Veranstaltungen

Ivoclar Vivadent: Experten-Symposium in Stuttgart

Der Zahnhartsubstanzverlust ist auf dem Vormarsch

Die Referenten (v. l.): Prof. Dr. Roland Frankenberger, PD Dr. M. Oliver Ahlers, Prof. Dr. Matthias Kern, Prof. Dr. Florian Beuer, Prof. Dr. Petra Gierthmühlen, Dr. Diether Reusch, Prof. Dr. Daniel Edelhoff und Moderator Dr. Frank Drubel.
Die Referenten (v. l.): Prof. Dr. Roland Frankenberger, PD Dr. M. Oliver Ahlers, Prof. Dr. Matthias Kern, Prof. Dr. Florian Beuer, Prof. Dr. Petra Gierthmühlen, Dr. Diether Reusch, Prof. Dr. Daniel Edelhoff und Moderator Dr. Frank Drubel.

Ob Master- oder System-Kurs, Curriculum, Experten-Symposium oder Intensiv-Seminar: Ivoclar Vivadent bietet in 29 Fortbildungszentren in 22 Ländern eine breite Palette an Fortbildungsmöglichkeiten, die kaum Wünsche offen lässt. Mehr als 25.000 Zahntechniker und Zahnärzte in Deutschland haben in den vergangenen fünf Jahren dieses Angebot genutzt. Sehr beliebt dabei: eintägige Experten-Symposien, die Zahntechniker und Zahnarzt als Team ansprechen. So wie zum Beispiel am Samstag, 14. Oktober 2017, als rund 100 Zahntechniker und 200 Zahnärzte nach Stuttgart kamen, um sich anhand hochkarätiger Vorträge von Experten aus der Branche zum Thema „Minimalinvasive & funktionelle Rekonstruktionen – auch bei Bruxismus?“ zu informieren.

Diese Veranstaltung war Teil der „Competence Fortbildungsevents“ von Ivoclar Vivadent, die sich auf zwei Säulen stützen: In den Experten-Symposien halten ausgesuchte nationale und internationale Referenten Impulsvorträge und stellen ihre Therapiekonzepte und Patientenfälle vor, gefolgt von festen Fragerunden für die Zuhörer. Diese können dann an extra Terminen in Intensiv-Seminaren beim jeweiligen Wunschreferenten vertieft werden. Experten-Symposien und Intensiv-Seminare richten sich dann entweder gesondert an Zahntechniker oder an Zahnärzte oder an beide als Team. Denn „hinter jedem Zahnarzt steht immer mindestens ein hochkarätiger Zahntechniker“, erläuterte Dr. Frank Drubel das Konzept in seinen einführenden Worten in Stuttgart. Er ist ZA und Leiter Professional & Scientific Services bei Ivoclar Vivadent in Ellwangen und lenkte als Moderator durch das tagesfüllende Programm mit sieben Vorträgen.

Neu im Fokus: Erosionen

Zum Thema „Verlust der Vertikal-Dimension der Okklusion (VDO) durch Abrasion und Bioerosion“ referierte Prof. Dr. Florian Beuer (Berlin). Er gab einen Überblick über Ätiologie, Erscheinungsformen und Folgen sowie über Prävention und restaurative Therapiekonzepte anhand von besonderen Patientenfällen. Die Ergebnisse der Mundgesundheitsstudie DMS V (2016) haben in Deutschland nicht nur den Erfolg von Prävention und Prophylaxe, sondern damit auch eine Spitzenposition im internationalen Vergleich bestätigt: So sind heute 81% der 12-Jährigen kariesfrei, die Karieserfahrung von jungen Erwachsenen hat sich in den vergangenen 20 Jahren um 30% reduziert. Neu in den Fokus gerückt ist dafür aber der nicht kariesbedingte Verlust von Zahnhartsubstanz, gerade bei jüngeren Patienten. Dieser wird durch 3 Hauptfaktoren bedingt:

  1. Abrasion (z.B. stark abrasive Nahrung oder exzessives Zähneputzen)
  2. Attrition (durch reflektorisches Berühren der Zähne, häufigste Ursache sind Parafunktionen wie Bruxismus; Krafteinwirkungen auf die Zähne von bis zu 4.500 Newton möglich)
  3. Erosion („chemischer Angriff“ auf die Zähne durch Säuren aus Nahrung, Getränken [Soft- und Energydrinks], Reflux, Bulimie etc.)

