Kronen/Brücken


Neue Behandlungskonzepte und Materialien unter Einsatz der CAD/CAM-Technologie


Moderne Fertigungstechnologien ermöglichen die Verwendung industriell vorgefertigter Kunststoffe oder Komposite, deren Materialqualität temporären Restaurationen aus direkter Fertigung deutlich überlegen ist. Diese so genannten Hochleistungspolymere verfügen aufgrund der optimalen Polymerisationsbedingungen und der hohen Homogenität über zahlreiche Vorteile. Dazu zählen eine höhere Langzeitstabilität, eine bessere Biokompatibilität, ein geringerer Verschleiß wie auch eine gegenüber keramischen Restaurationsmaterialien günstigere CAD/CAMVerarbeitbarkeit bei geringen Schichtstärken.

Komplexe Rehabilitationen stellen für das gesamte restaurative Team eine besondere Herausforderung dar. Dies gilt vor allem, wenn die Vertikaldimension der Okklusion (VDO) rekonstruiert oder neu definiert werden soll. Durch die Verfügbarkeit von Hochleistungspolymeren kann heute eine erhebliche Ausdehnung der Vorbehandlungshase zur Erarbeitung funktioneller und ästhetischer Gesichtspunkte realisiert werden. Damit wird eine zeitlich ausgedehnte Überprüfung des Restaurationsentwurfes ermöglicht und eine hohe Vorhersagbarkeit für die definitive Rehabilitation geschaffen (Abb. 1a–c). Die Umsetzung in das definitive Restaurationsmaterial kann angesichts der hohen Stabilität dieser Materialien gegebenenfalls auch in einzelne Behandlungssegmente aufgeteilt werden. Wichtige Anhaltspunkte für die Wahl des definitiven Restaurationsmaterials lassen sich aus den Okklusionsverhältnissen und den verwendeten Materialschichtstärken ableiten. Kombiniert mit der Möglichkeit einer definitiven Rehabilitation in Teilabschnitten erhöhen sich damit die Vorhersagbarkeit und die Sicherheit komplexer Rehabilitationen.

  • Abb. 1a: Abrasiv-erosiv vorgeschädigte Zahnhartsubstanz. Die Schaltlücke regio 46 wurde durch ein Implantat mit einem Zirkoniumdioxid-Abutment versorgt. Es folgte die Schienentherapie zur Bisserhöhung. (Bild: Prof. Dr. Daniel Edelhoff, Universität München)
  • Abb. 1b: Nach der Anhebung der Vertikaldimension wurden für den Patienten eine temporäre Implantatkrone sowie Repositions-Onlays aus Hochleistungspolymer im CAD/CAM-Verfahren hergestellt. Dies diente der ausgedehnten funktionellen Erprobung. (Bild: ZTM Josef Schweiger, Universität München)
  • Abb. 1a: Abrasiv-erosiv vorgeschädigte Zahnhartsubstanz. Die Schaltlücke regio 46 wurde durch ein Implantat mit einem Zirkoniumdioxid-Abutment versorgt. Es folgte die Schienentherapie zur Bisserhöhung. (Bild: Prof. Dr. Daniel Edelhoff, Universität München)
  • Abb. 1b: Nach der Anhebung der Vertikaldimension wurden für den Patienten eine temporäre Implantatkrone sowie Repositions-Onlays aus Hochleistungspolymer im CAD/CAM-Verfahren hergestellt. Dies diente der ausgedehnten funktionellen Erprobung. (Bild: ZTM Josef Schweiger, Universität München)

  • Abb. 1c: Situation nach Eingliederung der temporären Restaurationen aus Hochleistungspolymer (Telio CAD; Ivoclar Vivadent). (Bild: Prof. Dr. Daniel Edelhoff, Universität München)
  • Abb. 1c: Situation nach Eingliederung der temporären Restaurationen aus Hochleistungspolymer (Telio CAD; Ivoclar Vivadent). (Bild: Prof. Dr. Daniel Edelhoff, Universität München)

Erwartungen an Hochleistungspolymere

Durch die Einführung von extrem hoch gefüllten Hochleistungspolymeren auf Kompositbasis wäre mit dem gleichen minimalinvasiven Vorgehen auch eine definitive Versorgung von Patienten denkbar. Diese neue Applikation wird zurzeit in verschiedenen prospektiv angelegten klinischen Studien überprüft. Der Patient hätte den Vorteil, dass er sich nicht einer zweiten umfangreichen und meist invasiveren Behandlung zur Umsetzung in ein anderes definitives Restaurationsmaterial unterziehen müsste.

