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Thema „Senioren“ auf der IDS 2019

Betagte Patienten bieten Potenzial

Das große Feld der Zahntechnik für Senioren birgt für das Labor viele Möglichkeiten. Einige davon liegen auf der Hand, wie etwa im Wachstumssegment „Implantatprothetik“, andere überraschen aktuell mit Zusatzchancen. Die gesamte Bandbreite erleben die Besucher der Internationalen Dental-Schau (IDS) vom 12. bis 16. März 2019 in Köln. Worauf es dort in besonderer Weise ankommt:

„Kinder freuen sich hierzulande über die gesündesten Zähne und deutsche Senioren leiden nur noch selten unter völliger Zahnlosigkeit“, lautet ein wesentliches Ergebnis der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie [1]. Genauer: Nur noch jeder achte jüngere Senior (Alter: 65 bis 74) ist zahnlos. Zum Vergleich: 1997 war es noch jeder vierte.

Implantatprothetik: Weiterentwicklung von Teleskoparbeiten

  • Abb. 1: Fräsen von PMMA-basierten Werkstoffen: Solche Prothesenteile sind mit herkömmlichen PMMA-Kunststoffen erweiterbar, ergänzbar und unterfütterbar – Flexibilität für eine längerfristige Planung von Versorgungen für Senioren.

  • Abb. 1: Fräsen von PMMA-basierten Werkstoffen: Solche Prothesenteile sind mit herkömmlichen PMMA-Kunststoffen erweiterbar, ergänzbar und unterfütterbar – Flexibilität für eine längerfristige Planung von Versorgungen für Senioren.
    © Koelnmesse/IDS Cologne/Harald Fleissner
Für das Labor bedeutet dies: Seltener sind klassische Totalprothesen anzufertigen. Auf der anderen Seite lassen sich ältere Patienten öfter mit festsitzendem Zahnersatz versorgen. Häufiger wird man dabei vor der Aufgabe stehen, bei vorhandener Restbezahnung eine größere Konstruktion anzufertigen, gegebenenfalls unter Integration von Implantaten als zusätzlichen Pfeilern.

Überhaupt stellt sich das Potenzial in der Implantatprothetik zurzeit als besonders zukunftsträchtig dar. Zu den Highlights zählen zum Beispiel immer flexiblere Verankerungselemente (z.B. Lokatoren mit weitreichendem Divergenz-Ausgleich). Weiterentwicklungen sieht man auch bei Teleskoparbeiten: Mit gefrästen PEEK-(Polyetheretherketon-)Sekundärkronen wird die gesamte Suprastruktur metallfrei gefertigt.

Die Bearbeitung des Hochleistungskunststoffs erfolgt zum Beispiel in einer Fünf-Achs-Maschine mit Servoantrieb und ist in einem Labor wie Praxis umspannenden CAD/CAM-Workflow integriert. Hier arbeiten Zahntechniker und Zahnarzt im Team und führen idealerweise bereits die implantologische Planung in enger Abstimmung durch.

Die Alternative zur ästhetisch absolut hochwertigen Teleskopprothese stellt die seit vielen Jahren bewährte Modellgussklammerprothese dar. Zur ökonomisch sinnvollen Herstellung tragen jetzt immer häufiger neuartige Software-Versionen für das digitalgestützte Design und die anschließende Fertigung bei, sodass es sich auch für das Labor lohnt. Ähnlich bestehen Bestrebungen hin zu einer wirtschaftlich attraktiveren Totalprothese. Auch hier befinden sich neuartige digitale Workflows in den Startlöchern. Bei ihnen dürften nicht zuletzt die additiven Verfahren eine größere Rolle spielen (3D-Druck) – ein Thema für den Rundgang über die IDS 2019.

Oft eine Option: Reparatur statt Neuanfertigung

Reparaturen vorhandener Prothesen können im Labor einen erheblichen Anteil einnehmen – bis zu 50–60% der Arbeit eines Zahntechnikers besteht aus Reparaturarbeiten. Kostenbewusste Patienten wählen häufiger diese Option. Da immer noch viele metallbasierte Konstruktionen betroffen sind, spielt das Prinzip „Lasern statt Löten“ eine wesentliche Rolle. Damit kann zum Beispiel auch nach Zahnverlust eine bestehende Prothese um eine Klammer oder ein Teleskop erweitert werden – ohne Verformungen und ohne Überhitzung der Kunststoffanteile. Ihre Funktionsfähigkeit und Ästhetik bleiben erhalten. Eine weitere, spezielle Reparatur-Option betrifft die Kugelköpfe von Miniimplantaten. Sie werden typischerweise bei älteren Patienten eingesetzt, vorwiegend zur Stabilisierung von (Unterkiefer-) Totalprothesen, und können nach längerer Tragedauer Verschleißerscheinungen aufweisen. Dennoch lassen sich diese Miniimplantate noch über Jahre erhalten. Einfach den Kugelkopf mit einer Schieblehre ausmessen oder klassisch abformen. Daraus leitet man ein Sekundärteil aus PEEK mit strammerem Sitz ab – Reparatur statt Explantation und Neuimplantation.

Unterstützung für Träger herausnehmbarer Prothesen

Ein großes Betätigungsfeld öffnet für Zahntechniker die steigende Zahl von Menschen mit nachlassender manueller Geschicklichkeit oder sogar Pflegebedarf. Für sie stellt die Reinigung herausnehmbarer Prothesen eine Herausforderung dar.

