Laborführung


Der kollegiale Austausch in Facebook-Gruppen

Achtung bei der Besprechung von Patientenfällen auf Facebook!
Achtung bei der Besprechung von Patientenfällen auf Facebook!
Quelle: © iconimage/fotolia.com

Was Sie bei einer Fallbesprechung oder Veröffentlichung anderer dentaler Inhalte auf Social Media-Plattformen wie Facebook und beim Einrichten einer eigenen Gruppe beachten müssen, zeigen Ihnen hier unsere Autoren Hans-Gerd Hebinck und Karsten Schulz. Eine Facebook-Gruppe kann durchaus eine Möglichkeit für den beruflichen Austausch sein. Voraussetzung ist, dass Sie sich vorab über die Grundlagen des Urheberrechtes und des Datenschutzes informieren und deren praktische Anwendung in den sozialen Netzwerken beherrschen. Sonst drohen Klagen, heute keine Seltenheit mehr.

PatSocial Media sind mittlerweile längst über Kommunikationsplattformen für Privatpersonen hinausgewachsen und werden intensiv genutzt, um berufliche Themen zu transportieren. Immer öfter trifft man z. B. im Facebook auf Gruppen, in denen Zahntechniker und Zahnärzte Fälle beschreiben, um sich Rat von Kollegen zu holen oder Rat zu geben.

In diesem Beitrag erhalten Sie einen Überblick darüber, welche Gefahren bei der Veröffentlichung von Inhalten auf Facebook & Co. lauern, und Sie werden über rechtliche Grundlagen informiert. So können Sie bei der Nutzung die Risiken durch (unbeabsichtigte) Rechtsverstöße reduzieren. Das vermeidet Ärger und Kosten durch Beseitigungs-, Unterlassungs- und gegebenenfalls sogar Schadensersatzansprüche sowie außerdem anwaltliche Abmahnungen oder eine gerichtliche Geltendmachung von Ansprüchen einer betroffenen Person. Wenn es auch in den allermeisten Fällen nicht zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommt, so würde man als Unternehmen oder als Heilberufler anwaltliche Unterstützung zur Abwehr oder einvernehmlichen Klärung der Angelegenheit benötigen, wenn Ansprüche angemeldet würden.

Die Veröffentlichung von Inhalten in Facebook-Gruppen

Der einfachste Fall: Über selbst erstellte Texte dürfen Sie in den meisten Fällen frei verfügen und diese auch im Internet veröffentlichen. Auch die Beteiligung an einer Fallbesprechung in einer Facebook-Gruppe ist rechtlich gesehen eine Veröffentlichung von eigenen Inhalten. Dabei sind jedoch urheberrechtliche Vorgaben zu beachten. Urheber ist derjenige, der die Texte, Bilder, Audio- und Videoinhalte erstellt hat. Für die Veröffentlichung fremder, urheberrechtlich geschützter Inhalte bedarf es immer der Zustimmung des Rechteinhabers.

Wollen Sie beispielsweise eine Passage aus einer Fachzeitschrift über eine implantologische Arbeit verwenden, benötigen Sie vorher das Einverständnis des Verlages und/oder Autors. Da bilden auch Social Media keine Ausnahme!

Ob ein Werk grundsätzlich schutzfähig im Sinne des Urheberrechtsgesetzes ist, muss im Einzelfall geprüft werden. Dies ist leider nicht immer eindeutig und für Laien schwer einzuschätzen. Wenn Sie nicht hundertprozentig sicher sind, sollten Sie daher von der Veröffentlichung fremder Inhalte ohne Zustimmung des Urhebers absehen. Dies gilt auch dann, wenn zuvor viele andere Personen einen Artikel geteilt haben (auch „sharen“ genannt).

Merke: Nur weil andere etwas geteilt haben, heißt das keinesfalls, dass man die Inhalte für eigene Zwecke frei nutzen darf.

Gibt es nun eine „wasserdichte“ Möglichkeit, fremde Inhalte in Ihrem Text zu verwenden? Eine gute Lösung stellen hier Zitate dar: Dabei können Sie Teile eines fremden Textes identisch übernehmen, wenn Sie einige Punkte beachten:

  • Nennen Sie die Quelle und den Urheber.
  • Kommentieren Sie den kopierten Text mit eigenen Worten.
  • Achten Sie darauf, dass der fremde und der eigene Text in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. In der Regel steuern Sie also (weit) mehr Eigenes bei.

