Laborführung

Die Ausbildung in der Schweiz

Teil 3: Wie man außerhalb Deutschlands zum Zahntechniker wird

16.05.2018

© daniel stricker / pixelio.de
© daniel stricker / pixelio.de

In den vergangenen Ausgaben des Zahntechnik Magazins haben wir erfahren, wie die Ausbildung zum Zahntechniker in England und Österreich abläuft*, heute blicken wir ins Land der Berge und der Toblerone – in die Schweiz.

Die Schweiz ist neben Deutschland und Österreich das einzige europäische Land, in dem das in Deutschland entstandene klassische Prinzip der dualen Ausbildung angewandt wird. Wie in Österreich gibt es hier vier Lehrjahre, in denen die Azubis im Labor und in der Berufsschule alles beigebracht bekommen, um Schienen, Brücken, Prothesen, Kronen etc. nach Maß anzufertigen.

Handwerkliche Feinarbeit und ein Gefühl für Farben werden in der Schweiz wie in Deutschland großgeschrieben, ebenso umfangreiche Kenntnisse in der Verwendung verschiedener Werkstoffe und Materialien. Die Lehrlinge werden aber auch hier mehr und mehr mit der Arbeit am Computer vertraut gemacht, denn vieles geschieht auch in der Zahntechnik schon digital. Die Ausbildungsinhalte und -tätigkeiten gleichen sich also auch mit diesem Nachbarland stark. Hygiene und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Genauigkeit und Rücksicht auf die Umwelt sind den Schweizer Zahntechnikern ebenso wichtig wie den deutschen.

Um eine Lehrstelle in einem Dentallabor zu bekommen, ist es in aller Regel nötig, die „oberste Schulstufe“, also das Abitur, abgeschlossen zu haben. Gute Kenntnisse in Chemie und Physik sind von Vorteil. Der Verband Zahntechnischer Labore in der Schweiz bietet dazu Schnuppertage und Eignungstests an, die den angehenden Lehrlingen zeigen, ob sie für den komplexen Beruf des Zahntechnikers geeignet sind. In der Schweiz ist es üblich, dass die Lehrlinge ein Arbeitsbuch mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten führen, welches monatlich durch den Ausbilder kontrolliert und unterzeichnet wird. Aufgabe der Ausbilder ist es ebenfalls, jedes Semester einen Ausbildungsbericht anzufertigen, der den Wissensstand der Schüler festhält. Dieser wird offen mit den Azubis besprochen.

Zum Abschluss das eidgenössische Fähigkeitszeugnis

Sind die vier Lehrjahre beendet, so folgt die Lehrabschlussprüfung. Der Aufbau dieser ist in der Schweiz jedoch anders als hierzulande. Vier Fächer werden geprüft: Grundlegende Berufsarbeiten (12–16 Stunden), praktische Arbeiten (32 Stunden), und Berufskenntnisse (4 Stunden). In der Teilprüfung der Grundlegenden Berufsarbeiten müssen die Lehrlinge eine partielle Prothese und eine Einzelkrone selbstständig herstellen. Beim praktischen Arbeiten müssen innerhalb von 32 Stunden Totalprothesen, Kronen/Brücken und Arbeiten aus den Bereichen Modellguss und Kieferorthopädie angefertigt werden. Abschließend müssen die Azubis sowohl mündlich als auch schriftlich beweisen, dass sie über sichere Berufskenntnisse in den Bereichen Anatomie, naturwissenschaftliche Grundlagen, diverse Werkstoffe, über Werkzeuge und technische Apparate verfügen. Ist die Prüfung bestanden, bekommt der ehemalige Lehrling den Titel „Zahntechniker/in EFZ“ – EFZ steht hier für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis, das garantiert, dass die jeweilige Person der Ausübung des Berufes mächtig ist.

Der Zahnprothetiker und die Arbeit am Patienten

In der Schweiz ist es nach der Lehre und mindestens drei vollen Jahren Berufserfahrung möglich, sich zum Meister ausbilden zu lassen. Wie bei uns besteht nach absolvierter Meisterprüfung die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen und ein eigenes Labor zu eröffnen. Schweizer Zahntechnikermeister beraten die Zahnärzte hinsichtlich der Planung und Umsetzung zahntechnischer Dienstleistungen.

Es besteht ebenso die Möglichkeit, sein Fachwissen anhand einer zweijährigen Weiterbildung zum Zahnprothetiker zu erweitern. Diese kann man über Berufsverbände, Dentalfirmen oder an zahntechnischen Instituten der Schweizer Universitäten durchführen. Jedoch führen derzeitig nur noch wenige Kantone die Ausbildung durch. In diesen zwei Lehrjahren finden 500 Vorlesungsstunden in verschiedenen fachspezifischen Themenbereichen wie Prothetik, Anatomie und Histologie statt. Der fertig ausgebildete Zahnprothetiker ist berechtigt, unabhängig vom Zahnarzt für den Patienten abnehmbaren Zahnersatz aller Art herzustellen. Er übernimmt selbstständig das Beratungsgespräch, die Planung, nimmt Abdrücke, stellt die Prothesen her und gliedert sie ein. Auch die Nachsorge wird vom Zahnprothetiker übernommen. Diese enge Zusammenarbeit zwischen Prothetiker und Patient wird in der Schweiz hoch geschätzt, denn sie gewährleistet präzise und individuell angepasste Endprodukte – und nicht zu unterschätzen: glückliche und zufriedene Kunden.

Einen Studiengang in Richtung Dentaltechnik bietet die Schweiz bislang jedoch noch nicht an.

Interessenvertretung der Zahntechniker

Wie in Deutschland setzen sich auch in der Schweiz verschiedene Verbände des Zahntechniker-Handwerks für die Belange der Zahntechniker ein. So gibt es zum Beispiel die Schweizerische Zahntechniker-Vereinigung, kurz SZV, die als Arbeitnehmerverband ihren Mitgliedern bei Rechtsfragen, der Stellenvermittlung, bei Bildungsberatung und vielem mehr zur Seite steht. Außerdem hat es sich die SZV zur Aufgabe gemacht, einen Gesamtarbeitsvertrag für den Zahntechnikerberuf auszuhandeln. Der Gesamtarbeitsvertrag bildet in unserem Nachbarland die Grundlage für jeden Arbeitsvertrag eines bestimmten Berufes und regelt alles rund um Arbeitszeiten, Kündigungsfristen, Löhne etc. – ein vergleichbares Rechtsinstitut ist in Deutschland der Tarifvertrag.

Des Weiteren bietet die SZV Weiterbildungen, Interessenvertretung in der Grundbildung und die Swiss Dental Laboratories an – ein Unternehmerverband, dessen Ziel es ist, die Anerkennung der Branche zu erhöhen und ebenso die Wertschöpfung und das Einkommen der Unternehmer.

Für die Schweizer Meisterlabore gibt es die Möglichkeit, dem „ASMO Schweizer Meister der Zahntechnik“ beizutreten. Dieser Verband ist ein Netzwerk von Zahntechnikermeistern, die stetig Weiterbildungen absolvieren, um so den Kunden kompetente Beratung und Leistung zu garantieren. Aber auch die Zahnprothetiker haben sich formiert – seit 1962 setzt sich der Schweizerische Zahnprothetiker Verband für die wirtschaftlichen, sozialen und beruflichen Interessen seiner Mitglieder ein.

Fazit

Wer also in der Schweiz Zahnersatz benötigt, kann sich darauf verlassen, qualitativ hochwertige Produkte zu erhalten. Wie in Deutschland findet man dort sorgfältig (dual) ausgebildete Zahntechniker, die auf hohem Niveau arbeiten und so dem Zahntechnikerhandwerk alle Ehre machen. Hinsichtlich der Arbeit mit und am Patienten könnte man sich jedoch noch ein Beispiel nehmen. 

Nathalie Ottiger

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