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Galvano-Teleskopversorgungen verlässlich zum Langzeiterfolg führen

Der Mythos und die Mythen der Galvano-Technik

Galvano-Prothetik genießt höchstes Ansehen. Ihr Ruf eilt ihr geradezu voraus, man kann sie schon als Mythos der Highend-Versorgungen bezeichnen. Dabei sind Titan und Gold zwei ausgezeichnete Elemente, um den dauerhaften Einsatz in der Mundhöhle zu sichern. Sie trotzen den chemischen Kräften und stellen deshalb wichtige Stützen der Galvano-Technik dar – sie bilden eine der Stärken dieses Verfahrens. Auch edelmetallfreie Legierungen für den zugehörigen Modellguss bzw. die Metallbasis lassen sich als gute und technisch richtige Wahl bezeichnen. Im Folgenden bricht ZTM Wolfgang Bollack eine Lanze für die Galvano-Technik, die spärlich bezahnte Patienten mit sich fest anfühlenden Zähnen zu rehabilitieren vermag, und führt den erfolgreichen Weg vor. Dabei geht er auch auf die Klippen und gar Vorurteile des Galvanismus ein, die er mit dem Schlagwort „Mythen“ belegt.

Wenn ich in den vergangenen Jahren bei Neukunden-Kontakten die großen Vorzüge der Galvano-Teleskoptechnik im Bereich der abnehmbaren Implantat-Prothetik angesprochen hatte, bekam ich von Zahnärzten häufig zwei Reaktionen zu hören. Zum einen: „Oh, die verlieren ja so schnell ihre Friktion!“ und zum anderen: „Galvano-Technik steht im Verdacht, zu Galvanismus im Mund zu führen. Da gibt es doch diesen Artikel von Prof. Dr. Niedermeier von der Uni Köln über Galvanismus im Mund, bei dem die Galvano-Teleskoptechnik ganz schlecht wegkommt“ [1,2]. Prof. Dr. Wilhelm Niedermeier sprach darin sogar davon, dass die Galvano-Technik ein biologischer Rückschritt sei, was die Fachwelt doch erheblich verunsicherte.

Vollkommen zu Unrecht, wie wir mittlerweile aus langjähriger Erfahrung aus Labor und Praxis wissen. In meinem Bericht möchte ich nun aus unserer 25-jährigen Erfahrung heraus über die Galvano-Technik berichten und zu den o.g. Argumenten bzw. Befürchtungen Stellung beziehen.

Grundsätzliche Merkmale für den Langzeiterfolg

Eines ist mir ganz wichtig: Wenn man sich mit der Galvano-Teleskoptechnik befasst, muss man wissen, wo deren Grenzen und Schwächen liegen, in welchen Versorgungsformen man sie am besten einsetzen kann und wo sie ungeeignet ist.

Erhöhter Platzbedarf kann z.B. zu einem problematischen Thema werden, weshalb wir die Galvano-Teleskoptechnik ausschließlich im Bereich der abnehmbaren Implantat-Versorgungen einsetzen. Ein Titan-Abutment lässt sich graziler gestalten als ein natürlicher Zahn, denn man braucht immer 3 Bauteile pro Verbindungselement: ein Primärteil bzw. Abutment, ein Sekundärteil (Galvano-Krone) und ein Tertiärgerüst, meistens aus einer CoCr-Legierung. Diese Technik funktioniert daher z.B. in der Unterkieferfront auf natürlichen Zähnen überhaupt nicht.

Bei kombinierten Versorgungen, also natürlichen Zähnen und Implantaten, fertigen wir immer ganz normale 0°-Teleskopkronen aus einer edelmetallfreien Legierung für die natürlichen Zahnstümpfe sowie 2°- bzw. 4°-gefräste Abutments für Galvano-Kronen auf Implantaten. In der Regel werden bei den Abutments 2°-Fräsungen empfohlen, insbesondere dann, wenn sich Schraubenkanal-Öffnungen an den Fräsflächen befinden. Doch mit unserer Technik ohne Silberleitlack halten die Galvano-Kronen oft besonders stark, sodass viele Patienten Probleme haben, die Arbeiten aus dem Mund zu entfernen. Je nach Anzahl und Verteilung der Pfeiler nehmen wir auch öfter 4°-Fräsungen vor.

