Herausnehmbare Implantatprothetik

Altersgerechte Prothesenzähne

Der Zahn der Zeit


Der sprichwörtliche „Zahn der Zeit“ lässt sich auf unser gesamtes Leben übertragen. Ganz wörtlich genommen verändern sich auch die Zähne mit der Zeit. Daher ist es wichtig, Prothesenzähne auf die individuelle Patientensituation und das Alter in Form, Farbe, Größe und Funktion abzustimmen.

Die Fülle der am Markt angebotenen Prothesenzähne scheint unendlich groß. Aus dieser Masse muss der Zahntechniker den für seine Arbeit geeigneten Zahn finden. Als zahnmedizinische Dienstleister können wir unsere Arbeit nur dann über Qualität verkaufen, wenn wir hochwertige Ergebnisse liefern. Ein solcher Qualitätsanspruch zahlt sich langfristig aus. Qualität ist jedoch kein Selbstläufer, der Zahntechniker muss sie Schritt für Schritt erarbeiten: Von der Arbeitsplanung über die verwendeten Materialien bis hin zur Fertigstellung muss er die hohen Qualitätsstandards der zahntechnischen Arbeit immer im Blick behalten.

Individuelle Ästhetik, funktionale Abstimmung

So wie sich das Aussehen eines Menschen mit den Jahren verändert, verändern sich auch seine Zähne (Abb. 1). Vor allem die oberen Frontzähne prägen die ästhetische typenbezogene Grundzuordnung. Abrasion verändert sie mit den Jahren und mit ihnen das Erscheinungsbild (Abb. 2). Bei der Wahl der Prothesenzähne sollte der Zahntechniker diese individuelle, sich wandelnde Vorstellung von Ästhetik berücksichtigen – für ein ganz auf den Patienten abgestimmtes Ergebnis (Abb. 3 und 4). Für ein hochwertiges Resultat ist neben der ästhetischen Zuordnung die funktionale Abstimmung genauso wichtig. Dabei spielen vor allem die Dimensionierung und die okklusale Gestaltung der Prothesenzähne eine zentrale Rolle. Entscheidend ist die individuelle, auf das Kiefergelenk abgestimmte Gestaltung der Kauflächen.

  • Abb. 1: Auch am menschlichen Zahn zeigt sich der Lauf der Zeit.
  • Abb. 2: Das Verhältnis von Zahnform und Kieferkammverlauf.
  • Abb. 1: Auch am menschlichen Zahn zeigt sich der Lauf der Zeit.
  • Abb. 2: Das Verhältnis von Zahnform und Kieferkammverlauf.

  • Abb. 3: Die Formenzuordnung der Zähne zur Gesichtsform.
  • Abb. 4: Die Formenzuordnung der Zähne.
  • Abb. 3: Die Formenzuordnung der Zähne zur Gesichtsform.
  • Abb. 4: Die Formenzuordnung der Zähne.

Anforderungen im Wandel

Die zahlreichen Anbieter von Prothesenzähnen auf dem Dentalmarkt greifen die Anforderungen der Anwender auf und versuchen, ihre Produkte daran auszurichten. So haben die Hersteller bei der Morphologie der Seitenzähne die Erkenntnisse der letzten hundert Jahre in die Gestaltung der Zahnformen einfließen lassen. Auch in der Materialzusammensetzung hat sich viel getan. Die aufkommende Hybridprothetik hat die Hersteller von Prothesenzähnen vor neue Herausforderungen gestellt. Die feinmechanischen Verankerungen stellen neue physikalische Anforderungen an die Zähne. Angefangen von abrasionsstabilen, keramikbasierten Prothesenzähnen bis hin zu Kunststoff und nanopartikelgefüllten Kompositen bietet der Markt verschiedene Ansätze. Bei dieser enormen Auswahl stellt sich für den Zahntechniker die Frage: Mit welchem Produkt kann ich alle Kriterien abdecken?

Zur herausnehmbaren Prothetik gehören die Total-, Hybrid- und die Gerontoprothetik. Unabhängig von der Indikation müssen Prothesenzähne in ihrer Form, Funktion und Beständigkeit altersgerecht sein.

Die Form des Prothesenzahnes

Bei der Wahl der passenden Zahnform ist das Gesamtbild einer Person entscheidend. In der Analyse von Personen zeigt sich deutlich, dass sich die charakteristische Erscheinung eines Menschen in seinen Zähnen widerspiegelt. Die Gesichtsform weist Verhältnismäßigkeiten auf, die sich auch in den Zähnen wiederfinden. Schon Leonardo da Vinci hat diese Verhältnisse in seinem Goldenen Schnitt erkannt. Bei detaillierter Betrachtung findet der Zahntechniker einzelne Winkelmerkmale und Verlaufsformen der Konturen in den Winkeln, deren Formendefinition und Zuordnung auch in den Zähnen vor.

