Ästhetik


Natürlichen Zahnfarbverlauf intelligent imitieren

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Mit dem neuen Mal- und Mikroschicht-Konzept GC Initial IQ ONE SQIN lässt sich natürlich wirkender Zahnersatz mit geringstem Einsatz von Verblendmassen herstellen. Auf effiziente Weise ermöglicht das Komplettsystem aus neuen Glasurmassen und Micro-Layer-Keramik hochästhetische Ergebnisse zu erzielen.

Die Fertigung monolithischer Restaurationen nimmt kontinuierlich zu. Rund 90% aller Seitenzähne werden mittlerweile in einer Schlüsselfarbe wie z.B. VITA A3 oder A2 bestellt. Die einfachen Farben aufwendig zu schichten, ist nicht mehr notwendig. Lithiumdisilikat und moderne transluzente Zirkoniumdioxidmaterialien erlauben es längst, sie ausreichend ästhetisch ohne großen Aufwand aus einem einzigen Material ohne Verblendung zu fertigen. Ganz einfach monochrom. Selbst im anterioren Bereich lässt sich diese Variante erfolgreich einsetzen, was speziell bei Gesamtrestaurationen ganzer Kiefer hocheffizient und ökonomisch sinnvoll ist.

Um eine gelungene Integration bei kleineren Sanierungen zu erreichen, empfiehlt es sich hingegen, dem Umfeld entsprechend individueller zu agieren und im gegebenen Maße die Effekte der Natur zu reproduzieren. Vor allem Frontzähne sind enorm facettenreich und können in Farbe und Form stark differieren. Ihre Transluzenz reicht von opak bis transparent, sie unterscheiden sich in Chroma und Farbwert und sind überdies im inzisalen Drittel oft hochdynamisch und effektreich. Um die komplexe Tiefenwirkung natürlicher Zähne adäquat nachzubilden, eignet sich die Maltechnik kombiniert mit der neuen Initial Micro-Layering-Verblendkeramik.

Das Vorbild: die Natur

Mit Hue, Chroma und Transluzenz beschreibt man die wesentlichen Farbkomponenten des natürlichen Zahnes. Hue bezieht sich auf den Farbwert, der in Anlehnung an die VITA classical A1-D4 Farbskala in A (rotbraun), B (gelb), C (grau) und D (rot-grau) gegliedert wird. Chroma beschreibt die Sättigung des jeweiligen Farbwertes und Transluzenz das Maß der Lichtdurchlässigkeit. Mit steigender Transluzenz sinkt die Lichtreflexion und der betreffende Zahnbereich wirkt durchscheinend. Dieser Bereich wird deshalb auch als absorbierende Zone beschrieben.

  • Abb. 1: Der farbliche Verlauf des Zahnes.
  • Abb. 1: Der farbliche Verlauf des Zahnes.
    © Stefan Roozen

Der farbliche Verlauf des Zahnes (Abb. 1) lässt sich in 3 Teile gliedern: das zervikale Drittel, das zentrale Drittel und das inzisale Drittel (Abb. 2 bis 5). Das zervikale Drittel weist meist ein erhöhtes Chroma der Basisfarbe auf. Das zentrale Drittel bestimmt die Basisfarbe und weist den höchsten Helligkeitswert auf. Das inzisale Drittel hat einen stärker transluzenten Bereich – die sogenannte absorbierende Zone.

  • Abb. 2: Der zervikale Bereich weist meist ein erhöhtes Chroma auf. Der entsprechende Farbton (z.B. L-A) wird etwas intensiver appliziert, um eine gesteigerte Farbsättigung zu erreichen.
  • Abb. 3: Das mittlere Drittel stellt den Bereich der grundlegenden Zahnfarbe dar. Das Chroma wird mit L-A, L-B, L-C oder L-D entsprechend den Zielfarben kontrolliert. Diese werden leicht lasierend aufgetragen. Für eine höhere Farbsättigung können sie pur verwendet (z.B. A3,5, A4, B4, C4 usw.) oder, um einen helleren Farbton zu erreichen, mit L-N abgeschwächt werden (z.B. A1, B1, C1 usw.).
  • Abb. 2: Der zervikale Bereich weist meist ein erhöhtes Chroma auf. Der entsprechende Farbton (z.B. L-A) wird etwas intensiver appliziert, um eine gesteigerte Farbsättigung zu erreichen.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 3: Das mittlere Drittel stellt den Bereich der grundlegenden Zahnfarbe dar. Das Chroma wird mit L-A, L-B, L-C oder L-D entsprechend den Zielfarben kontrolliert. Diese werden leicht lasierend aufgetragen. Für eine höhere Farbsättigung können sie pur verwendet (z.B. A3,5, A4, B4, C4 usw.) oder, um einen helleren Farbton zu erreichen, mit L-N abgeschwächt werden (z.B. A1, B1, C1 usw.).
    © Stefan Roozen

