Kronen/Brücken


Ultimative Herausforderungen – meine Teilnahme am Gysi-Wettbewerb für Azubis

Umgesetzte Aufgabe im 2. Ausbildungsjahr: Unterkiefer-Totalprothese und Oberkiefer-Teilverblendkronen.
Umgesetzte Aufgabe im 2. Ausbildungsjahr: Unterkiefer-Totalprothese und Oberkiefer-Teilverblendkronen.

Claudius Reiser ist Auszubildender im 2. Lehrjahr bei DentArt Labortechnik in Leinfelden-Echterdingen. Beim aktuellen Gysi-Wettbewerb, welcher bereits zum 17. Mal ausgeschrieben wurde, hat er den 1. Platz im 2. Ausbildungsjahr erreicht. Nachfolgend gibt er einen Einblick in seine Teilnahme und sein Vorgehen, berichtet von seinen Erfahrungen und geht schließlich auch auf die feierliche Preisverleihung ein, die auf der diesjährigen IDS in Köln stattfand.

Beim diesjährigen Gysi-Wettbewerb ging es für unsere Gruppe A darum, verschiedene Aufgaben im Ober- und Unterkiefer zu bewältigen. Diese berücksichtigten den schon erreichten Lernstatus, waren zugleich aber auch anspruchsvoll und gingen darüber hinaus. Nach eigenem Ermessen konnte man das zu verwendende Material wählen. Freiheit gab es auch bei den Modellen: Diese wurden nicht zur Verfügung gestellt.

Aufgabenstellung für die Wettbewerbsgruppe A (2. Ausbildungsjahr)

Auf dem Zahn 26 sollte eine Vollgusskrone hergestellt werden. Zusätzlich waren im Oberkiefer Verblendeinzelkronen im Frontzahnbereich auf den Zähnen 11 und 12 mit vestibulärer Kompositverblendung (Kunststoffverblendung) gefordert. Für den Unterkiefer stand die Auf- und Fertigstellung einer totalen Kunststoffprothese in Normalverzahnung (Klasse 1) auf dem Plan. Für die gesamte Herstellung der Arbeit war die Zahnfarbe VITA A3 vorgegeben.

Bei der in Eigenregie vorzunehmenden Modellherstellung musste man darauf achten, die Stümpfe für die Kronenherstellung entweder aus Kunststoff oder Gips anzufertigen. Zusätzlich mussten sie mit einer Hohlkehlpräparation versehen werden und aus dem Modell herausnehmbar sein. Der korrekte Sitz der Kronen musste kontrollierbar sein. Im Unterkiefer lagen normal verheilte Kieferverhältnisse vor, das bedeutete, dass keine ausgeprägten Kieferkamm- Atrophien vorhanden sein sollten.

Herausforderungen

Bei dieser Aufgabenstellung gab es für mich mehrere große Herausforderungen, die ich bis dahin in meiner Ausbildung noch nicht zu bewältigen hatte:

Zu nennen sind die Modellherstellung mit Stumpfpräparation bei Kunststoffstümpfen, die Herstellung von vestibulären Teilverblendungen aus Kunststoff und allgemein das Strukturieren meines Vorgehens, welches planmäßig ca. drei Monate in Anspruch nahm. Besonders geholfen hat mir vor allem, dass ich bereits vor Eingang der Aufgabenstellung edelmetallfreie Legierungen verarbeitet habe, an denen ich die Materialbearbeitung simulieren konnte. Deshalb entschloss ich mich auch, EMF-Legierungen für die Wettbewerbsarbeit zu verarbeiten, da sie mir nach der Politur optisch wesentlich besser als Edelmetalllegierungen gefallen.

Planung meiner Vorgehensweise

  • Abb. 1: Claudius Reiser bei der Arbeit für den Gysi-Wettbewerb.

  • Abb. 1: Claudius Reiser bei der Arbeit für den Gysi-Wettbewerb.
    © Reiser
Nachdem die Aufgabenstellung mit dem entsprechenden Befund in meinem Labor eintraf, begann ich unmittelbar mit dem Verfassen eines geeigneten Zeitplans, in welchem ich meine Arbeitsschritte strukturierte (Abb. 1).

