Abrechnung


BEL II und BEB – der Teufel steckt im Detail

03.05.2016
aktualisiert am: 24.05.2016

In dieser Ausgabe antwortet unser Abrechnungs-Experte Uwe Koch auf Abrechnungsfragen aus dem Laboralltag, die an ihn herangetragen wurden.

Wer arbeitet, möchte auch dafür bezahlt werden. Eine Selbstverständlichkeit …? Für zahntechnische Labore bleibt das leider manchmal ein unerfüllter Wunsch, denn es muss stets eine Nummer gefunden werden, die zur geleisteten Arbeit passt. Freie Abrechnungen wie in der freien Wirtschaft gibt es ja nicht. Immer wieder tauchen Fragen auf, was genau sich hinter der einen oder anderen Position der gesetzlichen und privaten Fachverzeichnisse verbirgt bzw. andersherum: wie man die eigene Leistung in eine Nummer hineinpackt. Hier kommt für etliche Fragen Soforthilfe:

Welches Material kann ein gewerbliches Labor nach BEL II und BEB berechnen?

BEL II

Innerhalb des BEL II ist es eindeutig geregelt, was berechnet werden darf. Das gewerbliche Labor berechnet demnach verwendetes Material nach § 4 der „Einleitenden Bestimmungen“ des BEL II. Dort steht: Neben den aufgeführten Leistungen können die Kosten für folgende Materialien abgerechnet werden:

  • Sonderkunststoffe
  • Weichkunststoffe
  • Konfektionsfertigteile
  • Implantate
  • Implantataufbauten und die implantatbedingten Verbindungselemente
  • Registrierbesteck bei Stützstiftregistrierung
  • künstliche Zähne
  • edelmetallhaltige Dentallegierungen (nicht Lote, außer bei Instandsetzungen und Erweiterungen)

Für Metallverbindungen bei Instandsetzungen/Erweiterungen nach der BEL-II-Nr. 807 0 können die Kosten für die Lote zu 75 % abgerechnet werden. Bei den Loten nach BEL II hat sich für die Mengenangabe pro Lotstelle die Angabe von 0,3 gr etabliert. Man kann natürlich auch die Lotrolle vor und nach dem Lötvorgang wiegen und dann exakt berechnen.

Zu den Konfektionsteilen gehören Geschiebe zur Brückenteilung, Kugelknopfanker auf Wurzelstiftkappen sowie im Rahmen der kieferorthopädischen Behandlungen Schrauben, Schlösser, Röhrchen etc. Vorgefertigte Klammern, Labialbögen etc. sind keine Konfektionsfertigteile, sondern konfektionierte Hilfsteile (Halbfertigteile). Art, Menge und Preis sind in der Rechnung auszuweisen. Die konfektionierten Hilfsteile (Halbfertigteile) sind wie die übrigen Materialien mit den Vergütungen für die aufgeführten Leistungen abgegolten.

BEB

Innerhalb der BEB gilt für das gewerbliche Labor die Ausweispflicht des Medizinproduktegesetzes. Alles was dauerhaft im Mund verbleibt, muss in der Konformitätserklärung enthalten und aufgeführt sein. Daher gibt es auch die Möglichkeit, diese Materialien zu berechnen. So kann hier neben den bei der BEL II abrechenbaren Positionen folgendes Material abgerechnet werden:

  • Kompositverblendungen
  • Keramikverblendungen
  • Basiskunststoff bei Prothesen und Reparaturen
  • Modellgussplatten (weil diese dauerhaft im Mund verbleiben)
  • Materialien, die zur Herstellung der Arbeit notwendig anfallen, wie z. B. Kunststoffmodellplatten
  • z. B. Zirkoniumdioxid oder andere Rohlinge (z. B. Empress) als Materialien pro Einheit

Die Berechnung des Materials ist dabei für das Labor eine Sache der Kalkulation nach den jeweiligen Kosten. Während das Labor einen Handelsaufschlag nehmen darf, so ist dies für den Zahnarzt untersagt. Das ist in der GOZ § 9 und im § 128 SGB V geregelt. Das gewerbliche Dentallabor darf aber durchaus Aufschläge nehmen für z. B. Lagerhaltung, Vorfinanzierung, Risiko und Ausfall, für weitere Kosten wie Tresormiete für Gold und Implantatteile oder ähnliche Versicherungskosten.

Ich habe eine Einzelfrage zur Abrechnung nach BEL II und BEB!

Wenn ich eine Teilkrone aus Metall keramisch verblende, wie berechne ich dann die Verblendung? Und wie sieht es hiermit bei der Verblockung von Teilkronen aus?

Eine Teilkrone ist nach BEL II immer eine Teilkrone aus Metall. Sollte diese verblendet werden, so ist dies keine BEL-II-Leistung und die Verblendung muss nach BEB berechnet werden. Eine Verblockung von zwei nebeneinander liegenden Teilkronen aus Metall ist Teil der BEL-II-Leistung „Teilkrone“.

Mir stellen sich Fragen bei einer Teleskopversorgung mit Gesichtsbogen. Vor der BEL II – 2014 habe ich im KVA dreimal den Mittelwertartikulator berechnet. Wie muss ich diesen jetzt berechnen?

Man geht abrechnungstechnisch so vor:

2 x BEL-II-Nr. 012 0

1 x BEB-97-Nr. 0405

1 x BEB-97-Nr. 0408

Die BEB-Nr. 0409 kann man gegebenenfalls zusätzlich berechnen. Das hängt ganz alleine davon ab, wie das Labor die Primärteleskope herstellt. Sind die Modelle zu deren Herstellung ohne Gesichtsbogen artikuliert, wird durchaus einmal der Mittelwertartikulator nach BEL-II-Nr. 012 0 angesetzt, wird später ein Gesichtsbogen angesetzt – bei der Herstellung der Folgeschritte –, werden 0405 sowie 0408 nach BEB abgerechnet.

Gibt es danach eine Umstellung, ist man bereits im individuellen Artikulator und erhöht die Summe der 0408 um eins. Eine Position 0409 gibt es nicht in der BEB 97. Es ist entweder eine selbst angelegte Position oder eine aus der BEB 90.

Was ist ein Drehsicherungsstopp in der BEB 97?

Die Leistung beschreibt das Fräsen einer Sicherung in Form einer Rille oder einer planen Fläche zur Vermeidung von Drehungen oder Rotation der Implantatversorgung.

Welche Leistungen meinen die BEL-II-Nummern 701 0 bis 806 0?

  • Die häufigsten Fragen.
  • Die häufigsten Fragen.

 

Woher bekomme ich Preise für meine BEB-Liste?

Ihre BEB-Liste unterliegt immer Ihrer eigenen Kalkulation. Es wäre fatal, die Preise eines Kollegen aus einem anderen Betrieb oder einer anderen Stadt zu übernehmen, weil sie natürlich nicht auf Ihr Unternehmen zugeschnitten sind. Die Kalkulation muss schon von Ihnen erfolgen. Es gibt natürlich Bücher mit Durchschnittspreisen nach offiziellen Planzeiten des VDZI, wie etwa den „Zahntechnischen PreisPLANER“, oder auch das „Handbuch der zahntechnischen Abrechnung nach BEL II, BEB 97 und BEB ZT“ und das „Kurzverzeichnis Zahntechnische Leistungen BEB 97“, beide aus dem Spitta Verlag – aber auch diese Preise dienen nur als Vorschlag bzw. sind unverbindliche Preisempfehlungen. Die letzte Entscheidung kann nur bei Ihnen liegen.

Auf aktuelle Abrechnungsfragen geht unser Autor auch im Spitta-Portal www.abrechnung-zahntechnik.de ein, dessen Leistungen man zunächst drei Wochen kostenlos testen und dann nach verschiedenen Modellen abonnieren kann. Außerdem ist über das Portal ein kostenloser Newsletter beziehbar: Hier erfährt man regelmäßig Nützliches zur zahntechnischen Abrechnung und erhält Rechtstipps sowie Infos zum Labormanagement.

Teil 4 dieser Reihe (siehe unten) beschäftigt sich mit Erweiterungen und Neuaufstellungen von Klammern. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Uwe Koch

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Uwe Koch


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