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„Zahnersatz muss ein Gesicht kriegen und zur Marke werden“

Außergewöhnliche Location: der „Stadl“ im Landgasthof Hirsch in Finningen bei Ulm.
Außergewöhnliche Location: der „Stadl“ im Landgasthof Hirsch in Finningen bei Ulm.

Was gibt’s Neues bei Zirkonzahn? Diese Frage beantwortet der Südtiroler Firmeninhaber Enrico Steger gerne auch direkt und hält dafür regelmäßig Vorträge – so auch am 14. November 2018 in Finningen bei Ulm mit dem Fokus: Teleskopierender Modellguss nach dem „Stego-Prinzip“. Immer mit dabei: hochpräzise Schaumodelle, außergewöhnlich gelöste Patientenfälle, Mitarbeiter ZT Markus Michels mit einem Update über neue Features der Software und viel Zeit für persönliche Gespräche mit den Teilnehmern.

  • Abb. 1a u. b: Fertige Arbeit aus Prettau® 2 (links) und Prettau® 2 Dispersive®.

  • Abb. 1a u. b: Fertige Arbeit aus Prettau® 2 (links) und Prettau® 2 Dispersive®.
    © Zirkonzahn
Seit vergangenem Herbst ist die Zirkonzahn-Roadshow noch „intensiver“ – dem Vortragsabend wird nun an jedem Tourhalt ein mehrstündiger Intensiv-Workshop mit kleiner Teilnehmerrunde am Nachmittag vorangestellt (Teilnahme: optional). Das Motto: „Zirkon zum Anfassen“. Zur Premiere standen dabei Prettau® 2 sowie Prettau® 2 Dispersive® im Mittelpunkt (Abb. 1a u. b), zwei neue Zirkoniumdioxidrohlinge der nach einer Südtiroler Gemeinde benannten „Prettau®“-Rondenproduktfamilie.

Beide Zirkoniumdioxide sind transluzent sowie extrem biegefest und indiziert für zirkuläre Brücken (vollanatomisch oder reduziert zur Verblendung mit Keramik), aber auch für Einzelkronen, Inlays, Onlays, Veneers, Stege und mehrgliedrige Brücken. Das uneingefärbte Prettau® 2 benötigt eine Individualisierung mit den neuen Farben Colour Liquid Prettau® 2 Aquarell und ICE Zirkon Malfarben 3D by Enrico Steger. Das Schichten von Keramik entfällt bei monolithischer Gestaltung. Bei Prettau® 2 Dispersive® ist zudem die Bemalung fakultativ für noch patientenindividuellere ästhetische Ergebnisse. Letzteres wird bereits während des Herstellungsverfahrens mit einem Farbverlauf versehen, der die natürliche Farbgebung vom Dentin bis zum Schmelz imitiert. Damit nach dem Dichtsintern ein besonders feines und fließendes Farbbild entstehen kann, ist es hier wichtig, die Farbzuführung im Herstellungsprozess nicht schichtweise, sondern feingliedrig verstreut (dispers) zu gestalten.

Im Workshop zum Schaumodell für die Kundenakquise

  • Abb. 2: Neuheit im Kursprogramm bei Zirkonzahn sind die „Intensiv-Intros“, die praktischen Workshops stehen unter dem Titel „Zirkon zum Anfassen“ und finden jeweils nachmittags in kleiner Teilnehmerrunde vor dem Vortrag von Enrico Steger statt.

  • Abb. 2: Neuheit im Kursprogramm bei Zirkonzahn sind die „Intensiv-Intros“, die praktischen Workshops stehen unter dem Titel „Zirkon zum Anfassen“ und finden jeweils nachmittags in kleiner Teilnehmerrunde vor dem Vortrag von Enrico Steger statt.
    © Wolf
Worauf der Zahntechniker bei der beschriebenen Individualisierung achten muss, welche Tipps und Tricks zu einem besonders ästhetischen Ergebnis führen und warum die Pinselspitze grundsätzlich vor jedem einzelnen Strich einen hohen Sättigungsgrad erreichen sollte, das und vieles mehr demonstrierte Zirkonzahn-Trainer ZTM Andreas Schulte im Intensiv-Workshop (Abb. 2). Anschließend konnten sich die Teilnehmer an sechs gefrästen Käppchen im Glasieren und Individualisieren mit dem Ziel ausprobieren, ein Schaumodell zu erarbeiten. Neben den Materialien wurden dafür ein Halter mit Gingivastruktur sowie eine Demobox von Zirkonzahn bereitgestellt.