Durch meine frühzeitige Recherche in Fachzeitschriften über mögliche Frontzahnaufstellungen, Zahnfleischmodellationen und die Funktionsaufstellung nach Gysi konnte ich den zeitlichen Aufwand für die jeweiligen Arbeitsvorgänge bereits grob einschätzen. Aufgrund dessen stellte ich mir meine Vorgehensweise wie folgt zusammen:

  1. Herstellung des Ober- und Unterkiefermodells
  2. Artikulation der Modelle
  3. UK-Totalprothese: Aufstellung unter vorläufiger Funktionsberücksichtigung
  4. Kronenmodellation von Zahn 26, 11, 12
  5. Einbetten, Gießen, Ausarbeiten der Kronen
  6. Fertigstellung der Totalprothese
  7. Verblendung der Frontzahnkronen 11, 12
  8. Okklusions- und Funktionskontrolle von Ober- und Unterkiefer
  9. Politur aller Arbeiten
  10. Verpacken und Versand

Modellherstellung

Die Modellherstellung ist sehr zeitintensiv und nahm bei einem Projekt wie dem Gysi-Wettbewerb einen besonders hohen Stellenwert ein. Die sowohl gut durchdachten als auch optisch ansprechenden Modelle sind die Basis für eine echte Patientenarbeit und natürlich in gleicher Weise für eine erfolgreiche Wettbewerbsteilnahme. Nicht umsonst gilt das Sprichwort aus dem Laboralltag: „Zahntechnische Modelle sind die Visitenkarte eines jeden Labors“.

  • Abb. 2: Modellpaar. Unterkiefer: umfunktioniertes Funktionsmodell, Oberkiefer: Alveolenmodell mit Kunststoffstümpfen.

  • Abb. 2: Modellpaar. Unterkiefer: umfunktioniertes Funktionsmodell, Oberkiefer: Alveolenmodell mit Kunststoffstümpfen.
    © Reiser
Bei der Suche nach geeigneten Modellen kamen für mich mehrere Vorgehensweisen in Betracht. Zum einen sah ich die Möglichkeit, mich im Unterkiefer für ein Funktionsmodell und im Oberkiefer für ein vollbezahntes Modell zu entscheiden. Zum anderen wäre auch eine vollständige Aufstellung von OK und UK mit anschließendem Duplikat des OK denkbar gewesen, sodass man letztendlich perfekte Okklusionsverhältnisse nach Gysi hätte erreichen können. Am Ende entschied ich mich für ein vollbezahntes Ober-/Unterkiefermodellpaar, das ich zu einem Alveolenmodell und zu einem Funktionsmodell umfunktionierte (Abb. 2).

Zu Beginn fertigte ich einen verschlüsselten Silikonabdruck im Gaumen- und Lingualbereich an, sodass ich beim späteren Einartikulieren, nach dem Entfernen der UK-Zähne, die optimale Relation vom Oberkiefer zum Unterkiefer wiederfinden konnte.

Das Unterkiefermodell für die Totalprothese schliff ich anschließend so zurecht, dass es den Anforderungen des Befundes entsprach. Dabei radierte ich alle Zähne und gestaltete zusätzliche anatomische Strukturen mit Wachs. Abschließend dublierte ich das Modell und goss die Dublierform mit Superhartgips aus.

Das Oberkiefermodell dublierte ich ebenfalls. Das Duplikat goss ich mit zahnfarbenem Stumpfkunststoff aus und trennte die Segmente für die Zähne 11, 12 und 26 heraus. In der Folge schliff ich diese konisch zu und setzte basal Pins. So konnte ich die Stumpfsegmente später wieder aus dem Modell entnehmen. Hierauf isolierte ich die Stümpfe mit Vaseline, reponierte diese in die Dublierform und goss diese mit Superhartgips aus. Dann wurden die Stümpfe noch mit einer Hohlkehlpräpararation versehen.

Im Anschluss daran schliff ich an der Unterseite des jeweiligen Modells Freiräume für zwei Magnetplatten, welche ich mit Sekundenkleber und Gips befestigte. Es folgte die Herstellung der Modellsockel.

Bei diesen Arbeitsschritten war stets zu beachten, dass sich die Modelle parallel im Artikulator ausrichten ließen, d. h.: Beim Trimmen der Unterseiten der Modelle hatte ich immer das Gesamterscheinungsbild zu kontrollieren. Demzufolge artikulierte ich mein Modellpaar mit dem zuvor hergestellten „Biss“ in meinen Mittelwertartikulator ein.

UK-Totalprothesenaufstellung und Kronenmodellation für den Oberkiefer

Zunächst stellte ich die Totalprothese im Unterkiefer provisorisch unter Funktionsberücksichtigung nach Gysi auf. Diesen Schritt ging ich als ersten, damit ich meine vollanatomische Wachsmodellation der Kronen an die Zahnstellung der Totalprothese anpassen konnte. Zu Beginn fertigte ich Kunststoffkäppchen an, auf denen ich die Kronen aus Wachs modellierte. Für die vollanatomische Modellation nahm ich mir mein zuvor dubliertes vollständiges Situationsmodell zur Gestaltung der Kronen zu Hilfe. Mit diesem konnte ich ebenfalls einen Silikonvorwall anfertigen, um die Frontzahnkronen dementsprechend vestibulär reduzieren zu können. So hatte ich für die Kunststoffverblendungen zum späteren Zeitpunkt ausreichend Platz zur Verfügung.