Auch das Wissen über die Duktilität von 24-karätigem Feingold ist ein weiterer wichtiger Punkt in der Galvano-Technik. Zum einen hat diese Duktilität den großen Vorteil, dass sich die Galvano-Käppchen durch Kaltverformung auch nach dem Einkleben im Mund noch besser an die Titan-Abutments anschmiegen können und somit zu einer noch höheren Präzision und dauerhaften Friktion beitragen. Zum anderen birgt diese Möglichkeit der Kaltverformung aber auch einen Nachteil. Sie sorgt dafür, dass sich die Galvano-Käppchen leicht aufbiegen können, was u.U. zu Haftungsverlusten führen kann. Deshalb müssen Galvano-Sekundärteile immer eine stabile Umfassung durch das Tertiär-Gerüst bekommen.

Des Weiteren müssen Galvano-Arbeiten auch immer ein ausreichendes Unterstützungspolygon erhalten. Im Unterkiefer genügen meist 4 Implantate im Bereich von 2-er, 4-er oder 5-er, je nach Lage des Foramen mentale. Im Oberkiefer sollten, aufgrund des weicheren Knochens, immer 6 Implantate verwendet werden, am besten im Bereich der 1-er, 3-er, 5-er bzw. 6-er je nach Knochenangebot bzw. Lage der Kieferhöhle. Es sollte immer eine quadranguläre, mindestens aber trianguläre Abstützung angestrebt werden. Konstruktionen mit kurzem Kraftarm (d.h. Widerstandshebel) und langem Lastarm (d.h. Angriffshebel), wie z.B. im Unterkiefer bei interforaminal gesetzten Implantaten oder allgemein bei unilateralen Verankerungen, sind für die Galvano-Technik ungeeignet.

Der o.g. ersten Befürchtung der Zahnärzte, dass „die Friktion nicht lange halte“, lässt sich am leichtesten begegnen. Das ist eindeutig ein Herstellungsproblem, wobei hier klar zu kritisieren ist, dass der Fehler schon in den Arbeitsanweisungen der Galvano-Systemanbieter liegt, da hier immer die Verwendung von Silberleitlack empfohlen wird. Diese Anweisung entstammt noch den Zeiten, als Galvano-Kronen auf Gipsstümpfen hergestellt wurden; bei der Anwendung auf Titan-Abutments ist sie aber unnötig und für die Innenflächen der Galvano-Käppchen sogar schädlich.


Merke: Auf Silberleitlack sollte im Rahmen von Implantatversorgungen bei Titan-Abutments verzichtet werden.


Wenn man an einem auf Hochglanz polierten Titan-Abutment Silberleitlack aufträgt, bildet sich ein Trennspalt von ca. 5–25 µm. Dieses Phänomen gilt es zu beachten und man muss entsprechend vorgehen! Ohne Silberleitlack gibt es keinen Trennspalt und das Galvano-Käppchen lässt sich problemlos vom Titan-Abutment trennen. Der Silberleitlack führt aber noch zu einem weiteren Problem: nämlich einer rauen Oberfläche. Dementsprechend wird auch die Innenfläche des Galvano-Käppchens genauso rau, wodurch die Galvano-Kronen dann innen seidenmatt aussehen. Viele Galvano-Anwender halten das allerdings für normal. Wenn Sie sich nun aber eine solche Innenfläche unter einem Rasterelektronenmikroskop anschauen, sieht diese wie eine Kraterlandschaft oder ein Alpenpanorama aus, auf dem schließlich nur die oberen Bergspitzen halten, die sich dann wiederum relativ schnell mechanisch abnutzen, sodass am Ende der Hydraulikeffekt verloren geht. Die Innenfläche einer Galvano-Krone muss nach dem Galvanisieren hochglänzend sein, d.h. quasi das „Negativ“ des polierten Titan-Abutments darstellen. Denn nur dann ist gewährleistet, dass die Haftung bzw. Friktion ein Leben lang erhalten bleibt.

