Werkstoffe

Einflussparameter auf das Galvanisierergebnis (2)

Werkstoffkundelexikon – Galvanoforming: Teil 3

Abb. 1: Schliffbild durch ein Primärteleskop aus ZrO2-Keramik mit aufgalvanisierter Sekundärkrone: Es wurde eine ideale Passgenauigkeit erreicht, die den Kapillareffekt
gewährleistet.
Abb. 1: Schliffbild durch ein Primärteleskop aus ZrO2-Keramik mit aufgalvanisierter Sekundärkrone: Es wurde eine ideale Passgenauigkeit erreicht, die den Kapillareffekt gewährleistet.

Lackleitauftrag: Eine wesentliche Anforderung an zahntechnisches Galvanoforming ist die Herstellung passgenauer Teile. Bei der Abscheidung von Kronenkäppchen zur Keramikverblendung bzw. auch bei Inlaygerüsten reicht die Erzielung eines Fügespaltes von 50–150 μm für eine Zementierung – wie auch für Gussteile – aus.

Galvanisch hergestellte Sekundärkronen für Teleskopprothesen hingegen benötigen zur Erzielung des Haftmechanismus durch Kapillarkraft ein wesentlich geringeres und vor allen Dingen gleichmäßiges Spaltmaß, um den nötigen Unterdruck zu erzielen. Hier sind Spaltbreiten von 8–15 μm gefordert.

Dieses Spaltmaß ist direkt von der Schichtstärke des auf die Primärteile aufzubringenden Leitsilberlackes abhängig, der für das Galvanoforming auf Keramikoberflächen nötig ist. Dessen reproduzierbares Auftragen in gewünschter Schichtstärke ist schwierig zu gewährleisten, da sich die Viskosität des Lackes durch Verdampfen des Lösemittels ändern kann. Das Auftragen mit dem Pinsel oder auch mit einer Sprühpistole bedarf zusätzlich einer gewissen Erfahrung, um einen gleichmäßigen und hauchdünnen Leitfilm zu erzielen.

Tauchverfahren sind ebenfalls eine Möglichkeit, Lack aufzubringen, wobei aber auch hier eine Reproduzierbarkeit für die gebotene Schichtstärke nur sehr schwer zu garantieren ist. Letztlich hat sich bei vielen Anwendern doch eine manuelle Auftragung mit dem Pinsel durchgesetzt.

Form und Kontur

Eine gleichmäßige Metallabscheidung an Formkörpern hängt auch ganz wesentlich von deren Kontur ab. Es ist von großer Wichtigkeit, eckige Übergänge zu vermeiden und abgerundete Formen zu gewährleisten.

Zum einen kommt es, wie aus Abbildung 2 zu ersehen, zu einer ungleichmäßigen Materialverteilung, die an scharfen Außenkanten zu sogenannten Grat- oder Knospenbildungen führen kann. Zum anderen besteht an scharfen Innenwinkeln die Gefahr, dass durch verminderte Abscheidung die Schichten nicht kohärent zusammenwachsen, sodass es durch die folgende Gefügeschwäche zu einer mechanischen Beeinträchtigung bis zum Aufreißen der Struktur kommen kann, was im Allgemeinen auch als „Winkelschwäche“ bezeichnet wird.

  • Abb. 2: Abscheidungsverhalten an verschiedenen Konturen: Die beiden linken Zeichnungen zeigen zu eckige Übergänge, die zu Knospenbildung und Spannungsüberhöhungen
führen können. Die beiden rechten Skizzen zeigen eine
gleichmäßigere Abscheidung bei abgerundeten Konturen.
  • Abb. 3: Finishing eines Keramik-Primärteleskopes: Die Übergänge werden mindestens mit einem abgerundeten Rotringdiamanten bearbeitet.
  • Abb. 2: Abscheidungsverhalten an verschiedenen Konturen: Die beiden linken Zeichnungen zeigen zu eckige Übergänge, die zu Knospenbildung und Spannungsüberhöhungen führen können. Die beiden rechten Skizzen zeigen eine gleichmäßigere Abscheidung bei abgerundeten Konturen.
  • Abb. 3: Finishing eines Keramik-Primärteleskopes: Die Übergänge werden mindestens mit einem abgerundeten Rotringdiamanten bearbeitet.

Galvanogerechte Vorbereitung im zahntechnischen Bereich

Dies hat die praktische Konsequenz, dass sowohl der zahnärztliche Behandler bei der Präparation als auch der Zahntechniker bei der Modellation der Innenkronen auf weiche Konturen und abgerundete Übergänge achten sollten, um das Galvanisierergebnis nicht zu gefährden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech



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