Einbetten, Gießen, Ausarbeiten der Kronen

Nach dem Abschluss der Modellation, der Kontrolle der Kronenränder unter dem Mikroskop, der Kontrolle der Approximal- und Okklusionskontakte und der vorläufigen Funktionskontrolle stiftete ich die Kronen an. Hiernach wurden sie eingebettet, gegossen und ausgebettet. Nun standen sie zur Ausarbeitung und Politur bereit. Im Anschluss an das Polieren strahlte ich alle Kronen mit Strahlsand 110 μm und 2,5 bar Druck von basal aus, die Frontzahnkronen strahlte ich zusätzlich von vestibulär an (Abb. 3–5).

  • Abb. 3: Vollgusskrone auf Zahn 26 aus vestibulärer Sicht.
  • Abb. 4: Vollgusskrone auf Zahn 26 aus palatinaler Sicht.
  • Abb. 3: Vollgusskrone auf Zahn 26 aus vestibulärer Sicht.
  • Abb. 4: Vollgusskrone auf Zahn 26 aus palatinaler Sicht.

  • Abb. 5: Vollgusskrone auf Zahn 26 und teilverblendete Frontzahnkronen aus okklusaler Sicht.
  • Abb. 5: Vollgusskrone auf Zahn 26 und teilverblendete Frontzahnkronen aus okklusaler Sicht.

Fertigstellung der Totalprothese

Die vorherige provisorische Aufstellung der Totalprothese passte ich nun sowohl an die statische als auch an die dynamische Okklusion der Kronen im Oberkiefer an.

Mein Ziel war eine Dreipunktabstützung nach Gysi, um bei Bewegungsphasen (Laterotrusion) eine okklusale Abstützung an drei Zonen (Balance- und Hyperbalancekontakte: rechter Seitenzahnbereich, linker Seitenzahnbereich und Frontzahnbereich) zu erreichen. Nun modellierte ich die Totalprothese aus und setzte meine Wachsmodellation mithilfe der Knetsilikon-Vorwalltechnik in Kunststoff (Candulor, Aesthetic Blue) um.

Die Ausarbeitung nach der Polymerisation beschränkte sich glücklicherweise auf ein Minimum, da ich bereits bei der Wachsmodellation versuchte, sehr detailgetreu zu arbeiten. Dabei hatte ich eine gute Isolation nicht vergessen.

Im Anschluss daran individualisierte ich meine UK-Totalprothese besonders im Bereich der Front 34–44 mithilfe von Gingiva-Pasten (Gradia gum shades, GC). Mein Hauptaugenmerk lag dabei auf der Alveolengestaltung und der Nachahmung der Wangen-, Lippenund Zungenbändchen (Abb. 6–8).

  • Abb. 6: Unterkiefer-Totalprothese – die Gesamterscheinung.
  • Abb. 7: Unterkiefer-Totalprothese aus Frontalansicht.
  • Abb. 6: Unterkiefer-Totalprothese – die Gesamterscheinung.
  • Abb. 7: Unterkiefer-Totalprothese aus Frontalansicht.

  • Abb. 8: Unterkiefer-Totalprothese aus frontaler Sicht – Frontzahnästhetik mit Alveolen-und Lippenbandgestaltung.
  • Abb. 8: Unterkiefer-Totalprothese aus frontaler Sicht – Frontzahnästhetik mit Alveolen-und Lippenbandgestaltung.

Verblendung 11, 21

Nun verblendete ich vestibulär meine Kronen im Frontzahnbereich mit Komposit (Kunststoffverblendung von Bredent) nach der geforderten Zahnfarbe VITA A3 (Abb. 9 u. 10). Es folgten die Kontaktkontrolle im Approximalbereich und die Politur der Frontzahnkronen.

  • Abb. 9: Vestibuläre Kompositverblendungen der Oberkiefer-Frontzahnkronen aus labialer Sicht.
  • Abb. 10: Die teilverblendeten Frontzahnkronen aus okklusaler Sicht.
  • Abb. 9: Vestibuläre Kompositverblendungen der Oberkiefer-Frontzahnkronen aus labialer Sicht.
  • Abb. 10: Die teilverblendeten Frontzahnkronen aus okklusaler Sicht.