Zitierte Quellen können beispielsweise Produktbeschreibungen von Implantatherstellern, Beiträge in bzw. Ausschnitte aus Fachzeitschriften, Inhalte von Webseiten und vieles mehr sein. Mit einer sorgfältigen Zitierweise beweisen Sie Qualität und heben sich seriös von anderen im Netz ab.

Besondere Vorsicht bei Bildern und Videos

  • Bei Fallbesprechungen oder sonstigen „dentalen“ Inhalten gilt es auch auf Facebook, Twitter und Co. so einiges zu beachten – sonst kann es teuer werden.

  • Bei Fallbesprechungen oder sonstigen „dentalen“ Inhalten gilt es auch auf Facebook, Twitter und Co. so einiges zu beachten – sonst kann es teuer werden.
    Quelle: © Stuart Miles/shutterstock.com
Für die Veröffentlichung von eigenen Fotos oder Videos benötigen Sie die Zustimmung der Person, die auf dem Bild zu sehen ist. Jeder Mensch hat das Recht am eigenen Bild. Das bedeutet: Grundsätzlich liegt die Entscheidung, ob überhaupt und wo ein Foto oder Video veröffentlicht wird, bei demjenigen, der darauf abgebildet ist. Für die Veröffentlichung von fremden Bildern oder Videos benötigen Sie zusätzlich die Zustimmung des Fotografen, der das Bild oder Video gemacht hat, und ggf. des Bildeigentümers oder einer Bildagentur.

Werden Patientenfälle in Facebook-Gruppen besprochen, steigert sich die rechtliche Brisanz: Hier ist neben dem Urheberrecht und dem Grundrecht am eigenen Bild auch noch das Arztgeheimnis zu wahren. Die ärztliche Schweigepflicht fällt unter das Strafgesetz und ist im Strafgesetzbuch unter dem Begriff „Verletzung von Privatgeheimnissen“ geregelt.

Es gilt: Auch anhand eines abgebildeten Mundes oder der Zähne lassen sich Personen identifizieren. Hierzu wurden bereits teils sehr kuriose Fälle gerichtlich verhandelt, bei denen beispielsweise nur wegen einer Identifizierung über eine Zahnlücke gegen die Verwendung eines Bildes geklagt wurde.

Das Argument, die gezeigte Person könne doch wohl kaum vom Nachbarn nur anhand des Bildausschnitts erkannt werden, könnte daher nicht ausreichen. Entscheidend ist, ob eine Person grundsätzlich und objektiv identifizierbar ist – worüber im Zweifelsfall ein Richter im Rahmen eines Klageverfahrens entscheiden muss. Neben dem Recht am eigenen Bild hätte der Anwalt einer klagenden Partei über die Offenbarung des Patientengeheimnisses zusätzlich gutes „Futter“ und Druckmittel.

Holen Sie daher immer das schriftliche Einverständnis des Patienten ein, bevor Sie Bilder oder auch nur Ausschnitte davon im Facebook oder an anderen Stellen im Internet veröffentlichen.

Dies gilt ebenfalls für „nicht-öffentliche“ Facebook-Gruppen. Dringend abzuraten ist von einer Besprechung von Patientenfällen, die nicht vollständig anonymisiert sind. Bei gekauften Bildern von Bilderdiensten wie Fotolia müssen Sie unbedingt darauf achten, ob die Lizenz ausdrücklich auch eine Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken einschließt.

