Interview

Interview mit Thomas Voigt

„Erfolg braucht Strukturen“


Vor 23 Jahren hat Thomas Voigt in Eutin ein Labor übernommen, vor 22 Jahren kam die Legierung Degunorm auf den Markt und vor gut zwanzig Jahren verband sie sich mit der hydrothermalen, niedrigschmelzenden Keramik Duceragold zum GoldenGate System – Erfolgsgeschichten, die eng miteinander verknüpft sind.

In diesem Interview wirft der Inhaber der Thomas Voigt Dentaltechnik Gruppe einen Blick zurück und in die Zukunft. Seine Haupterkenntnis: „Klar, transparent, auf das Minimum reduziert – der Erfolg baut auf solchen Strukturen auf und er braucht diese.“

Herr Voigt, Sie überblicken gut zwanzig Jahre als Laborinhaber. Wie sieht Ihr Betrieb heute aus?

Den Anforderungen und der Zeit angepasst! Wir zählen 150 Mitarbeiter an vier Standorten in Schleswig-Holstein und Hamburg.

Damit dürften Sie sogar zu den größten inhabergeführten Laboren in Deutschland gehören. Wie haben Sie das geschafft?

Es begann zunächst recht normal, wenn auch mit Standbeinverlagerungen: Zum 1. Januar 1991 habe ich ein bestehendes kleines gewerbliches Labor in Eutin übernommen und weitergeführt. Dazu zog ich von Bad Segeberg in die holsteinische Schweiz und zwar in die Kreisstadt Eutin – gebürtig komme ich aus Hof, Oberfranken. Wenn man meinen Erwerb aus unternehmerischer Sicht betrachtet, muss man allerdings sagen: Mit seinen 18.000 Einwohnern waren Eutin und das Umland zahntechnisch schnell erschlossen. Hinzu kommt nach mehreren Jahren des Erfolgs meine Erfahrung: „Der Prophet im eigenen Umfeld zählt nicht!“

Da war es aber immer noch ein relativ kleines Labor ...?

Klein im Vergleich zur heutigen Situation, ja. Angefangen habe ich mit 16 Mitarbeitern, weiter kommt man dann nur mit Phantasie und Ideen. Fünf Jahre nach dem Start wurde das Labor in Eutin umgebaut und von 460 auf 1050 Quadratmeter erweitert … Dann kam die Gesundheitsreform 1997. Zur selben Zeit, in meinem sechsten Jahr nach der Gründung, habe ich ein erstes Labor in Hamburg übernommen, 1999 dann ein zweites. Beide Betriebe fusionierten 2001 zur Thomas Voigt Dentaltechnik GmbH Hamburg – seit 2007 in einem komplett neu gestalteten Labor in der Hansestadt. Hinzu kamen im Jahr 2000 eine Neugründung in Lübeck, die Thomas Voigt Dentaltechnik GmbH Lübeck, 2001 eine Laborübernahme in Kiel, heute die Thomas Voigt Dentaltechnik GmbH Kiel.

Das klingt wie Schlag auf Schlag – gab es für Sie einmal einen Moment des Zweifelns, dass Sie sich doch nicht auf dem richtigen Wege befinden könnten?

Selbstverständlich! Allerdings ist meine Devise, immer in Bewegung zu bleiben, Stillstand sehe ich als Rückschritt. Die Jahre 2004 und 2005 waren die Jahre dringender, umfassender Reformen. Es folgten Geschehnisse, die mir damals zeigten: „Ich bin betriebsblind geworden, es muss etwas Entscheidendes passieren und eine neue Struktur muss her – sonst geht’s schief!“ Diese neue Struktur haben wir dann mit externer Hilfe herbeigeführt. In der Phase der Umstrukturierung von 2005 bis 2007 haben wir unsere Belegschaft von damals circa 180 auf unter 100 Mitarbeiter abbauen müssen, somit hatten wir endlich wieder eine Größe, um die Neustrukturierung und den Aufbau unserer heutigen Gruppe zu starten.

Die aktuelle Struktur umfasst eine Holding und insgesamt sieben GmbHs. Innerhalb dieser Struktur fungiert der Standort Eutin als zentrales Produktionszentrum für die gesamte Labor-Gruppe. Hier werden Halbfertigprodukte jeglicher „Coleur“ produziert, die dann in den anderen Standorten weiterverarbeitet und veredelt werden. Seit 2008 hat uns diese Struktur richtig vorangebracht. Durch Festigung dieser neuen Strukturen mit klaren Organigrammen haben wir es geschafft, das gesamte Unternehmen und die Mitarbeiterzahl wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Unser klares Ziel ist es, im norddeutschen Raum weiter zu wachsen.

Sie übernahmen nun ja Ihr Labor etwa zu der Zeit, zu der das GoldenGate System von DeguDent (vormals Degussa AG), Hanau, aus der Taufe gehoben wurde. Welche Rolle spielte es für Sie und welche Bedeutung hat es heute?

Das GoldenGate System (Abb. 1 bis 4) nutzen wir fast seit Bestehen des Labors in Eutin und bis heute in der klassischen Edelmetalltechnik. Degunorm, dazu die Verblendkeramik Duceragold – das ist für mich ein lebensbegleitendes Therapiekonzept und geradezu ein Sinnbild dessen, was wir für unser Unternehmen in der Reform von 2005 vollzogen haben: eine klare, transparente Struktur zu entwickeln und mit einem Minimum an Einzelkomponenten zu arbeiten. Erfolg braucht Strukturen – und zwar solche. Nun kann sich die Edelmetalltechnik den allgemeinen Marktveränderungen nicht entziehen. Der Mix der Gerüstmaterialien hat sich in den letzten zehn Jahren von Edelmetall zu Nichtedelmetall und Keramik verschoben, wobei in unserem Unternehmen der Trend vor allem zum Zirkoniumdioxid geht. Nach wie vor haben wir aber auch Kunden, die der Philosophie der prospektiven Planung prothetischer Versorgungen über ein ganzes Patientenleben treu bleiben.

  • Abb. 1: Typische Legierungsplättchen, hier aus der Legierung Degunorm. Bildnachweis: DeguDent, Hanau
  • Abb. 2: Eine klassische Edelmetalllegierung wird in einer Induktions-Vakuumdruckguss-Einheit (Degutron eco, DeguDent, Hanau) aufgeschmolzen. Bildnachweis: DeguDent, Hanau
  • Abb. 1: Typische Legierungsplättchen, hier aus der Legierung Degunorm. Bildnachweis: DeguDent, Hanau
  • Abb. 2: Eine klassische Edelmetalllegierung wird in einer Induktions-Vakuumdruckguss-Einheit (Degutron eco, DeguDent, Hanau) aufgeschmolzen. Bildnachweis: DeguDent, Hanau

  • Abb. 3: Sechsgliedrige implantatgetragene Suprastruktur aus der Legierung Degunorm supra. Bildnachweis: DeguDent, Hanau
  • Abb. 4: Therapie- und Werkstoffkonzept für ein ganzes Leben: Die Indikationen des GoldenGate Systems reichen von der klassischen Kronen- und Brückenversorgung bis zur komplexen Implantatprothetik. Bildnachweis: DeguDent, Hanau
  • Abb. 3: Sechsgliedrige implantatgetragene Suprastruktur aus der Legierung Degunorm supra. Bildnachweis: DeguDent, Hanau
  • Abb. 4: Therapie- und Werkstoffkonzept für ein ganzes Leben: Die Indikationen des GoldenGate Systems reichen von der klassischen Kronen- und Brückenversorgung bis zur komplexen Implantatprothetik. Bildnachweis: DeguDent, Hanau

Wie stehen Sie denn persönlich dazu?

Was ich erlebe: Der hohe Goldpreis spielt eine immer größere Rolle für den Patienten – und gerade jüngere technikaffi ne Zahnärzte tendieren zurzeit eher zu CAD/CAM-Technologien. Dieser Trend ist unaufhaltsam. Dabei stellt das GoldenGate System zum Beispiel für Patienten mit Allergien, von denen es ja in Zukunft immer mehr geben wird, oder mit anderen Unverträglichkeiten eine bioverträgliche und auf viele Jahre planbare Option dar. Denn aus der multiindikativen Legierung Degunorm lässt sich vom Onlay bis zur weitspannigen Arbeit praktisch jede Restauration fertigen, die man sich vorstellen kann. In Spezialfällen verwenden wir darüber hinaus die Schwestern Degunorm pur als palladium- und kupferfreie Legierung und Degunorm supra für die Implantatprothetik. Ich selbst würde mich als Patient grundsätzlich für eine Versorgung unter Verwendung des Golden- Gate Systems entscheiden.

Wohin treiben die Trends, die Sie genannt haben, die Zahntechnik in den nächsten fünf Jahren – und welchen Stellenwert hat dann das GoldenGate System zu seinem 25-Jahres-Jubiläum?

Nach meiner Einschätzung werden zwar kleine und mittelgroße Labore weiterhin ihren Markt finden, allerdings bei intern grenzwertiger Kalkulation, wenn man eine übliche Meisterstunde ansetzt. Aus meiner Sicht müssen sich kleine und mittlere Labore spezialisieren, etwa auf ganz bestimmte CAD/CAM-Produkte. Ihnen gegenüber werden Großlabore stehen, die alles aus einer Hand anbieten können. Das reicht von der Highend-Zahntechnik bis in den extrem preisorientierten Bereich. Diesen bedienen wir zum Beispiel mit den eigenen Low-Budget-Produkten der Firma dentalsmile GmbH, die selbst im scharfen Wettbewerb mit Anbietern aus Fernost steht, aber ausschließlich in Deutschland fertigt. Die Laborgrößen, die man in Asien oder teilweise auch in den USA erreicht, konkret: mehrere hundert oder gar tausend Mitarbeiter, kann ich mir hierzulande nicht vorstellen. Neben den Laboren dürfte sich die Industrie immer stärker als Fertigungspartner etablieren. Das führt zu einem stark differenzierten Markt. Doch das Labor wird immer durch seine Kundennähe und das Eingehen auf die individuelle Bedürfnisse des Kunden punkten. Durch den persönlichen Kontakt und unsere Servicequalität werden wir immer ein besonderer Partner des Zahnarztes und seines Patienten sein – was ich auch als eine strukturelle Überlegenheit gegenüber sogenanntem Auslandszahnersatz sehe.

Wie sich das auf die Konstellation von zahntechnischen Werkstoffen auswirkt, lässt sich schwer sagen. CAD/CAM verschiebt den Markt sicher auch in nächster Zeit zu Nichtedelmetall, ich glaube sogar noch stärker zu Zirkoniumdioxid – einfach weil beim substanzschonend vollanatomischen Einsatz der Arbeitsschritt „Verblendung“ eingespart werden kann. Ich persönlich hoffe, dass Edelmetall auch in Zukunft seinen bewährten Stellenwert behält. Einen entscheidenden Faktor stellt hier – man muss es ganz nüchtern feststellen – die zukünftige Entwicklung des Goldpreises dar. Ab einer bestimmten Schwelle werden sich immer weniger Patienten einen solchen Zahnersatz leisten. Dabei steht die hochgoldhaltige optional keramisch verblendete Restauration für mich in der Wertigkeit ganz oben – und Gold ist als inertes Material in der Biokompatibilität unschlagbar.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. Christian Ehrensberger, Frankfurt am Main


Weitere Informationen:

Thomas Voigt Dentaltechnik GmbH Eutin
Siemens-Straße 5
23701 Eutin
Tel.: 04521 72077
 Fax: 04521 71000
E-Mail: eutin@tvdental.de
www.tvdental.de

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Christian Ehrensberger


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