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Im Mund ist alles anders

Im folgenden Beitrag stellt Dr. Roland Althoff mit seinem Verify-Verfahren das erste praxisrelevante und patentierte Verfahren zur Einstellung einer korrekten Okklusionshöhe bei Zahnersatz vor.

Sicherlich kennen Sie die Situation aus Ihrem Alltag: Sie haben mit all Ihrem Fachwissen den Auftrag Ihres zahnärztlichen Kunden erfüllt und ein meisterliches zahntechnisches Werkstück zur Eingliederung in die Praxis geliefert. Im Ergebnis musste Ihre Arbeit jedoch noch im Munde des Patienten mehr oder weniger stark eingeschliffen werden, obwohl Sie vermeintlich alle Parameter der Modelladjustierung in der richtigen Höhe beachtet haben.

Auch ich hatte als Zahnarzt in meiner 28-jährigen Praxistätigkeit häufiger dieses Erlebnis. Aus der Motivation heraus, eine perfekte Arbeit mit patientenkonformer okklusaler Passung abzuliefern, habe ich Verify®-Solution for Occlusion entwickelt und zur Patentreife geführt. Damit ist nun vieles anders, reproduzierbarer und vor allen Dingen passender. Aber auch ich erreiche noch immer keine 100%, denn wie wir alle wissen, können uns viele Faktoren in der Herstellungskette einen kleinen oder größeren Streich spielen.

Da ich seit sechs Jahren erfolgreich und begeistert mit dem System arbeite, habe ich mich entschlossen, das Verfahren nach seiner Patentierung durch das deutsche Patent-und Markenamt Kollegen und Kolleginnen aus Labor und Praxis zur Verfügung zu stellen. Verify Solution for Occlusion® ist dabei ein hervorragendes Instrument zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Labor und Praxis. Gegenseitige Schuldzuweisungen gehören damit der Vergangenheit an, denn Misserfolge werden mit dem Verfahren objektivierbar.

Passive Modellsituation vs. dynamische Mundsituation

Die Anfrageflut zeigt, dass das Thema „zu hoch“ auch in Zeiten zunehmender Digitalisierung noch brandaktuell ist. Woran liegt es also, dass Kronen im Artikulator passen, aber im Munde zu hoch sind? In der Regel nehmen wir in der Praxis eine mundgeöffnete Abformung. Dabei kommt es zur Deformation der Unterkieferspanne, was im Modell eine inkorrekte Dimension in Form „fehlerhafter“ Abstände bewirkt. Das ausschlaggebende Faktum ist jedoch der gravierende Unterschied zwischen der passiven Modellsituation im Gips und der dynamischen Mundsituation beim Zusammenbiss. Insbesondere die Eigenbeweglichkeit der Zähne und der Okklusionsdruck in IKP spielen hier eine große Rolle.

Das Modell zeigt die passive Situation der Zahnreihen im mundgeöffneten Zustand, die Krone muss jedoch in der exakten, zusammengebissenen, aktiven Situation hergestellt werden (Abb. 1), sonst wird sie vom Patienten als „zu hoch“ empfunden.

  • Abb. 1: Fester Zusammenbiss nach Präparation in IKP.
  • Abb. 2: Okklusionsprotokoll.
  • Abb. 1: Fester Zusammenbiss nach Präparation in IKP.
  • Abb. 2: Okklusionsprotokoll.

Nun benötigt das zahntechnische Labor von seinen zahnärztlichen Kunden eine Information, wie die Modelle durch Einschleifen vom passiven in den aktiven Zustand überführbar sind. Dazu wird konventionell ein Okklusionsprotokoll an das kooperierende Labor übermittelt (Abb. 2). Dies ist jedoch oftmals im Modell nicht exakt nachvollziehbar, da es zum einen zu einer Auslenkung der Zähne durch den Druck der Abformung kommt und zum anderen erfahrungsgemäß einfach nicht jeder Abdruck in jedem Detail exakt ist. Des Weiteren ist unklar, wie stark die Shimstockfolie halten muss. Wie tief tauchen die antagonistischen Zähne denn ineinander ein? Das Maß des Einschleifens bleibt damit Interpretationssache und ist auf diese Weise nicht verlässlich reproduzierbar. Sind die Modelle einmal irreversibel eingeschliffen, fehlt zudem jede Information über die im Munde vorhandene vertikale Relation. Die Durchführung eines exakten Okklusionsprotokolls erfordert zudem Zeit. Daher wird dieses erfahrungsgemäß häufig in der Praxis nicht durchgeführt.

Die Geburtsstunde des Verify-Verfahrens

Die Idee für das Verify Solution for Occlusion® Verfahren kam mir, nachdem ich eine Keramikbrücke auf zwei Pfeilern bei sonst sicher abgestützter Okklusion bis aufs Metallgerüst im Munde des Patienten heruntergeschliffen hatte, weil sie im Munde viel zu hoch war. Die Arbeit sah bei Anlieferung aus dem Labor perfekt aus. Nach dem intraoralen Einschleifen und sich anschließender Reposition in die laborseits eingestellte Artikulation war die Brücke im Artikulator völlig außer Kontakt.

Nachdem ich verstanden hatte, was ich tun musste, um die Modelle korrekt einzuschleifen, war das Ausmaß des Einschleifens am Gipsmodell in diesem Fall so eklatant, dass das Modell sehr „verwüstet“ aussah. Das Ergebnis jedoch war überzeugend: Das Werkstück passte exakt an seinen Bestimmungsort im Munde meines Patienten.

