Werkstoffe

Vollanatomische IPS e.max® CAD-Kronen, Straumann® CADCAM, Software, Konstruktion, Befestigung

Selbsttest: Gut beraten mit neuem Werkstoff

Abb. 1: Ausgangssituation nach Präparation.
Abb. 1: Ausgangssituation nach Präparation.

Der Autor ist Mitglied des Straumann-Expertenteams "Erprobung der IPS e.max® CADRestaurationen von Straumann® CADCAM". Um die spezifischen Verarbeitungsprozesse von Material und Software dieses neuen Produkts kennen zu lernen, setzte der Autor eine bei sich selbst anstehende Versorgung gleich mit dem neuen Werkstoff um. Den Autor imponiert innerhalb der physikalischen Daten besonders die hohe Biegefestigkeit von 360 MPa, die von der innovativen IPS e.max® CAD Lithium-Disilikat Glaskeramik ermöglicht wird.

Der Autor ­ männlich, 47 Jahre ­ wies folgenden intraoralen Befund auf: Verlust der vertikalen Relation nach funktioneller Analyse von zirka 3,5 mm, fehlender Eckzahn, geschützte dynamische Okklusion, Perforation der 25 Jahre alten Goldgusskrone auf 36, Fraktur der Keramikteilkrone auf 45, provisorische Krone auf 46 nach Verlust der Brücke 46­48 durch Entfernung von Zahn 48, ein Straumann® Soft Tissue Level RN Implantat (SLActive® 10 mm) in Regio 47 in der 3-monatigen Einheilphase (Abb.

Behandlungsplan

Nach der systematischen funktionellen Vorbehandlung mit einer adjustierten Aufbissschiene (modifizierte Michigan-Schiene) zum Austesten einer neuen dreidimensionalen Unterkieferposition sind im Einzelnen die folgenden Behandlungsschritte geplant: Anhebung der Vertikalrelation des Unterkiefers zur Seitenzahnrestauration um + 2 mm, Schaffung einer vom Fronteckzahn geführten dynamischen Okklusion, posteriore Dominanz in der statischen Okklusion/anteriore Dominanz in der Dynamik, vollanatomische IPS e.max® CAD-Kronen von Straumann® CADCAM auf den Zähnen 36, 37, 38, 45, 46, okklusales/vestibuläres Veneer auf 44 (IPS e.max® Presskeramik), okklusales Veneer auf 34 (IPS e.max® Presskeramik) und Keramikteilkrone auf 35 (IPS e.max® Presskeramik). Nach Versorgung des Unterkiefers erfolgt die Versorgung des Oberkiefers zu einem späteren Zeitpunkt.

Vorgehensweise

Die Eigenschaften von Keramik machen es bei Vollkeramiklösungen erforderlich, die Restauration auf Druckspannungen auszulegen. Präparationsformen, die Zugspannungen auslösen sind zu vermeiden. Folgende Richtlinien für die Präparation von Vollkeramikversorgungen aus Lithium-Disilikat wurden beim klinischen Vorgehen beachtet: Eine zirkuläre Hohlkehl- bzw. Stufenpräparation mit abgerundeter Innenkante überträgt den Kaudruck und gibt der Versorgung Festigkeit. Für die keramische Vollkrone ist hier eine Stufen- bzw. Hohlkehlpräparation mit mindestens 1,0 mm Abstützung im Randbereich indiziert. Die okklusalen oder inzisalen Kanten sollten leicht abgerundet sein, scharfe Kanten sind stets zu vermeiden. Zwischen Stumpfoberfläche und Gegenkiefer sollte mindestens 1,5­2 mm Platz im okklusalen Nahbereich vorhanden sein. Für maximale Sicherheit bei der lagerichtigen adhäsiven Befestigung der kleinen okklusalen Veneers werden Positionierungslakunen präpariert, die das Verrutschen der Restauration während des Klebevorgangs verhindern.

Abformung

Die Abformung erfolgt im klassischen Korrekturabdruckverfahren (Bisico S4 Suhy). Das hergestellte Gipsmodell des Oberkiefers wird via arbiträrer Gesichtsbogenübertragung im volljustierten Artikulator montiert und die lagerichtige Position des Unterkiefermodells mittels eines gesperrten Beauty Pink Registrates übertragen (Abb. 2 und 3).

Datenerfassung

Die einzelnen Stümpfe der Gegenbiss- sowie der Scan-Registrate werden mit dem Scanner es1 digitalisiert (Abb. 4 bis 8). Die Software generiert im nächsten Schritt aus einer Datenbank virtueller, vollanatomischer Kronen einen automatischen Restaurationsvorschlag. Dieser Vorschlag lässt die Individualisierung optimaler okklusaler und approximaler Kontaktbeziehungen zu. Mit der intuitiven Software etkonTM_visual können vollanatomische Kronen mit wenig Aufwand optimal gestaltet werden, sodass eine naturkonforme Ästhetik und Funktionalität erreicht wird (Abb. 9).

Konstruktion und Datentransfer

Bei der Gestaltung der Konstruktion überprüft die Software automatisch die Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Mindestwandstärken. Dadurch wird sichergestellt, dass die Versorgung strenge Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllt. Nach der virtuellen Modellation wird die Krone in okklusaler Ansicht dargestellt (Abb. 10). In Kombination mit der Seitenansicht kann die optimale Position der Versorgung im Rohling gestaltet und die passende Anstiftung des Haltestegs definiert werden (Nesting). Nach Abschluss der Konstruktion wird der Datensatz über das Internet vom Labor an das Straumann® CADCAM-Produktionszentrum übermittelt. Die IPS e.max® CAD-Restaurationen von Straumann® CADCAM werden in einer Zwischenstufe geliefert (bläuliche Farbe) (Abb. 11).

