ceramill Full Denture System), dem Ceramill Map400-Scanner und der 5-Achs-Hybridanlage Ceramill Motion 2 (jeweils von Amann Girrbach). Durch diese Kooperation werden die Kurse gemeinsam von VITA- und Amann Girrbach-Referenten durchgeführt.

Wenig Theorie, sofort praktisch arbeiten

Zu Kursbeginn gibt der Fortbildungsleiter Stanislav Keller (Abb. 1) zunächst einen Überblick über die Vorgehensweise und die verwendeten Materialkomponenten. Auf die Teilnehmer warten sechs Teilschritte, in die sich der gesamte Workflow aufgliedern lässt:

  1. Scan/CAD-Design
  2. CAM: Wachsbasis
  3. Anprobe
  4. CAM: Zähne
  5. CAM: Prothesenbasis
  6. Befestigung/Fertigstellung.

Gemeinsam mit Amann-Girrbach-Referent ZTM Dietmar Schaan erfolgt der Einstieg in die Software Ceramill D-Flow. Schritt für Schritt erläutert er den gesamten CAD-Prozess zur Erstellung der digitalen Totalprothese und gibt jedem Kursteilnehmer ausführlich die Gelegenheit, an bereitgestellten PCs die einzelnen Schritte und deren Möglichkeiten selbst auszuprobieren.

Am Anfang steht das funktionsgerechte Erfassen und Digitalisieren der Patientendaten inklusive dem Scan. Nach einer detaillierten TiF-Modellanalyse im OK und UK (Abb. 2) und dem Festlegen der Okklusionsebene werden die Front- (VITAPAN EXCELL Anterior) und Seitenzähne (VITAPAN LINGOFORM Posterior) aus den Zahnbibliotheken ausgewählt (die Software macht hier auf Wunsch einen „Best-Fit“-Vorschlag), aufgestellt (Abb. 3) und ggf. individualisiert (einzeln oder via Kettentool). Mithilfe eines virtuellen Artikulators können die Kieferbewegungen simuliert, so eventuelle Störkontakte beseitigt und die gewünschte Seitenzahnführung eingestellt werden.

  • Abb. 2: Der Wizard leitet bei Bedarf durch die Software und schlägt bis zu 15 Schritte für eine umfassende Modellanalyse vor.
  • Abb. 3: Bei der Auf- und Umstellung der Zähne kann entweder auf automatisch integrierte Aufstellkonzepte wie z.B. Prof. A. Gerber zurückgegriffen oder manuell vorgegangen werden, ein späteres Korrekturschleifen entfällt.
  • Abb. 2: Der Wizard leitet bei Bedarf durch die Software und schlägt bis zu 15 Schritte für eine umfassende Modellanalyse vor.
  • Abb. 3: Bei der Auf- und Umstellung der Zähne kann entweder auf automatisch integrierte Aufstellkonzepte wie z.B. Prof. A. Gerber zurückgegriffen oder manuell vorgegangen werden, ein späteres Korrekturschleifen entfällt.

Durch die Funktion der automatischen Erstellung von Prothesenbasen und Gingiva bietet das Software-Modul eine optimale Ausgangsbasis für eine schnelle und einfache Individualisierung. Durch verschiedene Modelliermöglichkeiten können Details wie Alveolenausprägung oder Papillenausformung generiert werden. Die Prothesenzähne werden automatisch basal an den Kieferkamm angepasst und machen eine manuelle Nachbearbeitung überflüssig. Der digital geübte Zahntechniker kann auf diesem Wege den sonst zeitintensiven Aufstellungsprozess um bis zu 60% verkürzen.

Einprobe am Patienten

  • Abb. 4: Monoblock der OK-Prothese. Die Fräszeit beträgt pro Kiefer etwa 60 bis 75 Minuten.

  • Abb. 4: Monoblock der OK-Prothese. Die Fräszeit beträgt pro Kiefer etwa 60 bis 75 Minuten.
    © Susanne Wolf
Nach dem Nesting kann nun im folgenden Schritt für eine erste Passungsprobe am Patienten eine Monoblock-Prothese erstellt werden (Abb. 4). Diese wird vollformatig komplett und inklusive der Zähne aus einem VITA VIONIC WAX White-Rohling (formstabiles Synthetik-Wachs mit hoher Schmelztemperatur) gefräst und dient zur intraoralen Überprüfung der Mittellinie, Okklusionsebene und Phonetik. Zur ästhetischen Kontrolle im Mund können aus der pinken Version von VITA VIONIC WAX Prothesenbasen erstellt werden, die Konfektionszähne dazu werden in den gefrästen Kavitäten fixiert. Auf diesem Wege können alle wichtigen Parameter überprüft und ggf. notwendige Korrekturen umgesetzt werden. Eventuelle Umstellungen nach der Einprobe werden digital mit der CAD-Software durchgeführt.

