Kronen/Brücken

Adhäsive Befestigung, Presskeramik, Vollkeramikkronen, VITA PM 9, VITA SYSTEM 3D-Master, VITA VM 9 ADD-ON, VITA VM Konzept

Warum schwierig, wenn’s auch einfach geht?

07.10.2011


Ästhetisch anspruchsvolle Ergebnisse sind für jeden Zahntechniker erreichbar, wenn die Zusammenarbeit zwischen Zahntechniker und dem Zahnarzt funktioniert und er auf die richtigen Werkstoffe und Hilfsmittel setzt. Anhand des vorliegenden Patientenfalls zeigt Csaba Szegö, ungarischstämmiger Schweizer Zahntechniker und Lehrmeister, wie er bei der Versorgung einer oberen Front mit vier vollkeramischen Kronen aus VITA PM 9, individualisiert mit VITA VM 9 ADD-ON Massen, vorgeht und welche Prozessschritte und Hilfsmittel für die Umsetzung dieser anspruchsvollen Arbeit wichtig sind.

  • Abb. 1: Vor der Behandlung: Eine ästhetisch nicht sehr anspruchsvolle Composite-Füllung an Zahn 11, unversorgte horizontale Fraktur an Zahn 21.

  • Abb. 1: Vor der Behandlung: Eine ästhetisch nicht sehr anspruchsvolle Composite-Füllung an Zahn 11, unversorgte horizontale Fraktur an Zahn 21.
Der Patient kam mit Defekten an den oberen mittleren Inzisiven: Zahn 11 war mit einer nicht besonders ästhetischen Komposit-Füllung versorgt, Zahn 21 wies eine horizontale Fraktur auf, die bisher unversorgt war (Abb. 1). Zur Harmonisierung der Front entschieden sich Behandler und Patient für vollkeramische Kronen auf den vier oberen Inzisiven.

Bestimmung der Zahnfarbe

Zur Bestimmung und Dokumentation der Zahnfarbe im VITA SYSTEM 3D-MASTER nutzen wir vier Hilfsmittel, die wir mittlerweile in der Kommunikation zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Patient für unentbehrlich halten:

  1. VITA Easyshade (Abb. 2) zur zuverlässigen Bestimmung der Grundfarbe des Zahns.
  2. VITA Toothguide 3D-Master (Abb. 3) zur Kontrolle der gemessenen Farbe.
  3. Digitalkamera (Abb. 4) zur Dokumentation mithilfe von Aufnahmen, bei denen auch das geeichte Farbmuster aus dem Toothguide mit dem Zahn zusammen als Referenz fotografiert wird.
  4. Computer (Abb. 5), mit dem wir die Bilder anschauen, weiter verarbeiten, vergrößern und analysieren können.
    • Abb. 2: Ein Muss in der Kommunkation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker: VITA Easyshade Advance für die zuverlässige Bestimmung der Zahnfarbe im 3D-Master Farbsystem.
    • Abb. 3: VITA Tooth 3D-Master zur Kontrolle der gewählten Zahnfarbe.
    • Abb. 2: Ein Muss in der Kommunkation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker: VITA Easyshade Advance für die zuverlässige Bestimmung der Zahnfarbe im 3D-Master Farbsystem.
    • Abb. 3: VITA Tooth 3D-Master zur Kontrolle der gewählten Zahnfarbe.

    • Abb. 4: Eine geeignete Digitalkamera mit entsprechender Ausstattung dient der Dokumentation.
    • Abb. 5: Der Computer am Arbeitsplatz zur Verarbeitung, Vergrößerung und Analyse der Bilddaten.
    • Abb. 4: Eine geeignete Digitalkamera mit entsprechender Ausstattung dient der Dokumentation.
    • Abb. 5: Der Computer am Arbeitsplatz zur Verarbeitung, Vergrößerung und Analyse der Bilddaten.

Die Fotografie hat sich bei uns als selbstverständliches Hilfsmittel etabliert. Es gibt nichts Besseres als das unretouchierte Bild, um über die Kritik an der eigenen Arbeit zu wachsen und immer besser zu werden. Bilder helfen uns dabei, uns selbst zu schulen. Sie zeigen genau das, was wir im Labor hergestellt haben, im Mund. Die meisten Zahntechniker sehen ihre Arbeit lediglich auf dem Modell und denken: „Das schaut doch gar nicht schlecht aus“ – im Mund hingegen sieht es dann vielleicht gar nicht so gut aus.

