Interview


Insourcing von CAD/CAM-Schritten wird für das Labor attraktiver

Es wartet wieder viel Spannendes auf die Messebesucher – wie hier eine Live-OP auf der letzten IDS. Foto: Koelnmesse
Es wartet wieder viel Spannendes auf die Messebesucher – wie hier eine Live-OP auf der letzten IDS. Foto: Koelnmesse

Die Internationale Dental-Schau (IDS) in Köln, 12. bis 16. März 2013, wird die vergangenen Jahre wahrscheinlich nochmals an Größe, Aussteller- und Besucherzahl übertreffen. Das führt zu einem noch differenzierteren Informationsangebot – gut, wenn der Zahntechniker seinen Messerundgang gezielt vorausplant. Tipps dazu gibt in unserem Interview Dr. Martin Rickert, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Dental-Industrie (VDDI).

Herr Dr. Rickert, Sie haben schon eine ganze Reihe von Internationalen Dental-Schauen im Zweijahres-Takt hinter sich gebracht. Es mag sehr kritisch klingen, aber gibt es wirklich jedes Mal eine bahnbrechende Neuigkeit?

Das ist eine völlig berechtigte Frage, denn die Innovationszyklen sind wirklich schneller geworden. Genau deshalb ist ein Zweijahres-Rhythmus für die Entwicklung und Weiterentwicklung von Produkten, Materialien und auch Dienstleistungen so wichtig. Eben weil der Wissenszuwachs und der Erkenntnisfortschritt in allen Bereichen der Zahnheilkunde so umfassend ist, wird es nicht für alle Anwendungen und Teilbereiche der Zahnheilkunde alle zwei Jahre sogenannte Durchbruchsinnovationen geben, das gilt durchaus auch für andere Industrien. Tatsächlich vollzieht sich der Fortschritt oft in kleineren, aber qualitativ bedeutsamen Schritten als in überraschenden Sprüngen. Die meisten Zahnärzte und Zahntechniker möchten sich daher tendenziell sogar noch engmaschiger informieren, denn mit digitalen und computergestützten Technologien entwickelt sich heute auch die Zahntechnik gemäß dem Moore’schen Gesetz, das da besagt: Die Anzahl der Schaltkreise auf einem Computerchip gegebener Größe verdoppelt sich innerhalb von 12 bis 24 Monaten. Spätestens seit der Jahrtausendwende sind diese Zeittakte im Dentalmarkt angekommen.

Welche Aspekte von Digitaltechnik, Computertechnik und CAD/CAM-Fertigung werden denn nach Ihrer Einschätzung die IDS 2013 dominieren?

Mit dem jetzt erreichten Entwicklungsstand dieser Technologien wird es darauf ankommen, über die Beschäftigung mit der Anwendung im Alltag hinaus seine Geschäftsmodelle zu optimieren. Denn die Industrie bietet dem Labor viele Möglichkeiten zum Outsourcing – was zum Beispiel die Fertigung von Gerüsten aus Zirkonoxid, Nichtedelmetall oder Titan betreffen kann. Wo es sinnvoll ist, sollte man diese Chance ergreifen. Ich glaube jedoch, dass überraschenderweise auch der umgekehrte Weg in Zukunft eine größere Bedeutung erlangen wird, das heißt: das Insourcing von zuvor ausgelagerten Fertigungsschritten. Möglich machen es neue Werkstoffe und ihre Abstimmung auf noch leistungsfähigere Labor-Schleif-und-Fräs-Maschinen. Der Nutzen ist klar: Die Wertschöpfung bleibt im eigenen Betrieb. Welches Geschäftsmodell das bessere ist, kann sich für zwei Labore jeweils unterschiedlich darstellen – im Extremfalle sogar von einem Patientenfall zum anderen differieren.

Inwieweit verändert die CAD/CAM-Technologie darüber hinaus das Verhältnis zu anderen Partnern des Labors?

  • Dr. Martin Rickert, Vorsitzender des VDDI.

  • Dr. Martin Rickert, Vorsitzender des VDDI.
Der wichtigste Partner ist natürlich der Zahnarzt. Mit der optischen Abformung und digitalen Datenerfassung im Mund setzt sich die CAD/CAM-Prozesskette zur Herstellung von Zahnersatz bis in die Praxis fort – dies gilt es als Chance zu erkennen. Der Zahntechniker ist derjenige im Team, der aus den letzten Jahren eine umfassende und praktische Erfahrung im CAD/CAM-Bereich mitbringt. Er sollte diesen persönlichen Erfahrungsschatz nach meiner Beurteilung einbringen und idealerweise gemeinsam mit einem oder mehreren Zahnärzten über die Internationale Dental- Schau gehen. Zusammen lässt sich am besten ausfindig machen, wie man die Vorzüge einer erweiterten CAD/CAM-Prozesskette optimal nutzen kann. Die Angebote der Industrie sind vielfältig, ebenso die daraus folgenden Optionen. Um nur eine Experten-Idee zu zitieren: Prof. Dr. Bernd Wöstmann, Direktor der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik und Ordinarius am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, hat als ein ideales Anwendungsgebiet für digitale Abformungen die Implantatprothetik vorgeschlagen – für das zahntechnische Labor ein interessanter und auch ökonomisch attraktiver Bereich. Schließlich zählt am Jahresende nicht nur die Freude über viele erstklassige Arbeiten, sondern diese sollen sich auch in einem wirtschaftlichen Erfolg niederschlagen.

Eine erfrischend praxisorientierte Einschätzung – und auch wenn wir in diesem Gespräch kaum alle Aspekte der Internationalen Dental-Schau beleuchten können, lässt sich vielleicht eine wesentliche Grundfrage klären: Wenn ich noch kein Hotelzimmer für meine voraussichtlich rundum interessante IDS-Zeit in Köln habe, wie komme ich jetzt an eines heran?

Aus meiner Erfahrung läuft der kürzeste Weg zu einer Unterkunft über Computer und Internet oder übers Smartphone. Gehen Sie auf die IDS-Webseite www.ids-cologne.de. Dort finden Sie Zimmerkontingente, die extra für Sie als IDS-Besucher mit verschiedenen Hotels vereinbart wurden. Allerdings wird es jetzt höchste Zeit: Spätestens im Februar wird es eiliger. Aber wenn Sie das gleich anpacken, können Sie es noch gut schaffen. Auf der besagten Webseite sollten Sie auch gleich Ihr Messeticket ordern und Ihren Gang durch die Hallen vorausplanen.

Übrigens, da der Samstag mit Öffnungszeiten von 9:00 bis 18:00 Uhr ein voller Messetag ist, lohnt sich hier die Reise nach Köln: Die Zimmer werden dann schon wieder preiswerter und Gäste hängen noch einen schönen Sonntag in Köln dran!

Vielen Dank für die Informationen, Herr Dr. Rickert!

Das Interview führte Dr. Christian Ehrensberger

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Christian Ehrensberger