Mit Marketing und Bildung zum Erfolg

  • Abb. 3: Zirkonzahn-Inhaber Enrico Steger.

  • Abb. 3: Zirkonzahn-Inhaber Enrico Steger.
    © Zirkonzahn
Am Abend dann füllte sich der Vortragssaal, es sind die begeisterten Zirkonzahn-Anwender und regelrechte Fans, die heute aus Ulm oder aus der weiteren Region gekommen sind. Sie wollen sich über neue Produkte und Verfahren informieren, aber auch frische Motivation und neue Ideen für den Laboralltag holen. Was sie erwartet: kurze und anschauliche Produkterläuterungen ausgehend von Patientenfällen, authentische und leidenschaftliche Botschaften, aber auch einmal ehrliche und harte Worte von Enrico Steger (Abb. 3), die zum Verlassen der Komfortzone und der Überwindung des inneren Schweinehundes aufrütteln sollen.

Immer wieder betont er: „Marketing ist unglaublich wichtig!“ Nur wer teure und damit qualitativ hochwertige Materialien verwende und daraus das Beste für seine Kunden erschaffe, nur wem gelinge, mit einer Geschichte hinter dem Produkt beim Kunden Emotionen und Bilder zu erzeugen und ihm so „das Besondere“ an seinem persönlichen Zahnersatz aufzeige, der wird mit seinem Dentallabor erfolgreich sein – das ist die Philosophie von Steger. „Der Zahnersatz muss ein Gesicht kriegen und zur Marke werden und eine Geschichte in sich tragen, dann wird er wertgeschätzt!“

Für ebenfalls sehr wichtig hält Steger eine solide Aus- und Weiterbildung im Zahntechnikerberuf, wie er im persönlichen Gespräch erklärt: Sie dient nicht nur dem Selbstbewusstsein, der guten Reputation und in der Folge auch dem starken und erfolgreichen Auftritt bei Kunden, der Zahntechniker bleibt so stets auf dem neuesten Stand in seinem Beruf und kann die eigene Arbeit so fortschrittlich wie möglich gestalten – gerade in Zeiten der Digitalisierung sei dies existenziell. Denn nur, wenn das Dentallabor von Fachkräften erarbeitete individuelle Lösungen von hoher Qualität anbieten kann, wird es weiterhin seine Daseinsberechtigung behalten und gegen die industrielle Herstellung bestehen können, sagt Enrico Steger. Bestes Beispiel sei der fast nur rein deutsche Markt für Teleskopprothesen – da in deutschen Meisterschulen die komplexe Herstellungsweise gelehrt und der Wert dieser Arbeit anerkannt wird, herrsche in Deutschland auch eine große Nachfrage nach diesen Versorgungen.

Das „Stego-Prinzip“

  • Abb. 4a u. b: Teleskopierende Modellgussversorgung aus Kobalt-Chrom, die Zähne werden nach dem „Stego-Prinzip“ gesteckt.