Im vorliegenden Fall ermittelten wir mit dem VITA Easyshade eine Farbe der Helligkeitsstufe 3: im Halsbereich 3M3, im Schmelzbereich 3M2. Vollkeramische Restaurationen wie die hier geplanten haben kein Gerüst, das die Stumpffarbe maskiert. Es ist also sinnvoll, die Farbe des Stumpfs mit in die Kronengestaltung sowie in die spätere Wahl des Befestigungs- Composites einzubeziehen (Abb. 6).

  • Abb. 6: Der Einfluss der Stumpffarbe auf eine Krone, die aus einem PM 9 Pellet der Farbe 2M2P mit hoher Transluzenz (HT) gepresst wurde.
  • Abb. 7: Auswahl der Stumpffarbe für die künstlichen Stümpfe aus dem lichthärtenden Stumpfmaterial VITA SIMULATE Preparation Material.
  • Abb. 6: Der Einfluss der Stumpffarbe auf eine Krone, die aus einem PM 9 Pellet der Farbe 2M2P mit hoher Transluzenz (HT) gepresst wurde.
  • Abb. 7: Auswahl der Stumpffarbe für die künstlichen Stümpfe aus dem lichthärtenden Stumpfmaterial VITA SIMULATE Preparation Material.

Ein einfacher Weg führt über Simulation der Stumpffarbe mittels zahnfarbener Kunststoffstümpfe, die wir im Labor aus dem lichthärtenden VITA SIMULATE herstellen. Nach der Präparation nahmen wir mit dem speziellen VITA SIMULATE Farbschlüssel die Farbe der präparierten Stümpfe. Wir stellten im Halsbereich die Farbe 3M2, im Schmelzbereich 2M3 fest (Abb. 7) und dokumentierten alles mit einem Foto.

Herstellung der Kronen mit VITA PM 9

  • Abb. 8: VITA PM 9 Pellets gibt es in drei un terschiedlichen Transluzenzstufen. Als Den tinfarben: Opaque (O), Translucent (T), High Translucent (HT); als Schmelzfarben: High Translucent (HT).

  • Abb. 8: VITA PM 9 Pellets gibt es in drei un terschiedlichen Transluzenzstufen. Als Den tinfarben: Opaque (O), Translucent (T), High Translucent (HT); als Schmelzfarben: High Translucent (HT).
Mit der Presskeramik VITA PM 9 (Pressable Material) steht uns für die gerüstfreie Presstechnik ein sehr gutes Material zur Verfügung, das wir entweder mit VITA AKZENT Malfarben farblich charakterisieren (Maltechnik) oder mit der niedrigschmelzenden VITA VM 9 ADD-ON Keramik individualisieren können (Schichttechnik). Nach Abdrucknahme und Modellherstellung im Labor modellierten wir die Kronen und betteten sie nach Herstellerangaben ein. VITA PM 9 Presspellets gibt es in drei unterschiedlichen Transluzenzstufen: Opaque (O), Translucent (T) und High Translucent (HT) (Abb. 8).

Bei der Wahl der Pellets entschieden wir uns für die transluzente Version der Farbe 2M3, d. h. für die Farbe 2M3P-T. Diese Farbe ist zwar heller als die im Halsbereich gemessene 3M2; jedoch wussten wir, dass wir die Krone im dentinfarbenen Teil im Laufe der Individualisierung mit den VM 9 ADD-ON Massen wie z. B. der gelblich-transluzenten ADD5 oder der orange- transluzenten ADD6 noch ein wenig dunkler gestalten konnten.

Es hat sich bewährt, die Restaurationen vor der Individualisierung in situ anzuschauen und die Grundfarbe zu kontrollieren. So probierten wir die Kronen nach dem Pressen, Ausbetten und Aufpassen im Mund an. Wichtig bei der Anprobe ist es, die Farbe im nassen Zustand zu prüfen, denn im trockenen Zustand (Abb. 9) ist die Keramikoberfläche matt, die Farbe ist kaum zu erkennen (Abb. 10). Ebenso wichtig ist es, die Kronen mit einer Try-in-Paste provisorisch zu fixieren, um die – wenn auch sehr dünne – Schicht zwischen Krone und Stumpf zu überbrücken und die farbliche Wirkung des darunterliegenden Stumpfs zu beurteilen.

  • Abb. 9: Die Überprüfung der Grundfarbe der Kronen im trockenen Zustand ist so gut wie unmöglich.
  • Abb. 10 :Überprüfung der Grundfarbe der PM 9 Kronen vor der Individualisierung im nassen Zustand mit Try-in-Paste.
  • Abb. 9: Die Überprüfung der Grundfarbe der Kronen im trockenen Zustand ist so gut wie unmöglich.
  • Abb. 10 :Überprüfung der Grundfarbe der PM 9 Kronen vor der Individualisierung im nassen Zustand mit Try-in-Paste.

