Ästhetik


„Enjoy in:joy“


Anhand dieses Patientenfalles wollen wir heute auf eine etwas andere Möglichkeit des Verblendens mit Komposit eingehen. Unser Patient hatte im Ober- und Unterkiefer eine ästhetisch und funktionell unbefriedigende Situation zu (er)tragen, wobei jeweils bei einzelnen Zähnen die Prognose ungewiss war. Daher war für den behandelnden Zahnarzt eine herausnehmbare Versorgung mit Teleskopen naheliegend. Der Heil- und Kostenplan beinhaltete eine Coverdenture-Prothese im Oberkiefer auf einem Teleskop regio 27, im Unterkiefer eine teleskopierende Brücke auf zehn Teleskopen. Aufgrund der ausreichenden Zahl der Pfeilerzähne – auch im Hinblick auf deren fragwürdige Prognose – sollte die Brücke für einen höheren Tragekomfort bügelfrei erstellt werden.

Rahmenbedingungen

Die technische Umsetzung nach genehmigtem Plan lehnte sich schulbuchmäßig an die wechselnde Reihenfolge der Termine zwischen Praxis und Labor mit nur einer Ausnahme: Der Zeitrahmen von der Präparation bis zur Abgabe betrug nur wenige Arbeitstage. Viele Kollegen unter uns kennen solch knappe Planzeiten; hier dürfen vom Gesamtteam keine Fehler gemacht werden und Verzögerungen – wodurch auch immer bedingt – sollten im Arbeitsablauf ebenfalls nicht vorkommen. Da unsere Arbeit jedoch am lebenden Objekt erfolgt und jede Arbeit ein großes Maß an Individualität in sich birgt, erfordert sie konsequenterweise auch ein gewisses Maß an Zeitaufwand. Die Zufriedenheit unserer Behandler und deren Patienten stehen bei unserem Team unverrückbar an erster Stelle; die Qualität der zahntechnischen Versorgung soll durch kurzfristig umzusetzende Planungen nicht leiden. Aus diesem Grund entschieden wir uns für die folgende effiziente Art des Verblendens, die auf den ersten Blick an die Herstellung von Langzeitprovisorien erinnern mag.

Technische Umsetzung

Den Weg vom Wax-up über die Vorwalltechnik mit transparentem, additionsvernetztem Silikon beschritten wir bereits bei einzelnen Verblendungen und kleineren teleskopgetragenen Versorgungen. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass diese Technik nur mit einem leicht formbaren Verblendmaterial durchführbar ist. Nach erfolgreicher Modellherstellung und Sammelabformung stehen wir nun vor den gefrästen Primärteilen (Abb. 1) und fahren mit der Modellation fort.

  • Abb. 1: Teleskop-Primärteile, gefräst und poliert im UK und OK.
  • Abb. 2: Teleskop-Sekundärteile in Modellierkunststoff und Wachs modelliert, versehen mit Retentionsperlen.
  • Abb. 1: Teleskop-Primärteile, gefräst und poliert im UK und OK.
  • Abb. 2: Teleskop-Sekundärteile in Modellierkunststoff und Wachs modelliert, versehen mit Retentionsperlen.

Auch bei fachgerechter Oberflächenkonditionierung und einem chemisch schlüssigen Verbund durch Verwendung eines Primers sowie des Funktionsopakers des in:joy-Verblendkomposits empfiehlt der Hersteller für einen optimalen Haftverbund dringend, wie in Abbildung 2 dargestellt, das zusätzliche Anbringen von Retentionsperlen auf der Verblendfläche der Teleskopkrone.

  • Abb. 3: Das Wax-up, erstellt aus doublierten Konfektionszähnen, ist ein Muss zur optimalen ästhetischen und funktionellen Ersatzzahngestaltung.

  • Abb. 3: Das Wax-up, erstellt aus doublierten Konfektionszähnen, ist ein Muss zur optimalen ästhetischen und funktionellen Ersatzzahngestaltung.
Im Artikulator fertigen wir das Wax-up (Abb. 3) mit aufgestellten Kunststofffacetten an, die wir zuvor durch Doublieren unserer Konfektionszähne mit Knetsilikon hergestellt haben. Diese Doublierungen sind in unserem Zahnlager archiviert und kommen bei späteren Arbeiten bei übereinstimmender Zahngarnitur bzw. Zahnform immer wieder zum Einsatz, was dann wiederum den Zeit- und Materialaufwand verringert. Ein großer Vorteil bei dieser Vorgehensweise ist nach der Fertigstellung die adäquate Oberflächenstruktur sowohl bei den Konfektionszähnen als auch bei den Kompositverblendungen und damit eine einheitliche und natürliche Wirkung der Versorgung. Nachdem sich unser Wax-up bei der Ästhetikeinprobe bewährt hat, gewinnen wir mit dem transparenten Kartuschensilikon der Shore-Härte 72 einen lichtdurchlässigen Vorwall. Vor dem Schichten applizieren wir am Halsbereich der zu verblendenden Sekundärteleskope sparsam den Cervical Modifier mit einem metallenen Kunststoffspatel und mithilfe eines flachen Modellierpinsels für Verblendkomposite.

Zur Kontrolle der richtigen Dimensionierung im Zervikalbereich empfiehlt sich das vorsichtige Reponieren des Silikonvorwalles. Um bei diesem Arbeitsschritt ein ungewolltes Verkleben zwischen Verblendmasse und Vorwall zu vermeiden, empfiehlt sich ein leichtes „Imprägnieren“ des Vorwalles mit Modelling Liquid. Nach erfolgter Lichthärtung der Halsmasse wird der Zahnkörper realisiert, aber im Unterschied zur konventionellen Schichtung beginnend mit der Schneide. Da diese herstellerbedingt eine hohe Intensität und Tiefenwirkung aufweist, darf sie selbst bei guten Platzverhältnissen nur äußerst sparsam verwendet werden.