  • Abb. 4: Die inzisale Zone wird mit absorbierenden Farben imitiert. Bläuliche, violette und graue Pasten (L-10, L-6, L-3 usw.) erzeugen die Illusion von Transparenz. Weitere Effekte wie White Spots, feine Risse oder die Nachbildung des Halo-Effekts führen zu noch mehr Dynamik und Lebendigkeit.
  • Abb. 5: Durch Aufmalen eines hellen, strahlenden Bands lässt sich ein Halo-Effekt fingieren. Dadurch wird die Lichtbündelung an der Schneidekante imitiert und die transparente Wirkung verstärkt.
  • Abb. 4: Die inzisale Zone wird mit absorbierenden Farben imitiert. Bläuliche, violette und graue Pasten (L-10, L-6, L-3 usw.) erzeugen die Illusion von Transparenz. Weitere Effekte wie White Spots, feine Risse oder die Nachbildung des Halo-Effekts führen zu noch mehr Dynamik und Lebendigkeit.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 5: Durch Aufmalen eines hellen, strahlenden Bands lässt sich ein Halo-Effekt fingieren. Dadurch wird die Lichtbündelung an der Schneidekante imitiert und die transparente Wirkung verstärkt.
    © Stefan Roozen

Imitation und Material

Die neuen Lustre Pastes ONE sind eine Weiterentwicklung der bewährten Lustre Pastes NF. Diese fluoreszierenden Glasurmassen werden oberflächlich aufgetragen und erzeugen aufgrund feinster Feldspat-Keramikpartikel einen dreidimensionalen Effekt. Dank der Keramikstruktur eignen sie sich als Finish bei monolithischen Restaurationen und lassen sich außerdem exzellent in Kombination mit Verblendkeramiken einsetzen.

Monolithische Umsetzung

Als Kronenmaterial dienen Lithiumdisilikat und transluzente Zirkonoxide. Die daraus gefertigten vollanatomischen Kronen werden anschließend lediglich glasiert und farblich veredelt. Da die Lustre Pastes ONE mit feinen Keramik-Malfarben (Spectrum-Stains) kombinierbar sind, entstehen nahezu unbegrenzte Farbmöglichkeiten. Bei Schlüsselfarben genügen oft wenige Pasten, wie der in Abbildung 6 bis 10 dargestellte Prämolar veranschaulicht. Um das gewünschte Chroma der jeweiligen A-Farbe zu erzielen, wurde L-A (Lustre Body A) in der entsprechenden Intensität aufgetragen.

  • Abb. 6: Krone aus Zirkonoxid.

  • Abb. 6: Krone aus Zirkonoxid.
    © Stefan Roozen

  • Abb. 7: Auftragen der Lustre Paste ONE.
  • Abb. 8: Fertiggestellte Krone.
  • Abb. 7: Auftragen der Lustre Paste ONE.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 8: Fertiggestellte Krone.
    © Stefan Roozen

  • Abb. 9: Krone aus Zirkonoxid.
  • Abb. 10: Fertiggestellte Krone.
  • Abb. 9: Krone aus Zirkonoxid.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 10: Fertiggestellte Krone.
    © Stefan Roozen

Für einen transluzenten Effekt an den Höckerspitzen kam L-6 (Enamel Effect Dark Blue) dezent zum Einsatz. Um die finale Zahnfarbe zu bewerten, muss die Krone nicht erst gebrannt werden. Das farbliche Resultat ist bereits beim Auftragen gut ersichtlich. Für noch mehr Individualität lassen sich die entsprechenden Zahnbereiche zudem farblich charakterisieren. Die dreidimensionale Wirkung der Pasten erzeugt ein absolut dynamisches Ergebnis (Abb. 11 und 12).