  • Abb. 2 u. 3: Ob Totalprothese, Teilprothese oder Kombinationsarbeit – bei der Fertigstellung zählt die Vielfalt an Zahnformen und ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Abb. 4: Bei der Verankerung implantatprothetischer Konstruktionen mit Lokatoren (oft „Vollprothesen-Alternative“) erlaubt eine hohe Schwenkkapazität heute große Divergenzen zwischen zwei Implantaten (z.B. bis zu 40 Grad). Und unter Verwendung eines speziellen Haltemechanismus lässt sich die Prothese mithilfe eines hydraulischen Ablöse-Systems beim Recall-Termin besonders einfach lösen.
  • Abb. 2 u. 3: Ob Totalprothese, Teilprothese oder Kombinationsarbeit – bei der Fertigstellung zählt die Vielfalt an Zahnformen und ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Abb. 4: Bei der Verankerung implantatprothetischer Konstruktionen mit Lokatoren (oft „Vollprothesen-Alternative“) erlaubt eine hohe Schwenkkapazität heute große Divergenzen zwischen zwei Implantaten (z.B. bis zu 40 Grad). Und unter Verwendung eines speziellen Haltemechanismus lässt sich die Prothese mithilfe eines hydraulischen Ablöse-Systems beim Recall-Termin besonders einfach lösen.

Zahnärzte und Zahntechniker wollten es genau wissen. Sie gingen im Rahmen einer stichprobenartigen Erhebung zu Pflegeeinrichtungen mit dem Angebot an die Bewohner, ihren herausnehmbaren Zahnersatz zu reinigen. Es zeigte sich, dass hier professionelle Unterstützung nötig und sehr nützlich ist. Hier liegt ein großes, bei Weitem nicht ausgeschöpftes Potenzial auch für die Dienstleistungen von Zahntechnikern.

Zahnärzte, die bei ihren Patienten vor allem in Senioreneinrichtungen routinemäßig den korrekten Sitz des Zahnersatzes überprüfen, können die Reinigung der herausnehmbaren Prothese an das Labor überweisen. Es versteht sich von selbst, dass die Gesamtverantwortung in allen Fällen beim Zahnarzt liegt, doch agiert der Zahntechniker dabei in vielfacher Weise als kompetenter Problemlöser – und erweitert seinen Wirkungsbereich dabei oft überraschend deutlich.

  • Abb. 5 u. 6: Digitale Workflows sind im Labor heute Routine und könnten durch die Erweiterung mit additiven Fertigungstechniken noch einmal ganz neue Chancen für die Herstellung zahntechnischer Objekte eröffnen.
  • Abb. 7: Ausweis zahntechnischer Expertise: Ausstellung der Siegermodelle des 16. Gysi-Preises am Stand des VDZI auf der IDS in Köln – hier eine für das zweite Lehrjahr eingereichte Arbeit für einen (fiktiven) Patienten mit zahnlosem Oberkiefer und mehreren behandlungsbedürftigen Defekten im Unterkiefer. Im Oberkiefer wurde ein 14er aufgestellt, die Gaumenfalten sorgfältig ausmodelliert und für den Unterkiefer zwei Kronen mit Kunststoff verblendet (regio 33 und 34, Farbe: A3) sowie zwei verblockte Kronen im Seitenzahnbereich hergestellt (regio 45 und 46), dies alles unter Beachtung einer korrekten Gestaltung aller Kontaktpunkte im Sinne der Artikulationslehre von Prof. Dr. Dr. Alfred Gysi (1865–1957). Zahntechnische Arbeit: Lisa Linnerz.
  • Abb. 5 u. 6: Digitale Workflows sind im Labor heute Routine und könnten durch die Erweiterung mit additiven Fertigungstechniken noch einmal ganz neue Chancen für die Herstellung zahntechnischer Objekte eröffnen.
  • Abb. 7: Ausweis zahntechnischer Expertise: Ausstellung der Siegermodelle des 16. Gysi-Preises am Stand des VDZI auf der IDS in Köln – hier eine für das zweite Lehrjahr eingereichte Arbeit für einen (fiktiven) Patienten mit zahnlosem Oberkiefer und mehreren behandlungsbedürftigen Defekten im Unterkiefer. Im Oberkiefer wurde ein 14er aufgestellt, die Gaumenfalten sorgfältig ausmodelliert und für den Unterkiefer zwei Kronen mit Kunststoff verblendet (regio 33 und 34, Farbe: A3) sowie zwei verblockte Kronen im Seitenzahnbereich hergestellt (regio 45 und 46), dies alles unter Beachtung einer korrekten Gestaltung aller Kontaktpunkte im Sinne der Artikulationslehre von Prof. Dr. Dr. Alfred Gysi (1865–1957). Zahntechnische Arbeit: Lisa Linnerz.

Die IDS 2019 als Initialzündung

Wie versetzt man das eigene Labor nun schnell in die Lage, diese Chancen wahrzunehmen? Ein Durchstarten ermöglicht die 38. IDS im März 2019. Hier gewinnt der Besucher sowohl einen Überblick über das benötigte Equipment als auch viele zusätzliche Ideen für die Optimierung seines Services und seiner Position im Markt.

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Literatur:

[1] Jordan AR, Micheelis W (Hrsg): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Deutscher Ärzteverlag (DÄV), Köln 2016.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger


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