Ausarbeitung und Individualisierung

Um die bestmögliche klinische Passung der Versorgung sicher zu stellen, werden die Kronen mit Pasta Rossa (anaxdent, Stuttgart) überprüft (Abb. 12). Zur Ausarbeitung der IPS e.max® CAD-Restaurationen sind die richtigen Schleifinstrumente unerlässlich. Die Ränder erhalten durch Bearbeitung mit einem geeigneten Silikonpolierer ihre endgültige Dimension im zervikalen Nahbereich. Diese Nacharbeit ist bei jeder vollkeramischen Restaurationen verfahrensbedingt notwendig, ob CAD/ CAM- oder presstechnisch gefertigt. Beim Bearbeiten sind lokale Überhitzungen zu vermeiden. Es muss hier festgestellt werden, dass die Kronen bereits bei Anlieferung durch das Straumann-Fräszentrum eine präzise Passung aufweisen (Abb. 13). Das Verfahren erlaubt zu diesem Zeitpunkt zwei Vorgehensweisen des Kristallisationsbrands und der Kolorierung: · Für eine noch effizientere Vorgehensweise kann der Kristallisationsbrand direkt mit der Charakterisierung und dem Glanzbrand kombiniert werden (Glasur möglich mit der IPS e.max® Glaze Paste oder mit dem IPS e.max® Glaze Spray). Allerdings benötigt ein solches Vorgehen etwas mehr Erfahrung im Umgang mit dem Material, da die Versorgungen in der Zwischenstufe mit bläulicher Farbe bemalt werden und der Anwender die Farbe der endgültigen Versorgung nicht sieht. · Eine Alternative dazu ist ein zweistufiger Prozess, bei dem die Kolorierung und Glasur erst nach dem Kristallisationsbrand erfolgen.

Bei der Herstellung der Versorgung wird, aus Gründen besserer Kontrolle der Kolorierung, zunächst der Kristallisationsbrand ohne Auftrag von Malfarbenund Glasurmassen durchgeführt (820 °C­840 °C während zirca 13 min) (Abb. 14 und 15). Die Kronen erhalten in diesem Arbeitsschritt die gewünschte Grundfarbe (Abb. 16) und weisen bereits nach dem Kristallisationsbrand eine hervorragende Ästhetik auf (Abb. 17). Zu diesem Zeitpunkt erfolgt nun zur Einstellung der optimalen approximalen Kontakte die Modellation der Teilkrone und der okklusalen Veneers in Wachs und deren Umsetzung mit IPS e.max® Presskeramik im klassischen Lost-Wax-Verfahren. Daraufhin werden die gesamten vollkeramischen Versorgungen mit den IPS e.max® Ceram Shades charakterisiert und mit fluoreszierender Glasurmasse glasiert (Abb. 18). Zum Schluss erhalten die Versorgungen durch eine mechanische Politur eine naturidentische Haptik. Vor der Eingliederung erfolgt während 20 Sekunden die Ätzung der zu klebenden Keramikflächen mit IPS Ceramic Ätzgel und die Konditionierung während 60 Sekunden mit Monobond-S. Die klinische Befestigung der vollanatomischen IPS e.max® CAD Kronen von Straumann® CADCAM erfolgt mit dem Befestigungskomposit SpeedCEM (Abb. 19 und 20) und die der Teilkrone und okklusalen Veneers mit Variolink® II adhäsiv (Abb. 21 bis 25).

Behandlungsergebnis / Schlussfolgerung

Die Eingliederung der Kronen gestaltete sich äußerst effizient. Die IPS e.max® CAD-Restaurationen für Straumann® CADCAM zeigen eine hohe ästhetische Wertigkeit und fügen sich harmonisch in das natürliche Umfeld ein (Abb. 26). Den Autor überzeugt besonders, dass aufgrund der hervorragenden Fertigungsqualität ästhetische und funktionelle Ergebnisse mit minimalem Aufwand erreicht werden können. Mit dieser Technologie erhält das Straumann® CADCAM-System eine wertvolle Ergänzung.Mein besonderer Dank gilt Herrn Peter Hangel (Straumann® CADCAM Training & Education (München) und Zahnarzt Dr. Martin Hemmer (Bonn).VERWENDETE MATERIALIEN:Korrekturabformmaterial: Bisico S4 Suhy, Bielefelder Dentalsilicone GmbH & Co. KG (Bielefeld)

Gerüstwerkstoff: IPS e.max® CAD und IPS e.max® Presskeramik, Ivoclar Vivadent GmbH (Ellwangen)

Scanner: Scanner es1, Straumann GmbH (Freiburg)

Software: etkonTM_visual, Straumann GmbH System und Fertigung: Straumann® CADCAM, Straumann GmbH

Aufpasspaste: Pasta Rossa, anaxdent (Stuttgart)

Glasurmaterial: IPS e.max® Glaze Paste/Spray, Ivoclar Vivadent GmbH Ätzung/Konditionierung: IPS Ceramic Ätzgel/Monobond-S, Ivoclar Vivadent GmbH Befestigungsmaterialien: SpeedCEM und Variolink® II, Ivoclar Vivadent GmbH

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM German Bär

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM German Bär


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