  • Abb. 11: Gesinterte Kronen aus Zirkonoxid.
  • Abb. 12: Mit Lustre Pastes ONE veredelte Krone nach dem Brand.
  • Abb. 11: Gesinterte Kronen aus Zirkonoxid.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 12: Mit Lustre Pastes ONE veredelte Krone nach dem Brand.
    © Stefan Roozen

Verbessertes Micro-Layering-Konzept

Natürliche Zähne können eine sehr komplexe Tiefe und Individualität in den Schmelzschichten aufweisen (Abb. 13). Mit dem neuen Micro-Layering-Konzept Initial IQ ONE SQIN wird eine sehr dünne Keramikschicht (ca. 0,2 bis 0,3 mm) auf die zuvor mit Lustre Pastes ONE gebrannten Oberflächen aufgeschichtet.

  • Abb. 13: Komplexe Tiefe in den Schmelzschichten natürlicher Zähne.
  • Abb. 13: Komplexe Tiefe in den Schmelzschichten natürlicher Zähne.
    © Stefan Roozen

In nur einem einzigen Brand wird das Endergebnis erreicht. Möglich machen dies ein neu entwickeltes Keramikpulver und eine spezielle Anmischflüssigkeit, die eine angenehme Applikation erlaubt. Resultierend aus dem Einsatz dieser Komponenten entsteht ein final glänzendes Brandergebnis. Durch die hohe Homogenität bleibt die Masse während der Verarbeitung sehr stabil und weist nach dem Brennen kaum Schrumpf auf. Form und Textur brauchen daher nicht mehr anschließend korrigiert werden (Abb. 14 bis 17).

  • Abb. 14: Krone aus Zirkonoxid, 0,3 mm, labial reduziert.
  • Abb. 15: Kolorierung und Waschbrand unter Anwendung von Lustre Pastes ONE.
  • Abb. 14: Krone aus Zirkonoxid, 0,3 mm, labial reduziert.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 15: Kolorierung und Waschbrand unter Anwendung von Lustre Pastes ONE.
    © Stefan Roozen

  • Abb. 16: Micro-Layering mit Initial SQIN.
  • Abb. 17: Resultat nach dem Brand.
  • Abb. 16: Micro-Layering mit Initial SQIN.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 17: Resultat nach dem Brand.
    © Stefan Roozen

Minimalinvasiv trifft auf Minimalschichtkonzept

Mit dem neuen Micro-Layering-Konzept lässt sich eine hohe Ästhetik auf kleinstem Raum erreichen, wodurch bei modernen und besonders zahnhartsubstanzschonenden Behandlungsmethoden keine Kompromisse mehr einzugehen sind. Kleine Rehabilitationen in ästhetisch sensiblen Zonen lassen sich zudem ohne großen Aufwand realisieren (Abb. 18 bis 25).

  • Abb. 18 bis 20: Initial LiSi Press (LT-B0) Veneers, labial minimal reduziert.
  • Abb. 19
  • Abb. 18 bis 20: Initial LiSi Press (LT-B0) Veneers, labial minimal reduziert.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 19
    © Stefan Roozen

  • Abb. 20
  • Abb. 21
  • Abb. 20
    © Stefan Roozen
  • Abb. 21
    © Stefan Roozen

  • Abb. 22
  • Abb. 23: Selfglaze-Effekt nach dem Brand.
  • Abb. 22
    © Stefan Roozen
  • Abb. 23: Selfglaze-Effekt nach dem Brand.
    © Stefan Roozen

  • Abb. 24: Resultat nach externem Glanzbrand mit Initial Spectrum Stains.
  • Abb. 25: Klinisches Ergebnis (Zahnarzt: Dr. Johannes Bantleon, Wien).
  • Abb. 24: Resultat nach externem Glanzbrand mit Initial Spectrum Stains.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 25: Klinisches Ergebnis (Zahnarzt: Dr. Johannes Bantleon, Wien).
    © Stefan Roozen

Rekonstruktion der Gingiva 

Speziell in der Implantologie kommen Zahntechniker immer wieder in die Situation, auch Gingiva mit prothetischen Suprastrukturen rekonstruieren zu müssen. Dabei gilt es, dem rot-weißen Verlauf besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Auch hier kommt die Technik des Initial IQ ONE SQIN-Konzepts zum Tragen. Mit nur drei unterschiedlichen Gingiva-Massen lassen sich die verschiedenen Gingiva-Regionen gut nachahmen.

Ein intensiveres Rot für stark durchblutete Zonen und ein hellerer Farbton für die feste Gingiva sind wesentlich. Darüber hinaus ist noch eine neutrale Masse verfügbar. Anders als die zahnfarbenen SQIN-Massen sind die Gingivapulver naturgemäß nicht fluoreszierend (Abb. 30), verarbeiten lassen sie sich jedoch exakt wie zahnfarbene Keramik.

  • Abb. 30: Fluoreszenz der zahnfarbenen Bereiche und fehlende Fluoreszenz des gingivafarbenen Bereiches.
  • Abb. 30: Fluoreszenz der zahnfarbenen Bereiche und fehlende Fluoreszenz des gingivafarbenen Bereiches.
    © Stefan Roozen

Für die passende Grundierung und um einen guten Verbund zur Keramikschicht zu schaffen, kommen Lustre Pastes ONE bzw. NF Gum zum Einsatz (Abb. 26 bis 29). Danach wird mit SQIN-Gingiva-Keramik in einem finalen Brand verblendet (Abb. 31 bis 33).

  • Abb. 26 bis 29: Struktur aus Zirkoniumdioxid und anschließende Applikation verschiedener zahn- und gingivafarbener Lustre Pastes (Initial Lustre Pastes ONE bzw. NF Gum).
  • Abb. 27
  • Abb. 26 bis 29: Struktur aus Zirkoniumdioxid und anschließende Applikation verschiedener zahn- und gingivafarbener Lustre Pastes (Initial Lustre Pastes ONE bzw. NF Gum).
    © Stefan Roozen
  • Abb. 27
    © Stefan Roozen

  • Abb. 28
  • Abb. 29
  • Abb. 28
    © Stefan Roozen
  • Abb. 29
    © Stefan Roozen

  • Abb. 30: Fluoreszenz der zahnfarbenen Bereiche und fehlende Fluoreszenz des gingivafarbenen Bereiches.
  • Abb. 31: Initial Lustre Pastes ONE nach dem Brand.
  • Abb. 30: Fluoreszenz der zahnfarbenen Bereiche und fehlende Fluoreszenz des gingivafarbenen Bereiches.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 31: Initial Lustre Pastes ONE nach dem Brand.
    © Stefan Roozen

  • Abb. 32: Rote und weiße SQIN-Keramik vor dem Brand.
  • Abb. 33: Resultat nach dem Brand.
  • Abb. 32: Rote und weiße SQIN-Keramik vor dem Brand.
    © Stefan Roozen
  • Abb. 33: Resultat nach dem Brand.
    © Stefan Roozen

Fazit

Das neue Initial ONE SQIN Micro-Layering-Konzept bietet ein Komplettsortiment, mit dem sich trotz stark reduzierten Arbeitsaufwandes ein hohes Maß an Ästhetik erreichen lässt. Durch minimale Verblendstärken werden das Chipping- und das Frakturrisiko minimiert und sich daraus ergebende Reklamationen vermieden. Die vorgestellte Technik ist gut mit dem digitalen Workflow vereinbar, ohne dabei Kompromisse bei individuellen Patientenwünschen eingehen zu müssen.


Halo-Effekt

Im Bereich der Zahntechnik ergib sich der Halo-Effekt aus einer Farbreflexion des Dentinkerns in der Schneidekante. Er erscheint als opake Linie im Bereich der Inzisalkante und entsteht, wenn eine bukkal zugewandte lingual-inzisale Schmelzoberfläche im rechten Winkel vorhanden ist. In der Füllungstherapie mit Kompositen erzeugt er bei restaurierten Schneidekanten ein lebendig wirkendes Resultat und somit ein natürliches Aussehen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Stefan M. Roozen