Laborführung

Arbeits- und Gesundheitsschutz im Dentallabor - Teil 8

Strom und Gas, die unterschätzten Gefahren

10.11.2016
aktualisiert am: 30.11.2016

© Werner Hebendanz
© Werner Hebendanz

Unser Alltag funktioniert wesentlich aufgrund der Zufuhr von Energie wie Strom und Gas. Beides ist allgegenwärtig und wir verlassen uns auf die Funktion und Sicherheit bei Transport bzw. Lagerung und beim Betrieb. Dass aber die regionale Tageszeitung, Rundfunk und Fernsehen über folgenschwere Schäden durch Mängel an der Elektrik oder über Gasexplosionen berichten, kommt gar nicht so selten vor. Es ist Wachsamkeit geboten, gerade auch beim beruflichen Gebrauch. ZTM Werner Hebendanz geht hier auf Gefahrenstellen, Vorschriften und Prüfungen ein, die sich auf das Dentallabor beziehen.

Wenn Sie mit Ihrer Familie wieder einmal aufs Volksfest gehen und mit Ihren Kindern in eines der Fahrgeschäfte steigen, denken Sie dann über die Sicherheit der Karussells nach? Oder über die Sicherheit des Flugzeugs bei der nächsten Urlaubsreise? In Deutschland sieht man es als selbstverständlich an, dass hier alles auf die Funktionstüchtigkeit und Sicherheit überprüft wird. Aber ist das genauso in den Betrieben der Fall? Können sich die Mitarbeiter darauf verlassen, dass alle Geräte, Arbeitsmittel und Einrichtungen sicher und störungsfrei arbeiten?

Elektrizität: ortsfeste und ortsveränderliche Betriebsmittel

  • Abb. 1: Leider sind Defekte an elektrischen Anlagen nicht immer so gut erkennbar wie hier. Abb. 1, 3-5: © Werner Hebendanz

  • Abb. 1: Leider sind Defekte an elektrischen Anlagen nicht immer so gut erkennbar wie hier. Abb. 1, 3-5: © Werner Hebendanz
Im Bereich der Elektrizität ist es nicht selbstverständlich, denn im Laufe der Jahre kann Verschleiß oder ein Defekt zu einem unsicheren Zustand der Elektroleitungen, aber auch der Geräte selbst führen. Nicht jeder Defekt ist so offensichtlich, wie auf Abbildung 1 zu sehen ist. Daher gibt es unterschiedlich vorgeschriebene Prüfungen und Prüffristen.

Die wichtigste Rechtsgrundlage ist die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) mit ihrer Novellierung im Jahr 2015. Hier ist unter § 3 (6) zu lesen: „Der Arbeitgeber hat Art und Umfang erforderlicher Prüfungen von Arbeitsmitteln sowie die Fristen von wiederkehrenden Prüfungen ... zu ermitteln ... Die Fristen für die wiederkehrenden Prüfungen sind so festzulegen, dass die Arbeitsmittel bis zur nächsten festgelegten Prüfung sicher verwendet werden können.“ Als weitere gesetzliche Grundlage ist die DGUV Vorschrift 3 mit ihrem § 5 „Prüfungen“ heranzuziehen. Hier heißt es, dass Prüfungen vor der ersten Inbetriebnahme, nach jeder Reparatur oder Änderung und in regelmäßig festzulegenden Zeitabständen durch eine Elektrofachkraft erfolgen müssen. Diese Elektrofachkraft ist die „für Prüfungen befähigte Person“ nach BetrSichV. Die Fristen sind so zu bemessen, dass entstehende Mängel, mit denen gerechnet werden muss, rechtzeitig festgestellt werden.

Um oben genannte Forderungen einzuhalten, sollte der Betriebsinhaber darauf achten, dass er vom elektrischen Fachbetrieb die entsprechenden Unterlagen für den Nachweis erhält, dass die Anlage nach den geltenden Bestimmungen der DGUV Vorschrift 3 errichtet wurde.

Um die geforderten Zeitabstände bestimmen zu können, erfolgt zuerst eine Einstufung der elektrischen Anlagen und Geräte in

  • ortsfeste elektrische Betriebsmittel und
  • ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel.

Als ortsfest gelten die elektrischen Anlagen, also der Sicherungskasten und alle Leitungen, die in der Wand oder in Kabelkanälen verlegt sind und üblicherweise in einer Steckdose münden. Bei elektrischen Geräten ist die Einstufung nicht ganz so leicht: Sie gelten als ortsfest, wenn sie fest eingebaut sind oder ihr Gewicht so groß ist, dass sie üblicherweise nicht bewegt werden. Als Beispiel kann man sich einen großen doppeltürigen amerikanischen Kühlschrank vorstellen. Der ist zwar frei stehend, aber sein Gewicht ist so groß, dass man ihn nicht täglich verrückt oder umherträgt. Im Dentallabor kann eine große Gussschleuder als ortsfest gelten, aber auch ein schwerer Poliermotor mit eingebauter Absaugung.

