Steuern


Die betriebswirtschaftliche Kurzauswertung: lesen und verstehen

13.08.2010

Abb. 1: Bestandteile einer BWA
Abb. 1: Bestandteile einer BWA

Im zweiten Teil unserer Serie zu grundsätzlichen betriebswirtschaftlichen Überlegungen zur Führung eines Betrieb geht unser Autor Oliver Stapfer auf die Interpretation der betriebswirtschaftlichen Kurzauswertung (BWA) ein und beleuchtet die Bedeutung ihrer Interpretation für den Erfolg des Unternehmens.

Die richtige Interpretation der BWA ermöglicht eine schnelle und einfache Analyse und Beurteilung der Kosten und Erträge. Damit lassen sich frühzeitig Fehlentwicklungen aufdecken und der erforderliche Handlungsbedarf ermitteln. Wichtig sind aber die richtige Auswertung der BWA und ihre Anwendung als effektives Controlling-System.

Aufbau der BWA

Der klassische Aufbau einer DATEV-BWA (Abb. 1) besteht im wesentlichen aus drei Teilen. Die kurzfristige Erfolgsrechnung beinhaltet Informationen zur Erlös-/Kosten- und Ergebnissituation des Labors im Gesamtüberblick. Die Summen- und Saldenliste gibt einerseits Auskunft darüber, wie sich die Erlöse und Kosten im einzelnen zusammensetzen. Andererseits werden die Bewegungen und Bestände der Bilanzpositionen dargestellt. Die offene Postenliste enthält Detailinformationen über Debitoren und Kreditoren des Unternehmens.

Kurzfristige Erfolgsrechnung

In der kurzfristigen Erfolgsrechnung (Abb. 2) werden quantitative Informationen über die wichtigsten absoluten Kenngrößen, also Umsatz, Rohertrag, Strukturkosten, neutraler Bereich und Ergebnis gegeben. Die Darstellung erfolgt in Monatswerten, kumulierten Werten und Vorjahresvergleichen. Falls vom Steuerberater angelegt, sind auch Planvergleiche möglich. Zudem lassen sich erste betriebswirtschaftliche Kennzahlen, z.B. die Wareneinkaufs- und Personalquote bzw. die Umsatzrentabilität ablesen.

  • Abb. 1: Bestandteile einer BWA

  • Abb. 1: Bestandteile einer BWA


Zu beachten: In der kurzfristigen Erfolgsrechnung sind nur Nettobeträge enthalten (ohne Vor- und Umsatzsteuer) und oftmals erfolgen keine unterjährigen Buchungen der Abschreibungen und Ertragsteuern (hierzu mehr unter „Mögliche Abweichungen zwischen BWA und Jahresabschluß“).

Summen- und Saldenliste

In der Summen- und Saldenliste sind die Erlöse, Aufwendungen und Bilanzpositionen in unterschiedlichen Konten und Klassen eingeteilt (Üblich: Erlöse Klasse 8, Materialaufwand Klasse 3, Strukturaufwand Klasse 4, Neutraler Aufwand Klasse 2, Bilanzpositionen Klasse 0 und 1). Innerhalb der Klassen bestehen weitere „unsichtbare“ Unterteilungen (z. B. 4110 bis 4190 = Personalkosten). Unterschieden wird in Soll- und Habenwerten. In der Ergebnisrechnung ist dies noch relativ leicht zu verstehen. So werden Erlöse im Haben und Aufwendungen im Soll gebucht. Bei den Bilanzpositionen wird es etwas differenzierter, so werden bei den Aktivpositionen Zugänge (z. B. Investitionen ins Anlagevermögen) im Soll, Abgänge (z. B. Abschreibungen des Anlagevermögens) im Haben gebucht. Bei den Passivpositionen werden umgekehrt Abgänge im Soll (z. B. Tilgung eines Darlehens) und Zugänge im Haben (z. B. Aufnahme eines Darlehens) gebucht. Im Eröffnungsbilanzwert ist der Anfangsbestand einer Bilanzposition ablesbar, im Saldo der aktuelle Bestand zum Betrachtungszeitpunkt (Abb. 3). Insgesamt ist in der Summen- und Saldenliste zwar ein Kurzüberblick über die wesentlichen Bilanzpositionen möglich, leider aber nicht sehr übersichtlich und oft mit zusätzlichem Rechenaufwand verbunden. Allerdings ist es möglich, sich vom Steuerberater eine sogenannte Bilanz-BWA erstellen zu lassen, in der die Bilanzpositionen nach dem Jahresabschlußschema dargestellt sind.

  • Abb. 2: Kurzfristige Erfolgsrechnung
  • Abb. 3: Auszug aus einer Summen- und Saldenliste
  • Abb. 2: Kurzfristige Erfolgsrechnung
  • Abb. 3: Auszug aus einer Summen- und Saldenliste


Zu beachten: Die Anfangsbestände in der Summenund Saldenliste können sich während des Jahres ändern. Gründe hierfür sind beispielsweise Abgrenzungen und bilanzpolitische Maßnahmen im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Jahresabschlusses. In den Verbindlichkeiten oder den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind sowohl die Vor- als auch die Umsatzsteuer enthalten.

Offene Postenliste

In der offenen Postenliste (Abb. 4) werden die Bilanzpositionen Verbindlichkeiten (Kreditoren) und Forderungen (Debitoren) aus Lieferungen und Leistungen detailliert auf Einzelrechnungsbasis dargestellt. Somit lassen sich auf einen Blick folgende Fragen beantworten. Was schuldet mir der einzelne Zahnarzt noch? Was schulden mir meine Kunden insgesamt? Was schulde ich dem Lieferanten noch? Was schulde ich meinen Lieferanten insgesamt? In der Debitoren (Kreditoren-) liste werden unbezahlte Rechnungen im Soll (Haben), bezahlte Rechnungen im Haben (Soll) gebucht. Der Saldo zeigt den noch offenen Rechnungsbetrag an (siehe auch Abb. 4).

  • Abb. 4: Auszug aus einer offenen Postenliste Debitoren

  • Abb. 4: Auszug aus einer offenen Postenliste Debitoren

Jahresabschluß und BWA

In den meisten Fällen wird es zwischen Jahresabschluß und BWA zu Abweichungen kommen. Die BWA stellt trotzdem ein geeignetes Analyseinstrument der wirtschaftlichen Situation dar, wenn:

  • so weit wie möglich Abschreibungen und Steueraufwendungen unterjährig gebucht werden
  • das Bewußtsein vorhanden ist, welche Änderungen im Zuge der Erstellung des Jahresabschlußes noch erfolgen.

Beispiele für Jahresabschlußbuchungen sind Bestandsveränderungen, Ab- bzw. Aufwertungen des Warenbestandes, Ausbuchungen von Forderungen und Bildung von Rückstellungen.

Zu beachten: Gerade bei Personengesellschaften oder Einzelunternehmungen, bei denen das Geschäftsführer- bzw. Unternehmergehalt nicht in den Personalkosten enthalten ist, muß beachtet werden, daß die Entlohnung aus dem Gewinn bzw. aus Privatentnahmen erfolgen muß.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Oliver Stapfer

Bilder soweit nicht anders deklariert: Oliver Stapfer


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