Wie in den Abbildungen 1 u. 2 gezeigt, darf der Silberleitlack nicht an den Funktionsflächen aufgetragen werden, sondern nur okklusal zum Verschluss des Schraubenkanals und am Rand als Leiter zur Kathode. Abbildung 3 zeigt das Ergebnis ohne Silberleitlack im vorherigen Herstellungsprozess: eine hochglänzende Innenfläche des Galvano-Käppchens.

  • Abb. 1: Der Silberleitlack darf nicht...
  • Abb. 2: ... an den Funktionsflächen aufgetragen werden.
  • Abb. 1: Der Silberleitlack darf nicht...
  • Abb. 2: ... an den Funktionsflächen aufgetragen werden.

  • Abb. 3: Das Ergebnis: eine hochglänzende Innenfläche des Galvano-Käppchens.
  • Abb. 3: Das Ergebnis: eine hochglänzende Innenfläche des Galvano-Käppchens.

Genau aus diesem Grund sollte man Galvano-Kronen auch nicht auf Gold-Abutments bzw. -Primärteilen sowie auf Zirkoniumdioxid-Abutments bzw. ‑Primärteilen herstellen. Denn hier braucht man immer Silberleitlack für die gesamte Oberfläche, was die hohe Präzision der Galvano-Technik zerstört.

An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass häufig behauptet wird, Galvano-Kronen würden quasi nur aufgrund von Adhäsion durch den Speichel im Mund halten. Das kann ich aus unserer 25-jährigen Erfahrung heraus nicht bestätigen. Hier handelt es sich um einen frommen Wunsch: Denn eine Galvano-Krone, die im Labor nicht hält, wird auch im Mund nicht besser halten. Immerhin ist zu sagen, dass der Speichel natürlich den Kapillareffekt verstärkt.

Zur Frage des Galvanismus im Patientenmund

Doch nun zurück zum o.g. Artikel von Prof. Dr. Niedermeier und damit zu der zweiten von Zahnärzten geäußerten Befürchtung, Galvano-Technik im Mund führe zu Galvanismus. Sicherlich enthält Prof. Niedermeiers Artikel viele richtige und für die Wissenschaft wichtige Analysen und Untersuchungsergebnisse. Und es ist auch eine altbekannte Problematik, dass verschiedenartige Legierungen nebeneinander im Mund zu Galvanismus führen können, vor allem, wenn hochgoldhaltige Legierungen Kontakt mit Amalgam haben oder wenn Spargold-Legierungen, Silber-Palladium- oder Kupfer-Palladium-Legierungen verwendet werden.

Welche Probleme das für den gesamten Organismus zur Folge haben kann, ist vielfach untersucht und dokumentiert. Man begegnet dem Phänomen am besten durch Beschränkung auf nur wenige verschiedene Elemente. Dass aber auch die Galvano-Technik solche Risiken bergen soll und dies nur, weil zwischen den verwendeten Materialien sehr große Potenzialdifferenzen liegen, ist zunächst ja nur ein Verdacht bzw. eine Annahme. Langzeitstudien über die tatsächlichen Auswirkungen dieser Materialkombination bleibt der Artikel von Prof. Dr. Niedermeier leider schuldig.

Ohne Kenntnis von diesem Artikel gehabt zu haben, haben wir hingegen seit über 25 Jahren beste Ergebnisse mit dieser Technik erzielen können. Im Laufe der Zeit sind immer wieder auch ältere Galvano-Arbeiten zu uns ins Haus gekommen, weil wir Prothesenzähne und Verblendungen erneuern mussten. Bei all diesen Arbeiten sehen die Galvano-Kronen noch aus wie am ersten Tag und sind in ihrer Funktion einwandfrei. Wenn es hier zu relevanten galvanischen Strömen und Ionen-Wanderung gekommen wäre, hätte man doch erwarten können, dass zumindest geringe Veränderungen an den Galvano-Käppchen zu erkennen sein müssten. Das ist aber nicht der Fall, wie man z.B. auf den Abbildungen 4 und 5 eindeutig erkennen kann: Hier handelt es sich um Arbeiten, die sich seit vielen Jahren im Mund befinden. Und bis heute gibt es keinerlei Berichte von meinen Kunden über metallischen Geschmack oder allergische Reaktionen bei Patienten. Im Gegenteil, die Patienten sind voll des Lobes über den perfekten Sitz und hohen Tragekomfort.

  • Abb. 4a–c: Seit 11 Jahren im Mund und ohne Korrosion: Galvano-Teleskopprothese auf Titan-Abutments.
  • Abb. 5a–d: Nach 16 Jahren Tragedauer sind die meisten Galvano-Kronen noch in einwandfreiem Zustand.
  • Abb. 4a–c: Seit 11 Jahren im Mund und ohne Korrosion: Galvano-Teleskopprothese auf Titan-Abutments.
  • Abb. 5a–d: Nach 16 Jahren Tragedauer sind die meisten Galvano-Kronen noch in einwandfreiem Zustand.

Natürlich möchte ich das Thema der Galvano-Ströme im Mund an dieser Stelle nicht negieren, denn es gibt sie. Aber allem Anschein nach doch nicht bei Galvano-Teleskopen auf Titan-Abutments, da die Realität nach 15–20 Jahren ein anderes Bild zeigt. Ich bin allerdings kein Wissenschaftler, sondern Zahntechniker. Ich weiß nicht, ob und in welchem Ausmaß es zu einer Ionen-Wanderung kommt, ich kann aber durchaus erkennen, ob sich nach 15–20 Jahren Veränderungen an Galvano-Sekundärteilen zeigen. Und das ist definitiv nicht der Fall. Entsprechende Aufnahmen liefern den Beweis (Abb. 4a–c): Diese Arbeit ist seit 11 Jahren im Mund, der Patient kam zu uns zur professionellen Prothesenreinigung und -politur. Der Mann hat seinen Zahnersatz recht gut gepflegt. Anmerkung dazu: Bei einigen anderen Patienten sind mehr Beläge um die Prothesenzähne herum zu beobachten, was natürlich auch mit den Ernährungsgewohnheiten zusammenhängt. Nach einer so langen Tragedauer ist dieses Bild aber durchaus als normal zu bezeichnen, weswegen wir diese Arbeiten dann auch von Zeit zu Zeit bei uns im Labor professionell aufarbeiten.

Die Galvano-Kronen sind aber immer noch in einem einwandfreien Zustand. Wir finden keine Beläge, keine Metallniederschläge und auch keine Abnutzung.

Auch die folgende Arbeit ist seit ca. 16 Jahren im Mund (Abb. 5a–d). Die Patientin kam zu uns, weil ein Teil der Prothesenränder abgebrochen war. Sie betreibt eine hervorragende Mundhygiene und tadellose Prothesenreinigung. Auch hier sehen die meisten Galvano-Kronen noch aus wie am ersten Tag. Nur eine hat ein wenig Belag bekommen. Doch die Funktion ist einwandfrei und die Patientin ist immer noch begeistert von ihrem Zahnersatz. Und das Wichtigste: keinerlei Anzeichen von Periimplantitis bei den Implantaten!

Nach den reichhaltigen Erfahrungen mit vielen begeisterten Behandlern und Patienten und aufgrund unserer Überzeugung können wir mit Fug und Recht feststellen, dass die Galvano-Technik die erfolgreichste Versorgungsform bei abnehmbarem Zahnersatz auf Implantaten ist. Das bestätigen auch alle unsere Kunden, die diese Technik schon seit vielen Jahren als Behandlungskonzept einsetzen.

Aktuelles Fallbeispiel aus unserem Labor

Auf den Abbildungen 6a–g lässt sich gut erkennen, wie eine Galvano-Arbeit nicht ausgeführt werden sollte. Dieser Zahnersatz, alio loco gefertigt, war erst DREI! Jahre im Mund des Patienten, als wir ihn zum Erneuern ins Labor bekamen. Er hatte von Anfang an nicht gehalten und musste bald durch Locatoren ersetzt bzw. erweitert werden. Solch fehlerhafte Ausführung führt immer wieder dazu, dass die Galvano-Technik zum Teil in Verruf geraten ist – wo sie aber doch grundsätzlich und, wenn korrekt angewendet, ein wunderbares Therapiemittel ist!