Alle restlichen Geräte und auch alle Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit Steckverbindung gelten als ortsveränderlich.

Jeder Unternehmer muss anhand der zwei Kriterien, fest eingebaut und/oder großes Gewicht, selbst festlegen, welche Geräte in seinem Labor als ortsfest einzustufen sind. Hat man diese Einteilung für seine gesamten elektrischen Anlagen und Geräte getroffen, so gilt es dann die Prüffristen für die einzelnen Teile festzulegen. Für elektrische Anlagen und ortsfeste Betriebsmittel empfiehlt die DGUV Vorschrift 3 in der Durchführungsanweisung zu § 5 (Prüfungen) eine Prüffrist von vier Jahren. Die Prüfung ist von der zur Prüfung befähigten Person, also der Elektrofachkraft durchzuführen. Wenn die Räume gemietet sind, ist zu klären, wer für die Prüfung der elektrischen Installation zuständig ist, Mieter oder Vermieter. Manchmal gibt der Mietvertrag darüber Auskunft.

Für die ortsveränderlichen Betriebsmittel empfiehlt die DGUV Vorschrift 3 ein Prüfintervall mit einem Richtwert von sechs Monaten. Wird eine Fehlerquote von unter zwei Prozent festgestellt, kann die Prüffrist verlängert werden. Allerdings spricht die Durchführungsanweisung auch von Maximalwerten für die Ausdehnung der Prüffrist. Diese beträgt für Werkstätten ein Jahr, für Büros oder ähnliche Bedingungen zwei Jahre. So kann man festlegen, dass der Bürobereich in der Regel alle zwei Jahre geprüft wird, die Produktionsbereiche im Dentallabor jedoch jährlich. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Gipsraum, weil dort viele Geräte im feuchten Bereich benutzt werden. Hier ist ggf. ein kürzeres Prüfintervall notwendig. Andererseits kann es unter Umständen möglich sein, dass der Bereich des Keramikraums, wenn dort nur geschichtet wird, als büroähnlich anzusehen ist.

Wie Sie sehen, können die Prüffristen nicht einfach pauschal festgelegt werden. Die genaue Verwendung der Geräte und die Umgebungsbedingungen sind maßgeblich einzubeziehen. Es macht einen Unterschied, ob eine Arbeitsplatzlampe sich immer am selben Platz befindet oder vom Techniker auch mal schnell am Fräsplatz oder im Gipsraum benutzt wird – die wirkliche Benutzung ist entscheidend.

Hier gab es vor einigen Jahren in München einen Vorfall, bei dem genau nach diesem Muster ein Unfall mit elektrischem Strom passiert ist. Aufgrund des häufigen Platzwechsels eines Strahlers hatte die Isolierung Schaden genommen und das Metallgehäuse stand unter Spannung. Der Mitarbeiter, der die Lampe umsetzen wollte, bekam eine Durchströmung des Körpers. Die Folge war, dass seine Muskeln verkrampften. Man spricht hier vom Klebenbleiben am Strom. Der fließende Strom überschreibt den körpereigenen Stromimpuls, der die Muskeln ansteuert. So hat man in dieser Situation keine eigene Macht mehr, um seine Muskeln zu steuern. Der Gegenstand kann nicht mehr losgelassen werden. Im geschilderten Fall hatte der Mitarbeiter Glück, er fiel nach hinten und wurde so von der Stromquelle getrennt. Wichtig ist, dass nach einem elektrischen Unfall mit einer Durchströmung des Körpers unbedingt ein Arzt aufgesucht wird. Er diagnostiziert anhand eines EKGs mögliche Herzrhythmusstörungen, wie etwa Herzkammerflimmern, Vorhofflattern und Vorhofflimmern, und kann feststellen, ob Schäden am Herzen entstanden sind. Diese können auch noch Stunden nach dem Ereignis auftreten! An dieser Stelle will ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass auch „Steckdosenstrom“ tödlich wirkt. Leider passieren nach wie vor tödliche Arbeitsunfälle in diesem Bereich in Deutschland.