Die personentypische Zuordnung wandelt sich im Verlauf des Lebens. Solche Veränderungen sind unter anderem an der Definition der Körperform erkennbar. Die klare Formdefinition ist bei jungen Personen mit straff anliegender Haut am deutlichsten ausgeprägt. Im Laufe der Zeit erschlafft die Haut und die Körperform zeichnet sich nicht mehr so klar ab. Das Phänomen setzt sich in der Farbgebung der Haut, am Haaransatz und der Haarfarbe fort. Die altersbedingten Veränderungen zeigen sich ebenfalls beim intraoralen Abgleich der horizontalen und vertikalen Krümmungsmerkmale. Es kommt zu Abrasionen, ausgehend von der morphologischen Grundform (Abb. 5). Vor allem die Form der Höcker nutzt sich ab und die Farbe ändert sich. Für Prothesenzähne heißt das: Neben der morphologischen Grundform sollten sie in ihrer Schichtung so aufgebaut sein, dass der Zahntechniker sie zur Verfeinerung der persönlichen Charakteristika individuell beschleifen und farblich abstimmen kann (Abb. 6). Die altersgerechte Anpassung der Form stellt gleichzeitig neue Herausforderungen an die Funktion.

  • Abb. 5: Inzisale Formenzuordnung der Prothesenzähne.
  • Abb. 6: Der Individualisierung sind keine Grenzen gesetzt.
  • Abb. 5: Inzisale Formenzuordnung der Prothesenzähne.
  • Abb. 6: Der Individualisierung sind keine Grenzen gesetzt.

Die Funktion des Prothesenzahnes

Bei der Zahnfunktion ist die Alterssituation entscheidend. Abgestimmt auf den von extraoral zu betrachtenden Abrasionsgrad setzt sich die Gesetzmäßigkeit im intraoralen Bereich und im Kiefergelenk fort. Die Kiefergelenksformen jüngerer Personen sind klar definiert und die Gelenkbänder liegen straff an. Im natürlichen Gebiss sind die Kauflächen ausgeprägt mit tripodisierten Kontaktpunkten und klar definierten Mediotrusions-, Laterotrusionsund Protrusionsbahnen (Abb. 7). Im Laufe der Zeit kommt es zu Abrasionserscheinungen, die mit der Abnutzung des „Diskus“ und dem Erschlaffen der Gelenkkapsel zusammenhängen. Diese Veränderungen zeigen sich auch im okklusalen Relief der Zahnreihen (Abb. 8).

  • Abb. 7: Okklusaler Kompass bei intaktem Kiefergelenk.
  • Abb. 8: Okklusaler Kompass bei abradiertem Kiefergelenk.
  • Abb. 7: Okklusaler Kompass bei intaktem Kiefergelenk.
  • Abb. 8: Okklusaler Kompass bei abradiertem Kiefergelenk.

Das erfordert Prothesenzähne, die auf das abrasive Verhalten des Kiefergelenks abgestimmt sind und so eine funktionierende Gesamteinheit schaffen. Dementsprechend sollte ein funktionstüchtiger Prothesenzahn altersgemäße Abrasionen aufweisen, um die einsetzende Sideshift-Bewegung des Kiefergelenks zu unterstützen. Dieser Tatsache begegnet der Zahntechniker zum Beispiel mit einem Edelrohling (Prothesenzahn mit durchschnittlich ausgeprägter Kaufläche), den er individuell auf die Patientensituation einschleift (Abb. 9).

  • Abb. 9: Prothesenzahn oder Edelrohling mit altersentsprechender Kauflächengestaltung.
  • Abb. 10: Altersgerechte Kaufläche, Pala Idealis, Heraeus Kulzer, Hanau.
  • Abb. 9: Prothesenzahn oder Edelrohling mit altersentsprechender Kauflächengestaltung.
  • Abb. 10: Altersgerechte Kaufläche, Pala Idealis, Heraeus Kulzer, Hanau.

  • Abb. 11: Vorbereitete Retention zum besseren mechanischen Verbund des Zahnes.
  • Abb. 11: Vorbereitete Retention zum besseren mechanischen Verbund des Zahnes.

Eine Alternative kann ein Prothesenzahn mit naturgetreu abradierter Kaufläche sein, bei dem der benötigte okklusale Freiraum schon einberechnet ist (Abb. 10). Diese Zähne haben den Vorteil, dass eventuelle Angewohnheiten des Patienten keine zusätzliche Abrasionen oder Chippings an den Prothesenzähnen verursachen. Die basale Formgebung der Zähne ist wichtig für die effiziente Aufstellung. Gerade in der Hybridprothetik muss der Zahntechniker unter diesen Zähnen entsprechende Halteelemente und Tertiärstrukturen unterbringen. Eine vom Hersteller vorbereitete basale Aussparung sowie die möglichst breite Zahnhalsgestaltung spart dabei Zeit (Abb. 11).

Die Beständigkeit eines Prothesenzahnes

Wie an der Zahnform erläutert, hat allein die Gestaltung der Kaufläche schon Einfluss auf die Beständigkeit eines Prothesenzahnes. Je steiler die okklusalen Reliefs geformt sind, desto größer ist die Gefahr des Abscherens der Höcker. Neben der Form spielt die Materialzusammensetzung eine entscheidende Rolle. Viele Hersteller versuchen, über einen Kompositzahn möglichst abrasionsstabile Prothesenzähne herzustellen. Gerade im Bereich der Hybridprothetik verursacht die starre Verankerung des Zahnersatzes massive okklusale Abnutzungserscheinungen. Aber hier bedeutet härter auch gleich spröder! Genau dieses Problem können wir im Moment bei einigen Zahnherstellern beobachten. Häufig landen Hybridarbeiten nach einem halben Jahr Tragezeit mit gechippten oder komplett durchbrochenen Zähnen zur Auswechslung wieder im Labor.

Bei der Totalprothese eines siebzigjährigen starken Bruxisten brachen durch den starken Druck im regelmäßigen Abstand Zähne oder die Prothese selbst, sodass das Labor die Prothese vierteljährlich reparieren musste. Bei der Neuanfertigung in unserem Labor entschieden wir uns für die neuen Pala Idealis Seitenzähne von Heraeus Kulzer, Hanau. Deren flache Höcker und abgestimmte Festigkeit eigneten sich gerade hier (Abb. 12). Die reduzierte Höckerneigung minimiert die Schubkräfte und ermöglicht eine hohe Kaueffizienz mit eindeutiger Funktion. Die Pala-Zähne sind besser auf die Abrasionsfestigkeit natürlicher Antagonisten abgestimmt als harte Komposit-Zähne. Eine gegossene Metallbasis stabilisiert den Prothesenkörper zusätzlich (Abb. 13 und 14).

  • Abb. 12: Bruxisten benötigen einen abgestimmten, stabilen Prothesenzahn, hier Pala Premium 6 und Pala Idealis 8, Heraeus Kulzer, Hanau.
  • Abb. 13 und 14: Eine gegossene Metallbasis stabilisiert den Prothesenkörper zusätzlich.
  • Abb. 12: Bruxisten benötigen einen abgestimmten, stabilen Prothesenzahn, hier Pala Premium 6 und Pala Idealis 8, Heraeus Kulzer, Hanau.
  • Abb. 13 und 14: Eine gegossene Metallbasis stabilisiert den Prothesenkörper zusätzlich.

Das richtige Material für langlebige Resultate

  • Abb. 15 und 16: Erfolgreiche Hybridprothetik beginnt bei der Wahl der Zähne.

  • Abb. 15 und 16: Erfolgreiche Hybridprothetik beginnt bei der Wahl der Zähne.
Für den langfristigen Erfolg spielt die Materialzusammensetzung des Prothesenzahnes eine große Rolle. Gerade bei Hybridarbeiten muss der Zahnersatz die einwirkenden Kaukräfte dämpfen, um den Implantat-Gewebe-Verbund nicht zu überlasten (Abb. 15 und 16). Harte, spröde Werkstoffe eignen sich dafür nicht. Dazu muss der Hersteller die einzelnen Schichten in einem Prothesenzahn clever abstimmen. Vernetzungsstrukturen, die die physikalischen Werte des Kunststoffs im Zusammenspiel mit gebundenen Mikrofüllstoffen berücksichtigen, ermöglichen ein elastisches Verhalten. Neben der richtigen Wahl der Prothesenzähne ist entsprechendes Prothesenbasismaterial unabdingbar, das die gleiche physikalische Stabilität aufweist. Das rundet das Konzept ab und verspricht langlebige Ergebnisse. Mir ist es wichtig, meine Patienten optimal zu versorgen. Mit den zuverlässigen Materialien von Heraeus Kulzer erziele ich planbare, sichere Ergebnisse und das spiegelt sich auch in der Zufriedenheit meiner Patienten wider.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Björn Maier

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Björn Maier


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