Auch bei Implantat-Suprakonstruktionen könnte man mit Vorteil Hochleistungspolymere im Bereich der Kauflächenrekonstruktion einsetzen. An der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), wurde unter der Federführung von Zahntechniker Josef Schweiger, Leiter des zahntechnischen Labors, und Zahnarzt Peter Neumeier, eine neuartige Technologie erarbeitet, die eine langzeitprovisorische Überprüfung definierter Okklusionskonzepte zulässt. Dabei erhalten individuelle permanente Implantat-Abutments eine semipermanente Verblendung aus Hochleistungspolymer – die Kauflächen können nach Verschleiß auf einfache Weise ausgewechselt werden. Diese neue Lösung kommt als effizientes und sicheres digital gestütztes Behandlungskonzept für den Seitenzahnbereich infrage.

Digitale Verblendung aus Lithiumdisilikat

Speziell bei implantatgetragenem Zahnersatz lassen sich heute effiziente computergestützte Behandlungskonzepte umsetzen. Dabei stellt sich unter anderem die Frage nach dem geeigneten Abutment-Material und dessen Verarbeitung. Wann ist der Einsatz von Zirkoniumdioxid für das Abutment sinnvoll und wo sind die Grenzen? Funktioniert Zirkoniumdioxid im direkten Kontakt zu Titanimplantaten? Weiterhin ist zu entscheiden, wie die Suprakonstruktion aussehen soll. Verschiedene Entwicklungen der metallfreien Restaurationen erschweren die Auswahl. Die digitale Verblendung (Abb. 2a–f) stellt dabei eine gute Alternative zu handverblendeten Gerüsten dar, aber auch zu monolithischen Restaurationen (etwa aus Zirkoniumdioxid). Auf der einen Seite können diese Verblendungen effizient und mit konstanter Qualität computergestützt gefertigt werden. Auf der anderen Seite kommen auf der Kaufläche klinisch erprobte und gut dokumentierte Werkstoffe wie Lithiumdisilikat zum Einsatz.

  • Abb. 2a: Die IPS e.max CAD-on-Technik (Ivoclar Vivadent) als Beispiel einer digitalen Verblendung: Der Zahntechniker konstruiert in seinem Labor das Design der Gesamtversorgung …
  • Abb. 2b: … und die Software rechnet den Gerüstanteil heraus.
  • Abb. 2a: Die IPS e.max CAD-on-Technik (Ivoclar Vivadent) als Beispiel einer digitalen Verblendung: Der Zahntechniker konstruiert in seinem Labor das Design der Gesamtversorgung …
  • Abb. 2b: … und die Software rechnet den Gerüstanteil heraus.

  • Abb. 2c: Das Gerüst wird maschinell aus Zirkoniumdioxid hergestellt.
  • Abb. 2d: Der seinerseits herausgerechnete Verblendanteil …
  • Abb. 2c: Das Gerüst wird maschinell aus Zirkoniumdioxid hergestellt.
  • Abb. 2d: Der seinerseits herausgerechnete Verblendanteil …

  • Abb. 2e: … wird aus Lithiumdisilikat (IPS e.max) herausgeschliffen und auf seine Passung geprüft.
  • Abb. 2f: Im Anschluss werden beide Teile in sogenannten „Sinterverbundbrand“ bei 840 °C zusammengefügt. Die Verblendung wurde noch durch Bemalen individualisiert. (Bilder 2a–f: ZT Josef Schweiger, Universität München)
  • Abb. 2e: … wird aus Lithiumdisilikat (IPS e.max) herausgeschliffen und auf seine Passung geprüft.
  • Abb. 2f: Im Anschluss werden beide Teile in sogenannten „Sinterverbundbrand“ bei 840 °C zusammengefügt. Die Verblendung wurde noch durch Bemalen individualisiert. (Bilder 2a–f: ZT Josef Schweiger, Universität München)

Der zusätzliche mechanische Vorteil dieser digital verblendeten Restaurationen kann vor allem in hochbelasteten Bereichen helfen, Verblendkeramikfrakturen zu vermeiden. In einer Langzeituntersuchung haben sich endodontisch behandelte Zähne und Implantate als Pfeiler mit signifikant erhöhtem Chipping-Risiko (kohäsive Fraktur der Verblendkeramik) für Zirkoniumdioxid-Gerüstrestaurationen erwiesen [1–3]. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Daniel Edelhoff - Dr. Florian Beuer

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Daniel Edelhoff , Dr. Florian Beuer


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