  • Abb. 6a–c: Alte Versorgung: Die Front war zu weit labial aufgestellt.
  • Abb. 6d: Insuffiziente Galvano-Sekundärteile im Oberkiefer.
  • Abb. 6a–c: Alte Versorgung: Die Front war zu weit labial aufgestellt.
  • Abb. 6d: Insuffiziente Galvano-Sekundärteile im Oberkiefer.

  • Abb. 6e: Zu locker gegossene Sekundärteile im Unterkiefer.
  • Abb. 6f u. g: Bei den Frontzähnen wurden die Statik und die Kippmomente nicht berücksichtigt, die Ästhetik lässt sehr zu wünschen übrig.
  • Abb. 6e: Zu locker gegossene Sekundärteile im Unterkiefer.
  • Abb. 6f u. g: Bei den Frontzähnen wurden die Statik und die Kippmomente nicht berücksichtigt, die Ästhetik lässt sehr zu wünschen übrig.

Die Abbildungen 6a–c dokumentieren die zu weit nach labial aufgestellte Front. Abbildung 6d zeigt den Oberkiefer-Zahnersatz: mit den insuffizienten Galvano-Sekundärteilen und den erweiterten Locator-Retentionselementen, durch die die Versorgung überhaupt erst zum Halten gebracht werden konnte. Im Unterkiefer haben wir ein ähnliches Bild vor uns, mit zu locker gegossenen Sekundärteilen aus einer Goldlegierung im 4. Quadranten und ebenfalls Locator-Retentionselementen im 3. Quadranten. Auch hinsichtlich der Ästhetik im Mund des Patienten fielen die vorstehenden Frontzähne sofort auf (Abb. 6f u. g). Hier wurde sich über Statik und Kippmomente nur wenig Gedanken gemacht und insgesamt ist dies kein Ruhmesblatt für deutsche Zahntechnik.

Wie sind wir nun an den Fall herangegangen? Die Original-Bisslage haben wir durch die Kopie der aus der Zahnarztpraxis erhaltenen vorhandenen Prothesen übernommen. Dann haben wir eine neue Wachsaufstellung mit deutlich zurückgesetzter Front und etwas individualisierter Frontzahnstellung angefertigt. Die Wachsaufstellung stellte unseren Vorschlag dar, der in der Praxis anprobiert wurde (Abb. 7a–f).

  • Abb. 7a bis f: Neuvorschlag in  Wachs und Anprobe.
  • Abb. 7a bis f: Neuvorschlag in Wachs und Anprobe.
    © Bollack


Nachdem die Wachsaufstellung freigegeben war, bildete sie nun die Grundlage für alle weiteren Arbeitsschritte (Abb. 8a–c). Nach der Ästhetik-Kontrolle im Mund und kleinen Korrekturen sind wir zunächst an die digitale Planung der individuellen Abutments herangegangen. Hierzu wurde die Wachsaufstellung eingescannt (Abb. 9a u. b) und es folgte die virtuelle Planung der Abutments (Abb. 9c u. d) mit der anschließenden Umsetzung in Titan (Abb. 10a–d).

  • Abb. 8a–c: Die erarbeitete Wachsaufstellung.
  • Abb. 9a u. b: Einscannen der freigegebenen Wachsaufstellung.
  • Abb. 8a–c: Die erarbeitete Wachsaufstellung.
  • Abb. 9a u. b: Einscannen der freigegebenen Wachsaufstellung.

  • Abb. 9c u. d: Planung der Abutments am PC.
  • Abb. 10a–d: Fertig gefräste und auf Hochglanz polierte Titan-Abutments.
  • Abb. 9c u. d: Planung der Abutments am PC.
  • Abb. 10a–d: Fertig gefräste und auf Hochglanz polierte Titan-Abutments.


Kommentar

Nach langjährigen Beobachtungen und retrospektiven Untersuchungen einiger meiner Kunden hat sich herausgestellt, dass festsitzende Implantat-Versorgungen, vor allem mit angebrannter rosa Keramik, deutlich häufiger zu Periimplantitis neigen als abnehmbare Versorgungen. Dies ist einzig und allein der schlechteren Reinigungsfähigkeit der festsitzenden Implantat-Versorgungen geschuldet.

