Laborführung

Cornelia Fischer begleitete im Sommer 2019 Zahnärzte ohne Grenzen nach Ostafrika

Zahntechnik goes Sambia

03.12.2019

Cornelia Fischer beim Abdrücke gießen mit dem "manuellen" Rüttler.
Cornelia Fischer beim Abdrücke gießen mit dem "manuellen" Rüttler.

Vor einigen Jahren las ich folgenden Satz: „Wenn es irgendwo auf der Welt einem Menschen schlecht ginge, beeinflusst das alle anderen auch.“ - Zugegeben, ich war über den Satz gewissermaßen empört. Was sollte es mir hier zuhause ausmachen, wenn es irgendwem irgendwo auf der Welt nicht gut ginge? Das aktuelle Thema über die Flüchtlingsproblematik erklärte mir diesen Satz jedoch aufs Eindringlichste. Aus diesem Grund habe ich im Januar dieses Jahres beschlossen, tatsächlich etwas zu tun, statt immer nur darüber zu reden. So begannen meine Recherchen, wem ich als Zahntechnikerin mit meinen 25 Jahren Berufserfahrung meine Unterstützung anbieten kann. Fündig wurde ich bei der Hilfsorganisation DWLF, Zahnärzte ohne Grenzen, und habe mich kurzerhand zu einem Einsatz angemeldet.

Im Juni dieses Jahres nahm ich meinen Beruf mit in den „Urlaub“. Obwohl, Urlaub war es ja eigentlich keiner. In diesem Jahr unterstützte ich das Team der „Zahnärzte ohne Grenzen“ und reiste mit ihnen ins ostafrikanische Sambia, um dort als Zahntechnikerin den Menschen zu helfen. Mit dieser Armut hatte ich jedoch nicht gerechnet. Die Menschen hier kämpfen ums nackte Überleben. Zumindest wirkte es auf mich so. Unser Organisator vor Ort, Herman Striedl, erklärte uns jedoch, dass die Menschen hier zwar arm, aber zufrieden wären. Als ich das alles sah, drängte sich mir ein Gedanke auf, den ich schon vor meiner Reise hatte: Wollen diese Menschen überhaupt, dass man hier eingreift? Leider ist es für diesen Gedanke einfach schon viel zu spät – wir haben bereits in deren Ökosystem eingegriffen, was man hier an jeder Ecke zu sehen und zu spüren bekommt.

  • Im Hospital in Chirundu beim Anpassen einer Interims, die der vorherige Zahntechniker gemacht hatte und nicht sofort in den Mund ging.

  • Im Hospital in Chirundu beim Anpassen einer Interims, die der vorherige Zahntechniker gemacht hatte und nicht sofort in den Mund ging.
    © Fischer

Sesshafte Nomaden

In diesem Teil des Landes leben die Tonga. Dabei handelt es sich um ein Nomadenvolk. Genauer gesagt, um eines von 73 Stämmen, die es in Sambia gibt. Zurückgedrängt durch den Bau des Karibastausees und auch durch die wachsende Bevölkerungszahl, können sie ihre alten Traditionen nicht mehr leben, wie beispielsweise das Nomadentum. Es scheint fast, als ob sie einfach irgendwo stehen blieben und plötzlich tauchen all die Einflüsse der westlichen Welt auf, die bei ihnen mehr zerstören, als ihnen zu nützen. Ein Beispiel ist die Erschließung des afrikanischen Marktes durch große Softgetränkehersteller und der Süßwarenindustrie. Durch den hohen Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel, verbunden mit einer bisher nicht besonders ausgeprägten Mundhygiene, kann man den Zähnen der Sambier fast schon dabei zusehen, wie sie zerfallen. Vermutlich wäre es für die Menschen vor Ort besser gewesen, wir hätten sie nie entdeckt und ihnen nie unsere Konsumgüter aufgedrängt – aber, Fortschritt lässt sich nun einmal nicht aufhalten.

Jedes Alter ist betroffen

In Sambia assistierte ich unter anderem meinem Einsatzleiter Dr. Ingo Bolg, da eine Ärztin abgesprungen war. Das ermöglichte es mir, viele Patienten selbst kennen zu lernen und auch den desolaten Zustand ihrer Zähne direkt zu sehen. Konservierend konnte in den meisten Fällen schlicht nicht gearbeitet werden und so haben wir an unserem zweiten Einsatztag in Lusitu ganze 40 Zähne gezogen und nur fünf Füllungen gelegt. Bei 30 Kindern wurden die Zähne kontrolliert und auch bei ihnen mussten wir leider schon einige Extraktionen vornehmen. Bei drei Patienten wurden die Zähne abgeformt, sodass ich im Hospital von Siavonga Interimsversorgungen anfertigen konnte. Unter diesen Patienten war auch ein noch recht junges Mädchen, die eine Prothese bekommen sollte. Schüchtern fragte sie mich, wann sie diese erhalten würde, da sie sich ohne ihre vorderen Schneidezähne nicht in die Schule traue. Es war unendlich traurig, zu sehen, dass so junge Menschen überhaupt schon solch desolate Zähne haben. Dabei ist sie keineswegs ein Einzelfall unter den Kindern und Jugendlichen. Auch in Sambia ist es so, wie im Rest der Welt: Man hat auf dem Arbeits- sowie Heiratsmarkt weit aus bessere Chancen, wenn man über gesunde oder zumindest gesund aussehende Zähne verfügt.