Wie oben ausgeführt, hat der Unternehmer Art, Umfang und Fristen der Prüfung von Arbeitsmitteln zu ermitteln. Er muss sich dabei fachkundiger Hilfe einer Elektrofachkraft bedienen und gemeinsam mit ihr die Prüffristen festlegen. Da laut DGUV Vorschrift 3 § 5 (Prüfungen) vom Unternehmer erwartet wird, dass entstehende Mängel rechtzeitig, also bevor ein Unfall geschieht, entdeckt werden, ist im Zweifelsfall eine eher kürzere Prüffrist festzulegen.

Nach der Prüfung erhält der Unternehmer vom Prüfer eine Dokumentation über die Ergebnisse. Diese ist aufzubewahren, am besten zusammen mit der Gefährdungsbeurteilung.

Zwischen den Prüfungen kann und soll der Unternehmer auch ohne fremde Hilfe seine Elektrogeräte kontrollieren, und zwar durch die Sichtprüfung – also das bewusste und kritische Betrachten des Gerätes –, ob offensichtliche Mängel vorhanden sind (Kabel, Gehäuse). Sollten sich hier Mängel zeigen, ist das Gerät vom Netz zu trennen und ein Elektriker mit der Reparatur und der dann notwendigen Prüfung zu beauftragen. Es versteht sich von selbst: Keine Eigenreparaturversuche durchführen! Manche Sachversicherer fordern – losgelöst von den oben beschriebenen Vorgaben – kürzere Prüfintervalle, daher ist es wichtig, sich in den Versicherungspolicen zu informieren. Die Nichtbeachtung der besonderen Fristen würde sich im Schadensfall auf die Leistungsbereitschaft der Versicherung auswirken.

Abschließend zum Thema Prüfung möchte ich noch auf eine Broschüre der BG ETEM hinweisen, die unter dem Kürzel DGUV 203-071 (alte Bezeichnung BGI 5190) zu bestellen ist (www.bgetem.de). Darin gibt es weitere Hilfestellung für den Unternehmer im Bereich der ortsveränderlichen Arbeitsmittel (Abb. 2).

Flüssiggas: Versorgungsanlagen und Verbrauchsanlagen

Als zweite Energiequelle wird im zahntechnischen Betrieb Flüssiggas genutzt – sowohl für den Bunsenbrenner am Arbeitsplatz als auch zum Schmelzen von Metall und zum Löten. Die im Dentallabor vorhandenen Flüssiggasanlagen sind als ortsfeste Anlagen einzustufen, da sie nicht an unterschiedlichen Stellen verwendet werden, wie es etwa auf dem Bau der Fall ist. Die Flüssiggasanlage wird unterteilt in Versorgungsanlage und Verbrauchsanlage. Als Versorgungsanlage werden die Druckgasbehälter, also die Gasflaschen bezeichnet, zur Verbrauchsanlage zählen Bunsenbrenner und Brausebrenner. Auch hier ist die Sicherheit der Anlage vom Betreiber zu gewährleisten. Als Rechtsgrundlage gibt es von der Berufsgenossenschaft die Unfallverhütungsvorschrift „Verwendung von Flüssiggas“ (zu bestellen als DGUV Vorschrift 79). In § 6 (1) ist zu lesen: „Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass Anlagen ... so errichtet und aufgestellt werden, dass sie sicher betrieben und instand gehalten werden können.“

  • Abb. 2: Das Studium der Broschüre ist sehr empfehlenswert. © BG ETEM
  • Abb. 3: Gasexplosion mit verheerenden Folgen.
  • Abb. 2: Das Studium der Broschüre ist sehr empfehlenswert. © BG ETEM
  • Abb. 3: Gasexplosion mit verheerenden Folgen.

Bevor ich auf die Einzelheiten eingehe, betrachten Sie kurz die Abbildung 3. Vor dem Ereignis wurden hier Fladenbrote hergestellt. Laut polizeilichen Ermittlungen wollte sich der Inhaber der Leipziger Bäckerei eine Zigarette anzünden. Der erste Funke genügte, um das Gas zur Explosion zu bringen, das zuvor offenbar unbemerkt aus einer Propangasflasche ausgetreten war. Der Bäcker überlebte die Detonation nicht.

Was ist das Tückische an Flüssiggas?

Flüssiggas ist auch in der Gasphase schwerer als Luft. Folglich sammelt sich ausströmendes Gas am Boden oder in Nischen. Passiert das ungehindert, zum Beispiel über Nacht, kann am Morgen das Einschalten des Hauptstromschalters im Labor die Explosion auslösen.

Wie ist mit Gasflaschen umzugehen?