Die Voraussetzung zur Anwendung des Verify Solution for Occlusion®- Verfahrens ist die Möglichkeit der Modellsegmentierung (Abb. 3 u. 4). Nach dem Zusammensetzen der beiden Kiefermodelle mit Hilfe des in der Praxis gewonnenen Bissregistrates (Abb. 5) werden nun die Modelle wie gewohnt zusammengesetzt und einartikuliert (Abb. 6). Dabei ist es sehr wichtig, dass zuvor das Registrat auf beiden Modellen einzeln und für sich formschlüssig passt (Abb. 7 u. 8). Oftmals behindern kleine Anteile des Modellgipses die exakte Passung wie z.B. Blasen oder Gingiva-Anteile des Modells.

  • Abb. 3: Segmentierbares Modell.
  • Abb. 4: Einzelne  Modellsegmente.
  • Abb. 3: Segmentierbares Modell.
  • Abb. 4: Einzelne Modellsegmente.

  • Abb. 5: Bissregistrat in IKP.
  • Abb. 6: Zusammensetzen der Modelle.
  • Abb. 5: Bissregistrat in IKP.
  • Abb. 6: Zusammensetzen der Modelle.

  • Abb. 7: Noch kein perfekter Sitz des Registrats ...
  • Abb. 8: … im Gegenkiefermodell schon passend.
  • Abb. 7: Noch kein perfekter Sitz des Registrats ...
  • Abb. 8: … im Gegenkiefermodell schon passend.

Das dabei verwendete Artikulatorsystem ist nicht relevant. Der Artikulator sollte jedoch in seinen „Gelenken“ spielfrei fixierbar sein. Nach dem Einartikulieren wird wie gewohnt eine Splitcastkontrolle durchgeführt. Ergibt die Überprüfung der Artikulation, dass die Modelle richtig fixiert sind, beginnt nun die Einstellung der patientenkonformen Höhe nach dem Verify-Solution for Occlusion® Verfahren, was aus patentrechtlichen Gründen hier nicht vollständig gezeigt werden kann. Dabei ist es wichtig, den Stützstift sicher in der gefundenen Position zu arretieren.

Die Modelle werden in der nun auf die definierte Höhe eingeschliffen. Das Ausmaß der notwendigen Einschleifmaßnahmen ist zum Teil derart ungewohnt eklatant (Abb. 9 u. 10), dass eine enorme Radierung des Modells erforderlich sein kann (Abb. 11 u. 12).

Das dabei notwendige Ausmaß der Einschleifarbeiten am Modell ist individuell unterschiedlich, jedoch jederzeit reproduzierbar über die Verify-Solution for Occlusion®-Methodik abrufbar, mit einem klar definierten Punkt der patientenkonformen Okklusionshöhe (Abb.13 u. 14).

  • Abb. 9: Modellhöhe vor dem Einschleifen.
  • Abb. 10: Modellhöhe nach dem Einschleifen.
  • Abb. 9: Modellhöhe vor dem Einschleifen.
  • Abb. 10: Modellhöhe nach dem Einschleifen.

  • Abb. 11: Kauflächenrelief vor dem Einschleifen.
  • Abb. 12: Kauflächenrelief nach dem Einschleifen.
  • Abb. 11: Kauflächenrelief vor dem Einschleifen.
  • Abb. 12: Kauflächenrelief nach dem Einschleifen.

  • Abb. 13: Definierte vertikale Dimension vor ...
  • Abb. 14: ... und nach dem Einschleifen mit Verify.
  • Abb. 13: Definierte vertikale Dimension vor ...
  • Abb. 14: ... und nach dem Einschleifen mit Verify.

Wenn die zahntechnische Arbeit trotzdem nicht passt

Da unsere Arbeit von hoher Komplexität ist und nicht allein die richtige Modellzuordnung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, möchte ich an dieser Stelle darstellen, woran es liegen kann, dass die zahntechnische Arbeit mitunter trotzdem nicht passt. Da mit dem Verfahren ein wesentlicher Punkt der Festlegung der Modellzuordnung klar und reproduzierbar definiert ist, fällt die Fehlersuche leicht:

Wenn die Krone viel zu hoch ist, kann dies am insuffizienten Provisorium liegen. Setzen wir das vom Patienten getragene und vom provisorischen Zement befreite Provisorium auf das Meistermodell und betrachten die Okklusion, sehen wir häufig, dass das Provisorium außer Kontakt gestellt ist (Abb. 15). Der Patient war betäubt, das Gefühl für die richtige Höhe ging damit verloren. Dies führt zu einer Elongation des Antagonisten. Diese lässt sich leicht über einen am „elongierten“ Patienten angefertigten Silikonschlüssel nachweisen (Abb. 16).

  • Abb. 15: Ein zu niedriges Provisorium ...
  • Abb. 16: ... führt zur Elongation des Antagonisten.
  • Abb. 15: Ein zu niedriges Provisorium ...
  • Abb. 16: ... führt zur Elongation des Antagonisten.

Ist die Krone nur ein wenig zu hoch, ist es wahrscheinlich, dass die Abformung des Unterkiefers im weit geöffneten Zustand stattfand. Dies führt zu einer deutlichen Deformation der Unterkieferspanne und damit zu einer Veränderung der Abstandsdimension.

Ist das Werkstück dagegen zu niedrig, wurde beim Einstellen des Artikulators zu viel Druck ausgeübt. Die vertikale Dimension wird dadurch zu niedrig eingestellt.

Die Lizenz zur Nutzung des Verfahrens und die gesamte Verfahrensanleitung finden Sie hier. Es stehen unterschiedliche Lizenztypen für die Zahnarztpraxis mit Praxislabor und für gewerbliche Laboratorien zur Verfügung. 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Roland Althoff


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