Abrechnung

Die richtige Abrechnung im Dentallabor

BEL-II/BEB-97/BEB-Zahntechnik®

07.05.2012

Quelle: © Claudia Hautumm/pixelio.de
Quelle: © Claudia Hautumm/pixelio.de

Die richtige Abrechnung im Dentallabor ist für viele Zahntechniker immer noch ein großes Dilemma: Einerseits erkennen sie die Notwendigkeit für ihr Unternehmen, korrekt und KZV-konform abzurechnen, andererseits spüren sie immer stärker den Preis- und Positionsdruck der Konkurrenz, gerade auch aus dem Ausland. Daher besteht die Notwendigkeit, eine Balance zwischen dem Preis des Werkstückes und der regelkonformen Abrechnung zu finden. Einerseits soll der Kunde den Mehrwert bzw. die Mehrqualität der erbrachten Leistung klar erkennen können, auf der anderen Seite muss diese Leistung aber für ihn und den Patienten bezahlbar bleiben.

Die häufigsten Abrechnungsfehler im Labor sind z.B. vergessene Positionen, selbst bei einfachen GKV-Rechnungen, falsche Mengenangaben, nicht notierte Materialien und immer wieder variierende Preise. Die meisten Abrechnungsschwierigkeiten ergeben sich jedoch im Praxislabor. Die Laborabrechnung ist weder Inhalt der zahntechnischen Ausbildung noch steht sie auf dem Rahmenlehrplan der zahnmedizinischen Fachangestellten. Hinzu kommt die zeitliche Überlastung des Technikers, der sehr oft allein arbeitet und kaum noch Möglichkeit findet, sich mit den Rechnungspositionen auseinanderzusetzen. Die „normalen“ Auftragszettel mit ihrer BEL-II-Rückseite und den fehlenden BEBPositionen sind leider auch nicht nützlich. Bei ca. 70–80 % der gleichartigen Arbeiten kann dieses Verzeichnis nur lückenhaft bis gar nicht helfen. Oft sind es also nur kurze Notizen aus dem Labor, die als Grundlage für eine Rechnung dienen. Diese Rechnung wird allerdings vom zahnärztlichen Personal verfasst. Da Kommunikation zwischen den beiden Parteien aus zeitlichen Gründen Mangelware ist, entstehen nicht selten fehlerhafte Resultate.

Die korrekte Dokumentation

Ohne sie geht es nicht. Auftragszettel oder Technikzettel mit allen BEL-II-Positionen und den wichtigsten BEB-Positionen auf einer Seite haben sich hier als sehr nützlich erwiesen – übersichtlich und geordnet nach Abteilungen (erst Modellherstellung, dann Bissnahmen und Löffel jeweils für die gesetzliche und die private Krankenversicherung). Eine lückenlose und so standardisierte Dokumentation durch den Techniker erleichtert dem zahnärztlichen Personal eine korrekte Rechnungsstellung.

Regel- oder gleichartige Versorgung?

Ist die Versorgungsart geklärt, gilt es regelkonform abzurechnen. Beispiel: Die BEL-II-Position für eine vestibulär verblendete Krone bei einem GKV-Patienten beinhaltet folgende Leistungen, die nicht gesondert berechnungsfähig sind:

  • das Sägen von Modellsegmenten,
  • das Erstellen eines Stumpfes aus Superhartgips,
  • das Setzen von Dowel-Pins,
  • das Freilegen der Präparationsgrenze (unter dem Mikroskop bzw. mit der Lupenbrille oder eben frei).

Bekommt derselbe Patient aber statt dieser vestibulär verblendeten Krone eine vollverblendete Krone, handelt es sich um eine gleichartige Leistung. Der Zahnarzt rechnet diese Krone nach Maßgabe der Gebührenordnung für Zahnärzte mit der Ziffer 2210 ab. Das Labor darf im Rahmen der Gleichartigkeit die o.g. Leistungen zusätzlich berechnen. Nach BEB-97 sind dies folgende beispielhafte Positionen:

 

Diese oben genannten Positionen sind nicht, wie oft fälschlich angenommen, Teil des Sägemodells, sondern gehören zur Krone.

Modellguss

Bei der Herstellung einer Modellgussprothese oder von Kombinationszahnersatz mit Modellguss für einen privat Versicherten können zusätzlich folgende Leistungen anfallen:

 

Lötfreie Verbindungen bei Brücken und sphärischer Kontakt zwischen Einzelkronen

In der privaten Abrechnung von Kronen und Brücken werden zwei Positionen gern vergessen:

  • Für den Kontaktpunkt (flächig) zwischen zwei Einzelkronen (nicht zum natürlichen Zahn hin) darf der Zahntechniker in seiner Abrechnung einen „sphärischen Kontakt“ berechnen; dessen BEBNummer lautet 2914.
  • Grundsätzlich darf man bei Brücken die Verbindungsstelle zwischen Brückenglied und Krone (sowohl distal wie auch mesial) als lötfreie Verbindung berechnen. Grundlage dafür ist die bereits in Wachs notwendige Verbindungsmodellation zwischen Brückengliedern und Kronen. Die BEBNummer hierfür lautet 5101.

