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Die Oberfläche naturgerecht ausarbeiten

Die Gestaltung perfekter anatomischer Kronen stellt jeden Techniker jeden Tag erneut vor die Herausforderung, Ersatz naturgetreu für ein vorhandenes Gebissumfeld zu schaffen. Die wichtigen Parameter Form, Farbe und Oberfläche müssen besonders in der ästhetischen Zone das Vorbild reproduzieren, wenn es um die Einzelzahnversorgung geht. Unsere Autoren ZTM Jürgen Freitag und seine Frau Tina betonen hier: Von größter Bedeutung ist zum Schluss die perfekte Oberflächenbearbeitung der Krone. Wie sie vorgehen, demonstrieren sie an Fallbeispielen.

Die Schichtung der Farbe sollte durch die sehr guten modernen Keramikmassen eigentlich keine große Hürde mehr darstellen. Hingegen bleibt es ein Ansporn, die individuelle Anatomie in Bezug auf die Form und die Oberfläche präzise nachzuahmen.

Schleifen des Zirkoniumdioxidgerüstes

Wie oft, so stand im folgenden Patientenfall am Anfang der Arbeit die Gerüstherstellung mit Zirkoniumdioxid (VITA YZ HT in A3; VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen). Zahn 21 sollte eine mit Schichtkeramik verblendete Krone erhalten. Als das Gerüst gesintert war, ging es um ein vorsichtiges Ausarbeiten mit rotierenden Diamantschleifern. Hier stellt die Anwendung der gelben Turbo-Grinder (bredent, Senden) eine echte Alternative dar. Diese Schleifkörper mit spezieller Diagen-Diamant-Bindung sorgen für einen sehr guten Abtrag. Abbildung 1 zeigt das komplette Assortment, wie es zur Verfügung steht (s. a. Tabelle am Ende des Beitrags). Die verschiedenen Formen ermöglichen auch in diffizilen Bereichen eine differenzierte und grazile Ausformung (Abb. 2 u. 3).

  • Abb. 1: Das komplette Set der bredent Diagen-Turbo-Grinder.
  • Abb. 2: Mit der gelben Walze wird das Zirkoniumdioxidgerüst grob beschliffen. Zur Modellherstellung diente bredent Exakto-Rock S.
  • Abb. 1: Das komplette Set der bredent Diagen-Turbo-Grinder.
  • Abb. 2: Mit der gelben Walze wird das Zirkoniumdioxidgerüst grob beschliffen. Zur Modellherstellung diente bredent Exakto-Rock S.

  • Abb. 3: Die gelbe Walze rundet auch die Inzisalkante ab.
  • Infokasten.
  • Abb. 3: Die gelbe Walze rundet auch die Inzisalkante ab.
  • Infokasten.

Beim Schleifen merkt man schnell, dass ein geringer Anpressdruck genügt. Dieser Aspekt hat eine äußerst positive Wirkung auf das Gerüst, denn es geht uns ja wesentlich darum, keine oberflächliche Druckspannung aufzubauen (siehe Infokasten). Dennoch sollte auch hier immer ein Regenerationsbrand durchgeführt werden, wenn es die Hersteller vorschreiben (z.B. VITA Zahnfabrik), um eventuell stattgefundene Phasenumwandlungen an der Zirkoniumdioxid-Oberfläche umzukehren. Die VITA Zahnfabrik weist darüber hinaus darauf hin, dass – um eine Phasenumwandlung zu vermeiden – zu verblendende Flächen nicht abgestrahlt werden dürfen.

Auf der Verblendung von grob zu fein

Nach dem Gerüst-Finish erfolgt die keramische Verblendung, die nach den heutigen Standards ausgeführt wird. Es sind die von den jeweiligen Herstellern vorgegebenen Gebrauchsanweisungen und Bedienungsanleitungen zu beachten, bei aller eigenen Kreativität. Nach den durchgeführten Keramikbränden beginnen die Ausarbeitung der Verblendung und die Strukturierung der Oberfläche. Maßgeblich für das Vorgehen ist der umgebende Restzahnbestand, an dem man sich orientiert und so die Morphologie perfekt kopieren kann.

  • Abb. 4: Ausarbeiten der Verblendung: Formgebung mit der grünen Walze.
  • Abb. 5: Der palatinal-inzisale Feinschliff mit dem kleinen grünen Rad.
  • Abb. 4: Ausarbeiten der Verblendung: Formgebung mit der grünen Walze.
  • Abb. 5: Der palatinal-inzisale Feinschliff mit dem kleinen grünen Rad.

  • Abb. 6: Die gelbe Linse eignet sich perfekt für das inzisale Cut-back.
  • Abb. 6: Die gelbe Linse eignet sich perfekt für das inzisale Cut-back.

Die Bearbeitung der Grundform (Abb. 4 u. 5) nehmen wir sowohl mit den gelben als auch mit den grünen Werkzeugen vor. Es eignen sich alle größeren Schleifkörper, wenn man sich der Grundform widmen möchte. Ein perfekter Schleifkörper zur Reduzierung und Strukturierung der inzisalen Anteile ist die dünne gelbe Linse. Mit ihr lassen sich sehr gut die Details herausarbeiten (Abb. 6).

  • Abb. 7: Die grüne Kugel für die palatinale Ausformung.
  • Abb. 8: Anlegen der Oberflächenmorphologie mit der feinen grünen Spitze.
  • Abb. 7: Die grüne Kugel für die palatinale Ausformung.
  • Abb. 8: Anlegen der Oberflächenmorphologie mit der feinen grünen Spitze.

Die feineren, vorwiegend kleinen Spitzen dienen zur Ausarbeitung der diffizilen Bereiche und der morphologischen Oberflächenbereiche (Abb. 7 u. 8). Mit den sehr feinen Spitzen lassen sich auch hervorragend die Strukturen herausarbeiten, die für die Lichtbrechung und die Reflexion des Lichts verantwortlich zeichnen.

Die Abbildungen 9–11 zeigen eine Frontzahnkrone, bei der das Zirkoniumdioxidgerüst wie auch die komplette Verblendung mit den verschiedenen Turbo-Grinder-Schleifkörpern bearbeitet wurden. Insbesondere der Schwarz-Weiß-Aufnahme lässt sich sehr gut die Formgebung der Oberfläche entnehmen ... und ihre naturidentische Wirkung.

  • Abb. 9: Die fertige Krone, mit VITA VM 9 verblendet, auf dem Modell.
  • Abb. 10: Die Krone in situ. Es ist ein Spiegelzwilling zum natürlichen Zahn 11 entstanden.
  • Abb. 9: Die fertige Krone, mit VITA VM 9 verblendet, auf dem Modell.
  • Abb. 10: Die Krone in situ. Es ist ein Spiegelzwilling zum natürlichen Zahn 11 entstanden.

  • Abb. 11: Schwarz-Weiß-Aufnahme zum Überprüfen der geschaffenen Oberfläche.
  • Abb. 11: Schwarz-Weiß-Aufnahme zum Überprüfen der geschaffenen Oberfläche.

Zum Einsatz der einzelnen Schleifkörper ist die Produktbeschreibung zu konsultieren. Mit wachsender Erfahrung können eigene Konzepte zur Anwendung kommen, wie wir es machen.

Kleine Tipps – große Wirkung

Was uns noch am Herzen liegt: Oberflächlich aufgetragene Malfarben, die ja reflektierende Metalloxide enthalten, vermeiden wir weitestgehend – wie auch hier gezeigt –, um eine Lichtbrechung wie bei natürlichen Zähnen zu erhalten und das tiefe Eindringen des Lichtes in die Krone nicht zu behindern. Auf dieses Verfahren „alter Schule“ legen wir auch heute Wert. Wir bringen wesentliche Merkmale schon in die Schichtung ein und führen am Ende mit Malfarben nur leichte Akzentuierungen durch, die den Lichtfluss nicht „verfälschen“. Die patientenentsprechenden Ergebnisse belohnen dieses Vorgehen. Außerdem: Durch den Verzicht auf Glasurmasse beim Glanzbrand bleiben die mit den feinen Turbo-Grindern erzielten Strukturierungen nach dem Brand sichtbar.

Die Oberfläche naturgerecht auszuarbeiten ist ein kleiner Schritt im zahntechnischen Ablauf, aber ein großer für das Gesamtergebnis.

  • Kommentierung der Schleifkörper
  • Kommentierung der Schleifkörper

 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Jürgen Freitag - Tina Freitag

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Jürgen Freitag , Tina Freitag


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