Abrechnung

Teil 2 - Die Abrechnung von Reparaturen: Ein Exkurs in die Abgründe tiefster Verzweiflung

Reparaturen von herausnehmbarem Zahnersatz im BEL II

09.03.2016

Die Abrechnung zahntechnischer Reparaturen ist oft eine Herausforderung. Damit Sie diese in Ihrem Labor einfacher meistern können, gibt Ihnen Uwe Koch, Chefredakteur des Spitta-Portals www.abrechnung-zahntechnik.de, in einer sechsteiligen Serie Tipps, worauf Sie achten müssen.

Sicherlich ist die Gruppe der Reparaturen von herausnehmbarem Zahnersatz die größte der Wiederherstellungsmaßnahmen. Innerhalb der Festzuschüsse wird hier unterschieden zwischen Wiederherstellungsmaßnahmen im Kunststoff- oder Metallbereich sowie zwischen Befundveränderungen (also Erweiterungen) und lediglich Instandsetzungen von vorhandenem Zahnersatz.

Beispiel 1:
Bruch oder Sprung in Kunststoff und Metall

Während eine Bruchreparatur in Kunststoff noch eine überschaubare Anzahl von abrechenbaren Leistungen im BEL II darstellt (siehe Tabelle 1), wird es im Bereich eines Bruches im Metallbereich schon deutlich aufwendiger.

  • Tab. 1: Bruch in Kunststoff.
  • Tab. 2: UK Bügelbruch.
  • Tab. 1: Bruch in Kunststoff.
  • Tab. 2: UK Bügelbruch.

Bei einem Metallbruch einer Prothese (Beispiel: UK Bügelbruch) sind vor der Wiederherstellung der Prothese Vorbereitungen zum Löten zu treffen. Dazu gehört auch das Entfernen von Kunststoffsätteln an der Metallbasis, um fehler- und verlustfrei löten zu können. Die BEL-II-Position 802 7 „LE Kunststoffsattel lösen und wiederbefestigen“ ist hierfür geeignet. Sie ist gleichzeitig der Indikator für die Zahnarztpraxis, dass es sich bei dieser Art der Arbeit um eine Leistung handelt, die mit den Festzuschüssen im Metallbereich abgebildet wird. Denn nur wo der Techniker lötet, kann auch Metall vorhanden sein. Im Übrigen ist seit dem BEL II 2014 nunmehr das Lotmaterial zu 75 % der tatsächlich entstandenen Kosten abrechenbar. Dafür kann der Techniker die Lotrolle vor und nach dem Löten wiegen (zur exakten Ermittlung des Verbrauchs) oder er nimmt eine Pauschale in Höhe von 0,3 g pro Lotstelle.

Beispiel 2:
Erweiterungen mit und ohne Retentionen

Erweiterungen stellen grundsätzlich eine Befundveränderung dar. Bei einer Kunststoffprothese, die um zwei Frontzähne erweitert wird, müssen sehr wahrscheinlich dann auch eine oder zwei Klammern neu gebogen werden (wie in Tabelle 3). Dabei biegt der Techniker in der Regel eine einarmig gebogene Haltevorrichtung, die dann als Gegenlager immer eine Art „Schürze“ aus Kunststoff benötigt, damit die einarmige Klammer den Zahn nicht nach innen drückt. Dazu kann eine BEL-II Position 802 4 berechnet werden. (Beachte: Allerdings nur bei Reparaturen, nicht bei Interimsprothesen.)

Wenn die gleiche Arbeit allerdings beispielsweise an einer Modellgussprothese durchgeführt wird, muss zusätzlich je Zahn eine Retention angelötet werden, um die Zähne korrekt zu befestigen. Auch kann es vorkommen, dass die Klammern dann zwar immer noch einarmig sind, allerdings gegossen und angelötet wurden. Entsprechend umfangreich erweitert sich in diesem Fall die Rechnung. Der dann berechenbare Zuschlag einzeln gegossener Klammern ist nach BEL II immer nur einmal pro Prothese berechenbar. Die Metallverbindung ist nicht abrechenbar für die Retentionen (da schon inklusive), sondern wie in Tabelle 4 für das Anlöten der Klammern:

  • Tab. 3: Erweiterung an Kunststoffprothese um 2 Frontzähne und zwei einarmigen gebogenen Klammern.
  • Tab. 4: Erweiterung an Modellgussprothese um 2 Frontzähne.
  • Tab. 3: Erweiterung an Kunststoffprothese um 2 Frontzähne und zwei einarmigen gebogenen Klammern.
  • Tab. 4: Erweiterung an Modellgussprothese um 2 Frontzähne.