Letzteres stellt dabei die größte Herausforderung dar. Hier gilt es, den Zahnhartsubstanzverlust zu quantifizieren und einen objektiven Handlungsbedarf zu ermitteln. Prof. Beuer empfiehlt, den Basic Erosive Wear Examination (BEWE) Index (nach Bartlett et al. 2008) als Standard zur Beurteilung des Schweregrades einer Zahnerosion zu etablieren und ihn routinemäßig bei jedem Patienten anzuwenden. Zur Ermittlung des Indexes werden alle Zähne sextantenweise untersucht, der jeweils am meisten angegriffene Zahn wird mit einem Wert von 1 bis 3 belegt (0 = keine Erosion, ab 2 meistens mit Dentinbeteiligung), alle sechs Werte summiert ergeben den BEWE-Gesamtwert, anhand dessen Therapieoptionen vorab festgelegt wurden (z.B. ein Gesamtwert von 14 erfordert eine zugeschnittene restaurative Therapie). Um die Schnelligkeit des Zahnhartsubstanzverlustes zu dokumentieren, empfahl Prof. Beuer ergänzend eine dreidimensionale Erfassung der Zahnsituation, deren Datensätze dann zum Vergleich überlagert werden können.

Vorab-Check mit dem CMD-Kurzbefund

Bruxismus-Patienten zeichnen sich durch einen anormalen Zahnverschleiß aus, sie verlieren bis zu 30-mal mehr Schmelz und Dentin als andere. Ziele bei der Restauration der VDO müssen so laut PD Dr. M. Oliver Ahlers (Hamburg) der Schutz der restlichen Zahnhartsubstanzen, die Verhinderung des Vitalitätsverlustes und die Wiederherstellung der Kaufunktion sein. Zur Erfassung des bereits vorliegenden Zahnverschleißes („tooth wear“) stellte Dr. Ahlers das Tooth Wear Evaluation System (TWES) nach Wetselaar vor, das im Vergleich zum BEWE- Index alle Zähne klassifiziert.

Zusätzlich sieht Dr. Ahlers als Basis für eine erfolgreiche restaurative Therapie eine vorherige funktionelle Rehabilitation, da schwere Zahnhartsubstanzverluste neben der VDO auch die horizontale Kieferposition verändern können, zudem kann das Abtragen der Kauflächen die Stabilität der Kieferposition schwächen.

Er empfiehlt, ausnahmslos für jeden Patienten bzw. bei auffälligen Patienten als Start einer mehrstufigen Funktionsdiagnostik einen CMD-Kurzbefund (nach Ahlers und Jakstat) zu erstellen. Dieser erhebt sechs spezifische Einzelbefunde (z.B. „Mundöffnung asymmetrisch“ oder „eingeschränkt“, „Gelenkgeräusche“ oder „Okklusale Geräusche“) und ist so aufgebaut, dass positive Antworten für das Vorliegen einer Erkrankung sprechen, d.h., ab zwei positiven Antworten ist eine dysfunktionelle Erkrankung des Kauorgans wahrscheinlich. Dieser CMD-Kurzbefund ist Teil der Software „CMD-Check“ zur Erfassung und Auswertung von CMD-Screenings, abrufbar unter dentaconcept.de (es gibt eine kostenlose Testversion).

Erst nach erfolgreicher funktioneller Rehabilitation erfolgt die individuelle restaurative Therapie. Laut einer Hamburger Praxisstudie liegt die Überlebensdauer von Repositions-Onlays aus Lithiumdisilikat bei Intensivbruxern bereits bei über 7 Jahren.

Der Trend: Zähne schützen und erhalten

Das Step-by-step-Vorgehen und seine klinischen Erfahrungen mit minimalinvasiven Restaurationen aus Lithiumdisilikat bei Patienten mit generalisierten Zahnhartsubstanzdefekten schilderte Prof. Dr. Daniel Edelhoff (München).

In einer prospektiven Langzeitstudie konnten nun nach Beobachtungszeiträumen von bis zu 10 Jahren bei 12 Patienten mit Komplettrehabilitationen aus monolithischen Disilikat-Okklusions- Onlays keine absoluten Misserfolge festgestellt werden (bei einer Mindeststärke im Bereich der Okklusalfläche von 1 mm).