Die Fertigstellung

Ist die Anprobe erfolgreich verlaufen, werden die fertig konstruierten Prothesenbasen aus VITA VIONIC BASE gefräst, anschließend aus den Discs herausgetrennt, beschliffen und die gefrästen Kavitäten abgestrahlt. Die VITA VIONIC BASE-Rohlinge* bestehen aus hochwertigem, industriell polymerisiertem und farbstabilem Acrylatpolymer (PMMA) und werden in drei Farben (Deep-Pink, Light-Pink, Orange-Pink) und zwei Höhen (26 und 30 mm) angeboten.

Die basale und zirkuläre Anpassung der Prothesenzähne wird mittels CAM im VITA VIONIC FRAME vorgenommen. Die VITA-Zähne wurden hierzu mit Wachs in einen Kunststoffrahmen eingebettet (Abb. 5). Die bearbeiteten Flächen müssen abgestrahlt werden, anschließend werden die Prothesenzähne aus dem Wachs herausgetrennt und gesäubert. Auch hier entfällt ein zeitaufwendiges manuelles Nacharbeiten.

  • Abb. 5: Auch am 2. Kurstag geht es gleich praktisch weiter: Die Basen sind gefräst, die Prothesenzähne wurden CAM-modifiziert und müssen nun aus den Halterungen gelöst und abgestrahlt werden.
  • Abb. 6: Definitive Befestigung der Prothesenzähne in der Basis.
  • Abb. 5: Auch am 2. Kurstag geht es gleich praktisch weiter: Die Basen sind gefräst, die Prothesenzähne wurden CAM-modifiziert und müssen nun aus den Halterungen gelöst und abgestrahlt werden.
  • Abb. 6: Definitive Befestigung der Prothesenzähne in der Basis.

Mit VITA VIONIC BOND werden von den Kursteilnehmern nun die modifizierten Front- und Seitenzähne nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip in die gefrästen Prothesenbasen eingeklebt (Abb. 6). Das Zweikomponenten-Adhäsiv wird 30 Sekunden lang miteinander verrührt und mit einem Applikator auf die Kavitäten und die basalen Flächen der Zähne aufgetragen. Zur vollständigen Durchhärtung wird die Prothese für 12 Stunden ohne Belastung bei Raumtemperatur gelagert oder für 20 Minuten in das Wasserbad eines Drucktopfes gelegt. Eventuell vorhandene Überschüsse können durch vorsichtiges Glanzstrahlen entfernt werden.

Für die individuelle Finalisierung der definitiven Prothesenbasen wird nach Abstrahlen die Oberfläche mit VITA VM LC MODELLING FLUID benetzt. Dies dient als Grundlage für einen optimalen Verbund zwischen Basismaterial, Prothesenzähnen und den VITA VM LC flow-Massen. Diese lichthärtenden Verblendkomposite in fünf Gingivafarben bieten dem Zahntechniker viele Möglichkeiten zur ästhetischen Gestaltung einer naturgetreuen Lebendigkeit (Abb. 7).

  • Abb. 7: Abschließende Individualisierung mit VITA VM LC flow.
  • Abb. 8: Die fertige Totalprothese.
  • Abb. 7: Abschließende Individualisierung mit VITA VM LC flow.
  • Abb. 8: Die fertige Totalprothese.

Zum Schluss wird die Oberflächenbearbeitung und Politur entsprechend der analogen Totalprothetik durchgeführt (Abb. 8) und die Okklusion im Artikulator kontrolliert.

Fazit

Der digitale Workflow zur Erstellung von Totalprothesen erhöht nicht nur die Produktivität im Dentallabor, er macht die Totalprothese auch insgesamt wieder attraktiv für den Zahntechniker und den Patienten. Wer bei der Etablierung im eigenen Labor noch zögert oder sich einfach intensiv informieren möchte, dem sei dieser Kurs der VITA Zahnfabrik ans Herz gelegt. Kompetente Referenten steigen mit den Teilnehmern tief und mit viel Zeit in die Materie ein und arbeiten den kompletten Workflow durch. Hilfreiche Tipps und Tricks aus dem breiten Erfahrungsschatz der Referenten inklusive.

*Biegefestigkeit: 95 MPa (Vergleichswert der DIN EN ISO 20795: > 65 MPa), E-Modul: 3.100 MPa (> 2.000 MPa), Restmonomer: < 1,0 wt-% (< 2,2 wt-%). 

Die nächsten Termine 2018 in Bad Säckingen
• 27.–28. November
• 13.–14. Dezember
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Mehr Informationen und Anmeldung:

www.vita-zahnfabrik.com/kurse

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: M. A. Susanne Wolf


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