Laborführung


Das Coronavirus und der Arbeitsschutz im Dentallabor

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Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 beschäftigt die ganze Welt und damit auch Laborinhaber. Die Meinungen zu den Maßnahmen der Regierung gehen auseinander. Aber darauf soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, sondern auf die Fragen: Was ergibt sich für uns als Arbeitgeber? Wie ist zu reagieren? Antworten gibt unser Arbeitsschutz-Experte ZTM Werner Hebendanz.

Die meisten Dentallabore werden mit verminderter Kraft und/oder Schichtlösungen weiterarbeiten, um zumindest eine Notfallversorgung aufrechtzuerhalten. Damit kommen auch Aufgaben auf den Unternehmer zu, um dieser besonderen Zeit gerecht zu werden.

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet Arbeitgeber im Paragraf 3 Absatz (1), „die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen“. Eine der Grundpflichten, die im ArbSchG weiter hinten beschrieben ist, ist die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung.

Die Pandemie ist also ein Anlass zu reagieren, da das Virus sehr wohl die Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen kann. Es ist notwendig, eine Gefährdungsbeurteilung mit Maßnahmen zu erstellen, um die Gefahr nicht wirksam werden zu lassen. Daraus entwickelt sich die Betriebsanweisung, die wiederum die Grundlage für die Unterweisung der Mitarbeiter darstellt.*

  • Betriebsanweisung für Tätigkeiten, bei denen ein Kontakt mit Coronavirus SARS-CoV-2 entstehen kann (für eine vergrößerte Darstellung bitte anklicken).
  • Betriebsanweisung für Tätigkeiten, bei denen ein Kontakt mit Coronavirus SARS-CoV-2 entstehen kann (für eine vergrößerte Darstellung bitte anklicken).
    © Hebendanz

Zurück zum Virus: Viren sind im Dentallabor ja nicht ganz unbekannt, da sollte uns ein neuartiges Virus nicht schrecken. Soweit bis jetzt bekannt ist, kann das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 mit den im Labor üblichen Desinfektionsmitteln eliminiert werden. Dementsprechend kommt dem Desinfektionsplatz eine besondere Bedeutung zu. Hier ist die Schlüsselstelle für alles, was in unseren Betrieb hereinkommt. Daraus folgt, dass hier eine erhöhte Sorgfalt herrschen muss.

Die wichtigsten Punkte bei der Arbeit am Desinfektionsplatz

Die Anforderungen an den Desinfektionsplatz sind in der DGUV Information 203-021 beschrieben, ebenso der eigentliche Desinfektionsvorgang. Nach Aussage der BG ETEM soll dieses Prozedere konsequent angewendet werden, inklusive einer Händedesinfektion. Es sind jedoch keine zusätzlichen Maßnahmen beschrieben.

Wichtig an dieser Stelle ist, dass alle Mitarbeitenden anhand einer gesonderten Unterweisung nochmals auf die wichtigsten Punkte hingewiesen werden:

  • Es dürfen nur beauftragte Mitarbeiter am Desinfektionsplatz arbeiten.
  • Schon beim Auspacken der eingehenden Aufträge müssen flüssigkeitsdichte Handschuhe getragen werden, die auch dem Kontakt mit dem Desinfektionsmittel standhalten. Für die Auswahl des Handschuhmaterials bitte in das Sicherheitsdatenblatt des Herstellers des Desinfektionsmittels unter Punkt 8 schauen, hier ist die persönliche Schutzausrüstung beschrieben.
  • Die Desinfektion ist gemäß dem betrieblichen Hygieneplan durchzuführen. Besonders ist auf das Einhalten der Zeiten zu achten – nur so kann die Desinfektionsflüssigkeit ihren Dienst tun.
  • Die Oberflächen am Desinfektionsplatz sind mit einem Flächendesinfektionsmittel zu behandeln. Hier sind Tücher der Sprühdesinfektion vorzuziehen.
  • Sollte es bei der Desinfektion zu Spritzern kommen können, ist zum Schutz eine FFP2-Maske zu tragen. Dies dürfte aber nur in Ausnahmefällen notwendig sein.
  • Die schon vorhandene Betriebsanweisung „Desinfektionsplatz“ behält natürlich weiter die Gültigkeit.

Es ist auch darauf zu achten, dass das verwendete Desinfektionsmittel mindestens begrenzt viruzid ist.

Allgemeine Maßnahmen für Mitarbeitende im Laboralltag

Aber nicht nur dem Desinfektionsplatz kommt eine Schlüsselfunktion zu, sondern auch den Mitarbeitenden selbst im Laboralltag. Hier müssen andere Maßnahmen greifen:

  • Händeschütteln und Körperkontakt vermeiden
  • Regelmäßiges, häufiges und sorgfältiges Händewaschen mit Seife bis zum Handgelenk, mindestens 20 Sekunden
  • Hände-Desinfektionsmittel benutzen, wenn keine Möglichkeit zum Waschen der Hände besteht
  • Hände aus dem Gesicht fernhalten
  • Husten und Niesen in ein Taschentuch oder in die Armbeuge
  • Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen halten
  • Nicht essen, trinken, rauchen

Auch hier sind die Mitarbeitenden zu unterweisen.

Mit der Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen kommen Sie als Arbeitgeber Ihrer Fürsorgeplicht für Ihre Beschäftigten nach. Denken Sie bitte auch daran, eine Dokumentation darüber anzufertigen.


*Hinweis: Ausführliche Informationen zu Arbeitsschutz und Hygiene im Dentallabor finden Sie im regelmäßig durch Aktualisierungen ergänzten "Leitfaden Hygiene und Arbeitsschutz im zahntechnischen Labor" von Werner Hebendanz und Nicola V. Rheia. Die kommende Aktualisierung wird u. a. auch das Thema COVID-19 beinhalten. Mehr Informationen zum Leitfaden finden Sie hier auf der Homepage von Spitta.


Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Werner Hebendanz


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