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Die Digitalisierung im Dentallabor: Wo stehen wir?

15.06.2020

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Die Digitalisierung ist DER Megatrend unserer Zeit. Aber befinden wir uns überhaupt noch im „Prozess der Digitalisierung“ oder sind wir gar schon „digital“? Macht der 3D-Druck Druck oder sind wir bereits up to date? Für eine Momentaufnahme in seinem Dentallabor und seiner persönlichen Einschätzung haben wir im Folgenden ZTM Stephan Kreimer befragt.


Die Kreimer Dentallabor GmbH & Co. KG ist ein deutsches Meisterlabor, welches sich auf den digitalen Workflow spezialisiert hat. Der Firmensitz befindet sich im münsterländischen Warendorf. Durch die mehr als 35-jährige Erfahrung in der Dentalbranche und der Kooperation mit führenden Dentalunternehmen hat das Labor Zugang zu den aktuellsten Fertigungstechnologien. Dadurch werden sowohl für Kunden als auch deren Patienten hochwertige und langlebige zahntechnische Restaurationen ermöglicht.


Herr Kreimer, wie sahen Ihre ersten Schritte hin zum digitalen Workflow aus und was war der Auslöser?

Wir haben in unserem Dentallabor bereits sehr früh das CAD-Design implementiert, um in der Lage zu sein, Zirkoniumdioxidrestaurationen zu konstruieren. Durch „Early Adopter“ der Intraoralscantechnologie in unserem Kundenstamm sind wir bereits 2015 mit den ersten Intraoralscannern (IOS) in Kontakt gekommen und haben in enger Zusammenarbeit einen validierten Workflow entwickelt. Ab diesem Zeitpunkt hat bei uns eine rasante Entwicklung im Bereich des digitalen Workflows stattgefunden, die uns heute einen technologischen Vorsprung verschafft.

Wie ist der Stand in Ihrem Labor heute?

Durch die Kombination aus aktuellster CAD/CAM-Software, 5-Achs-CNC-Fertigung und 3D-Druck-Technologie ist uns die Bearbeitung aller zahntechnischen Materialien in höchster Qualität inhouse möglich. Darüber hinaus können wir Intraoralscans empfangen, verarbeiten und auf Basis dieser Daten den Zahnersatz und die Modelle mithilfe der CNC-Fertigung oder 3D-Druck-Technologie herstellen. Durch unsere Positionierung als digitalisiertes Labor sind viele Zahnärzte auf uns aufmerksam geworden. Ein Großteil unserer Kunden nutzt heute digitale Workflows und schickt uns IOS-Daten.

Empfinden Sie den Digitalisierungsprozess als Chance oder als Gefahr?

Chance oder Gefahr – das ist in erster Linie davon abhängig, wie Labore jetzt auf die Digitalisierung reagieren. Wer auf konventionellen Workflows beharrt, wird zunehmend bestimmte Kundenaufträge nicht mehr bearbeiten können. Fehlendes Know-how im Bereich digitale Workflows kann für Praxen zudem auch ein Grund sein, ihr Labor zu wechseln, um eben mit einem Partner arbeiten zu können, der z. B. die Annahme von IOS-Daten beherrscht.

Wer aber rechtzeitig die richtigen Schritte in die Digitalisierung macht, der kann von zahlreichen Vorteilen profitieren: Digitalisierung ermöglicht die Skalierbarkeit verschiedener Anwendungen. Zudem sind erhebliche Effizienzsteigerungen möglich. Auch das Thema Kundengewinnung kann ganz neu gedacht werden: So ermöglichen zum Beispiel Intraoralscanner eine erheblich verbesserte Kommunikation zwischen Labor und Praxis. Zudem bedeuten digitale Daten natürlich auch ortsunabhängiges Arbeiten: Kunden müssen nicht unbedingt aus dem direkten Umkreis kommen, sondern können deutschland- oder sogar weltweit bedient werden.

Jedes Dentallabor sollte sich daher jetzt mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen, um von den Chancen, die es bereits heute gibt, zu profitieren und für die Zukunft richtig aufgestellt zu sein.

  • Sowohl in der Theorie …
  • … als auch im Laboralltag beschäftigt sich ZTM Stephan Kreimer mit den neuesten Fertigungstechnologien, um am Puls der Zeit zu bleiben.
  • Sowohl in der Theorie …
  • … als auch im Laboralltag beschäftigt sich ZTM Stephan Kreimer mit den neuesten Fertigungstechnologien, um am Puls der Zeit zu bleiben.

Sehen Sie aktuell noch Lücken oder Stolpersteine im digitalen Workflow? Gibt es Bereiche, in denen das analoge Arbeiten zurzeit einfach noch „besser“ oder wirtschaftlicher ist?