Nachfrage ohne Angebot

Faktisch gibt es in Sambia keine Möglichkeiten, sich die Zähne restaurieren zu lassen, obwohl der Bedarf ohne Frage mehr als groß ist. In meinem viel zu kurzen Aufenthalt im Labor musste ich leider viele Patienten wieder nach Hause schicken, ohne sie versorgt zu haben. Unter ihnen war auch ein Mann, der von sehr weit durchs Land gelaufen kam und die Nacht im Krankenhaus verbracht hatte, um sich von mir eine Prothese anfertigen zu lassen. Dennoch musste ich ihn vertrösten, was mich sehr lange beschäftigt hat.

  • Hospital in Siavonga: Hier gibt es schon ein kleines zahntechnisches Labor. Die Kerze, der kleine Brenner und das Spiritusflämmchen gab es  vor Ort um Wachs zu erhitzen. Gut, dass ich einen Induktionsbrenner aus Deutschland mitgebracht habe.
  • Mein Arbeitsplatz im Hospital in Savonga.
  • Hospital in Siavonga: Hier gibt es schon ein kleines zahntechnisches Labor. Die Kerze, der kleine Brenner und das Spiritusflämmchen gab es vor Ort um Wachs zu erhitzen. Gut, dass ich einen Induktionsbrenner aus Deutschland mitgebracht habe.
  • Mein Arbeitsplatz im Hospital in Savonga.

Um Unterstützung wird gebeten

Deshalb wende ich mich heute an all meine Kollegen aus der Zahnmedizin und Zahntechnik in ganz Deutschland! Meine Hilfe vor Ort war für die vorhandene Nachfrage leider viel zu wenig. Es gibt so viel Arbeit und so wenig Möglichkeiten für die dortige Bevölkerung. Eine zahnmedizinische und vor allem zahntechnische Versorgung gibt in Sambia quasi nicht. Deshalb möchte ich mit Ihrer Unterstützung dafür sorgen, dass dort Arbeitsplätze geschaffen werden können und ein Dentallabor entsteht, damit die Menschen in der Lage sind, sich selbst zu helfen und sie sich nicht mehr dazu gezwungen sehen, ihre Heimat verlassen zu müssen. Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so ergeben viele Tropfen doch irgendwann ein volles Gefäß. Helfen Sie mit, eine Zukunft für Sambia zu erschaffen.

Daten und Fakten

In Sambia leben ca. 18 Millionen Menschen auf einer Fläche, die dreimal so groß ist wie Deutschland. 50 Prozent davon haben keine Arbeit und 60,5 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Die Lebenserwartung der Männer liegt bei 49,93 Jahren, die der Frauen bei 53,14 Jahren. In ganz Sambia gibt es nur 50 Zahnärzte, die ausschließlich in den großen Städten praktizieren, und 200 Dental Therapists, die für den Rest der Bevölkerung zuständig sind. Allerdings ist das Outreach weitestgehend von internationaler Unterstützung abhängig. Die freie Ausbildung der Dental Therapists und Dentists wurde gestrichen, was die zahnmedizinische Versorgung nicht gerade einfacher macht. Zahntechniker gibt es in ganz Sambia höchstens fünf, weitere zehn werden derzeit ausgebildet. Die Crux an der Sache: Es gibt kaum Labore in denen sie arbeiten können.

Aus diesem Grund möchte ich mit Ihrer Unterstützung in Chilanga ein Labor einrichten. Dafür habe ich mich an die Hilfsorganisation German Dental Charity gewandt, die bereits noch in diesem Jahr einen Container, gefüllt mit zahnmedizinischen Materialien, nach Sambia schicken wird. Die Kosten für die Verschiffung des Containers werden zum Teil durch den deutschen Staat finanziert. In Siavonga selbst wird die Organisation von Hermann Striedl vertreten. Er wird gemeinsam mit Dr. Thomas Baum von der German Dental Charity dafür sorgen, dass alles nach Chilanga transportiert wird, um dort ein Dentallabor einzurichten, damit den Menschen zahntechnische Unterstützung angedeiht.

Was benötigt wird

Generell fehlt es in Sambia an allem. Wichtig wären aber ein kleiner und leiser Kompressor, Rüttler, No-Flame-Induktionsbrenner, ein Handstück, ein Arbeitstisch mit Absaugung, ein Drucktopf mit Befüllschlauch und Füllventil, Poliermotor, ein Trimmer, Wasserkocher, ein Vakuumanrührgerät sowie ein Abdampfer. Zunächst werden hauptsächlich Geräte für die Kunststofftechnik benötigt. Im nächsten Schritt dann Geräte für den Modellguss und die Brückentechnik. Wenn Sie das ein oder andere alte, aber funktionstüchtige Gerät bei sich im Labor haben, für das noch Ersatzteile auf dem regulären Markt erhältlich sind und das Sie nicht mehr benötigen, würde ich mich freuen, wenn Sie es an die Organisation für Sambia spenden würden. Selbstverständlich ist es auch möglich, Geld zu spenden, damit wir die benötigten Geräte kaufen und nach Ostafrika schicken können. Häufig haben wir in Sambia Geräte vorgefunden, die nur teilweise oder gar nicht mehr funktionierten. Normalerweise können die Sambier sehr gut improvisieren und denken sich aus, wie sie etwas wieder in Schwung bekommen. Doch wenn keinerlei Ersatzteile erhältlich sind, wird es auch in Sambia mit dem improvisieren schwer. Seien auch Sie dabei und helfen Sie mit, Menschen dabei zu helfen, sich selbst zu helfen!

Cornelia Fischer, Fon 0151 20174861, corneliafischer.k19@gmail.com 

Spendenkonto: GER.D Charity e.V., Commerzbank Bernburg, IBAN: DE30 8004 0000 0472 4928 00, 

BIC: COBADEFFXXX, Verwendungszweck: Zahntechnik Sambia + Name und vollständige Adresse

Cornelia Fischer


Unser Heftarchiv online

+++++++++++Die aktuelle Ausgabe+++++++++++

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite