Laborführung

Ein Beispiel für die praktische Umsetzung im Dentallabor

Nahtloser Generationswechsel

Ein neues Konzept mit neuen Möbeln trägt zu einer angenehmen Grundstimmung bei den Mitarbeitern bei. Bildnachweis: Gischkowski Zahntechnik, Bremen
Ein neues Konzept mit neuen Möbeln trägt zu einer angenehmen Grundstimmung bei den Mitarbeitern bei. Bildnachweis: Gischkowski Zahntechnik, Bremen

Ein Generationswechsel muss gut vorbereitet sein. Das gilt für die Betroffenen gleichermaßen wie für Mitarbeiter und Kunden. Dass eine langfristig gut durchgeplante Übergabe mit Institutionen wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer durchaus neuen Schwung in ein Dentallabor bringen kann, zeigt das Labor Gischkowski Zahntechnik in Bremen.

Gischkowski Zahntechnik, Bremen, ist seit 1958 in Familienbesitz. Nun haben Sie am 1. Januar 2014 von Ihrem Vater Dieter und Ihrem Onkel Uwe die alleinige Geschäftsführung des Labors übernommen. Wie haben Sie den Übergang gestaltet?

Ein Geschäftsführerwechsel kann nicht von heute auf morgen vollzogen werden. Die Vorbereitung startete bei uns mit dem Besuch eines Unternehmens- Nachfolgetrainings. Dabei stand die Unternehmensführung unter den Aspekten moderner Personalführung mit angepassten Führungsstilen, Konfliktlösungs- und Beziehungsmanagement im Vordergrund. Diese neuen Ideen habe ich vor zwei Jahren in Abstimmung mit den beiden bisherigen Geschäftsführern in unserem Labor mit eingebracht. Klar, dass alles Neue erst mal anders ist und auch akzeptiert werden muss. Aber mein Vater und sein Bruder haben dann schnell gesehen, dass ihr potenzieller Nachfolger die Unternehmensführung auch mit moderneren Mitteln beherrscht. Die rechtliche Nachfolge war dann nur noch reine Abwicklung. Diese wurde dann in intensiver Zusammenarbeit mit Steuerberater/Wirtschaftsprüfer und Fachanwalt/Notar geregelt. Dass die Prozedur so reibungslos ablief, lag auch an unserem Interesse, wie Geschäftspartner und nicht wie Familienmitglieder zu agieren. Emotionen wurden außen vorgelassen, das machte es sehr entspannt.

Was wollen Sie anders machen?

  • Das Ambiente ist neu. In diesem Raum bietet Carsten Gischkowski Seminare für Zahnärzte und zahnmedizinisches Fachpersonal an. Bildnachweis: Gischkowski Zahntechnik, Bremen

  • Das Ambiente ist neu. In diesem Raum bietet Carsten Gischkowski Seminare für Zahnärzte und zahnmedizinisches Fachpersonal an. Bildnachweis: Gischkowski Zahntechnik, Bremen
Alles Wesentliche ist schon geschehen – ich habe ja schon zwei Jahre lang den Weg bereitet und meine eigenen Ideen umgesetzt. Dabei waren die Änderungen in der Personalführung für mich grundlegend. Bestärkt durch meine Trainings wusste ich, dass in Mitarbeitern meist noch mehr steckt. Diese Potenziale aufzuzeigen und sie entsprechend umzusetzen, das war mein Ziel. Durch Förderung, Fortbildungen und mehr Eigenverantwortlichkeit haben wir es gemeinsam geschafft, eine Truppe aus motivierten und neugierigen Experten zu bilden. Es gibt Mitarbeiter, die sogar lange Arbeitswege in Kauf nehmen, weil sie höchst motiviert sind. Mit Spaß und Freude übernehmen die Zahntechniker heute Parts über ihr Fachgebiet hinausgehend, zum Beispiel in der Endkontrolle oder in Kundengesprächen, und liefern sehr gute Arbeiten ab. Das sehen auch unsere Kunden, die sich mittlerweile zu Geschäftspartnern auf Augenhöhe entwickelt haben. Der Wandel entstand durch Vertrauen und höchste Akzeptanz.

Wie nehmen Ihre Kunden den Wandel wahr?

Auf jeden Fall auch optisch. Anfang des Jahres haben wir das Labor und den Schulungsraum mit einem neuen Farbkonzept versehen und modernes Mobiliar integriert. Das schafft bei unseren regelmäßigen Fortbildungen für Kunden eine harmonischere Atmosphäre. Aber auch den Mitarbeitern merken wir eine ruhigere Grundstimmung an, die sich positiv auf das Betriebsklima auswirkt.

Das heißt, Sie setzen auch auf Fortbildungen?

Das haben wir schon immer, lediglich das Portfolio an Seminaren haben wir jetzt erweitert. Neben Abrechnung, Prophylaxe und Erste Hilfe rückt jetzt auch der betriebswirtschaftliche Teil, beispielsweise mit „BWA – leicht verständlich“, in den Fokus. Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie zahnmedizinisches Fachpersonal nutzen unser Fortbildungsangebot gern. Die Kurse sind immer ausgebucht und unser Labor ist Kommunikationsplattform für unsere Kunden und Mitarbeiter.

Was wollen Sie im Labor beibehalten?

Auch wenn ich jetzt alleiniger Geschäftsführer bin, stimme ich mich weiterhin mit meinem Vater und meinem Onkel ab, die beide noch aktiv im Labor tätig sind. Mein Vater als Berater und mein Onkel leitet in der Position als Laborleiter die technischen Belange. Das ist auch gut, zwei so erfahrene Zahntechnikermeister an der Seite zu haben.

Wo sehen Sie heute und in Zukunft die Straße des Erfolgs für gewerbliche Labore in Deutschland?

In der Entlastung von Zahnärzten in deren Praxisalltag. Dabei ist das Feld Implantologie auf jeden Fall ein wichtiges Zukunftsthema. Früher handelte es sich ja eher noch um eine Luxusversorgung, heute ist die implantologische Versorgung schon fast Standard, weil viele Zahnärzte die Erhaltung des Kaukomforts und des Knochens im Fokus sehen. Da wird unsere Information über zahntechnische Versorgungen sowohl von Patienten als auch dem Zahnarzt gern genutzt – entweder vor Ort oder bei uns im Labor. Wir stehen unseren Zahnarztkunden als kompetenter und innovativ denkender Ansprechpartner zur Seite.

Vielen Dank für Ihre Stellungnahme, Herr Gischkowski, und weiter viel Glück und Erfolg!

Das Interview führte Claudia Gabbert, Hamburg

weiterlesen
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Carsten Gischkowski


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Septemberausgabe ist erschienen. Viel Spaß beim Lesen!

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite