Funktion

DAS dentale Ereignis in Böblingen vom 19. bis 21. Juni 2014

Spannende, sogar atemraubende Vorträge auf der bevorstehenden ADT-Tagung

Blick auf die ADT-Jahrestagung 2013: Rund 1.500 Zuhörer fasst der Hauptvortragssaal, der sich auch jetzt wieder auf das Großereignis vorbereitet. Bildnachweis: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg
Blick auf die ADT-Jahrestagung 2013: Rund 1.500 Zuhörer fasst der Hauptvortragssaal, der sich auch jetzt wieder auf das Großereignis vorbereitet. Bildnachweis: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte bietet die Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie (ADT) neben ihrer eigenen Jahrestagung gleich zwei weiteren Gesellschaften ein Forum, das dem gemeinsamen Kongressthema „Dentale Technologie im Dienst der Senioren“ besonderes Gewicht verleihen wird.

  • Sie wurden für den besten Vortrag 2013 ausgezeichnet (v.li.): ZT Carsten Fischer, Frankfurt, und Zahnarzt Eleftherios Grizas, Waldshut. Bildnachweis: Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie, Tübingen

  • Sie wurden für den besten Vortrag 2013 ausgezeichnet (v.li.): ZT Carsten Fischer, Frankfurt, und Zahnarzt Eleftherios Grizas, Waldshut. Bildnachweis: Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie, Tübingen
Denn auch die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) sowie das European College of Gerodontology (ECG) richten in der Böblinger Kongresshalle ihre Jahrestagungen aus. Zahnärzte, Zahntechniker, Studenten und Auszubildende sind eingeladen, aus der Fülle der Vorträge zu schöpfen und auch an Workshops teilzunehmen. Einen zweiten ADT-Schwerpunkt setzt das Thema: „Digitale Analyse, Diagnostik und Planung“. Andere Vorträge werden den Blick weiten, zum Beispiel zum implantatprothetischen Trouble-Shooting, neuen Wegen bei verschraubten Brückenkonstruktionen, zu Mehrschicht-Zirkoniumdioxid und neuen Glaskeramiken, zu Keramikimplantaten und digital gefertigten NEM-Doppelkronen – bis hin zu Defektprothetik und Epithetik.

  • Am Stand von Flussfi sch in der ADT-Ausstellung 2013: Referent ZTM Thomas Jobst mit seinen Söhnen. Bildnachweis: Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie, Tübingen

  • Am Stand von Flussfi sch in der ADT-Ausstellung 2013: Referent ZTM Thomas Jobst mit seinen Söhnen. Bildnachweis: Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie, Tübingen
Teilnehmer haben zu den Veranstaltungen aller drei Gesellschaften Zutritt. Für ADT-Mitglieder ist der Besuch sämtlicher Veranstaltungen im Jahresmitgliedsbeitrag von 96 Euro inbegriffen. Nichtmitglieder zahlen für die Gesamttagung 140 Euro plus Mehrwertsteuer. Die Programme der ADT, DGAZ und ECG können unter www.ag-dentale-technologie.de heruntergeladen werden.

In Heft 3 des „Internationalen Zahntechnik Magazins“, Seite 104 bis 109, wurden bereits Vortragsinhalte skizziert; Heft 6 wird ein Interview wiedergeben, das die Redaktion mit dem zu kürenden ADT-Ehrenmitglied führt. Auf der hier folgenden Seite gewährt Horst-Dieter Kraus Einblicke in sein Referat. 


Funktion vor Ästhetik - Ästhetik vor Funktion

Bei einer prothetischen Versorgung mit herausnehmbarem Zahnersatz ist aus Sicht des Zahnarztes und Zahntechnikers zunächst die Funktion entscheidend. Der Patient selbst hat in vielen Fällen zuallererst das psychologische Problem, seinen Zahnersatz „herausnehmen” und dabei in den Spiegel schauen zu „müssen”. Hat er sich damit oft mehr schlecht als recht abgefunden, liegt seine Priorität natürlich auf der Ästhetik.

Extreme Fälle sollen verdeutlichen, wie die beiden Ziele Funktion und Ästhetik gleichzeitig zu erreichen sind.

Gute Prothesen erwecken das Lebensgefühl neu

Es werden Prothesen angefertigt, die sowohl funktionell als auch ästhetisch völlig insuffizient sind (Abb. 1 bis 5). Obwohl der hier gezeigte Patient mit seinem Aussehen unzufrieden ist und er weder gut sprechen noch kauen kann, sieht er wie viele andere oft keine Alternative. Wir Zahntechniker können jedoch erheblichen Einfluss nehmen auf Lebensgefühl und Lebensgestaltung unserer Patienten.

  • Abb. 1: Schon bei geschlossenem Mund verraten sich die insuffizienten Prothesen – und die Patientenunzufriedenheit.
  • Abb. 2: „Totale OK Prothese“.
  • Abb. 1: Schon bei geschlossenem Mund verraten sich die insuffizienten Prothesen – und die Patientenunzufriedenheit.
  • Abb. 2: „Totale OK Prothese“.

  • Abb. 3: Funktionell völlig insuffizente 28er-Prothese.
  • Abb. 4 und 5: Die Geometrie entspricht weder den funktionellen noch ästhetischen Anforderungen.
  • Abb. 3: Funktionell völlig insuffizente 28er-Prothese.
  • Abb. 4 und 5: Die Geometrie entspricht weder den funktionellen noch ästhetischen Anforderungen.

Ich habe in meinem Laboralltag viele Fälle wie diesen erlebt, in denen ein Mensch erst durch eine gute Zahnprothese sein Lachen, seinen sicheren Stand (Körperhaltung), seinen Biss und sein Selbstbewusstsein wiedererlangt hat (Abb. 6 bis 11).

  • Abb. 6: Beginn des Set-Ups direkt im Patientenmund mit den oberen mittleren Schneidezähnen.
  • Abb. 7: Komplettierung der Aufstellung. Durch dieses Verfahren kann die Phonetik sofort einbezogen werden.
  • Abb. 6: Beginn des Set-Ups direkt im Patientenmund mit den oberen mittleren Schneidezähnen.
  • Abb. 7: Komplettierung der Aufstellung. Durch dieses Verfahren kann die Phonetik sofort einbezogen werden.

  • Abb. 8 und 9: Die fertige Arbeit im Mund.
  • Abb. 10: Funktionell richtig gestaltete Okklusion.
  • Abb. 8 und 9: Die fertige Arbeit im Mund.
  • Abb. 10: Funktionell richtig gestaltete Okklusion.

  • Abb. 11: Der glücklich gemachte Patient.
  • Abb. 11: Der glücklich gemachte Patient.

Mit neuen Prothesen kam neuer Lebensmut

Wir haben diverse Patienten wieder zurück ins Leben gebracht, die sich sozial völlig isoliert hatten, da sie sich zu Recht sowohl vom Geruch als auch von der Ästhetik ihrer Prothese her als nicht öffentlichkeitsfähig eingeschätzt hatten. In einigen Fällen konnten wir mit moderner Zahnmedizin die Patienten sauber rehabilitieren. Zum Beispiel ist eine Alkoholikerin, die sich schämte, aufgrund ihrer extrem hässlichen Prothese unter die Leute zu gehen, seit Abschluss der Behandlung trocken; die „schönen Zähne” haben ihr Leben völlig verändert. Sie ist zudem stolz darauf, jetzt auch mit dem Rauchen aufgehört zu haben – bei all dem Unglück war doch ein sehr starker Wille vorhanden, der nun zum Tragen kam.

In anderen Fällen muss man aus sozialen Gründen (Patient ist Hartz IV-Empfänger und Ex-Junkie) auf eine Einfachstausführung mit Immediatprothesen zurückgreifen (Abb. 12 bis 16). Bereits vier Wochen nach Eingliederung hatte dieser Patient wieder Fuß gefasst in seinem erlernten Beruf als Dachdecker. Er kam sofort klar mit den neuen Prothesen, da er sich schon lange zu dieser Lösung entschlossen hatte.

  • Abb. 12 und 13: Ausgangssituation.
  • Abb. 14: Das Röntgenbild macht das Ausmaß der Zerstörungen deutlich.
  • Abb. 12 und 13: Ausgangssituation.
  • Abb. 14: Das Röntgenbild macht das Ausmaß der Zerstörungen deutlich.

  • Abb. 12 und 13: Ausgangssituation.
  • Abb. 15: Kein Zahn war erhaltungswürdig.
  • Abb. 12 und 13: Ausgangssituation.
  • Abb. 15: Kein Zahn war erhaltungswürdig.

Schlussfolgerung: Mit unserem Handwerk ist echte Hilfe, sogar Lebenshilfe möglich

Es gibt also Alternativen, insbesondere bei Vollprothesen (auch eine festsitzende implantatgetragene Brücke ist bei zahnlosem Kiefer eine Vollprothese). Angst, sich wegen seines Aussehens unter Menschen zu wagen; Verzweiflung, weil einem das beste Essen nicht mehr schmeckt; Depression, weil Abhilfe unmöglich scheint – gehören der Vergangenheit an.

Ein entspanntes Lachen, Selbstbewusstsein im Alltag: Das ist mit unserem Einsatz und unseren zahntechnischen Kenntnissen ohne weiteres möglich. Auf den Punkt gebracht: Es geht um Zahnersatz, der sich anfühlt wie eigene Zähne. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Horst-Dieter Kraus

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Horst-Dieter Kraus


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