Gängige Schichtschemata für Verblendmaterialien jeglicher Art legen meist nur den Grundstein für eine mehr oder weniger aufwendige Imitation des natürlichen Vorbildes. Egal, ob es sich bei einem solchen Schema um eine Frontal- oder Lateralansicht handelt, die sagittale Ausdehnung der Mamelons findet dort häufig keine Erwähnung und wir sehen bestenfalls ein kleines Potpourri von vielen möglichen Schichtungen. Davon abgesehen besitzt jeder Konfektionszahn seinen ganz individuellen Aufbau; in unserem Fall sollten wir den des Genios A genauer unter die Lupe nehmen. Wenn man den Zahn seiner Wahl opfert, indem man ihn in dunklen Gips einbettet und diesen nach der Aushärtezeit segmentweise von inzisal antrimmt, so erhält man ein schönes Abbild der sagittalen Extension seiner Mamelons und seines Schmelz-Dentin-Verhältnisses über die volle Zahnlänge (im Falle der Abbildung 4 ein oberer Genios A Frontzahn). Systembedingt gilt es, bei unserer Vorwalltechnik in der Schneide die Negativform der Mamelons zu modellieren. Das lässt sich mit oben genannten Instrumenten gut umsetzen (Abb. 5). Die Schneide wird zur Fixierung der Schichtung ebenfalls zwischengehärtet.

  • Abb. 4: Horizontal durchschnittener Genios OK-Frontzahn zum Schichtvergleich.
  • Abb. 5: Transparenter Vorwall als Negativform zur Umsetzung der Schneidenschichtung.
  • Abb. 4: Horizontal durchschnittener Genios OK-Frontzahn zum Schichtvergleich.
  • Abb. 5: Transparenter Vorwall als Negativform zur Umsetzung der Schneidenschichtung.

Das Verblendkomposit in:joy hat trotz seiner guten Formbarkeit dennoch eine sehr gute Standfestigkeit, was bei der üblichen Schichttechnik noch mehr von Bedeutung ist. Für eine bessere Fließfähigkeit kann der Werkstoff in der Tube etwas angewärmt werden (z.B. auf dem Dampfstrahler oder dem Keramikofenoberteil). Je besser die benötigte Dentinmenge eingeschätzt wird, desto weniger Blasen (zu wenig Material) oder Überschüsse bekommt man in die Schichtung. So muss beim Reponieren des Vorwalles mit der lichtgehärteten Schneide weniger Masse verdrängt werden, was wiederum die filigranen Schneidefacetten vor möglichem Springen bewahrt.

Nach Reponierung des Walles mit der Dentinmasse und Überprüfung auf passgenauen Sitz kommt alles gemeinsam in den Lichtofen (Abb. 6). Anschließend wird der Vorwall entfernt und die Endaushärtung vorgenommen (Abb. 7).

  • Abb. 6: Negativform, mit Komposit unterfüttert und auf die Teleskopsituation aufgepresst.
  • Abb. 7: Gepresste und vorpolymerisierte Verblendschichtung.
  • Abb. 6: Negativform, mit Komposit unterfüttert und auf die Teleskopsituation aufgepresst.
  • Abb. 7: Gepresste und vorpolymerisierte Verblendschichtung.

Zum Nacharbeiten eignen sich hervorragend kreuzverzahnte Hartmetallfräser. Es sollte nur dort geschliffen werden, wo es nötig ist (Funktion, Optimierung der Interdentalbereiche, Übergänge vom Vorwall). Das Verblendkomposit lässt sich hervorragend bearbeiten und polieren. Für die Politur sehr zu empfehlen sind Bisonbürstchen und eine Bimssteinpaste. So erreichen wir schnell und effektiv einen entsprechenden Hochglanz, ohne die charakteristische Oberfläche unseres „Konfektionszahnes“ zu zerstören.

  • Abb. 8: Fertigstellung der UK-Teleskoparbeit mit Kompositverblendungen und Ersatzzähnen.
  • Abb. 9: Labialansicht der fertigen Teleskoparbeit.
  • Abb. 8: Fertigstellung der UK-Teleskoparbeit mit Kompositverblendungen und Ersatzzähnen.
  • Abb. 9: Labialansicht der fertigen Teleskoparbeit.

  • Abb. 10: Linguale Metallgirlanden zur Verstärkung der fertigen Sekundärkonstruktion.
  • Abb. 11: OK-Coverdenture mit Teleskop 27 und gegossener Metallretention in der Prothesenbasis.
  • Abb. 10: Linguale Metallgirlanden zur Verstärkung der fertigen Sekundärkonstruktion.
  • Abb. 11: OK-Coverdenture mit Teleskop 27 und gegossener Metallretention in der Prothesenbasis.

  • Abb. 12: Lateralansicht der OK- und UK-Prothesen in der gewünschten Okklusion.
  • Abb. 13: Harmonisch natürliches Erscheinungsbild der neuen Prothesen.
  • Abb. 12: Lateralansicht der OK- und UK-Prothesen in der gewünschten Okklusion.
  • Abb. 13: Harmonisch natürliches Erscheinungsbild der neuen Prothesen.

  • Abb. 14: Situationsansicht mit natürlichem Lippenverlauf und Sprechprobe.
  • Abb. 14: Situationsansicht mit natürlichem Lippenverlauf und Sprechprobe.

Das Gesamtergebnis präsentiert sich in den Abbildungen 8 bis 14 im Zusammenspiel mit konfektionierten Zähnen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Benjamin Geyer - ZT Darije Tomljanovic

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Benjamin Geyer , ZT Darije Tomljanovic


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