Doch auch bei abnehmbaren Galvano-Arbeiten kann sich eine Periimplantitis entwickeln. Aufgrund der Einschubrichtung von frontal kommt es gelegentlich zu starken distalen Überhängen bei endständigen Abutments. Wenn diese Überhänge zu nah an der Gingiva liegen, haben Patienten Probleme, diese gründlich zu reinigen. Es kommt zu Plaque-Anlagerungen, die dann auch zu Periimplantitis führen können. Deshalb gestalten wir bei Deckprothesen unsere Abutments ähnlich wie Pfahlbauten, sodass der gingivale Rand der Fräsfläche des Abutments ca. 1–2 mm oberhalb der Gingiva liegt (vgl. Abb. 10a–d). Damit wird die Reinigungsfähigkeit der Titan-Abutments noch deutlicher verbessert.


Danach werden die Galvano-Käppchen (Abb. 11a–c)und das Modellgussgerüst (Abb. 12a–c) hergestellt. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Tertiärgerüst um die Galvano-Käppchen herum nicht zu eng anliegt. Es sollten ca. 0,5 mm Platz gelassen werden, damit durch den Klebevorgang im Mund eine absolut spannungsfreie Situation entstehen kann. Durch dieses Verfahren werden alle Mikro-Ungenauigkeiten aus dem gesamten Herstellungsprozess, die durch die unterschiedlichen Materialkomponenten und deren Expansion bzw. Kontraktion entstehen, auf 0 gesetzt. Durch diese Vorgehensweise ist die Galvano-Technik allen anderen Verfahren überlegen. Okklusal muss im Tertiärgerüst ein Stopp eingebaut werden, der die Galvano-Käppchen beim Kleben in Position hält.

  • Abb. 11a–c: Die Galvano-Käppchen sind fertig.
  • Abb. 12a–c: Das Modellgussgerüst.
  • Abb. 11a–c: Die Galvano-Käppchen sind fertig.
  • Abb. 12a–c: Das Modellgussgerüst.

Aus unserer Wachsaufstellung werden Mock-ups auf den Gerüsten produziert (Abb. 13a–d), womit die korrekte Übertragung der Ästhetik-Aufstellung auf das Metallgerüst gewährleistet wird. Denn nach dem Einkleben der Galvano-Kronen werden neue Abdrücke und Modelle gefertigt, da die Wachsaufstellung, die auf den Implantat-Meistermodellen entstanden war, nicht mehr verwendet werden kann.

Jetzt folgt die wichtigste Phase im Workflow der Galvano-Technik: das definitive Einsetzen der Titan-Abutments und das Verkleben der Galvano-Kronen. Die Abutments sollen, gemäß dem Weigl-Konzept, nach dem Einkleben der Galvano-Käppchen nicht mehr entfernt werden. Denn das Ein- und Ausschrauben der Abutments kann zu minimalen Abweichungen führen, die die hohe Passgenauigkeit der Galvano-Kronen mindern würden.

Mit dem frontalen Mock-up kann jetzt auch noch einmal die Ästhetik überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Diese Information bildet dann ja die Grundlage für die Fertigstellung des Zahnersatzes.

  • Abb. 13a–d: Erstellung von Mock-ups auf den Gerüsten.
  • Abb. 14a–d: Das Zwischenprovisorium, das später die Funktion einer Reiseprothese übernehmen soll.
  • Abb. 13a–d: Erstellung von Mock-ups auf den Gerüsten.
  • Abb. 14a–d: Das Zwischenprovisorium, das später die Funktion einer Reiseprothese übernehmen soll.

Nach dem Einsetzen der Abutments muss für die Übergangszeit, d.h. bis der definitive Zahnersatz fertiggestellt ist, ein Zwischenprovisorium zur Verfügung stehen (Abb. 14a–c), das später als Reiseprothese dienen kann. Dieses wird mit klassischem Prothesenkunststoff direkt auf dem Implantat-Meistermodell über die Titanpfosten hergestellt. Wir haben dafür ein schnelles, rationelles und damit kostengünstiges Verfahren entwickelt. Die Kontaktflächen der Kunststoffbasis zu den Abutments werden schon im Labor mit Silikon ausgekleidet. Damit erzielen wir ein sanftes Gleiten auf den Abutments und trotzdem einen sicheren Halt.

Ab diesem Zeitpunkt war unser Patient wieder mit einem funktionierenden und ästhetisch ansprechenden Zahnersatz versorgt (Abb. 15a–c) und konnte sich seiner alten Prothesen entledigen. Das war für ihn ein echter Freudentag nach einer langen Leidenszeit mit fehlerhaftem Zahnersatz.

  • Abb. 15a–c: Der Patient ist mit seinem sicher haftenden Zwischenprovisorium zufrieden.
  • Abb. 16a–d: Auf dem Weg zur Fertigstellung der Versorgung wird noch die Bisssituation festgehalten.
  • Abb. 15a–c: Der Patient ist mit seinem sicher haftenden Zwischenprovisorium zufrieden.
  • Abb. 16a–d: Auf dem Weg zur Fertigstellung der Versorgung wird noch die Bisssituation festgehalten.

In der Zwischenzeit stellen wir den definitiven Zahnersatz fertig. Nach dem Einkleben der Galvano-Kronen im Mund wird zur Sicherung des Ergebnisses und als spätere Überprüfungsmöglichkeit noch eine Bissverschlüsselung durchgeführt (Abb. 16a–d). Außerdem werden neue Abdrücke über die Gerüste angefertigt, zudem im Labor neue Modelle erstellt und diese schädelbezüglich einartikuliert.

Dann wird unter Berücksichtigung der Informationen aus dem Mock-up und der Ästhetik-Anprobe eine neue Zahnaufstellung auf die Gerüste angefertigt (Abb. 17a–d). Danach wird alles in Kunststoff umgesetzt (Abb. 18a–c). Der Vergleich mit der alten Versorgung macht den Fortschritt für den Patienten deutlich (Abb. 18d–f u. 19a–d). Im früheren Zahnersatz gab es im 4. Quadranten gegossene Gold-Sekundärteile, die kaum Friktion hatten, und im 3. Quadranten als Notbehelf Locator-Retentionselemente. Nun ist die neue Basis viel graziler, die Galvano-Kronen sind hochglänzend und halten richtig fest. Auch im Unterkiefer wird die Veränderung augenfällig: Der neue Zahnersatz zeigt hochglänzende Galvano-Kronen, die ebenfalls stabil halten.

  • Abb. 17a–d: Aus dem Mock-up und der Ästhetik-Anprobe wird die neue Zahnaufstellung entwickelt.
  • Abb. 18a-f: Links der neu gestaltete Zahnersatz mit deutlich zurückgestellter Front und ästhetisch ausgearbeiteter rosa Ästhetik, rechts zum Vergleich der frühere Zahnersatz.
  • Abb. 17a–d: Aus dem Mock-up und der Ästhetik-Anprobe wird die neue Zahnaufstellung entwickelt.
  • Abb. 18a-f: Links der neu gestaltete Zahnersatz mit deutlich zurückgestellter Front und ästhetisch ausgearbeiteter rosa Ästhetik, rechts zum Vergleich der frühere Zahnersatz.

  • Abb. 19a u. b: Der neu erstellte Galvano-Zahnersatz von basal.
  • Abb. 19c u. d: Die alte Galvano-Basis für den Unterkiefer von basal.
  • Abb. 19a u. b: Der neu erstellte Galvano-Zahnersatz von basal.
  • Abb. 19c u. d: Die alte Galvano-Basis für den Unterkiefer von basal.

Am Ende haben wir es wieder einmal geschafft: Wir haben einen Menschen glücklich gemacht und ihm ein sympathisches Lächeln ins Gesicht gezaubert (Abb. 20a–c). Dafür lohnt sich jeder Aufwand.

  • Abb. 20a–c: Der Patient mit neuer Lebensqualität.
  • Abb. 20a–c: Der Patient mit neuer Lebensqualität.
    © Bollack

Mein Anliegen war es, viele Kollegen mit diesem Bericht für diese hoch präzise Technik zu begeistern. Vor den „Mythen“ oder Klippen der Galvano-Technik braucht man keine Angst zu haben. Denn es sind tatsächlich Mythen, die uns da begegnen, vergleichbar mit überlieferten Dichtungen, Sagen, Erzählungen oder sagenhaften Geschichten. Unsere tägliche Realität zeigt ein ganz anderes Bild: Die Galvano-Technik ist ein hohes Gut für den Patienten und wir können sie mit Bravour meistern!

Fazit

Mit der Galvano-Technik haben wir durch die abnehmbaren und dennoch fest sitzenden Arbeiten in der Implantat-Prothetik einen sehr guten Schutz vor Periimplantitis.

Sie ist die beste Methode, unterschiedliche Implantat-Typen, -Größen und -Richtungen in eine einheitliche Gesamteinschubrichtung mit einem definierten Konuswinkel zu bekommen.

Durch das spannungsfreie Verkleben der Galvano-Kronen im Mund des Patienten bietet sie höchsten Tragekomfort und höchste Präzision bei der Suprakonstruktion, was für beste Langzeitergebnisse sorgt.

Galvano-Arbeiten überzeugen auch durch eine sehr gute Reparaturfähigkeit. Abgenutzte Prothesenzähne und Verblendungen lassen sich leicht ersetzen. Bei Verlust eines Pfeilers bleibt immer die bestmögliche parodontale Abstützung erhalten.

Ein durch die Galvano-Technik hervorgerufener Galvanismus im Mund konnte unserer Erfahrung nach in den 25 Jahren unserer Arbeit nicht beobachtet werden.



Beurteilungen

Zur Untermauerung der Erkenntnisse möchte ich noch zwei sehr erfahrene Implantologen aus meinem Kundenkreis zitieren, die ebenso wie ich in meinem Labor in ihren Praxen die Galvano-Technik einsetzen.

  • Dr. Jörg Schmoll

  • Dr. Jörg Schmoll
    © Schmoll

Dr. Jörg Schmoll, Professor UTMA (AM), Eppelheim:
„Wir arbeiten im Bereich der abnehmbaren Implantat-Prothetik schon seit über 25 Jahren sehr erfolgreich mit der Galvano-Technik. Die Art und Weise, wie das Dentallabor Bollack diese Arbeiten herstellt, führt zu sicheren und stabilen Verhältnissen. Mit Haftverlusten haben wir keine Probleme. Überzeugend ist vor allem die Qualität der Galvano-Kronen; auch nach 20 Jahren sehen die Innenflächen der Galvano-Kronen noch aus wie am ersten Tag. Irgendwelche galvanischen Prozesse im Patientenmund bzw. metallische Niederschläge an den Galvano-Kronen waren bisher nicht zu beobachten.“

Dr. Marius Steigmann, Neckargemünd/Frankfurt:

  • Dr. Marius Steigmann

  • Dr. Marius Steigmann
    © Steigmann

„Die Galvano-Technik ist ein ganz wichtiger Baustein in meinem Behandlungskonzept. Bei abnehmbaren Ganzkieferversorgungen auf Implantaten gibt es nichts Besseres. Zum einen, weil durch das Verkleben der Galvano-Kronen im Mund die höchste Präzision und eine absolut spannungsfreie Verbindung zu den Implantaten geschaffen wird. Und zum anderen ist es die gute Reinigungsfähigkeit dieser Konstruktionen. Eigene retrospektive Untersuchungen bei meinen Patienten haben eindeutig ergeben, dass das Risiko einer Periimplantitis bei abnehmbaren Galvano-Arbeiten deutlich geringer ist als bei fest zementierten Versorgungen. Veränderungen an den Galvano-Kronen sind auch nach vielen Jahren in meiner Praxis bisher noch nicht zu beobachten gewesen.“



 

 


Literaturhinweise:

[1] Niedermeier W: Oraler Galvanismus – Ursachen und Folgen. ZWR 2015; 124 (12):578–584. Wissenschaft – Umweltzahnmedizin. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, New York. DOI: 10.1055/s-0035-1569258

[2] Niedermeier W. Regelversorgung im Spiegel der Biokompatibilita?t. 42. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie 2013. Kurzreferate 2013: 96–103.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Wolfgang Bollack


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