  • Tab. 5: Synopyse BEL II Position 806 0 gegossenes Basisteil.
  • Tab. 5: Synopyse BEL II Position 806 0 gegossenes Basisteil.

Entscheidend ist es, die Regeln des BEL II genau zu kennen. Wann kann ich die Lötung berechnen und wann eben nicht? (nicht möglich bei 803 0, 804 0 und 806 0). Allerdings ist es durchaus umsetzbar, bei einem gegossenen Basisteil nunmehr für die neu angebrachten Zähne zusätzlich Retention abzurechnen, da die Beschreibung des gegossenen Basisteils sich geändert hat und die Retention nicht mehr Teil der Leistungsbeschreibung eines Basisteils nach 806 0 ist (Tabelle 5).

Beispiel 3: Unterfütterungen

Im Falle von Unterfütterungen von Teil- und totalen Prothesen gilt zunächst: Berechenbar sind jeweils 2 Modelle und der Fixator. Danach wird unterschieden zwischen Teil- und vollständiger Unterfütterung sowie der Art der Unterfütterung (mit funktioneller Randgestaltung) oder quasi Komplett-Austausch des gesamten Kunststoffes inkl. Neugestaltung der Funktionsränder sowie der Wiederherstellung in Weichkunststoff oder „normalem“ Kunststoff. Grundeinheiten sind bei Unterfütterungen nicht zusätzlich abrechenbar, es sei denn, Sie finden bei der Reparatur selbst noch einen Sprung. Dann sollte die Praxis informiert werden, der Patient erhält so für diesen Sprung ebenfalls einen Festzuschuss und der Techniker darf dies dann zusätzlich abrechnen.

  • Tab. 6: Teil-Unterfütterung einer Kunststoffprothese.
  • Tab. 7: Vollständiger Austausch des Kunststoffanteils einer Kunststoffprothese mit Weichkunststoff.
  • Tab. 6: Teil-Unterfütterung einer Kunststoffprothese.
  • Tab. 7: Vollständiger Austausch des Kunststoffanteils einer Kunststoffprothese mit Weichkunststoff.

  • Tab. 8: Vollständige Unterfütterung einer Kunststoffprothese mit Sprung.
  • Tab. 8: Vollständige Unterfütterung einer Kunststoffprothese mit Sprung.

Beachte grundsätzlich: Werden Leistungen im Rahmen einer Wiederherstellung erbracht, die per Gesetz, Vertrag, Richtlinien oder Abrechnungsbestimmungen ausgegrenzt sind (z. B. Erneuerung von Verblendungen außerhalb der Verblendgrenzen, Prothese säubern oder polieren, Vergoldung etc.) und auf Wunsch des Patienten erfolgen, sind keine Festzuschüsse ansetzbar. Diese Leistungen sind auf Grundlage der Vereinbarung einer Privatbehandlung zu erbringen. Jene muss vor Behandlungsbeginn mit dem Versicherten abgeschlossen werden.

Für die Einstufung einer Wiederherstellung als Regel-, gleich- oder andersartige Versorgung ist nicht die Art der wiederherzustellenden Versorgung maßgeblich. Liegen die Voraussetzungen einer Befundbeschreibung nach 6.0 – 6.10 vor und ist die jeweilige Wiederherstellungsmaßnahme als Regelversorgung abgebildet, handelt es sich um eine Wiederherstellung innerhalb der Regelversorgung. Das bedeutet, dass eine ehemals andersartige Arbeit, die nun einfach unterfüttert wird, durchaus nach BEL II innerhalb der Regelversorgung abgerechnet werden darf.

Im 3. Teil (siehe unten) finden Sie Abrechnungsbeispiele für Verblendreparaturen an Teleskopen und Brücken.

Bis dahin: viel Erfolg und allzeit richtig kontrolliert abrechnen!  

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Uwe Koch

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Uwe Koch



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