Der Sonderfall: „Hitzige Diskussionen“ in Facebook-Gruppen

Äußerst beliebt sind Facebook-Gruppen, in denen über Berufspolitik, Preise und andere „Ungerechtigkeiten“ teils hitzig diskutiert wird. Zwar geht das Recht auf freie Meinungsäußerung grundsätzlich sehr weit und Unterlassungs-, Berichtigungs- oder Schadenersatzansprüche drohen nur in bestimmten Fällen – wenn falsche Tatsachen behauptet werden oder wenn Personen, Verbände oder Unternehmen herabgesetzt werden (Schmähkritik). Aber nach unseren Erfahrungen hat es sich im geschäftlichen Kontext bewährt, sich bei emotionalen Diskussionen auf Social Media-Plattformen professionell zurückzuhalten. Auch wenn Sie sich über Kommentare ärgern – denken Sie immer zweimal darüber nach, welchen Nutzen es für die Außendarstellung Ihres Labors oder der Zahnarztpraxis hätte, wenn Sie in die Diskussion einsteigen. Neben rechtlichen Aspekten sollten Unternehmer und selbstständige Heilberufler auf Social Media-Plattformen stets den Image-Effekt bedenken. Das gilt auch in kleineren Gruppen, in denen sich vermutlich keine Patienten tummeln, aber ihre Kollegen und Kunden, Lieferanten usw.

Unbedingt zu vermeiden ist es, Links auf fremde Seiten zu setzen, bei denen Sie Urheberrechtsverletzungen, falsche Tatsachenbehauptungen oder Schmähkritik auch nur im Ansatz vermuten.

Bedenken Sie: Die vielfach im Impressum anzutreffende Generalklausel („Wir übernehmen keine Haftung für Links.“) befreit Sie nicht von einer Haftung, weil Sie für jeden Link einzeln haften. So wird aus einem unbedacht gesetzten Link, der beispielsweise auf einen Skandal hinweist, ein Risiko für Sie – dann nämlich, wenn Sie als Mitstörer abgemahnt oder verklagt werden.

Die Mitstörerhaftung

Wenn Sie eine eigene Facebook-Gruppe ins Leben rufen möchten, sollten Sie unbedingt gesichertes Wissen über das Urheberrecht, das Bundesdatenschutzgesetz, das Telemediengesetz und das Wettbewerbsrecht besitzen. Denn eine eigene Facebook-Gruppe wird auch fremde Inhalte aufnehmen. Das macht mehr Arbeit als vermutet! Kritisch prüfen sollten Sie die individuelle Anwendung der verschiedenen Gesetze auf Ihr Social Media-Projekt. Denkbar ist es beispielsweise, dass Sie als Plattformbetreiber einer eigenen Facebook-Gruppe auch für fremde Inhalte schnell in die sogenannte Mitstörerhaftung genommen werden. Es gilt: Die unterschiedlichen Rechtsgebiete müssen einzeln für den konkreten Fall geprüft werden (und können wegen ihrer Komplexität nicht in diesem Artikel mit behandelt werden). Besprechen Sie daher vorab Ihre Social Media-Pläne mit Ihrem Datenschutzbeauftragten und einem Fachanwalt. Das im Internet verbreitete rechtliche Wissen über die Nutzung von Social Media ist sehr häufig lückenhaft und/oder falsch. Ohne Ihre vorherige Absicherung drohen als Folge Ärger und Kosten.

Wem diese Investitionen als Vorarbeit für ein berufliches Social Media-Projekt zu hoch sind, sollte nach unserer Erfahrung von einem eigenen Projekt Abstand nehmen. Bedenken Sie, dass ein eigenes Social Media-Projekt auch direkt auf die Reputation und das das Ansehen Ihrer Zahnarztpraxis oder Ihres Dentallabors wirkt – und der berühmte Shitstorm passt nun wirklich nicht zum Bild eines Heilberuflers oder eines Gesundheitshandwerkes, wie es die Zahntechnik ist.

Mitarbeiter und Social Media? – Das will gut geregelt sein!

  • „Erst denken, dann tippen!“ – dieses Motto gilt auch für jeden, der in Social Media-Kanälen unterwegs ist.

  • „Erst denken, dann tippen!“ – dieses Motto gilt auch für jeden, der in Social Media-Kanälen unterwegs ist.
    Quelle: © Pressmaster/shutterstock.com
Wenn Sie planen, dass Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Namen Ihres Unternehmens im sozialen Netz aktiv werden sollen, dann sind Workshops und interne Regelungen für die Nutzung notwendig. Schließlich haften Sie als Arbeitgeber genauso wie oben beschrieben, wenn das Team für Ihren Betrieb Beiträge veröffentlicht. Gute Ansprechpartner, wenn es um das Finden des passenden Workshops geht, sind beispielsweise die Datenschutzbeauftragten. Themen für einen Workshop sind u. a.: „Regeln für das Einstellen von Inhalten“ oder die „Sensibilisierung für eine bessere IT-Sicherheit“.