Beschaffung/Transport: Aufgrund der geschilderten Eigenschaft kann sich austretendes Gas bei einer undichten Flasche am Boden des Fahrzeugs ablagern, also z. B. am Kofferraumboden. Wird die Kofferklappe geöffnet und die Beleuchtung geht an, kann das schon als Zündquelle für das explosive Gemisch reichen. Schwere bis tödliche Verletzungen sind die Folge. Da ein Pkw technisch nicht so hinterlüftet werden kann, dass der Gasflaschentransport sicher erfolgt, kann ich nur dazu raten, sich das Gas durch einen Händler ins Labor liefern zu lassen. Das kostet ein paar Euro, aber der Sicherheitsgewinn ist es wert.

Lagerung: Gasflaschen dürfen nicht unter Erdgleiche (also im Keller), in Treppenhäusern und Garagen sowie am Arbeitsplatz gelagert werden. (Zur Unterscheidung: Die im Arbeitsraum befindliche Gasflasche wird nicht „gelagert“, sondern „verbraucht“.) Notwendig ist also ein eigens dafür hergerichteter Lagerort. Er muss folgende Eigenschaften aufweisen:

  • gut belüftet
  • nicht mit brennbaren Flüssigkeiten und giftigen Stoffen zusammen
  • abgetrennt von anderen Gasflaschen
  •  gegen Zutritt Unbefugter gesichert

Am besten ist ein Ort im Freien. Als sinnvoll hat sich die Anschaffung eines Gasflaschenschranks erwiesen (Abb. 4). Hier hat man alle geforderten Eigenschaften vereint.

  • Abb. 4: Im Gasflaschenschrank im Freien werden Propangasflaschen sicher verwahrt.
  • Abb. 5: Dichtheitsprüfung mit dem Leckfinder-Spray.
  • Abb. 4: Im Gasflaschenschrank im Freien werden Propangasflaschen sicher verwahrt.
  • Abb. 5: Dichtheitsprüfung mit dem Leckfinder-Spray.

Verbrauch: Beim Aufstellort im Arbeitsraum ist zu beachten, dass Gasflaschen aufrecht stehend und standsicher aufgestellt werden müssen. Wenn die Gasflasche im Arbeitsraum angeschlossen wurde, ist die Dichtheit zu prüfen (Abb. 5). Hier erwartet der Gesetzgeber vom Unternehmer, dass er damit nur Personen betraut, die im Betreiben dieser Anlagen unterwiesen sind und von denen zu erwarten ist, dass sie ihre Aufgabe zuverlässig erfüllen. Die Prüfung erfolgt mit einem nicht brennbaren Spray. Durch das Aufsprühen eines Feuchtigkeitsfilms werden Undichtigkeiten durch Blasenbildung sofort sichtbar. Das Spray ist u. a. im Baumarkt im Bereich für Campingbedarf zu finden („Leckfinder-Spray“).

An der Gasflasche muss sich auch eine Schlauchbruchsicherung befinden. Sie verschließt die Leitung, falls ein Schlauch reißt und sich der Druck stark verringert, weil das Gas in großen Mengen ausströmt. Damit wird das weitere Austreten von Gas verhindert.

Um das Gas im Labor zu verteilen, dürfen nur orange eingefärbte Schläuche nach DIN 4815 eingesetzt werden. Alle Schläuche sind mit Schlauchschellen gegen unbeabsichtigtes Abrutschen zu sichern. Schläuche und Armaturen an Gaszuleitungen und Gasbrennern müssen vor Gebrauch auf sichtbare Mängel überprüft werden. Porös gewordene Schlauchenden müssen entfernt werden. Nach Arbeitsende sind grundsätzlich alle Haupthähne ordnungsgemäß zu verschließen.

Alle ortsfesten Verbrauchsanlagen müssen wiederkehrend mindestens alle vier Jahre durch einen Sachkundigen geprüft werden auf

  • Dichtigkeit,
  • ordnungsgemäße Beschaffenheit,
  • Funktion und
  • Aufstellung.

Die Prüfbescheinigung ist aufzubewahren, am besten in der Gefährdungsbeurteilung. Technische Aufsichtsbeamte der Berufsgenossenschaft sowie Gewerbeaufsichtsbeamte sind zur Einsicht dieser Prüfungsdokumentation berechtigt. Weiterführende Informationen zur Dokumentation der Prüfung erhalten Sie in der Broschüre „DGUV Grundsatz 310-005“ (www.arbeitssicherheit.de).

Fazit

In beiden heute beleuchteten Bereichen steckt ein erhebliches Gefahrenpotenzial. Die präventiven Maßnahmen, wie etwa die vorgeschriebenen Prüfungen, helfen, dass der Ernstfall in Ihrem Betrieb nicht eintritt. Ich wünsche Ihnen allzeit unfallfreies Arbeiten.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Werner Hebendanz

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Werner Hebendanz