Anhand von Fotos korrigierten wir die Kronen nach der Anprobe mit VITA VM 9 ADD-ON Massen (Abb. 11): Wir bauten den Schmelzbereich mit ADD8 (blau-transluzent), ADD4 (weißlich-transparent) und ADD2 (Schmelz hell). Im Halsbereich trugen wir mit ADD6 (orange transluzent) und ADD7 (rot-transluzent) einen rötlich-orangen, warmen Farbton auf. Nach dem Brand der ADD-ON Massen erfolgte eine Rohbrandanprobe (Abb. 12 und 13). In diesem Stadium wirkt die Keramik milchig, da die Oberfläche weder poliert noch glasiert wurde. In einem letzten Korrekturschritt harmonisierten wir den Schneidekantenverlauf, führten einen Glanzbrand durch und polierten die Kronen (Abb. 14).

  • Abb. 11: Mit den niedrigschmelzenden VITA VM 9 ADD-ON Massen werden die zurückgeschliffenen PM 9 Kronen überschichtet.
  • Abb. 12: Rohbrandanprobe mit PM 9 Gerüst, überschichtet mit VITA VM 9 ADD-ON Massen.
  • Abb. 11: Mit den niedrigschmelzenden VITA VM 9 ADD-ON Massen werden die zurückgeschliffenen PM 9 Kronen überschichtet.
  • Abb. 12: Rohbrandanprobe mit PM 9 Gerüst, überschichtet mit VITA VM 9 ADD-ON Massen.

  • Abb. 13: Letzte Anprobe der mit VITA VM 9 ADD-ON Massen individualisierten VITA PM 9 Kronen
  • Abb. 14: Nach der letzten Korrektur und Politur die fertigen Kronen bereits für adhäsive Befestigung.
  • Abb. 13: Letzte Anprobe der mit VITA VM 9 ADD-ON Massen individualisierten VITA PM 9 Kronen
  • Abb. 14: Nach der letzten Korrektur und Politur die fertigen Kronen bereits für adhäsive Befestigung.

  • Abb. 15: Die fertige Arbeit im Mund.

  • Abb. 15: Die fertige Arbeit im Mund.
Über die Anprobe mit neutraler Try-in-Paste wussten wir, dass für die adhäsive Befestigung ein neutrales Composite nicht in Frage kam. So entschieden wir uns für ein helles, etwas opakeres Composite und haben die Kronen damit befestigt. Das Ergebnis stellte alle Beteiligten zufrieden: Zahn 11 wirkte wieder lebendig, die Schmelzfraktur an Zahn 21 war versorgt, der Schneidekantenverlauf war harmonisiert und die gesamte obere Front wirkte sehr natürlich (Abb. 15).

Schlussbetrachtung

Die ästhetisch anspruchsvolle Wiederherstellung der oberen Inzisiven bleibt trotz ausgereifter Materialien eine Herausforderung für den Zahntechniker. Im vorliegenden Fall konnte gezeigt werden, wie mit der Presskeramik VITA PM 9, individualisiert mit VITA VM 9 ADD-ON Massen, vier vollkeramische Frontzahnkronen hochwertig versorgt wurden. Neben der konstruktiven Zusammenarbeit von Zahnarzt und Zahntechniker und der richtigen Verarbeitung der Werkstoffe gilt es dabei immer, die gesamte Prozesskette zu berücksichtigen. Besonderes Augenmerk ist dabei auf drei grundlegende Faktoren zu legen:

  1. Die zuverlässige Bestimmung der richtigen Zahnfarbe mit VITA Easyshade und VITA Toothguide 3D-Master.
  2. Die Berücksichtigung der unter den Restaurationen liegenden Stumpffarbe.
  3. Der Einsatz der richtigen Hilfsmittel. Dazu zählen Digitalkamera und Computer, die die Dokumentation und Analyse der Ausgangssituation sowie die Umsetzung der Restaurationen erheblich erleichtern.
  4.  


WEITERE INFORMATIONEN

Arndt Lommerzheim
Tel.: 0 77 61 / 56 22 42
Fax:  0 77 61 / 56 22 33
E-Mail: a.lommerzheim@vita-zahnfabrik.com
www.vita-zahnfabrik.com

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Csaba Szegö

Bilder soweit nicht anders deklariert: Csaba Szegö