Nach unseren Erfahrungen besteht darüber hinaus in vielen Laboren der Wunsch von Inhaberinnen und Inhabern nach einer Vereinbarung mit den Mitarbeitern, in welchen Zeiten und wie oft diese mit dem eigenen Smartphone im Netz sein dürfen. Ob geschäftlich oder privat ist dabei wohl kaum zu kontrollieren und oft nicht zu trennen. Bedenken Sie auch den sozialen Aspekt. Trotz – oder wegen – der allgemeinen Beliebtheit der sozialen Medien leiden Führungskräfte wie das Team unter dem Mangel an persönlichem Austausch in den Pausen oder bei der Arbeit, der durch zu intensive Smartphone-Nutzung entsteht. Natürlich spricht aus Unternehmersicht der Aspekt der Produktivität ebenfalls ganz klar für eine Regelung.

In der betrieblichen Praxis treffen wir Regelungen unterschiedlichster Ausgestaltung zwischen den Polen „Smartphone- Nutzung ist während der Arbeitszeit tabu“ und „völlig frei“. In diesem breiten Bereich gibt es viele gute Gestaltungsmöglichkeiten, die Sie formulieren sollten. In unseren Workshops haben wir festgestellt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überwiegend positiv auf eine klare Regelung reagieren, wenn man sie aktiv mit einbindet und professionell aufklärt.

Werbung ... und weitere Hinweise

Auch bei der Werbung über Social Media-Kanäle gibt es einiges zu beachten, worüber viele Werbeagenturen nicht aufklären (können/wollen). Machen Sie sich bei geplanten Werbemaßnahmen über Facebook vorab selbst ein umfängliches Bild über „Dos und Don´ts“ und nehmen Sie rechtliche Beratung in Anspruch, wenn Ihre betreuenden Marketingverantwortlichen auf diesem Gebiet über zu wenig Kenntnisse verfügen.

Und wie steht es mit der Nutzung von WhatsApp im geschäftlichen Umfeld? – Hiervon ist zurzeit klar abzuraten, da nach dem deutschen Datenschutzrecht noch unklar ist, ob eine Nutzung rechtskonform möglich ist. Von Seiten des Unternehmens WhatsApp wären hier noch einige Hausaufgaben für den deutschen Markt zu erledigen. In der Vergangenheit gab es immer wieder fehlende Transparenz darüber, wie die Daten von WhatsApp und Facebook weitergegeben und weiterverarbeitet werden. Wir empfehlen daher auf andere Dienste auszuweichen, die dem deutschen Datenschutzrecht entsprechen.

Überhaupt raten wir jedem Nutzer von Social Media-Kanälen, sich vorab (oder wenigstens nachträglich) mit den Nutzungsbedingungen zu befassen und diese nachzuvollziehen. Wenn Sie gegen Gesetze verstoßen, kann nämlich nach den meisten Nutzungsvereinbarungen auch der Plattformbetreiber neben dem Betroffenen gegen Sie vorgehen. Die Sperrung des Accounts wäre nur eine Möglichkeit seiner Reaktion. Nutzen Sie darüber hinaus unbedingt aktiv die Option der Privatsphären-Einstellungen bei Facebook. Ich weiß, diese sind unübersichtlich und schwer verständlich – aber der Erfolg lohnt die Mühe.

Fazit

Das Prinzip: „Learning by doing“ ist für die Veröffentlichung von eigenen und fremden Inhalten in Facebook-Gruppen garantiert nicht das richtige Rezept. Stattdessen verfahren Sie besser nach der Devise: „Weniger ist mehr“. Überlegen Sie vor der Veröffentlichung jedes Beitrags genau, was sie tun. Ohne großen Aufwand erwerben Sie das notwendige Praxiswissen durch die Unterstützung von Datenschutzbeauftragten. Zum Schluss sei hinzugefügt: Selbstverständlich gilt das Urheberrecht umgekehrt auch als Schutz für Ihre eigenen Veröffentlichungen.

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