Im Bereich des digitalen Workflows muss man zwischen der Praxisseite (Abformung) und der Laborseite (Produktion) differenzieren. Durch die digitale Abformung mit einem Intraoralscanner ergeben sich sowohl für den Zahnarzt als auch für das Dentallabor deutliche Vorteile, wie z. B. eine verbesserte Kommunikation. Aber natürlich ist der Intraoralscan nicht immer die bessere Wahl. Daher fahren wir mit unseren Kunden ein Hybridmodell und verwenden jeweils das Verfahren, welches qualitativ die besten Ergebnisse für den individuellen Fall bietet.

Für die Produktion in unserem Dentallabor verfolgen wir ein ähnliches Modell. Hier ist der digitale Workflow in sehr vielen Bereichen dem rein analogen Arbeiten überlegen. Aber natürlich gibt es hier weiterhin Indikationen oder Teilbereiche, die mit dem konventionellen Workflow besser und/oder wirtschaftlicher gelöst werden können. Unterm Strich geht es darum, das Beste aus beiden Welten – digital und analog – zu vereinen, innovativ zu sein und sich stetig weiterzubilden.

Was würden Sie sich von der Dentalindustrie im Zuge der Digitalisierung wünschen?

Viele Entwicklungen der vergangenen Jahre seitens der Industrie sind positiv zu betrachten. Die Systeme werden zugänglicher und systemübergreifende Workflows werden vereinfacht. Allerdings versuchen immer noch zu viele Hersteller, den Nutzer in proprietären Systemen gefangen zu halten. So lassen sich beispielsweise Intraoralscans zwar bei vielen Modellen in Farbe exportieren (PLY/OBJ), aber nicht in jedem System werden diese Farbinformationen auch dargestellt. Daher würde ich mir von der Industrie wünschen, dass offene Standards systemübergreifend Anwendung finden.

Was ist aktuell Ihr „digitales“ Lieblingsprodukt/Verfahren/Tool/App oder Software etc. und warum?

Ich denke, hier ist der gesamte digitale Workflow zu nennen. Er beginnt mit der digitalen Abformung durch einen Intraoralscanner in der Zahnarztpraxis, geht über die digitale Kommunikation und das CAD-Design bis zu der Fertigung im CNC-Verfahren oder der 3D-Druck-Technologie. Dies ermöglicht uns die bereits mehrfach erwähnte bessere Kommunikation mit den Zahnärzten und erhöht gleichzeitig sowohl die Geschwindigkeit als auch die Reproduzierbarkeit der zahntechnischen Restaurationen.

Wird die Künstliche Intelligenz (KI) auch in der Zahntechnik Einzug halten?

Die Künstliche Intelligenz wird zusammen mit dem Machine Learning eine bedeutende Rolle in der zukünftigen Entwicklung von CAD-Software spielen. Je mehr Nutzer mit einer Software arbeiten, desto mehr Daten können gesammelt werden. Durch die Analyse dieser Daten wird die Software in der Lage sein, eigene Regeln zu erlernen und gewisse Arbeitsschritte zu automatisieren. Der Endnutzer wird die Korrektur und Endkontrolle dieser Arbeitsschritte übernehmen. Aber auch bei Intraoralscannern spielt Machine Learning bereits heute schon eine Rolle, um die Scanqualität zu erhöhen und ungewollte Fragmente automatisch aus dem Scan zu entfernen.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zahntechnik in der Zukunft aus?

Die Digitalisierung wird auch noch die nächsten 5–10 Jahre der Zahntechnik prägen. Zu den vorhandenen handwerklichen Fähigkeiten wird in Zukunft zunehmend eine hohe digitale Kompetenz erforderlich sein. Die Konkurrenz wird durch Chairside-Fertigung, MVZs und auch Praxislabore immer größer werden. Die Dentallabore haben durch die jahrzehntelange Kompetenz auf diesem Gebiet aber natürlich einen gewissen Vorteil, wenn die vorhandenen Fähigkeiten geschickt durch digitales Know-how erweitert werden können. Darüber hinaus werden immer mehr Zahnärzte Intraoralscanner für die Abformung verwenden, wodurch eine digitale Produktionskette im Dentallabor zwingend erforderlich sein wird. Ich sehe diese Zukunft insgesamt sehr positiv. Wir leben in einer dynamischen und spannenden Zeit. Veränderungen schaffen immer auch Raum für Kreativität und neue Lösungen. Wichtig sind dabei vor allem ein offener Geist und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln.

Herr Kreimer, wir danken Ihnen für das Gespräch!


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