Was es außerdem zu beachten gilt:

  • Transparenz der Einzelpositionen: keine versteckten oder vergessenen Leistungen mehr, sondern gezielte und punktgenaue Darstellung der erbrachten zahntechnischen Leistungen.
  • Rechnungsstellung nach Chronologie der Leistungen und nicht mehr nach Chronologie der Nummern. Dadurch wird ein „nochmaliges Durchgehen der geleisteten Einzelschritte und der verbrauchten Materialien ermöglicht. Die Rechnung wird so nachvollziehbar. Es fällt leichter auf, wenn eine Position vergessen wurde.
  • Eindeutige Zuordnung von Pins, Bohrungen, Sägeschnitten und Freilegungen im Stumpfbereich bei gleichartigen Arbeiten.
  • Auf folgende Leistungsbezeichnungen sollte verzichtet werden: „Individualisieren der Keramik“, „Zuschlag für ...“. Diese Leistungen werden von den Versicherungen oft nicht erstattet. In der BEB-Zahntechnik® wurden solche Leistungen in berechtigte und nachvollziehbare „Mehraufwände“ bzw. „Mehrleistungen für …“ umbenannt. Diese Positionen machen die Qualitätssicherung, -steigerung und -optimierung deutlich.

BEB-Berechnung

Die private Abrechnung zahntechnischer Leistungen erfolgt in Deutschland seit 1973 nach der BEB (Bundeseinheitliche Benennungsliste). Aktuell ist die BEB-Zahntechnik® die achte Version dieser BEB. Grund für die Aktualisierung im Januar 2009 waren dabei folgende Punkte:

  • Aktualisierung im Hinblick auf neue Technologien und Verfahren,
  • Erkenntnisse und Vorschriften zum Thema Patientenschutz und Arbeitssicherheit,
  • Erkenntnisse aus Analysen der Herstellungsprozesse nach arbeitswissenschaftlichen Methoden,
  • Verzicht auf material- und technologiebedingte Verfahren, die nicht dem Stand der Technik und der praktizierten Versorgung entsprechen.

Aus diesen Gründen wurde durch den VDZI eine neue Benennungsliste mit neuen Planzeiten erstellt und somit die Vorgängerversionen aktualisiert.

Wichtig: Trotzdem kann man bei der Abrechnung sowohl im gewerblichen Labor als auch im Praxislabor einer Zahnarztpraxis weiterhin die BEB-97 oder gar die BEB-90 nutzen. Niemand ist gezwungen, auf die BEB-Zahntechnik umzusteigen.

Von einem Mischen verschiedener BEB-Versionen ist allerdings abzuraten. Entscheiden Sie sich für eine Version, die am effektivsten für Ihr Labor ist. Die aktuelle BEB-Zahntechnik® hat sicher viele Vorteile (vor allem im Bereich CAD/CAM, aber auch in der Gesamtaufteilung der Leistungen), die BEB-97 ist allerdings die eingespieltere Version. Noch immer rechnen derzeit über 88 % der Techniker mit dieser Version ab.

Kalkulation

Die Zuschlagskalkulation wird angewendet, wenn in einem Betrieb verschiedene Arten von Produkten in mehrstufigen Produktionsabläufen bei unterschiedlicher Kostenverursachung hergestellt werden, wie z.B. bei Einzelfertigung. Dies trifft auf die Zahntechnik in vollem Umfang zu. Der Vorteil der Zuschlagskalkulation gegenüber anderen Kalkulationsverfahren liegt darin, dass sie sich sehr leicht einer verzweigten Produktion anpassen lässt.

  • Kalkulierte Preisbeispiele für BEB-97

  • Kalkulierte Preisbeispiele für BEB-97
Dieses Kalkulationsverfahren teilt die Kosten auf in Einzelkosten (in der Zahntechnik Fertigungslöhne und Materialkosten) und Gemeinkosten. Die Einzelkosten werden den Kostenträgern direkt zugerechnet, Gemeinkosten werden indirekt mithilfe von Zuschlägen verrechnet. Diese Vorkalkulation soll bereits vor Auftragsdurchführung eine verbindliche Aussage über den zu fordernden Preis liefern. Sie liegt also zeitlich vor dem eigentlichen Fertigungsprozess und basiert auf den zu erwartenden Kosten.

Eine Zuschlagskalkulation eignet sich somit besonders dafür, eine für den Betrieb gültige Preisliste der verschiedenen zahntechnischen Arbeiten anzufertigen. Jeder Laborbesitzer ermittelt seine Preise in Abhängigkeit von seinem speziellen Kostenminutenfaktor bzw. Stundensatz selbst. Dabei spielen Faktoren wie Planzeit für die Einzelleistung, Rüst- und Verteilzeit sowie Risiko- und Gewinnzuschlag eine wesentliche Rolle für die Ermittlung des Einzelpreises.

Der Spitta Verlag bietet mit dem zahntechnischen Preisplaner einen Vorschlag an, der aufgrund der aktuellen und bundesdeutschen Durchschnittswerte ermittelt wurde. Die Formel dazu lautet:

  • Formel

  • Formel

Verwendet werden grundsätzlich die kalkulierten Einzelpreise für zahntechnische Leistungen. Der Effekt: Es gibt keine Rechnung auf „Zuruf“, sondern eine konstante und damit auch für den Kunden kalkulierbare Leistung. Festgelegte Einzelpreise zu variieren, nimmt jedem Laborbesitzer die Grundlage für seine bereits durchgeführte Kalkulation und öffnet dem Preiskarussell Tür und Tor.

Informative Tipps und Tricks zur zahntechnischen Abrechnung erfahren Sie wöchentlich neu auf der Internetseite http://www.abrechnung-zahntechnik.de

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Uwe Koch

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Uwe Koch