Funktion


Weiterentwickelter Sportmundschutz für die bessere Akzeptanz

Ausarbeitung eines Bioplast Xtreme Sportmundschutzes mit einem Bioperm-Trimmer.
Ausarbeitung eines Bioplast Xtreme Sportmundschutzes mit einem Bioperm-Trimmer.

Dem Sportmundschutz kommt eine wichtige Funktion zu, das Segment weist aber kaum nennenswerte Zuwachsraten auf. Von der Entwicklung anderer Schutzgeräte im Sport können wir lernen: Helme und Protektoren sind verbessert und ästhetischer geworden und finden auch im Breitensport zunehmend Akzeptanz, zumal bei Erwachsenen. Auf uns Zahntechniker übertragen heißt das: Wir müssen und können uns um eine bessere Gestaltung und Ästhetik des Sportmundschutzes kümmern.

Sportmundschutzgeräte haben prinzipiell eine Doppelfunktion: Dämpfung und Kraftverteilung. Hier dürfen selbstverständlich bei unserem Bemühen um ein akzeptiertes Design keine Abstriche gemacht werden. Beide Funktionen erfüllt die Bioplast Xtreme Folie von Scheu-Dental, Iserlohn, in, wie ich finde, hervorragender Art und Weise: durch die Kombination unterschiedlicher Härtegrade in einer Folie. Die integrierte Verstärkung im Frontzahnbereich ist härter für die günstigere Kraftverteilung, die übrige Folie elastischer zur Dämpfung des okklusalen Traumas. Die Herstellung erfolgt im Druckform- beziehungsweise Tiefziehverfahren. Hierfür steht zum Beispiel das einfach zu bedienende Biostar-Gerät von Scheu-Dental zur Verfügung.

Mehr Schutz durch überlegte Gestaltung

  • Abb. 1: Patientenmodell eingebettet im Modelltopf des Druckformgerätes Biostar. Die Interdentalräume wurden mit Blue-Blokker Modellierkunststoff ausgeblockt. Mit Granulatabdeckung gegen ein Anhaften des Füllgranulats an der erwärmten Folie.

  • Abb. 1: Patientenmodell eingebettet im Modelltopf des Druckformgerätes Biostar. Die Interdentalräume wurden mit Blue-Blokker Modellierkunststoff ausgeblockt. Mit Granulatabdeckung gegen ein Anhaften des Füllgranulats an der erwärmten Folie.
In unserem Labor haben wir uns der beiden Faktoren „vermehrter Schutz“ und „zeitgemäße Ästhetik“ angenommen. Bei der Weiterentwicklung des Designs ließen wir uns zunächst von dem Gedanken leiten: Die Schiene soll nicht ihrerseits zur Gefahrenquelle werden. Deshalb liegt ein wichtiger Aspekt für die Herstellung im generellen Ausblocken der frontalen Interdentalräume. Diese Maßnahme dient dazu, eine Keilwirkung der Septen und damit eine Zahnlockerung oder Verletzung des Gingivabereichs bei Schlageinwirkungen auf den fertigen Sportmundschutz auszuschließen. Dazu wird das Modell vor dem Druckformprozess ausgeblockt, zum Beispiel mit einem lichthärtenden Ausblock- und Modellierkunststoff (Abb. 1). Mein Tipp: Um beim anschließenden Tiefziehvorgang ein Anhaften des Granulats in der erwärmten Folie zu verhindern, kann eine Granulatabdeckung verwendet werden. Auch das deutliche Aufwulsten der Oberlippe kann ein Verletzungsrisiko hervorrufen. Dieser Aspekt betrifft zugleich die Ästhetik des Sportmundschutzes.

Heute ist „Zurückhaltung“ angesagt

Betrachtet sich der Hobbysportler mit „starkem“ Sportmundschutz von vorne oder im Profil im Spiegel, wird er sich eher entstellt fühlen – mindestens erkennt er sich nicht als er selbst. Hierin liegt ein wesentliches Argument, das Tragen abzulehnen. Die Konsequenz für uns: Der grazile Sportmundschutz ist gefragt (Abb. 2). Mit dem Bioperm-Trimmer wird die Schiene daher so gekürzt (Abb. 3), dass sie circa zwei Millimeter vor der Umschlagfalte endet. Die Dicke des Materials soll sich zur Umschlagfalte hin verjüngen. Außerdem werden die Lippen- und Wangenbänder ausgespart: Dies verhindert im Falle einer Schlageinwirkung eine Verletzung des Gingivabereichs beziehungsweise der Mundschleimhaut-Weichteile. Nach einer abschließenden Politur ist der Herstellprozess abgeschlossen (Abb. 4).

  • Abb. 2: Fertig ausgearbeiteter Sportmundschutz aus klarer Bioplast Xtreme Tiefziehfolie. Der zweischichtige Aufbau mit integriertem Verstärkungssegment im Frontzahnbereich dient dem Schutz vor harten und kleinflächigen Schlägen.
  • Abb. 3: Während der Ausarbeitung eines Bioplast Xtreme Sportmundschutzes mit einem Bioperm-Trimmer.
  • Abb. 2: Fertig ausgearbeiteter Sportmundschutz aus klarer Bioplast Xtreme Tiefziehfolie. Der zweischichtige Aufbau mit integriertem Verstärkungssegment im Frontzahnbereich dient dem Schutz vor harten und kleinflächigen Schlägen.
  • Abb. 3: Während der Ausarbeitung eines Bioplast Xtreme Sportmundschutzes mit einem Bioperm-Trimmer.

  • Abb. 4: Alle Arbeitsschritte sind einfach und gehen schnell von der Hand. Hier: abschließende Politur des Sportmundschutzes mit einem Osamu-Polierer.
  • Abb. 4: Alle Arbeitsschritte sind einfach und gehen schnell von der Hand. Hier: abschließende Politur des Sportmundschutzes mit einem Osamu-Polierer.

Farbig-auffällig – oder eher unsichtbar?

Heute entsprechen die auffälligen und farbenfrohen Sportmundschutzgeräte der 1990-er Jahre dem ästhetischen Empfinden der meisten Freizeitsportler nicht mehr. Aber natürlich: Wer nach wie vor seine Vereinsfarben oder etwas Poppiges möchte, der kann auch heute bedient werden. In Zeiten eleganter, fast unsichtbarer Schienen und anderer sehr diskreter kieferorthopädischer Behandlungsapparaturen muten die knallbunten Geräte jedoch wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten an. Bei den Bioplast Xtreme Folien besteht die integrierte Frontzahnverstärkung mit der zweckdienlichen Shore-Härte 92A grundsätzlich aus klar-transparentem Material. Der damit hergestellte Sportmundschutz gibt sich optisch zurückhaltend.

Ein letztes Wort zur Gestaltung: In der Regel wird der Sportmundschutz für den Oberkiefer hergestellt und mit einem Einbiss des Unterkiefers versehen. Eine Ausnahme stellen Patienten mit progener Verzahnung (Klasse III) dar: Hier liegt die zu vermutende Trefferfläche im Unterkiefer, da dieser am weitesten hervorragt. Dann sollte das Sportmundschutzgerät für den Unterkiefer gefertigt werden.

Ausblick

Ich kann mir nur wünschen, dass unser Motto im Dr. W. Klee-Fachlabor: „Wir schützen, was wir bewegen“ weitere Kreise zieht. Der Sportmundschutz soll zum normalen Ausrüstungsgegenstand bei vielen Freizeitsportarten werden – deshalb geben wir mit Abschluss jeder kieferorthopädischen Behandlung ein kostenloses individuell hergestelltes Sportmundschutzgerät für den Patienten mit. Die positive Wirkung von Sportmundschutzgeräten ist wissenschaftlich belegt und international unbestritten. Hier ist von Seiten der Zahnärzte und Kieferorthopäden eine bessere Aufklärung gefragt – und von Seiten der Zahntechnik sind ein weiterentwickeltes Design und die zeitangepasste Ästhetik gefordert.

Meine Erfahrungen mit Bioplast Xtreme in Kombination mit dem Biostar-Tiefziehgerät sind durchweg positiv; Gerät und Material lassen sich einfach handhaben. Für die Herstellung des Bioplast Xtreme Mundschutzes ist nur ein Tiefziehvorgang erforderlich, da die Folie bereits die nötigen Härtegrade kombiniert. Scheu-Dental ist auf dem Weg zur Modernisierung der Sportschienen einen wichtigen Schritt vorwärts gegangen und bietet Folien mit einem klugen Mix aus Qualität und funktioneller Ästhetik an.

„Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“, um einen Satz des kleinen Prinzen von Antoine Saint-Exupéry herauszugreifen. Aber unsere Sportmundschutzgeräte können sich durchaus sehen lassen!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Jens Höpner

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Jens Höpner


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