  • Abb. 4a u. b: Teleskopierende Modellgussversorgung aus Kobalt-Chrom, die Zähne werden nach dem „Stego-Prinzip“ gesteckt.
    © Zirkonzahn
Als zentrale aktuelle Innovation erläuterte Steger step-by-step sein neues Verfahren zur Erstellung von teleskopierenden Modellgussversorgungen aus Kobalt-Chrom, bei dem die Teleskopprimärteile und die Sekundärstruktur in einem Fräsvorgang gefertigt werden (Abb. 4a u. b). Dazu wird die Ausgangssituation zunächst wahlweise durch eine digitale Abformung oder den Einsatz eines Modellscanners digitalisiert und für eine erste Zahnaufstellung in die Software Zirkonzahn.Modellier übertragen, um anschließend die Primärteile zu modellieren und die fehlenden Zähne zu gestalten. Dann werden die Kunststoffzähne sowie die digital erstellten reduzierten Kronen in den Zirkonzahn.Partial-Planner übertragen, wo durch das automatische Adaptieren der Kronen die digitale Konstruktion der Modellgussstruktur mit Sublingualbügel und Lochretention erfolgt. Bevor alle digital erstellten Komponenten gefräst werden, müssen nun die Kunststoffzähne an die Lochretentionen angepasst werden. Dies geschieht nach dem „Stego-Prinzip“, indem die Zähne mit legosteintypischen Noppen versehen werden. Nach ihrer Umsetzung in den Hochleistungskunststoff Multistratum® Flexible können sie so – analog zum Prinzip der Legosteine – auf die Modellgussstruktur gesteckt werden. Dieses Steckprinzip kann optional auch für die Befestigung gefräster Gingiva-Anteile angewendet werden.

Während Kunststoffzähne und Primärteleskope aus Kobalt- Chrom sofort nach dem Fräsen entnommen werden, verbleibt die Modellgussstruktur zunächst im Fräsgerät. Anhand der auf Hochglanz polierten Primärteile wird nun die Friktion kontrolliert. Falls diese einer Korrektur bedarf, können die Sekundärteile über eine spezielle Funktion in der Software Zirkonzahn.Nesting nachbearbeitet werden. Sobald Primär- und Sekundärelemente perfekt ineinander gleiten, kann auch die Modellgussstruktur entnommen und abschließend ausgearbeitet werden.

„Natürlich“ vs. uniform?

Wie denn für ihn ein optimal ästhetischer Zahnersatz aussieht, wollten wir von Enrico Steger wissen, die Antwort: Aus „hellen Zähnen, mit einer hohen Trübung und geringer Durchsichtigkeit“; aber ihm sind dabei die unterschiedlichen Meinungen und Ansprüche im trigonalen Spannungsfeld zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Patient deutlich bewusst – wobei es für ihn unbedingt der Patient ist, der am Schluss zufrieden und glücklich mit seinen neuen Zähnen sein muss.

Wenn man sich die Natur und somit die „Natürlichkeit“ von echten Zähnen wirklich zum Vorbild nehmen würde, müssten die Ersatzzähne z.B. ungleichmäßig, eher dunkler und von vielen unterschiedlichen Farben geprägt sein, dem entgegen stehe aber der kulturell geprägte Wunsch nach Schönheit, der sich meist im Streben nach Gleichförmigkeit, Symmetrie und hellen Zähnen äußere, was auch eine gewisse Gesundheit und Widerstandsfähigkeit ausstrahle.

Zum Abschluss des Vortragsabends ging ZT Markus Michels noch auf einige neue Eigenschaften der Zirkonzahn Software ein und vermittelte auch für Neueinsteiger einen guten Eindruck, wie sich die Arbeitspraxis mit CAD/ CAM gestaltet und wo deren Vorteile liegen – gepaart mit der Offenheit der Systeme sowie der Materialvielfalt aus dem Hause Zirkonzahn.

Alles aus eigener Produktion

2003 von Enrico Steger gegründet, wächst das Unternehmen mit nun rund 300 Mitarbeitern kontinuierlich und besitzt inzwischen weltweit Education Center und Niederlassungen. Neben einem breiten Produktportfolio aus eigener Produktion für das Dentallabor bietet das Unternehmen mit Hauptsitz in Gais/Südtirol eine Vielzahl an Kursen und speziellen Fortbildungsangeboten, darunter beispielweise die Ranger School oder die Forest School.

Man könnte als Fazit sagen: Der Erfolg gibt Enrico Steger recht. Er betont: „Noch, ich sage immer: noch! Das kann sich alles schnell ändern. Ich bin da immer vorsichtig: Heute ist es gut, was ich mache, weil es vielleicht dem Zeitgeist entspricht, aber morgen kann das schon wieder anders sein, die Zeiten können sich sehr schnell ändern. Man darf nie zu übermütig werden!“ Eine sympathische Einstellung.

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Weitere Informationen:

www.zirkonzahn.com

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: M. A. Susanne Wolf


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