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Kommentar von Axel Mühlhäuser

Warum wir löten

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In der Gusstechnik lassen sich bei einzelnen Teleskopkronen (Sekundärteleskope) bestmögliche und reproduzierbare Saugpassungen herstellen. Bei zierlichen Primärteilen in der Front muss lediglich beim Einbetten eine stärkere Expansion bzw. bei Molaren eine geringere eingestellt werden, d.h. je nachdem getrennt eingebettet werden.

Bekannterweise wird mit zunehmender Anzahl und Spannweite – zudem noch bogenförmig – im Einstückguss der Verzug immer größer. Keine Einbettmasse kann gleichzeitig sowohl das Volumen (dreidimensional) im Teleskopinnenbereich als auch die lineare Ausdehnung im Bogen kompensieren. Verschiedene Ansätze, wie z.B. die Kerneinbettung, scheitern in der praktischen Ausführung oder im Ergebnis.

Nur durch das Gießen in Einzelsegmenten und das nachträgliche Zusammenfügen durch Löten kann aus unserer Sicht eine 100%ige, spannungsfreie Passung erreicht werden. Wir verwenden ausschließlich cadmium- und paladiumfreie Lote, deren Bestandteile zum Großteil der Legierung entsprechen. Spezielle Nach- oder Zweit-, bzw. Drittlote mit niedrigerer Arbeitstemperatur verwenden wir nicht, d.h. wir verwenden im gesamten Arbeitsprozess immer das gleiche Lot.

Nach wie vor ist die Löttechnik trotz modernster Schweiß- und Klebeverfahren eine der gebräuchlichsten Anwendungsmöglichkeiten. Während des Lötvorganges erfolgt eine Diffusion zwischen dem flüssigen Lot und der fest-heißen Legierung. Die entscheidenden Faktoren für den Langzeiterfolg der Fügetechnik Löten liegen in der Verbundfestigkeit, d.h. der Ausprägung des Diffusionsgefüges, und der Korrosionsbeständigkeit.

Ein ideales Diffusionsgefüge samt stabiler Verbindung und optimaler Mundbeständigkeit entsteht, wenn:

  • der Temperaturunterschied zwischen der Arbeitstemperatur des Lots und dem Soliduspunkt der Legierung möglichst gering ist (60–80°C),
  • Artgleichheit (metallurgisch) und ähnlicher WAK von Gold und Legierung vorliegen,
  • metallisch reine Oberflächen (fett- und oxidfrei) gegeben sind,
  • gute Benetzbarkeit der Legierung und Verhinderung der Oxidbildung durch Flussmittel besteht,
  • beim Löten mit der offenen Flamme immer in der „reduzierenden Zone“ gearbeitet wird,
  • gleichmäßig vorgewärmter Lötblock und Gerüstelemente Verwendung finden,
  • vor dem Aufbringen des Lots mit der Flamme die Temperatur an der Lotstelle über den Arbeitsbereich des Lots gebracht wird (Soliduspunkt der Legierung nicht überschreiten) und
  • ein planparalleler Lötspalt mit einer Breite von 0,05 bis maximal 0,2 mm (je geringer desto exakter die Passung) erreicht wird.

Klebeverbindungen (Modellguss und Teleskopkronen) sind für uns kein Thema, da aus unserer Sicht mit einer Lötung graziler und langfristig sicherer verbunden wird. Eine Laserverbindung kommt für uns im Teleskopbereich nicht infrage. Die Verzugsneigung ist deutlich höher, d.h. jeder kleine Verzug muss durch gegenüberliegende Schweißpunkte kompensiert werden.

Eine V-Naht (zirkulär außen) bringt nicht die notwendige Stabilität, da der Innenbereich hohl bleibt und interdental mehr Platz benötigt. Die X-Naht (von innen nach außen) ist grazil und stabil, jedoch ist diese aufwendig und die Verzugsneigung nicht unerheblich. Auch sehen wir persönlich bei Laserverbindungen eher eine Versprödung oder Bruchgefahr.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Axel Mühlhäuser