Letzte Kontrolle und Versand

Nachdem ich nun alle meine Teilarbeitsschritte gelöst hatte, musste ich mich nur noch dem finalen Schliff und der formalen Kontrolle widmen. Dafür untersuchte ich nochmals sowohl die statische als vor allem auch die dynamische Okklusion in meinem Artikulator (Abb. 11 u. 12). Die Werte des Bennett-Winkels und der Kondylenbahnneigung wurden ebenfalls kontrolliert. Außerdem säuberte ich meine Modelle und meinen Artikulator und beschriftete diesen. Zum Schluss verpackte ich meine Materialien ordnungsgemäß und versendete diese nach Köln zur Wettbewerbsjury.

  • Abb. 11: Fertige Gysi-Arbeit im Mittelwertartikulator in finaler Okklusion.
  • Abb. 12: Fertige Gysi-Arbeit mit geöffneter Kieferstellung.
  • Abb. 11: Fertige Gysi-Arbeit im Mittelwertartikulator in finaler Okklusion.
  • Abb. 12: Fertige Gysi-Arbeit mit geöffneter Kieferstellung.

Mein Fazit

Rückblickend bin ich ein wenig stolz und froh, dass ich eine solch große Herausforderung angegangen bin und diese vor allem erfolgreich abschließen konnte.

Zusammenfassend möchte ich aus technischer Sicht sagen, dass es sich durchaus lohnt, sehr detailgetreu und diszipliniert zu arbeiten, auch wenn das kurzfristig in der Regel etwas länger dauert.

Langfristig zahlt sich dies aus, da man sich spätere Komplikationen ersparen kann.

Natürlich sind auch bei meiner Herstellung kleinere Komplikationen dazwischengekommen, wie zum Beispiel ein Fehlguss einer Krone, das Abbrechen von Stücken des Gipsmodells und leichte Schlierenbildung am blauen Sockelgips beim Trocknen.

Dadurch sollte man sich nicht unterkriegen lassen, denn so etwas kommt vor. Schließlich heißt es sprichwörtlich: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“.

Empfehlenswert ist es, Übungsmodelle herzustellen, an welchen man bestimmte Vorgehen und neue Materialien erproben kann – wie beispielsweise die Kronenmodellation, die Verarbeitung von Kunststoffverblendungen und die Gingivagestaltung.

In den ca. drei Monaten, in welchen ich meine Wettbewerbsarbeit angefertigt habe, musste ich etliche zusätzliche Stunden, die über die eigentliche Ausbildungszeit hinausgingen, investieren. Allerdings hatte ich zur Motivation immer das Ziel der Abgabe vor Augen, auch wenn dieses Ziel in der ersten Zeit noch relativ weit entfernt war.

Durch den Gysi-Wettbewerb konnte ich einige neue wertvolle Erfahrungen sammeln, die mich in meinem weiteren beruflichen Lebensweg unterstützen werden. Eine Teilnahme an einem solchen Projekt erfordert viel Disziplin, Ehrgeiz und vor allem viel Durchhaltevermögen. Das hat mich oft an meine Schulzeit, in der ich parallel Leistungssport betrieben habe, erinnert und ich konnte hierauf zurückgreifen.

Summa summarum kann ich eine Teilnahme an dem Gysi-Wettbewerb sehr empfehlen. Zum einen hat man die Möglichkeit, sich bundesweit mit Auszubildenden aus anderen Bundesländern zu vergleichen. Zum anderen erlernt man neue Methoden, Materialverarbeitungen und technische Kniffe, welche man ansonsten erst zu einer späteren Ausbildungszeit erlernen würde.

Die Preisverleihung auf der IDS

Als großes Highlight gab es die Ehrung der Teilnehmer und Preisträger auf der gigantischen Dentalmesse IDS, die vom 12. bis 16. März 2019 in Köln auf dem Deutzer Messegelände stattfand. Dabei kamen wir Azubis mit vielen neuen Leuten ins Gespräch und ich konnte mir grundsätzlich auch ein Bild von den vielen Neuheiten der Messeaussteller machen, die uns in Zukunft erwarten werden.

Abschließend möchte ich mich bei meinem Laborchef Stefan Schwarz für die Möglichkeit zur Teilnahme am Gysi-Wettbewerb und auch für die zur Verfügung gestellten Materialien bedanken. Weiter ergeht auch ein großes Dankeschön an meine Ausbilderin Natasa Komocar. Sie hatte immer ein offenes Ohr für mich und ist mir mit wertvollen Tipps und Anregungen unterstützend zur Seite gestanden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Claudius Reiser


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