Aber was keine Restauration erreichen kann: „Die Lebenserwartung eines natürlichen Zahnes beträgt 99,5% nach 50 Jahren“, sagte Prof. Edelhoff und machte deutlich: Es lohnt sich, Zähne zu schützen und zu erhalten und ggf. möglichst gering traumatisch zu restaurieren. Als ungünstige Entwicklung bestätigte auch er die Zunahme an Patienten, die mit Bruxismus und Biokorrosion in die Praxis kommen, geschuldet u. a. Energydrinks. Hinzu kommt, dass Patienten zu 60% erst aus ästhetischen Gründen Handlungsbedarf sehen, gefolgt von auftretenden Empfindlichkeiten (23%) und funktionellen Problemen (17%), betroffen sind 2,3-mal mehr Männer als Frauen.

Zur Vorbehandlung komplexer prothetischer Fälle empfahl Prof. Edelhoff das Münchner Schienenkonzept. Schienen in Zahnfarbe und -form, die dem Endergebnis sehr nahekommen, bieten dem Patienten eine komfortable Vorhersage der Rehabilitation, gleichsam eine „Probefahrt“ der Restauration mit dem Provisorium. Hergestellt werden die Schienen aus Polycarbonat, das im Vergleich zu PMMA weniger frakturanfällig ist und dünner ausgearbeitet werden kann (mehr Informationen und Kennenlern- Kursangebote für Zahntechniker und Zahnärzte unter www.muenchnerkonzepte.de).

Weitere Vorträge

  • Mit rund 300 Teilnehmern ausgebucht bis auf den letzten Platz: das Experten-Symposium für das Behandlungsteam in Stuttgart.

  • Mit rund 300 Teilnehmern ausgebucht bis auf den letzten Platz: das Experten-Symposium für das Behandlungsteam in Stuttgart.
Prof. Dr. Matthias Kern (Kiel) thematisierte in seinem Vortrag die „Klinische Bewährung vollkeramischer Kronen und (Adhäsiv-) Brücken“ und gab eine Übersicht über klinische Studien mit Empfehlungen und Tipps zur materialgerechten Indikation, Präparation und Befestigung. Prof. Dr. Petra Gierthmühlen (Düsseldorf) gab Antworten auf die Frage „Okklusale Keramik-Veneers – Indikationen und Limitationen“ mit einem Überblick über Materialien und In-vitro-Studien, materialgerechte Präparationen und Mindestschichtstärken und zeigte das klinische Vorgehen an ausgewählten Patientenfällen auf. Dr. Diether Reusch (Westerburg) stellte sein praxisbewährtes Behandlungskonzept zur Full Mouth Rehabilitation mit Vertikalerhöhung vor; zu guter Letzt gab Prof. Dr. Roland Frankenberger (Marburg) ein „Update adhäsive Befestigung von Keramikrestaurationen“ mit Tipps zum klinischen Vorgehen und zur Fehlervermeidung bei der Verwendung von Universal-Adhäsiven zur indirekten Befestigung.

Neben einer Vielzahl an Informationen, Tipps für den Alltag und Anregungen erhielt jeder Teilnehmer zum Abschluss des Tages das Buch der AG Keramik „Vollkeramik auf einen Blick“ und ein Materialpaket der Fa. Ivoclar Vivadent zum Testen mit dem Befestigungskomposit Variolink Esthetic und dem lichthärtenden Einkomponentenadhäsiv Adhese Universal Test Pack.

Vorschau 2018

Das nächste Experten-Symposium für Zahntechniker, diesmal zum Thema „Vollkeramik & Implantatprothetik“ (mit ZT Oliver Brix, ZTM Christian Hannker, ZTM Sascha Hein, ZTM Andreas Kunz, ZTM Jochen Peters, ZTM Udo Plaster und ZTM Jürg Stück), findet am Samstag, 28. April 2018 in Nürnberg statt. Weitere Informationen und Termine sowie Kurse und Intensiv-Seminare finden Interessierte auf der Homepage von Ivoclar Vivadent auf ivoclarvivadent.de unter dem Reiter „Fortbildung“. Übrigens: Wer sich 4 Wochen vor dem jeweiligen Termin für ein Experten- Symposium anmeldet, spart 25% der Teilnahmegebühr.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: M. A. Susanne Wolf

Bilder soweit nicht anders deklariert: M. A. Susanne Wolf


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