Werkstoffe

Heute: „Komposit“ oder „Keramik“?

Werkstoffe hinterfragt und kritisch beleuchtet


Keramik ist nicht gleich Keramik, dies ist aus dem Schaubild deutlich ersichtlich. Glaskeramiken und Oxidkeramiken wurden in den vergangenen zwanzig Jahren kontinuierlich zu Hochleistungswerkstoffen entwickelt, deren Eigenschaften in vieler Hinsicht den Zahnhartstubstanzen sehr nahe kommen. Insbesondere ihre Bio-Inertheit und ausgezeichnete Gewebeverträglichkeit sind Argumente für diese Werkstoffgruppe.

  • Vollkeramische Systeme.

  • Vollkeramische Systeme.
Die hohe Härte in Verbindung mit Implantatrekonstruktionen wird allerdings teilweise als Nachteil gesehen – besonders Abplatzungen werden damit begründet, da es leicht aufgrund der fehlenden Resilienz der Implantate und der nur begrenzten Präzision der Okklusionsadjustierung zu punktuellen Überbelastungen kommen kann. Dies führte zu den Überlegungen, Keramiken mit neuen, „elastischeren“ Eigenschaften zu entwickeln: So wurde nach dem Prinzip der glasinfiltrierten Keramikgruppe des VITA In-Ceram-Systems das Material VITA Enamic entwickelt (beide VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen), bei der ein poröses Keramikgerüst mit einem Polymer infiltriert wird. Daraus resultiere eine höhere Elastizität und ermögliche ein schockabsorbierendes Verhalten der Keramik, so die Argumentation. Ähnliche Argumente werden alternativ auch für Lava Ultimate angegeben, welches als Resin Nano Ceramic (RNC) beworben wird. Auch hier sind Keramik und Polymer vereint (Näheres zur Zusammensetzung siehe im Beitrag: „CAD/CAM-Komposite im Patientenmund“ auf www.ztm-aktuell.de/stawarcyk). Aber was ist „Resin Nano Ceramic“ – Keramik oder Komposit?

Was ist demnach Resin Nano Ceramic? Trifft diese Definition auf RNC zu? Ein klares Nein ist die Antwort:

  • Es gibt zwar nichtmetallische anorganische Komponenten in RNC, die aber nicht strukturerhaltend sind: Dabei handelt es sich um 4 bis 11 nm große Zirkoniumdioxidfüller wie auch 20 nm große Siliziumdioxidpartikel.
  • Werden die angestrebten Eigenschaften durch Brand erreicht? Die anorganischen Partikel werden nicht durch einen Brennprozess in Form gebracht bzw. gehalten, sondern dienen als nanoskalige Füller in einer hochvernetzten Kompositmatrix aus organischen Bestandteilen. Ein Brennprozess in einem Keramikbrennofen würde die Matrix und damit den Werkstoff zerstören.

RNC ist eher ein „NCR“, ein NanoCeramic-filled Resin, also ein hochwertiger Kompositwerkstoff, der seine Langlebigkeit im klinischen Einsatz noch unter Beweis stellen muss.

Prof. Dr. Peter Pospiech

* Craig RG (Herausgeber). Restorative dental materials (8. Auflage), Mosby, St Louis (1989)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Peter Pospiech